Wer langsam kackt…

kriegt auch ’nen Haufen.

Eines der liebsten Sprichwörter, die in meiner Familie so rezitiert werden…

Ich bin tatsächlich seit gestern wieder auf der Straße. Allerdings hab ich bisher noch nicht von mir hören lassen. Zum einen liegt das daran, dass es recht gut lief, zum anderen daran, dass noch nichts so richtig rund lief. Ich hab z.B. meinen Handy-Akku wiedergefunden, allerdings 10 Minuten vor dem Losgehen. Und das Autoladekabel hat sich über die ganze Nacht einen Fight mit der Handbremse geliefert, sodass ich gestern oberstumm unterwegs war.

Im Grunde lief es gut und ich hab sogar einiges für neue Blogeinträge gesammelt, aber nach 10 Stunden Arbeit war ich vorerst so geschafft, dass ich mich nicht einmal mehr an den PC gesetzt habe und bis eben mal gemütliche 10 Stunden durchgeschlafen habe. Wenn man dann noch ein bisschen Essen und Körperpflege in den Raum wirft, wird klar, warum ich wider Erwarten noch keinen Taxiartikel geschrieben habe. Deswegen – und weil ich mich auch noch um die Auswertung des Gewinnspiels kümmern muss! – verbleibe ich heute nur mit einer sehr kurzen Anekdote:

Der Fahrgast nach Rummelsburg war einer der typischen Geschäftspendler: Vornehm angezogen, ein einzelner Koffer als Reisegepäck und eine Menge Erleichterung, nun endlich heimzukommen. Trotz meiner noch immer krächzigen Stimme haben wir uns hier und da locker unterhalten und am Ende hat er mich zu seiner kleinen Nebenstraße gelotst. Eine Tour wie tausende. Da ich mich inzwischen ein wenig erholt hab vom Kofferfund, hab ich zuletzt wieder meinen üblichen dämlichen Spruch zum Ende hin gebracht:

„Na dann befreien wir mal noch das Gepäck. Wäre ja ein blödes Ende für die Fahrt, wenn ich jetzt damit abhaue…“

Er war so ziemlich der erste, der darauf schlagfertig geantwortet hat:

„Wissen sie, da ist mein halbes Büro drin. Wenn sie’s weiter bearbeiten, wäre ich ihnen sogar dankbar dafür!“

Einer von vielen kleinen Momenten gestern, in denen ich mich sehr gefreut habe, endlich wieder auf der Straße zu sein. Und einer der Gründe, weswegen ich mich gleich wieder auf den Weg mache, obwohl ich mich wesentlich unfitter fühle als gestern.

Liebeserklärung an Berlin

Im Grunde ist es ja noch nicht so lange her, dass ich nach Berlin gezogen bin. Sicher: Es war schon im letzten Jahrzehnt, aber gerade meiner Arbeit wegen fühle ich mich hier doch inzwischen durchaus auch in gewisser Weise zu Hause. Das ist in meinen Augen keine Selbstverständlichkeit, denn ich bin zwar kein ausgesprochener Lokalpatriot, aber ich brauche meine Homebase, meine Heimat, einen Ort, den ich Zuhause nennen kann. Natürlich wird Stuttgart das auch immer für mich bleiben, aber Berlin macht es einem nach dem ersten Durchfahren ja auch wirklich leicht. Zumindest, wenn man wirklich in dem Teil der Stadt landet, der einem zusagt.

Mein Fahrgast kam aus der tiefsten Provinz, war allerdings schon locker zwei weitere Jahrzehnte vor mir in der Hauptstadt gelandet. Ich hab ihn vom Bahnhof nach Altglienicke gefahren, auch dort eher in eine ruhige Ecke mit Einfamilienhäusern locker zwei oder drei Stufen über meiner Einkommensklasse.

Er erzählte, dass er in Frankfurt am Main arbeitet und darüber hinaus drehte sich unser Gespräch hauptsächlich darüber, dass die Bahn mal wieder 2 Stunden Verspätung hatte und er trotz schlechten Gewissens wohl wieder aufs Flugzeug umsteigen würde. Seit 10 Jahren würde er nun schon pendeln erklärte er mir, verbunden mit der Aussage, dass er seinen Wohnsitz in Berlin nie wieder aufzugeben gedenkt:

„Wissen sie, ich könnte ja ohne weiteres nach Frankfurt ziehen. Ich hab dort einen Job, und der ist verdammt gut honoriert. Ich könnte mir 10 Stunden Reiseweg jede Woche ersparen, aber ich werde es nicht tun. Ich hab noch 10 Jahre bis zur Rente, aber ich würde nicht auf die Idee kommen, deswegen hier wegzuziehen. Berlin ist eine fantastische Stadt, trotz aller Probleme und aller unschöner Seiten. Aber bevor ich mich in Frankfurt niederlasse, pendel ich lieber die 10 Jahre noch hin und her!“

Ein bisschen verstehen kann ich ihn ja 🙂

Planlos

Im Besten Falle läuft eine Taxifahrt natürlich so ab, dass man sich ins Auto setzt und der Fahrer in irgendeiner Form von „Alles klar!“ auf die Fahrtzielansage reagiert und losfährt. In der Praxis klappt das nicht immer. Zu unserer Kompetenz gehört neben einem rudimentären Verständnis für das eigene Fahrzeug und die Kundschaft vor allem die Ortskunde. Was darunter zu verstehen ist, unterscheidet sich je nach Fahrgebiet und wie in jedem Job müssen auch wir hier und da mal Dinge erst nachschlagen oder sonstwie in Erfahrung bringen. Entweder, weil wir mal wirklich mangelhaft informiert sind, manchmal aber durchaus auch, weil Kunden ziemlich obskure Vorstellungen vom Wissensgebiet eines Taxifahrers haben.

Ergo: Ja, manchmal fragt man nach, manchmal zückt man Navi oder Stadtplan und im ein oder anderen Fall – der mir persönlich immer unangenehm ist, aber was will man machen? – fährt man auch mal eine Straße langsam und aus dem Fenster stierend ab, um die eine Bar, die eine Hausnummer oder irgendeine sonstige Wunschadresse zu finden.

Der Kunde, der mir für eine kürzere Strecke am Ostbahnhof ins Auto purzelte, musste in eine Ecke, die mir bekannt war. Dafür wusste er aber von einer anderen Taxifahrt in einer anderen deutschen Großstadt zu berichten, bei der ich dann doch ein wenig schmunzeln musste:

„Wissen sie, wir sind dann irgendwann doch verdächtig oft an derselben Kreuzung vorbeigekommen. Und beim vierten Mal oder so hat der Fahrer dann laut gerufen: Ha, jetzt weiß ich, wo ich hin muss!“

Da wird es dann durchaus strittig, ob die Kommunikation wirklich vorbildlich verlaufen ist. 🙂

Mein Fahrgast gehörte glücklicherweise nicht zu den meckernden und unzufriedenen Taxikunden. Er erzählte die Geschichte mit einer heiteren Leichtigkeit und ließ auch durch das ansehnliche Trinkgeld am Ende durchscheinen, dass er unsere Dienstleistung gerne in Anspruch nimmt. Diesbezüglich hat der Kollege da wohl Glück gehabt. Manchmal gerät man ja durchaus an Typen, die gleich die Augen verdrehen, wenn man bei einer kleinen Straße in einem Wohngebiet nicht gleich die Hausnummer auf der richtigen Seite verortet…

Stasi = Straßensicherheit?

Ich war ja schon froh, nach über einer Stunde Warten am Ostbahnhof eine Fahrt bis fast nach Schönefeld bekommen zu haben. Mal eben schnell 27 € auf der Uhr und dank zufriedener Kundschaft hab ich nicht einmal Wechselgeld rausrücken müssen. Sowas passiert uns Taxifahrern definitiv zu selten!

Wirklich gut wurde es aber, als ich auf dem Rückweg in Altglienicke an einen Winker geriet. Der hatte gerade den allerletzten Bus verpasst und sagte mir eine Adresse an, bei der er hämisch bemerkte, dass ich sie auch im Navi vergeblich suchen könne. Da mein Navi ohnehin nur eine CD von 2008 als Datengrundlage verwendet, schien mir das nicht allzu absurd – worauf er allerdings hinauswollte, war, dass wir in eine Gartenkolonie fahren würden.

Von diesen Kolonien gibt es ja Unmengen in Berlin, seine lag immerhin auch ein Stück weit entfernt. Eine Tour so um die 15 €. Er versprach mir auch gleich, mich zu lotsen und ersparte mir damit, mich wirklich durch die sicher zahlreichen Straßen mit der Nummer 5 zu kämpfen, die Berlin auch ohne die Lauben und Datschen zu bieten hätte.

Unterwegs erzählte er mir angeheitert wie er war von seinem Klassentreffen, davon, dass leider nicht mehr alle von damals leben, die übliche Beichte im Taxi nach 5 bis 10 Bier. Kurz bevor wir die Gartenkolonie erreichten, warnte er mich vor:

„Wenn wir gleich rechts… wat is’n das für’n Auto?“

„Ein Opel.„

„Ach ja, die sind ja etwas höher. Weil mit’m Daimler – haha! – da sind wir hier schon mal festjesteckt!“

Und wie erwartet, war die Straße nicht nur eine Aneinanderreihung von Schlaglöchern. Schlimmer: Zwischen den Schlaglöchern befand sich keine Straße, sondern noch tiefere Schlaglöcher. Bisher hat mein Zafira all diese kleinen Buckelpisten gut überstanden, deswegen hab ich mir auch keinen Kopf gemacht und bin froh von Loch zu Loch gehoppelt mit dem 67-jährigen Rentner, dessen Bauch gelegentlich über die Handbremse schwappte.

Das taten wir gute 3 Minuten lang, relativ stillschweigend. Dann sah er mich an und meinte:

„Weeßte, die Wende is ooch een Jahr zu früh jekommen! Weeßte, wieso?“

„Nein?“

„Na, hier wollten viele vonner Stasi hin. Hätten se allet neu jemacht hier. 1990. Und dann: Nüscht!“

Naja, hat wohl jeder so seine subjektiven Bezüge zur Weltgeschichte 🙂

Die Rettung schlechthin

Manche Touren müsste man sich ausdenken, wenn es sie nicht gäbe. Macht man auch manchmal. Wenn ein Monat so richtig beschissen läuft, träume ich auch gerne mal von der Tour „Nach Hamburg und zurück“. Das wäre in meinen Augen so ziemlich die optimale Tour. Ziemlich das Maximum, was man ohne großen Tank-Stress unterwegs mit meinem Erdgas-Opel hinbekommt, noch dazu ohne Leerkilometer und in einer Schicht locker schaffbar. Die Wahrscheinlichkeit natürlich, dass ich tatsächlich ausgerechnet in einem schlechten Monat (oder überhaupt mal) eine Tour nach Hamburg und zurück bekomme, geht natürlich gegen Null. Ist halt ein schöner Traum, der einem so manche miese Stunde versüßt.

Im Kleinen gibt es sowas natürlich auch für jede Schicht. Jeder noch so miese Tag lässt sich durch eine Tour nach Frankfurt/Oder noch erträglich bis hammermäßig machen und wenn ich mal ausnahmsweise am Bahnhof Zoo stehe, finde ich auch die Idee reizvoll, 2 Kunden in Spandau und Marzahn abzuliefern, um dann gleich Feierabend zu machen. Dass es eigentlich immer anders läuft, braucht man kaum zu erwähnen. Meist kommt es dann eher so, dass man für sein Umsatzziel noch 12,20 € braucht und eine Tour für 9,80 € bekommt…

Jetzt am Wochenende hatte ich allerdings wirklich mal beinahe unverschämtes Glück. Der Freitag zog sich und zog sich und zog sich.  Das einzig Positive in der ganzen Zeit war die Tour mit Jo. Was mein Taxameter dabei zusammenzählte, war für Montags gerade mal gut genug. Unfassbar miserable 115 € hatte ich auf der Uhr, als ich mich um kurz vor 5 Uhr morgens, 2 Stunden vor der Übergabe des Autos, genervt an den Ostbahnhof gestellt habe. Ich stand an dritter und damit letzter Stelle und plötzlich standen zwei Mädels neben mir am Auto. Die Frage kam mir vor wie ein schlechter Scherz:

„Sagen sie, was würde es kosten, wenn wir erst nach Hellersdorf und dann nach Potsdam fahren?“

Für die Nichtberliner sei hier gesagt, dass Hellersdorf vom Ostbahnhof aus rund 10 Kilometer in östliche, Potsdam hingegen 30 Kilometer in südwestliche Richtung liegt. Also insgesamt locker 50 Kilometer Fahrt, allerdings ohne ewig weit aus der Stadt rauszumüssen. Doof wie ich bin, hab ich natürlich nicht einfach gesagt, dass es 100 € Festpreis sind, sondern angemerkt, dass diese Tour vielleicht mit 2 Taxen doch sinnvoller wäre. Meine spätere grobe Schätzung von 80 bis 90 € sollte sich als gar nicht so schlecht erweisen, ich weiß allerdings immer noch nicht, wieso man so etwas als Fahrgast macht.
Die beiden haben kurz einen Hunni von der Bank geholt und ich hab derweil Blut und Wasser geschwitzt, ob sie es sich nicht nochmal überlegen. Tatsächlich hatten die beiden eher Sorge, die Tour wäre unangenehm für mich (Wieso bitte?) und waren sogar noch ausgesprochen dankbar fürs Mitnehmen, wenngleich meine Kollegen mich wahrscheinlich vor Neid umgebracht hätten, wenn sie gewusst hätten, wohin es gehen soll 🙂

Wäre das Geld nicht trotz dieser Menge ein begrenzender Faktor gewesen, hätte ich sogar über den Ring fahren sollen – ich schätze mal, das wären nochmal 20 Euro mehr geworden…

Die Tour hat letztlich trotzdem über eine Stunde gedauert und exakt 86,80 € eingebracht. Auf einem Weg, der ein guter Kompromiss zwischen schnellster und kürzester Route war. Meine Fahrgästin hat die Zeit genutzt und geredet und geredet. Ich bin – obwohl selbst in Gesprächen ein sehr quasseliger Typ – kaum zu Wort gekommen. Als wir die letzten paar Kilometer über die Avus antraten, ist sie erschöpft eingeschlafen.

Mit 10% Trinkgeld bin ich dann spätestmöglich, aber mit akzeptablem Umsatz auf den letzten Drücker in den Feierabend gegurkt. Es ist selten, dass alles auf einmal passt. An diesem Morgen war es ausnahmsweise mal so.

Swabian Döner

Ich hab mich ja inzwischen in Berlin nicht nur eingelebt, sondern bin sogar schon ganz gut, was die Tarnung angeht. Auch wenn Profis zweifelsohne noch eine süddeutsche Sprachmelodie erkennen können und ich öfter mal „des“ statt „das“ sage, bin ich für die meisten Leute aus meiner alten Heimat nicht gleich zu erkennen.

So hatte ich gleich 6 Leute aus Stuttgart im Auto und die hatten keine Ahnung. Grundsätzlich nicht – aber eben auch in Bezug auf meine Herkunft. Passenderweise wollten sie zum Relaxa Hotel, denn dieses trägt den netten Beinamen „Stuttgarter Hof“. Die Jungs waren im Grunde weitgehend pflegeleicht, aber dem Alter entsprechend (unter 20, wenn nicht minderjährig) haben sie sich vor allem in amüsiertem Tonfall über das Rotlichtgewerbe informiert.

Als sie mich gefragt haben, ob es hier sowas wie ein Rotlicht-Viertel gibt, hab ich (schon, weil es tatsächlich nur wenige Ecken gibt, die man tatsächlich so bezeichnen könnte) erwähnt, dass zumindest am Stuttgarter Platz gleich ein paar Bordelle stünden. Allgemeines Gelächter, haha. Dann kam wieder mal eine dieser Fragen, die mich zwar längst nicht mehr fassungslos hinterlassen, die aber trotzdem irgendwie bekloppt sind:

„Und? Wie is da so? Sind die Mädels scharf? Eigene Erfahrungen?“

Also mal abgesehen davon, dass ich wildfremden Menschen nach 5 Minuten nicht gleich erzählen würde, wo mein Lieblingspuff steht, ist es schon kurios, dass man als Taxifahrer irgendwie automatisch über solche Dinge Bescheid wissen soll. Nach abermaligem Gelächter folgte dann ein Themenwechsel, der niedergeschrieben noch viel kranker ist, als er im Auto gewirkt hat:

„Und wo gibt’s jetzt eigentlich die Billig-Döner für 50 Cent?“

„Ähm, also 50 Cent halte ich für ein Gerücht. Eröffnungsangebote für einen Euro gibt es mal, ansonsten zahlt man hier eher so 2,00 bis 2,50 €. Aber eigentlich sind wir aus der Ecke mit den billigen Dönern gerade rausgefahren.“

Das war nicht ganz unwahr, da wir uns gerade über den Moritzplatz aus der belebten Ecke Kreuzbergs verzogen.

„Boah! 2 € ! In Stuttgart zahlt man mindestens 3,50 €!“

„4,50 €! Ützel-Brützel kostet 4,50 €!“

Überraschen konnten sie mich damit schlecht, ich kenne die Stuttgarter Preise ja durchaus. Nun hab ich also mal geschaut, ob sie merken, dass ich mich auskenne…

„Wenn wir von teurem Döner reden: Gibt es eigentlich den Pinar noch? Am Rotebühlplatz?“

Und die Jungs waren so fieberhaft am Überlegen, dass sie gar nicht mitbekommen haben, dass es ziemlich absurd ist, dass der Taxifahrer die Adresse eines Stuttgarter Dönerladens kennt 🙂
Aber irgendwann hatten sie es dann:

„Wieso, warst du schon mal in Stuttgart?“

„Ja, so etwa 27 Jahre lang. Leid, i koas eich au a weng oifacher mache. I komm selber von dahanne!“

Großes Erstaunen, bla, lach, freu!

„Ich hätte da nochmal ’ne Frage wegen den Nutten.“

kam aus der hinteren Reihe. Da hab ich die Chance genutzt und den Lacher des Abends gelandet:

„Ich nehme jetzt die nächsten 15 Minuten Diskussion mal vorweg: Nein, ich kenn mich auch in Stuttgart nicht mit den Prostituierten aus!“

Ab da war dann spätestens gute Laune. OK, einer von denen hat keine Luft mehr gekriegt, aber als sie ausgestiegen sind, war er noch nicht blau angelaufen. Mission erfüllt und echt schwäbische 40 Cent Trinkgeld bekommen 😉

Nie erlebt

3 Jungs sind mir vors Auto gelaufen. Anstatt sie des Alkoholpegels wegen vorsichtshalber gleich zu erlegen, hab ich sie dann aber doch eingeladen, um sie ein Stückchen mitzunehmen. Es ging von der Warschauer Straße ein Stück nach Kreuzberg rein und unterwegs haben sie dann angefangen, über den Abend zu sinnieren. Die an den Fenstern vorbeiziehende Umgebung schien sie dabei ein wenig zu verstören, denn der Dialog unter ihnen lief (in etwa) so:

„Ist das da hinten nicht…“

„Nein, wir waren wo anders.“

„Aber da ist doch das eine Haus, wo die…“

„Ja, genau da.“

„Nein, das war in Friedrichshain!“

„Ist hier Friedrichshain?“

„Wo müssen wir hin?“

„Na nicht dahin, wo wir herkommen.“

„Also da vorne…“

„Ich denke eher, dass da hinten die Bar war, wo…“

„Bar? Hier vorne sind Bars!“

„Dann sind wir falsch gelaufen.“

„Gelaufen?“

„Heute morgen.“

„Aber das war eher da drüben…“

So ging das sicher zwei oder drei Minuten lang. Dabei habe ich als schweigsamer Zuhörer weder rausgefunden, wo sie herkommen, schon waren oder ggf. neben dem eigentlichen Fahrtziel noch hinwollen könnten. Irgendwann unterbrach einer der Jungs das kryptische Gelalle und meinte laut und deutlich:

„Jungs, ihr wisst: Wenn wir wollen, haben wir das alles nie erlebt!“