Maritim-Fail

Es gibt so Fahrten zum Aufregen. Gelegentlich ist das auf die Kundschaft zurückzuführen, manchmal allerdings auf sich selbst.

Als ich neulich an meinen Bahnhof herangegurkt bin, ergab es sich, dass die Wartezeit nur sehr kurz war, da ein entfernt bekannter Kollege seine E-Klasse am Stand zum Stehen brachte und mich und den Kollegen, mit dem ich gerade redete, fragte:

„Kann einer von euch fünfe nehmen?“

„Jepp, ich.“

„Ich hab hier gerade’n Auftrag angenommen, Pariser Kommune. Jetzt sind die aber zu fünft…“

„Kein Problem, wo genau?“

„Nummer 16, die stehen schon an der Straße, sind Vietnamesen.“

Ich dachte mir, dass das eine Konstellation ist, die man kaum verfehlen kann. die Hausnummern kenne ich jetzt ja auch nicht auswendig. Denkste! Aber der Kollge ist mir ohnehin hinterhergefahren und hat mich gleich zu ihnen gelotst. War schon dunkel, Baustelle, bla… man kriegt ja nicht alles mit! Aber sehr nett vom Kollegen, war ja offenbar nicht seine Schuld, er hätte es ja auch auf sich beruhen lassen können. Er ist mit ausgestiegen, hat den Leuten erklärt, dass ich sie jetzt fahren werde, alles gar kein Thema.

„Wo darf’s denn hingehen?“

„Friedrichstraße.“

„OK, wo da genau?“

„Hotel Maritim.“

Es ist jetzt nicht so, dass ich das toll finde, aber ich bin tatsächlich in 3 Jahren niemals am Maritim gewesen. Dafür hatte ich eine Menge Zeit, den Ortskundekatalog wieder zu vergessen… so ungefähr wusste ich zwar schon Bescheid, aber da gerade Busse den Eingang verdeckt haben, bin ich mal eiskalt an einem der bekanntesten Hotels der Stadt vorbeigegurkt 🙁

Und was macht meine Kundschaft?

Die hat mir satte 2,50 € Trinkgeld gegeben und mich gefragt, ob ich sie am nächsten Mittag nicht auch fahren könne – es wäre so nett mit mir gewesen…

Man baut solchen Mist ja nicht täglich, aber ich denke trotzdem manchmal mit Sorge daran, dass es auch bei mir mal die Fahrt geben wird, wo der Kunde ohnehin schon ein Arschloch ist und sich in so einem Fall dann zu Recht bitter beschwert 🙁

Silvester im Taxi

Auch dieses Jahr wird es mich in der Silvesternacht ins Taxi ziehen. Und auch dieses Jahr möchte ich vor der Nacht aller Nächte ein bisschen zur Besonnenheit aufrufen.

Für uns Taxifahrer ist Silvester Himmel und Hölle zugleich. Zum einen haben wir an diesem Tag endlich mal so viele Fahrgäste, wie wir uns nur wünschen können – zum anderen sind fast alle betrunken, fast alle haben schon ewig auf ein Taxi gewartet, ja oftmals bricht sogar Streit unter den Bewerbern aus.

Ich möchte euch – wenn ihr ein Taxi brauchen solltet – bitten, daran zu denken, dass die Fahrer, die sich diese Nacht – in der fast alle anderen feiern – um die Ohren schlagen, die letzten sind, die schuld daran sind, wenn es mal wieder nicht so recht klappen will. In dieser Nacht werdet ihr zumindest die meiste Zeit kein Taxi bestellen können! Es geht nicht! Meist springen uns die Fahrgäste umgehend ins Auto, wenn wir die letzten noch gar nicht losgeworden sind. Da ist nichts mit mal eben drei Kilometer irgendwohin fahren ohne Kundschaft! Zumindest eben meistens nicht.

Seid euch sicher, dass die Kollegen, die wie ich auf der Straße sind, an diesem Abend wirklich besseres zu tun haben, als uns auch noch Streitereien zu geben. Wir verdienen gut dabei, aber es ist eine anstrengende Nacht, das könnt ihr mir glauben. Und ich kann noch nicht einmal aus der Sicht der Kollegen sprechen, die an diesem Tag 15 Stunden runterreißen…

Eigentlich kann ich nur die Tipps vom Vorjahr wiederholen:

1. Schaut doch mal, ob ihr nicht doch einen nüchternen Fahrer im Bekanntenkreis habt. Ich will euch keineswegs vom Taxifahren abhalten, aber wenn ihr die Möglichkeit habt, denkt drüber nach!

2. Wenn euer Ziel eine halbe Stunde Fahrt entfernt liegt, dann rechnet nicht damit, in 40 Minuten dazusein. Rechnet eine Stunde oder anderthalb! Vielleicht werdet ihr eine Stunde ein Taxi suchen müssen und vielleicht sind auch die Bedingungen zum Fahren durch Wetter und Pyrotechnik eingeschränkt. Verzweifelt nicht, seht es als Glücksspiel 😉

3. Bitte bewahrt Ruhe! Wie gesagt: Wir Fahrer auf der Straße sind die ganze Zeit besetzt und rocken eine Fahrt nach der anderen weg. Wer meint, uns dafür auch noch beschimpfen zu müssen, kommt garantiert als Letzter weg. Wenn überhaupt…

So böse das immer klingt: Ich will nur, dass wir diese Nacht alle gut und wenigstens halbwegs zufrieden rumkriegen! Ich freue mich wirklich auf diese Irrsinns-Schicht und ich will niemandem Angst machen. Aber es ist nunmal ein bisschen anders…

Aber wie überall im Leben, läuft es mit Gelassenheit, Freundlichkeit und Bestechung einfach am Besten 😉

Ich werde mich schätzungsweise ab 1 Uhr wieder hinters Steuer klemmen und hoffen, dass der Wagen weder ausbrennt, noch mit einer Reifenpanne liegenbleibt. Alles andere kann ich wahrscheinlich managen. Kommt am ersten Morgen des Jahres 2012 gut und sicher zu Hause an und habt einfach Spaß!

Kurzstreckenbezahlung

„So, das hat prima gereicht mit der Kurzstrecke. Dann bekomme ich 4 € von ihnen.“

„OK, dann machen sie auf jeden Fall mal sieben. Damit sich das auch für sie lohnt!“

Keine schlechte Sache, ich freu mich darüber. Nun würde mich nur noch interessieren, weswegen er nach einer Kurzstrecke gefragt hat…

PS: Die nächsten zwei Tage wird es erstmal keine Artikel geben, ich mache eine kleine Pause. Frohe Weihnachten euch allen!

Zueinander gefunden

Die Kundschaft ist ja nach wie vor unberechenbar. Manch mies gelaunte Misanthropen wollen vom Flughafen nur einen Kilometer weiter und am anderen Ende der Skala stehen Kunden wie mein Winker letztes Wochenende.

Ich hätte ihn beinahe übersehen, als er mich im dunkelsten Schatten des Boxhagener Platzes direkt an der Grünberger Straße heranwinken wollte. Ein gut gelaunter Mitdreißiger, wie so viele in letzter Zeit auf dem Rückweg vom Feiern, dass sich auf dem Rückweg von der Weihnachtsfeier noch ergeben hat. Ohne die Miene zu verziehen meinte er:

„Ich würde gerne nach Kleinmachnow.“

Das sind so die Momente, wo man gerne nochmal einen Schluck Tee in den Mund nehmen würde, einfach um ihn prustend an die Scheibe zu spucken. Runde 40 Euro, einfach mal eben so. Noch dazu zu einem Zeitpunkt, an dem kaum was los war in der Stadt. Nochmal zur Erinnerung: Die durchschnittliche Tour in Berlin liegt eher so um die 11 Euro…

Er hat mir eine Route vorgeschlagen, mit der ich eigentlich nicht so ganz glücklich war: Skalitzer, dann den T-Damm runter und auf die Autobahn. Man spart einiges an Weg, wenn man gleich über Schöneberg fährt und nur die letzten Kilometer Autobahn bis nach Steglitz nimmt. Und es ist quasi genauso schnell. Zumindestens nachts um ein Uhr.

Aber er versicherte mir, dass die Route so in Ordnung sei und dann folgte auch gleich ein erstaunlich häufiger Satz:

„Wissen se, ich bin ja damals, ’91 auch in Berlin Taxi gefahren…“

Ich bin zwar überzeugt davon, dass viele sich solchen Schwachsinn nur ausdenken, um Bonuspunkte bei uns Fahrern zu sammeln. Bei ihm entsprach es offensichtlich der Wahrheit, denn obwohl er eine etwas längere Route gewählt hat, haben wir uns anschließend ziemlich ausführlich über den Job unterhalten. Für immer mit der Fahrt verbinden werde ich das Autobahnkreuz Schöneberg, denn dort meinte er, als ich nach Steglitz abbiegen wollte:

„Fahrn ’se mal besser gradeaus. Dann nehmen wir die Avus, dann dauert das nicht so lange…“

Das ist ein Umweg, der sich in ganzzahligen Kilometern messen lässt und neben der an sich schon angenehmen Fahrt meinen Umsatz sicher nochmal einen Fünfer hochgeschraubt hat an diesem Abend. Seinen Erzählungen nach war es bereits die dritte Taxifahrt über 30 Euro an dem Abend, unschwer zu erkennen, dass er inzwischen einen lukrativeren Brötchenerwerb hatte 😉

Am Ziel angelangt wollte er eine Quittung und rundete die 49 € auf 53 auf. Dann stockte er und meinte:

„Ach nee, machen wir 54, hab ich gerade passend da…“

Diese für mich als Fahrer vorbildliche Tour endete mit gegenseitigem Dank, von seiner Seite in die selten schönen folgenden Worte eingekleidet:

„Ich freue mich, dass wir zueinander gefunden haben.“

DAS konnte ich nur sehr ehrlich erwidern.

Wer langsam kackt…

kriegt auch ’nen Haufen.

Eines der liebsten Sprichwörter, die in meiner Familie so rezitiert werden…

Ich bin tatsächlich seit gestern wieder auf der Straße. Allerdings hab ich bisher noch nicht von mir hören lassen. Zum einen liegt das daran, dass es recht gut lief, zum anderen daran, dass noch nichts so richtig rund lief. Ich hab z.B. meinen Handy-Akku wiedergefunden, allerdings 10 Minuten vor dem Losgehen. Und das Autoladekabel hat sich über die ganze Nacht einen Fight mit der Handbremse geliefert, sodass ich gestern oberstumm unterwegs war.

Im Grunde lief es gut und ich hab sogar einiges für neue Blogeinträge gesammelt, aber nach 10 Stunden Arbeit war ich vorerst so geschafft, dass ich mich nicht einmal mehr an den PC gesetzt habe und bis eben mal gemütliche 10 Stunden durchgeschlafen habe. Wenn man dann noch ein bisschen Essen und Körperpflege in den Raum wirft, wird klar, warum ich wider Erwarten noch keinen Taxiartikel geschrieben habe. Deswegen – und weil ich mich auch noch um die Auswertung des Gewinnspiels kümmern muss! – verbleibe ich heute nur mit einer sehr kurzen Anekdote:

Der Fahrgast nach Rummelsburg war einer der typischen Geschäftspendler: Vornehm angezogen, ein einzelner Koffer als Reisegepäck und eine Menge Erleichterung, nun endlich heimzukommen. Trotz meiner noch immer krächzigen Stimme haben wir uns hier und da locker unterhalten und am Ende hat er mich zu seiner kleinen Nebenstraße gelotst. Eine Tour wie tausende. Da ich mich inzwischen ein wenig erholt hab vom Kofferfund, hab ich zuletzt wieder meinen üblichen dämlichen Spruch zum Ende hin gebracht:

„Na dann befreien wir mal noch das Gepäck. Wäre ja ein blödes Ende für die Fahrt, wenn ich jetzt damit abhaue…“

Er war so ziemlich der erste, der darauf schlagfertig geantwortet hat:

„Wissen sie, da ist mein halbes Büro drin. Wenn sie’s weiter bearbeiten, wäre ich ihnen sogar dankbar dafür!“

Einer von vielen kleinen Momenten gestern, in denen ich mich sehr gefreut habe, endlich wieder auf der Straße zu sein. Und einer der Gründe, weswegen ich mich gleich wieder auf den Weg mache, obwohl ich mich wesentlich unfitter fühle als gestern.

Einmal Zufall zum Mitnehmen, bitte!

Kuriose Situationen gibt es immer wieder. Vor einiger Zeit bin ich Abends zum Stammdöner meiner Wahl gewatschelt. Zu Essen wollte ich nichts, lediglich meine Cola war alle. Da ich ohne mein Lieblingsgetränk am Schreibtisch zu nicht viel zu gebrauchen bin, hab ich meinen inneren Schweinehund mit mir zusammen vor die Türe getreten, obwohl bereits kaltes Herbstwetter dort auf uns wartete.

Als ich den Schnellimbiss mit angeschlossener Kneipe betrat, standen an der Dönerheke ein Angestellter, den ich erst einmal gesehen habe und ein Kunde. Letzterer eher ungelenk angelehnt an die Glasfront, hinter der sich frisch geschnittenes Gemüse türmte. Er kam auch gleich zur Sache, als er mich sah:

„Haschne sammaal Tasse Fahaa!?“

Der Gastwirt winkte ab:

„Nein, der ist kein Taxifahrer!“

Ich hab meine Klappe nicht halten können und gekontert:

„Selbstverständlich bin ich Taxifahrer. Aber ich bin leider außer Dienst.“

Gut, das „leider“ war bei dem Kunden ein bisschen gelogen, ich geb’s ja zu.

Liebeserklärung an Berlin

Im Grunde ist es ja noch nicht so lange her, dass ich nach Berlin gezogen bin. Sicher: Es war schon im letzten Jahrzehnt, aber gerade meiner Arbeit wegen fühle ich mich hier doch inzwischen durchaus auch in gewisser Weise zu Hause. Das ist in meinen Augen keine Selbstverständlichkeit, denn ich bin zwar kein ausgesprochener Lokalpatriot, aber ich brauche meine Homebase, meine Heimat, einen Ort, den ich Zuhause nennen kann. Natürlich wird Stuttgart das auch immer für mich bleiben, aber Berlin macht es einem nach dem ersten Durchfahren ja auch wirklich leicht. Zumindest, wenn man wirklich in dem Teil der Stadt landet, der einem zusagt.

Mein Fahrgast kam aus der tiefsten Provinz, war allerdings schon locker zwei weitere Jahrzehnte vor mir in der Hauptstadt gelandet. Ich hab ihn vom Bahnhof nach Altglienicke gefahren, auch dort eher in eine ruhige Ecke mit Einfamilienhäusern locker zwei oder drei Stufen über meiner Einkommensklasse.

Er erzählte, dass er in Frankfurt am Main arbeitet und darüber hinaus drehte sich unser Gespräch hauptsächlich darüber, dass die Bahn mal wieder 2 Stunden Verspätung hatte und er trotz schlechten Gewissens wohl wieder aufs Flugzeug umsteigen würde. Seit 10 Jahren würde er nun schon pendeln erklärte er mir, verbunden mit der Aussage, dass er seinen Wohnsitz in Berlin nie wieder aufzugeben gedenkt:

„Wissen sie, ich könnte ja ohne weiteres nach Frankfurt ziehen. Ich hab dort einen Job, und der ist verdammt gut honoriert. Ich könnte mir 10 Stunden Reiseweg jede Woche ersparen, aber ich werde es nicht tun. Ich hab noch 10 Jahre bis zur Rente, aber ich würde nicht auf die Idee kommen, deswegen hier wegzuziehen. Berlin ist eine fantastische Stadt, trotz aller Probleme und aller unschöner Seiten. Aber bevor ich mich in Frankfurt niederlasse, pendel ich lieber die 10 Jahre noch hin und her!“

Ein bisschen verstehen kann ich ihn ja 🙂