Stasi = Straßensicherheit?

Ich war ja schon froh, nach über einer Stunde Warten am Ostbahnhof eine Fahrt bis fast nach Schönefeld bekommen zu haben. Mal eben schnell 27 € auf der Uhr und dank zufriedener Kundschaft hab ich nicht einmal Wechselgeld rausrücken müssen. Sowas passiert uns Taxifahrern definitiv zu selten!

Wirklich gut wurde es aber, als ich auf dem Rückweg in Altglienicke an einen Winker geriet. Der hatte gerade den allerletzten Bus verpasst und sagte mir eine Adresse an, bei der er hämisch bemerkte, dass ich sie auch im Navi vergeblich suchen könne. Da mein Navi ohnehin nur eine CD von 2008 als Datengrundlage verwendet, schien mir das nicht allzu absurd – worauf er allerdings hinauswollte, war, dass wir in eine Gartenkolonie fahren würden.

Von diesen Kolonien gibt es ja Unmengen in Berlin, seine lag immerhin auch ein Stück weit entfernt. Eine Tour so um die 15 €. Er versprach mir auch gleich, mich zu lotsen und ersparte mir damit, mich wirklich durch die sicher zahlreichen Straßen mit der Nummer 5 zu kämpfen, die Berlin auch ohne die Lauben und Datschen zu bieten hätte.

Unterwegs erzählte er mir angeheitert wie er war von seinem Klassentreffen, davon, dass leider nicht mehr alle von damals leben, die übliche Beichte im Taxi nach 5 bis 10 Bier. Kurz bevor wir die Gartenkolonie erreichten, warnte er mich vor:

„Wenn wir gleich rechts… wat is’n das für’n Auto?“

Ein Opel.

„Ach ja, die sind ja etwas höher. Weil mit’m Daimler – haha! – da sind wir hier schon mal festjesteckt!“

Und wie erwartet, war die Straße nicht nur eine Aneinanderreihung von Schlaglöchern. Schlimmer: Zwischen den Schlaglöchern befand sich keine Straße, sondern noch tiefere Schlaglöcher. Bisher hat mein Zafira all diese kleinen Buckelpisten gut überstanden, deswegen hab ich mir auch keinen Kopf gemacht und bin froh von Loch zu Loch gehoppelt mit dem 67-jährigen Rentner, dessen Bauch gelegentlich über die Handbremse schwappte.

Das taten wir gute 3 Minuten lang, relativ stillschweigend. Dann sah er mich an und meinte:

„Weeßte, die Wende is ooch een Jahr zu früh jekommen! Weeßte, wieso?“

„Nein?“

„Na, hier wollten viele vonner Stasi hin. Hätten se allet neu jemacht hier. 1990. Und dann: Nüscht!“

Naja, hat wohl jeder so seine subjektiven Bezüge zur Weltgeschichte 🙂

8 Kommentare bis “Stasi = Straßensicherheit?”

  1. Der Sarkasmus des Herrn ist echt nicht schlecht.

  2. Sash sagt:

    @Der Maskierte:
    Ja, es ist schon lustig, was den Leuten so alles zu bestimmten Themen einfällt…

  3. anonym sagt:

    Wobei ich hier gestehen muß: Das ist genau die Art von Humor, die mir fremd ist. Und dabei bilde ich mir ein, über die meisten Sachen, die witzig sind, lachen zu können. Tja, der Geschmack ist halt verschieden …

  4. Sash sagt:

    @anonym: Ist er. Ist aber vor allem schwierig, wenn man gar nicht weiss, ob es Humor sein soll…

  5. Falcon030 sagt:

    Nach einer gewissen Kenntnis der (ost-)berliner Mentalität würde ich jetzt einfach mal vermuten, dass das keineswegs als Witz gemeint war.

  6. Sash sagt:

    @Falcon030:
    Für mich klang es auch nach selektivem Pragmatismus…

  7. Falcon030 sagt:

    Der Fairness halber muss man allerdings zugeben, dass auch im Westen so mancher Zeitzeuge noch den Spruch „Unter Hitler hätte es das nicht gegeben“ draufhat(te). Schlägt ja genau in die gleiche Kerbe und ist auch genauso idiotisch.
    Allerdings hat der Mann mit dem Hinweis auf die vielen desolaten Straßen in Berlin leider nicht Unrecht. Besonders clever finde ich ja, dass aktuell zum Beginn der Frostsaison gerade die Frostschäden des Vorjahres beseitigt werden.

  8. Bernd K. sagt:

    Ich glaube erstmal ans Gute im Menschen und hätte den Spruch als Ironie gesehen.
    „Und wie erwartet, war die Straße nicht nur eine Aneinanderreihung von Schlaglöchern. Schlimmer: Zwischen den Schlaglöchern befand sich keine Straße, sondern noch tiefere Schlaglöcher“ Sehr schön!!! Mein längster Lacher heute!

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