Der Erste. \o/

„Hier, stimmt so. Und was ich noch sagen wollte: Sie sind der erste Taxifahrer, der genau so gefahren ist, wie ich auch gefahren wäre.“

„Naja, ist ja aber kein Geheimnis, dass ich hier die Karte offen hab und nachschauen konnte, welche Straße das genau ist.“

„Ja, aber genau der Weg! Danke dafür!“

Ein eigentlich schwieriges Lob, denn aus Taxifahrersicht muss ich sagen, dass man sich als Kunde die Strecke aussuchen darf und wenn es wichtig ist, dann sollte man was erwähnen. Außerdem waren noch die meisten „guten Strecken“ von Kunden schlicht länger als der kürzeste Weg, da sind Abweichungen also nicht zwingend schlimm.

Aber in dem Fall war’s einfach ein Kompliment dafür, dass ich nicht den naheliegenden Umweg über eine Hauptstraße gefahren bin, wie offenbar die anderen Kollegen. Und so mag ich das dann doch ganz gerne. 🙂

„Hodaintel Bens“

Das war gestern gleich ein Wachmacher-Rätsel zu Schichtbeginn. Asiatische Touristen, keinerlei Sprachübereinstimmung, das Telefon ohne Batterie und das Ziel war „Hodaintel Bens“. Ich will ehrlich sein: Ich hab’s nicht einfach so erraten, sie haben noch mehrmals langsamer erklären müssen, was sie wollen. Dass es zu einem Holiday-Inn gehen soll, war schnell klar. Da bieten sich vom Frankfurter Tor aus allerdings so ziemlich alle Fahrtrichtungen an, je nachdem, welches gemeint ist.

Aber ja, mit „Bens“ war der gute alte „Mezdes Bens“ gemeint, also das Hotel direkt neben der Arena, das „Holiday-Inn Berlin City East Side“.

Darf man übrigens ja nicht verwechseln mit dem „Holiday-Inn Berlin City East“ oder dem „Holiday-Inn Berlin City Centre East“. Letztere geben online inzwischen wenigstens die Straßennamen mit an, ansonsten bin ich trotzdem dafür, dass die für die Benennung zuständigen Leute auf Lebenszeit für unnötige Taxikosten haften sollten …

Fans …

Ich will nicht lügen: Natürlich kommen immer wieder mal Kunden und beschweren sich, dass mein Auto zu hoch, zu unbequem oder zu billig sei. Von den seltenen Erwähnungen abgesehen: Natürlich tue ich das gerne als dekadenten Scheißdreck ab. Ich würde ja nie behaupten, dass ich eine schwarze Luxus-Limousine fahre. Ich fahre Taxi im Rahmen des öffentlichen Nahverkehrs und ich finde es voll ok, dass ich in meinen Opel reinpasse und keine E-Klasse von Mercedes fahren muss. Und andererseits kann ich gut damit leben, dass mich ein paar Kunden zugunsten besagter Mercedes stehen lassen, weil diese wiederum für sie perfekt sind. Wie ich gerne anmerke: DAS perfekte Auto für alle gibt es (leider) nicht. Und ich bin deswegen ehrlich gesagt sogar froh drum, dass wir nicht einheitliche Autos wie in manchen US-Städten haben.

Aber  dennoch erfreut hat mich dann der Winker, der gleich rief:

„Schwer genug, hier ein Taxi zu finden. Aber dass ich dann auch noch einen Opel kriege! Geil!“

Und ja, ich bin abgehärtet! Ich hab das auch zunächst für Ironie gehalten. Aber nein:

„Ich fahr selbst Opel, bin’n Riesen-Fan! Preis-Leistung ist super, finde ich prima!“

Ehrlich gesagt: Ich bin nicht mehr up-to-date bei Autos. Aber ich hab ihm zumindest grundsätzlich geglaubt, dass er für das Geld, das er für seinen Insignia mit massenhaft Sonderausstattung gezahlt hat, von BMW oder Mercedes nur ein Standard-Modell bekommen hätte. Und ja, ich weiß: Manch Extra wäre bei denen schon Standard gewesen, ich bin nicht bescheuert. Aber der Typ war mit seinem Auto zufrieden und mit meinem auch. Mal ganz ehrlich: Wer will da schon eine Detail-Schlacht eröffnen? 😉

PS: Mich würde mal interessieren, was die Mercedes-Fahrer unter den Kollegen über die anderen Autos erzählt bekommen. Und einmal mehr: Das ist nicht polemisch gemeint, ich finde es wirklich ok, dass Kunden, denen das wichtig ist, ein bequemeres Auto nehmen. Schon alleine, weil ich das Gemecker nicht brauche.
Ich als Opel-Fahrer kenne im Grunde nur entweder die Cool-mal-keine-Luxus-Karre-Typen oder die Solltest-mal-ein-echtes-Auto-kaufen-Kunden. Lästern die Kunden im Daimler auch über die Opel oder gibt es sogar solche, die lieber einen Maybach hätten? Im Ernst, Kollegen: Ich finde die Frage spannend!

„Etwas“ nervös

Er winkte mich hektisch an den Fahrbahnrand, noch locker 500 Meter vor der Ecke, wo ich eigentlich Winker erwartet hätte. Er nannte eine Straße in Mitte, die mir nicht sofort was sagte, aber als er den nächsten Platz 200 Meter weiter nannte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

„Klingt, als wäre es eilig …“

„Kann man wohl sagen! Meine Frau bekommt jetzt unser Kind!“

Ich hab kurz den etwas schnelleren Weg eingeschlagen und mal nachgefragt, wie dringend es ist und wie so der Plan wäre. Hätte ja sein können, dass mir am Zielort erst die eigentlich spannende Fahrt bevorsteht. Aber nein. Auto ist vor Ort, ein guter Freund auch noch, sie wäre also nicht alleine. Aber der Plan wäre halt, dass sie auf ihn warten. Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er feiern war, aber eigentlich sollte es halt auch erst in anderthalb Wochen soweit sein.

„Sag mal, kann man bei Dir rauchen, nee, kann man nicht, was? Geht ja nicht mehr, ich bin nur so nervös, das ist alles so ein Mist, ich freu mich so, was glauben Sie, wann wir da sind … oder Du, darf ich Dich duzen, äh Sie …?“

„Mach das Fenster runter!“

Ich erkenne eine Tendenz: Seit ich nicht mehr rauche, erlaube ich mehr* Leuten, im Auto zu rauchen. Eigentlich aber fand ich nur die Idee ganz gut, dass er abgelenkt ist und gelegentlich eine Sprechpause einlegt. 😉

*Das war Nummer zwei in einem Dreivierteljahr

Zweimal in schön

Unspektakulärer Kunde, eine nun wirklich nicht gerade nervenaufreibende Fahrt. Mehr Durchschnitt, als man für möglich halten wurde.

„Na dann wünsche ich noch einen schönen Abend!“

„Danke. Bis bald … vielleicht?“

„Man sieht sich immer zweimal.“

„Ja, stimmt. Das, das wäre in dem Fall echt schön.“

Man bekommt öfter Komplimente. Oder ich zumindest. Aber das war auf schwer erklärbare Weise grandios. Einfach weil „Man sieht sich immer zweimal“einer von ein paar Sprüchen ist, die ich netter Kundschaft nicht unehrlich, aber dennoch mehr oder minder automatisch nachwerfe. So sehr ich Leute auch sehr individuell mag, ich bin Dienstleister, das gehört dazu.

Und seine Antwort war eben genau das nicht. Kein „Stimmt!“, kein „Da haste recht!“, kein „Man wird sehen!“.

Vielleicht bin ich da als Dienstleister und gleichzeitig Blogger vorbelastet, aber das kam dermaßen ehrlich und spontan rüber, dass ich sagen würde, dass das nicht oft passiert. Wie dem auch sei: I like! 🙂

Hello. AGAIN.

Ich hab die Kunden am Sisyphos wirklich so begrüßt:

„Oh, well. Hello AGAIN.“

Denn es war keine drei Minuten her, dass ich sie genau dort abgesetzt hatte. Der Grund für ihre prompte Wiederkehr war dann auch ganz klassisch die Schlange, die ungefähr anderthalb Stunden tristesseoptimierte Ereignislosigkeit versprach. Oder mit den Worten der einen Kundin:

„See, we love Techno. But: No!“

Ich kann’s nachvollziehen. Denn dazu muss man nicht einmal Techno lieben. 😉

Nutzungshinweis der Kundschaft

„Ich fahre schon schnell. Ach, schnell. Also wenn freigegeben ist und der Verkehr es erlaubt, stelle ich den Tempomat auf 160 bis 180 km/h. 300 km/h hab ich auch schon gemacht, der Wagen ist nicht abgeriegelt, aber … das macht man einmal. Und danach steigt man aus und fragt sich, was das für ein Geruch ist. Naja, die Reifen! Das glaubste nicht, aber: Die sind dann halt scheiße heiß. ‚Nicht abgeriegelt‘ sagen sie, aber auf Dauer geht das auch nicht!“

Nur mal so als Hinweis an alle Besitzer von neu angeschafften und nicht abgeriegelten 7er-BMW. Ist ja schließlich auch ein Informationsblog hier, nicht wahr? 😉