Super geklappt…

Manchmal läuft es. Die Kunden kraxelten ins Auto, dabei hatte ich nicht damit gerechnet, auf meinem kurzen Weg noch Fahrgäste für mein schnuckelig warmes Taxi zu finden.

„Das is ja toll. Sie sind ja genau pünktlich. Voll geil mit der App!“

„Ähm, sie haben also ein Taxi bestellt? Dann war ich das sicher nicht.“

„Doch, Mensch! Da stand: In 3 Minuten. Und genau 3 Minuten später biste hier. Geil!“

„Ja, aber ich nutze die App nicht. Ich bin also nicht ihr Taxi. Sehen sie doch mal nach. Können sie da nicht schauen, wo der Kollege gerade ist?“

„Ist doch egal, nu biste ja hier.“

„Nein, das ist nicht egal. Überlegen sie doch mal: Der Kollege fährt jetzt extra wegen ihnen hier her. Es ist unfair, wenn ich sie jetzt mitnehme. Er müsste ja gleich da sein, schauen sie doch noch mal auf ihr Handy. Dann warten wir eben kurz.“

„OK, aber… OH! Da steht: Der Fahrer kann die gewünschte Fahrt leider nicht…“

„Eine Absage?“

„Äh… ja!“

„Dann war es ja wirklich super, dass ich vorbeigekommen bin. Also: wo soll es hingehen?“

😀

Ich wollte aber mal bei den Kollegen mit Funk und App nachfragen, weswegen so viele Fahrten von Fahrerseite aus storniert werden. Nehmen manche tatsächlich unterwegs Winker mit, wenn sie welche finden?

Selbsthilfe-Gruppe

Es gibt eine Menge Sätze, die im Taxi eher selten gesagt werden. Von diesen eher seltenen Sätzen gibt es ein paar, die es relativ vorhersehbar machen, dass die Tour bloggenswert wird. Mit allzu langweiligen Beispielen möchte ich nicht aufwarten, deswegen sei hier gleich der genannt, der zur folgenden Tour gehört:

„Und, wann hast du dich das letzte Mal selbst befriedigt?“

Ich denke, ich muss erst einmal das Personal vorstellen. Da wäre zum einen Peter*. Peter ist ein Angetrunkener Mittvierziger, der sich etwas holprig artikuliert, dennoch den oben genannten Satz formuliert hat. Er hat auf dem Standard-Sitz hinten rechts Platz genommen. Als zweites wäre da Lulu*. Sie fungiert vorübergehend als Beifahrerin und soll die Frage beantworten. Sie ist deutlich jünger als Peter, aber sicher Mitte 30. Als Dritte im Bunde, hinter mir, komplettiert Erika die Runde. Bis zu oben genannter Frage hatte ich sie für Peters Frau gehalten, sie kam ihm auch altersmäßig näher.

P: „Und, wann hast du dich das letzte mal selbst befriedigt?“

E: „Sag mal, du kannst doch nicht einfach…“

L: „Warte, warte! Das kann ich genau sagen. Wir haben Samstag, dann war das Mittwoch!“

E: „Könntet ihr vielleicht bitte damit auf…“

P: „Weil das hat mich immer schon interessiert: Wie das geht.“

E: „O Gott, es tut mir so leid, Herr Taxifahrer…“

Wieso? So kam doch erst Leben in die Bude 🙂
Also gut, es ist zugegebenermaßen eine Frage, die ich jetzt nicht unbedingt in der Öffentlichkeit stellen oder beantworten würde, aber ich hab schon schlimmere Sachen gehört. Also schlimm im Sinne von eklig und verachtenswert. Da ist eine vernünftige Diskussion übers Onanieren doch eigentlich harmlos.

Lulu begann also mit Peter zu reden und zu reden und zu reden. Vorträge über klitorale und vaginale Orgasmen, Lulus Vor- und Nicht-so-wirklich-Vorlieben für Anal- und Oralverkehr, Geschlechtskrankheiten und wie toll das doch alles sei. Wir erfuhren alle, dass Peter Lulu gerne einmal dabei zusehen wollte und dass Lulu dem nicht abgeneigt war. Einzig Erika war abgeneigt. Aber weniger wegen Peter als wegen mir. Sie mögen das Gespräch doch bitte in der Wohnung weiterführen.

Ich hab ihr zu verstehen gegeben, dass sie sich wegen mir mal keine Sorgen machen müsste. Ich fahre in Berlin nachts Taxi und hab schon einiges gehört. Zumal die beiden nicht nur den streng sachlichen Ton einer Aufklärungssendung beibehielten, sondern überhaupt nichts schlimmes machten. Also ich hab mich in meiner Privatsphäre kein bisschen verletzt gefühlt. Und den anderen beiden war es offensichtlich egal oder nur recht. Peter begann ohnehin, meine zu Beginn der Fahrt leichtsinnig getätigte Äußerung, ich würde bald Feierabend machen, so umzudeuten, dass ich sie natürlich begleiten würde…

Also haben wir noch ein paar Minuten den Ausführungen über Lulus maßlos begabte Hände gelauscht.

Das Ziel der nicht mehr ganz frischen Truppe lag unweit des Abstellplatz meines Autos, was ich mit Hilfe des Navis recht schnell lokalisieren konnte. Die direkte Einfahrt zur Zieladresse habe ich allerdings ziemlich doof verpasst, weil kurz vor dem recht leicht zu übersehenden Weg eine größere Straße abging, die ich dann versehentlich befuhr. Anhand von Straßenschild und Navi hab ich das allerdings auch nach 30 Metern bemerkt:

S: „Ups, ich glaube, ich bin eine zu früh abgebogen, sorry.“

Ich hab den Wagen zurückgesetzt, als Lulu mir plötzlich ins Wort fiel:

L: „Ja, aber des zahlen wir jetz nich, des is ja wohl klar!“

S: „Meinetwegen. Ganz ehrlich, wenn es um die 20 Cent geht…“

Ganz so herzlos gemeint hab ich das gar nicht. War zweifelsohne mein Fehler, aber da es sich wirklich mit Zurücksetzen um einen Weg von vielleicht 80 Metern gehandelt hat (also 40 Meter Umweg etwa), hab ich nicht einmal daran gedacht, die Uhr auszumachen. Und dass das lächerlich war, wollte ich der lockeren Gesellschaft durchaus klarmachen. Aber ich bekam auch gleich Unterstützung:

P: „Echt jetzt, Lulu! Mach mal nicht rum. Kannst doch hier nicht als Pornostar so rumzicken bei dem coolen Taxifahrer. Du schrubbst dir hier jeden Tag selbst einen und machst hier wegen der paar Meter rum!“

Ab diesem Moment war Erika in einem – man könnte es mit einem Orgasmus vergleichen – zyklisch verlaufenden Lachanfall gefangen und wiederholte nur stockend das ein oder andere Wort von Peter:

E: „Pornostar!!! Schrubbt sich!!! Meter!!! Lulu!!!“

Lulu indes bemühte sich, das Bild von sich zurechtzurücken:

L: „Schnucki, tut mir leid! War nicht so gemeint. Aber ich bin Event-Managerin, kein Pornostar. Ehrlich!“

Zu guter Letzt bat sie mich noch um eine Zigarette, die ich ihr gerne spendiert habe. Zumal sie mir dafür „alles Kleingeld, was ich noch hab, außer Rotgeld, des is ja blöd“ gegeben hat. Von Peter bekam ich zusätzlich zu diesem Euro noch vier weitere zugesteckt. Was sie jetzt machen, da ich diesen Text schreibe, kann ich mir zwar viel zu genau vorstellen, aber ich lasse es besser. Nicht, dass Erika sich aufregt 😉

*Namen natürlich geändert

Zufrieden

„Also ich könnte das ja nicht, immer nur Nachts…“

„Man gewöhnt sich dran.“

„Und was machen sie nachts, wenn sie nicht Taxi fahren?“

„Ganz ehrlich: Hauptsächlich schreiben.“

„Ein Buch oder wie?“

„Naja, eines ist weitgehend fertig. Ideen für 2 bis 3 weitere hab ich schon. Außerdem blogge ich regelmäßig…“

„Also ich könnte ja weder schreiben, noch Taxifahren.“

„Die Menschen sind verschieden.“

„Hauptsache, es macht ihnen Spaß.“

„Das trifft sowohl aufs Taxifahren als auch aufs Schreiben zu.“

„Dann sind sie ja ein rundum zufriedener Mensch…“

„So sieht es aus!“

„Naja, wie sie sagten: Die Menschen sind verschieden…“

Hm… 🙁

Schon passiert

Ich überlege ja seit meinem Zwischenfall mit dem Koffer in meinem Taxi immer öfter darüber nach, ob der Spruch mit dem mitgenommenen Gepäck nicht irgendwie doch albern ist. Zur Erinnerung: Ich sage gerne, wenn Gepäck an Bord ist:

„So, dann befreien wir mal ihr Gepäck. Ist immer ein schlechtes Ende für die Fahrt, wenn der Taxifahrer damit abhaut.“

Aber er kommt gut an. Immer und immer wieder. Manche Leute lachen schon über den Ausdruck „befreien“…

Vor einer Weile dann gab es ja den Fall, wo mir ein Kunde gesagt hat, ich könne sein Bürozeug behalten, wenn ich die Arbeit gleich erledige. Jetzt hab ich aber ein neues Highlight. Irgendwie. Meine Kundin kam mir reichlich verunsichert vor. Keine Ahnung, ob ich ihr von meinem Erscheinungsbild her unheimlich vorkam, ob sie generell schüchtern war oder ob sie gerade etwas schlimmes erlebt hatte. Über den üblichen Smalltalk übers Wetter sind wir nicht rausgekommen.

Insbesondere in solchen Fällen ist Humor natürlich etwas tolles, um die Fahrt abzurunden, noch ein bisschen aufzulockern. Bei ihr hat das leider nicht so ganz geklappt. Sie ist noch während meines Satzes ausgestiegen, das Geld hatte ich schnellstmöglich mit einem „Stimmt so!“ in die Hand gedrückt bekommen. Als ich ausgestiegen war und mit einem Grinsen den Satz beendete, meinte sie etwas geistesabwesend:

„…is auch schon passiert.“

Na hoffentlich ist das nicht die Ursache für ihr Verhalten mir gegenüber gewesen 🙁

Hasinizer

Man stelle sich folgendes Gespräch im Fond meines Taxis bitte mit breitem amerikanischem Akzent vor:

„Und dann ist there eine Concert.“

„Wow. Und ihr geht dahin?“

„Oh yeah, weil Susi is eine kultureller Hasi! Das besten kultureller Hasi!“

„Woher weißt du das?“

„Ich habe viel mit kultureller Hasis zu tun.“

„Ha, du bist einfach ein Womanizer!“

In diesem Moment meldete Susi, selbst anwesend, auch einmal zu Wort:

„Nee, der is nich ein Womanizer. Der is eine kultureller Hasinizer!“

Nach sowas braucht man eine Pause. Zur Zwerchfellentspannung.

This is the end…

Am Ende der Schicht war nich noch bei weitem nicht angelangt. Es war genau genommen die erste Tour. Mich ereilte sie in Form eines Winkers, der überraschenderweise einen Koffer zückte und ihn unvermittelt einlud. Nicht, dass das irgendein Problem darstellen würde – Winker mit Koffern sind einfach selten. Am Bahnhof kommt das natürlich öfter mal vor, aber die meisten Leute, die von Zuhause mit Gepäck ein Taxi nehmen wollen, bestellen dann ja doch. Er nicht.

Aber so hatten wir auch gleich ein Gesprächsthema: Wozu einen Koffer?

Alles in allem war die Antwort unspektakulär. Er war semi-professioneller DJ und als Geschenk unterwegs zu einer Geburtstagsparty. Nur sein Bus war ihm gerade raus, deswegen jetzt ein Taxi. Aha. Wir haben uns ganz gut verstanden und uns die ganze Fahrt über unterhalten. Hauptsächlich über seinen Beruf. (Mal was anderes, von meinem erzähle ich ja ständig 🙂 )

Besonders aufregend war nichts, was er erzählt hat, aber am Ende kam die übliche lustige Anekdote:

„Wünsche erfüllen ist immer schwierig. Deswegen leg ich auch Platten und CD’s auf. Mit internetfähigem Equipment wird man gerne mal gezwungen, schnell was runterzuladen. Und manche Wünsche darf man einfach nicht erfüllen und es geht immer in die Hose.“

„Das kann ich mir vorstellen. Ist ja nicht alles partytauglich…“

„Ja, ganz klassisch kommt das ältere Semester irgendwann schon ziemlich breit an und wünscht sich ‚The End‘ von den Doors. Das kannste einfach nicht bringen…“

„Nee, das ist echt…“

„Ich mein, geiler Song. Aber nicht, wenn gerade alle anderen tanzen wollen!“

Ach, was hab ich mich an alte WG-Parties erinnert gefühlt! 😀

Allerdings bin ich zugegebenermaßen einer jener Spielverderber gewesen, der immer irgendwann Pink Floyd oder so rausgekramt hat. Älteres Semester, hm? Naja…

Und falls wer gerade Lust bekommen hat: Hier der Link zu Youtube 🙂

Schlafstörung

Die von euch, die meinem Geschwurbel auch bei Facebook oder Twitter folgen, haben den folgenden Dialogfetzen bereits Ende letzten Jahres mitbekommen. Aber da er so schön war, wollte ich ihn auch hier im Blog nochmal aufgreifen.

Die Situation war folgende: An einer Ecke hab ich 3 Winker aufgenommen, allesamt weiblich. Ein durchgängiges Gespräch wollte sich weder unter ihnen, noch mit mir ergeben. So hat eine der drei Grazien irgendwann ihr Handy gezückt, um mit einer mir unbekannten Person zu telefonieren. Gleich zu Beginn sagte sie dann folgenden Satz, den man sich echt mal auf der Zunge zergehen lassen sollte:

„Hab ich dich gestört oder schläfst du schon?“