Trinkgeldgeben für Mutige

„Dann sind wir bei 19,30€.“

„Hier schon mal ein Zwanni. Aber warte kurz …“

Er nestelt in seiner Hose und kramt eine Handvoll Münzen hervor.

„Hier, ich geb Dir … ich … ach, ich geb Dir einfach alles, was ich hier hab. Auch wenn ich nicht weiß, wie viel es ist.“

Hört man selten, wenn nicht einmal ein Stück Rotgeld dabei ist. 🙂

Allerdings waren es am Ende irgendwas um die drei Euro, einen neuen Rekord kann ich also leider auch nicht vermelden.

Wirklich schlechte Ausreden

„Sorry, ich wollte Dir eigentlich mehr geben, aber mehr hab ich nicht …“

Sprachs und reichte mir einen Zehner für eine 9,70€-Tour.

Das alleine finde ich immer noch völlig ok, aber es wäre etwas glaubwürdiger gewesen, hätten wir nicht 20 Sekunden vorher folgenden Dialog gehabt:

„Soll ich also hier an der Ampel anhalten?“

„Ja, das wäre super.“

„OK, dann wären wir bei 9,70€.“

„Waaas? Sooo billig? Das hätte ich nicht gedacht!“

Die Zukunft

„Und? Jetzt nach Hause?“

„Ja. Aber nachher ins Kino. Star Wars.“

„Welches Kino?“

„Friedrichshain, also richtig groß.“

„Na das ist ja gut, das passt für Star Wars!“

„Ja, Star Wars is cool, weil das ist ja die Zukunft.“

„…“

„Ja, weil das zeigt ja, wie es mal wird hier. Nicht mehr Krieg auf der Erde sondern da oben.“

Wir haben uns noch ein wenig weiter unterhalten und er hat zugegeben, dass Star Wars auch „etwas übertrieben“ wäre. Aber dass wir seit 40 Jahren nicht einmal mehr jemanden zum Mond geschickt haben, liegt daran, dass „vielleicht auch nicht immer alles so gesagt wird, wie es wirklich ist, verstehste?“

Holy Shit, wir müssen an diesen „Alternative Facts“ echt arbeiten, Leute!

Begegnungen …

Ich stand am Bahnhof, obwohl die letzte Bahn raus war. Ich wollte nur kurz gucken, ob noch jemand übrig geblieben ist oder verspätet mit der Tram ankommt. Aber nix. Der einzige Typ im ganzen Umkreis war ein Flaschensammler, der die Mülleimer durchsah. Ich erinnerte mich darauf hin daran, dass ich noch eine kleine, aber immerhin 25 Cent bringende Eistee-Flasche im Handschuhfach hatte. Ich wollte sie ihm gleich in die Hand drücken, aber seine Runde führte ihn erst einmal weiter um den Bahnhof. Als er am Ende am Mülleimer vor dem Taxistand ankam, hab ich sie ihm angeboten und er fragte verwundert, ob ich die wirklich nicht haben wolle.

„Nee, hab genug Pfand zuhause …“

Was inzwischen sogar fast übertrieben ist. Aber ja, man bringt ja ständig was weg. Gerade, wenn man renoviert und in Erwartung des ersten Kindes die Wohnung ausmistet.

Während ich erst dachte, dass es das jetzt gewesen sei, drehte er sich um und sagte mir, dass die letzte Bahn raus sei und hier wohl kaum was zu holen sei. Er hätte schon bemerkt, dass trotz der ungleichen Berufe ein Zusammenhang bestehe zwischen guten Umsätzen im Taxigewerbe und bei ihm.

„Wissense, Sie bloggen ja nicht – aber ich lese viel, auch Taxiblogs.“

„Was lesen Sie denn da genau?“

„Also hier aus Berlin zwei. Einmal ‚Gestern Nacht im Taxi‘, Sascha Bors, der …“

„Und da haben Sie nicht bemerkt, dass ich das bin, ja?“

Kurzum: Wir haben uns noch fast eine halbe Stunde über alles mögliche unterhalten. Und neben vielem wesentlich wichtigerem hab ich mitgenommen, dass ich – inzwischen mit Vollbart und Brille – vielleicht mal das Profilfoto ändern sollte. 😉

PS: Lieber Aro, bei Dir, bei berlinstreet.de liest der nette Mensch auch mit!

In Geh-heim-er Mission

„Abend allerseits!“

„Oder Morgen.“

„Meinetwegen auch das.“

„Es ist doch schon Morgen …“

„Stimmt. Seit sieben Minuten.“

„Na, egal. Wir sind jedenfalls sehr froh, dass wir Dich treffen! Wir dachten schon, hier kommt nie ein Taxi.“

„Deswegen bin ich ja da.“

„Ja! Und dann die Uhrzeit! 0:07! Bist Du James Bond?“

„Ähm, naja …“

„Was denn?“

„Jetzt mal ganz im Ernst: Euch dürfte ich das eh nicht sagen.“

Wenn es nur immer so leicht wäre, das Eis zu brechen.

Irgendwas doppelt?

Ende der Fahrt. Dreizehn irgendwas.

„Sorry, is’n bisschen zerknittert. Sind 15, passt so.“

Und er reicht mir einen zerknüllten Zehner und einen ebensolchen Fünfer. Passiert oft, mir egal.

„Nur kurz: Irgendwas doppelt?“

Hey, einer der nachdenkt! Denn ja: Ich hab schon zwei- oder dreimal bei schnell flüchtenden Fahrgästen am Ende doch noch einen Fünfer mehr in so einem Geknülle gefunden und ihn am Ende dann halt doch als Trinkgeld eingesteckt. Also wenn jemand nicht die drei Sekunden warten kann …

„Aber wenn’s so ist, sei’s Dir gegönnt. Is aber nicht zufällig ein Fuffi drin oder so?“

Ich will nicht lügen: Nette Einstellung! 😀

Aber ebenso ungelogen war meine Antwort:

„Nein, sind 15, passt alles!“

 

Party-Metropole Berlin

Sie haben mich an einer Baustelle rangewunken. An einer Baustelle, die von dieser Seite aus dafür sorgte, dass ich einen riesigemn Umweg fahren musste. Obwohl es sogar noch vor null Uhr war, ließen sie  mich wissen, dass die Lust auf Party gerade eher so mittel wäre. Der Abend  zuvor war heftig, eigentlich reiche es ihnen allen schon jetzt. Passiert halt mal, schon klar. Dann  aber  dieser goldwerte Dialog:

„Uh, ein Seniorendomizil! Da wäre ich jetzt gerne!“

„Ehrlich? Nix zu tun und …“

„Ich will jetzt da hin!“

„Wieso das, Alter?“

„Optimaler Abendverlauf! Ich lauf da rein und lass mich waschen!“

„Boah, geil Alter! Waschen lassen! Ich bin dabei!“

Ich will echt nicht diese Ich-werde-alt-Schiene fahren, aber mit so einer Jugend ist doch echt keine Revolution mehr machbar, oder? 😉