Notiz 3

„Rauchst Du?“

„Ja.“

„Dann nimm mal ’ne Kippe als Trinkgeld.“

„Ach lass, das passt schon …“

„Nee, nimm!“

Ja, ich rauche. Und ja, ich rauche auch viel. Wobei beim Rauchen ja eigentlich alles über Null zu viel ist.
Aber abgesehen davon: Ich lehne Kippen als Trinkgeld immer ab. Ich rauche lieber meine eigenen, Sucht hin oder her.

Aber klar, lieb gemeint war es sicher.

Notiz 2

Auch sehr schön: Man nimmt eine Truppe junger Schotten als Winker fast direkt nach der letzten Tour auf. Sie wollen zwar nur rund anderthalb Kilometer weit, dennoch keine Kurzstrecke. Am Ende fallen unschottische 1,80 € Trinkgeld auf nur 5,20 € Fahrpreis an. Und im Weggehen hört man noch ein Gespräch von zweien mit:

„Hey, the driver was a nice guy.“

„Yeah, really nice.“

„Berlin guys are really great, I love the city. You gave him a tip?“

„Of course …“

„I love Germany.“

Der Sausberblatsch-Schmerzbold

Ja, ganz recht. Jetzt gibt’s die Auflösung zur Rätselfrage heute morgen. Sorry, wenn ich hier noch keine findigen Kommentatoren beklatsche, ich hab den Text geschrieben, bevor ich ins Bett bin, wo ich mich jetzt um kurz nach 16 Uhr hoffentlich auch noch befinde.

„Tekesausberblatsch“ also. Puh. Aber sowas bekommt man ja öfter von Fahrgästen zu hören. 😉

Damit hab ich überhaupt nix anfangen können. Anstatt das nochmal sauber auszusprechen – oder es wenigstens zu versuchen – hat mein Fahrgast mir aber mehrere Tipps gegeben.

„Aftaback! Here, ok?“

„Danach“ wieder zurück also. Konnte nix langes sein.

„Sopen!“

Es ist offen. Nun gut. Der größte Tipp aber war am Ende „Sausberblatsch“. Das erwähnte er nochmal. Damit war „Teke“ ein eigenes Wort, „Sausberblatsch“ auch. Ergo: Kurzes Überschlagen der wahrscheinlichsten Möglichkeiten. Dann Teke. Theke, Bar? Oder Apotheke, Bibliothek, Hypothek? Und Sausberblatsch. Ein Platz, klar. Mit S und ausber? Eigentlich logisch:

„Do you want to go to the Apotheke at Strausberger Platz?“

„Yes! Apotesausberschgeplatsch!“

Na also. 🙂

Obwohl ich nur maximal ein Viertel von dem verstanden habe, was er währenddessen so erzählt hat: Es war eine lustige Tour. Und geschäftlich erst recht klasse: Mal kurz für fast 15 € hin und her zu fahren ist immer besser als in einen Außenbezirk (Gut, soo weit kommt man für 15 € auch nicht) und dann wieder leer zurück. Also ich jedenfalls hab mich gefreut. Auch wenn das Kind nach wie vor skeptisch war. Vielleicht hielt es mich ja auch für einen Polizisten, wer weiß?
Was sich rausgestellt hat: Es waren Spanier. Und sie sind zur Apotheke gefahren, um Paracetamol zu holen. Klang jetzt auch nicht gerade nach Weltuntergang. Obwohl die Schmerzen wahrscheinlich heftig waren, wenn einen bei einem 99ct-Medikament 15 € Mehrkosten fürs Taxi nicht stören …

Oh, ein Rätsel!

Nee, was ein lustiges Kerlchen. Und ich rede über den Vater, nicht nur über sein Kind! Aber es war auch eine eher seltene Konstellation an Fahrgästen und Fahrtziel. Irgendwo im Verlauf der Boxhagener Straße haben sie mich rangewunken. Also er hat. Das Kind, vielleicht sechs Jahre alt, guckte eher ein wenig verschüchtert, als ich das Taxi mit einem leisen Quietschen neben den beiden anhalten ließ. Vom weiter oben liegenden Kopf strahlte mir aber umgehend ein breites Grinsen entgegen. Designanleihen hatte er eindeutig von Jesus, die Kleidung war glücklicherweise eher schlechtwettergeeignet. Unter der Kapuze des Sprößlings lugte auch nur selten jemand heraus. Immerhin hatte es erst vor drei Stunden zu regnen aufgehört. Und dann dieser gruselige Taxifahrer da draußen!

Das Kind ins Auto hievend und das Grinsen nicht absetztend fing der Aushilfsjesus an, wasserfallartig Ergüsse im schlechtesten Englisch der Welt in mein Taxi kippen. Die Essenz des Ganzen war:

„Gerrmahni so kreet. Tekesausberblatsch.“

Und er erwartete offenbar (immerhin gut gelaunt), dass ich mich dazu äußere. Gut, dass es ihm in Deutschland gefällt … schon klar. Aber wo wollte er bitte hin? Und das war wirklich nicht leicht herauszufinden, denn er brabbelte einfach weiter in seinen Bart und hielt sich nicht gerne damit auf, Worte oder Satzteile noch einmal zu wiederholen oder etwa deutlicher auszusprechen. Großes Mitteilungsbedürfnis bei kleiner Sprachübereinstimmung. Anstrengend, aber auch etwas lustig.

Zugegeben, ohne weitere Infos hätte ich ihn auch stehenlassen müssen, die dünne Angabe verleitet Euch jedoch vielleicht zu kreativen Ideen. Also lasse ich Euch mal mitraten: Wohin wollte dieser Mann abends um halb zehn mit seinem kleinen Kind? Er sagte:

„Tekesausberblatsch!“

Kleiner Tipp: Es ist kein Stadtteil, sondern eine sehr konkrete Ortsangabe.

Die Lösung funke ich so gegen 16 Uhr heute Nachmittag.

Ganz ruhig …

Auch ich ärgere mich ja gelegentlich ein wenig über Fahrgäste, bzw. kommentiere ihr Verhalten etwas boshaft. Und ja, das ein oder andere Mal nerven Dinge. Warum ich dennoch nicht die ganze Zeit gestresst durch die Gegend fahre, wäre da eine adäquate Frage, sofern mein Gemütszustand eine Rolle spielen sollte. Und? Weil die meisten das nicht böse meinen. Weil viele Dinge auch einfach nur deswegen nerven, weil sie wiederholt auftreten.

Die klassischen Preisfeilschereien zum Beispiel: Es ist doch eigentlich relativ verständlich, dass jemand nach einem Preisnachlass fragt. Hatte ich heute Nacht erst wieder. Die Fahrt sollte ungefähr 8 € kosten, mir wurden bei 5,50 € auf der Uhr 7,50 € Festpreis angeboten. Nervig ist nur, dass es relativ viele sind und zudem natürlich auch noch einige dabei sind, die sich aus grenzdebilem Halbwissen eine Berechtigung für einen Nachlass herleiten.

Dass Leute bei einer Kurzstrecke Stopps einlegen wollen … das kann schon mal passieren. Wenn man z.B. eine Kurzstrecke startet, dann merkt, dass man was vergessen hat und seine Pläne ändert. Dumm für mich, da ich das Taxameter nicht umstellen kann, aber ok. Ist mir ebenfalls heute Nacht passiert. Nervig isses nur dann, wenn Leute – am Besten noch gegen besseres Wissen – behaupten, das wäre normal und so vorgesehen.

Anfragen, ob man im Taxi rauchen darf. So lange da draußen haufenweise Taxifahrer rumgurken, die die Kippe im Mundwinkel hängen haben, kann ich die Frage als Raucher gut nachvollziehen. Hatte ich heute Nacht auch erst wieder. Störend wird’s eigentlich erst dadurch, dass sich manche Leute nicht mal für 5 Minuten am Riemen reißen können oder versuchen, ihre Fluppen angezündet mit ins Auto schleppen, weil sie einen für blöd halten.

Touren, bei denen all das passiert … seien wir ehrlich, da braucht man wahrscheinlich wirklich die Eselsgeduld von mir. Denn ja: all das ist mir heute nacht erst passiert. Bei einer einzigen Tour. Statt auf die Finger klopfen gab’s ein paar Witze, fiese Sprüche und den Hinweis, dass sie nicht sonderlich originell sind. Das Fazit war genau wie bei Ärger eine weitgehend ordnungsgemäße Fahrt* in einem rauchfreien Auto, die mit schallend lachenden Fahrgästen** und immerhin rund 17% Trinkgeld endete.

Deswegen: In der Ruhe liegt die Kraft. 🙂

* Den Halt während der Kurzstrecke gab es, aber er blieb verdächtig nahe an einer Minute, so dass das Ergebnis passen sollte
** Zu sagen, man solle das mit der Kindersicherung links nicht persönlich nehmen, klappt immer! Fast alle müssen schmunzeln, ich schwör’s!

Party gerettet

Wenn es mal läuft, dann läuft es. Also manchmal, in seltenen Fällen. An dem Abend auf jeden Fall. Die Schicht startete mit Winkern von Friedrichshain nach Neukölln, auf dem Rückweg eine Kurzstrecke vom schlesischen Tor zur Lausitzer, dort sofort wieder Einsteiger zum Freischwimmer und kaum, dass ich dann wenden wollte, stand er plötzlich da:

Jeans, weißes T-Shirt, ein Jacket über die Schulter geworfen, Sneakers an den Füßen, eine hellrötliche und leicht verfranste Frisur über grünen Augen und einem Gesicht mit markantem Schmiss. Und ein Lächeln, das die Narbe übers ganze Antlitz zu verlängern wusste. Ein bisschen zögernd stieg er ein, ich war beim Wenden ziemlich ugünstig an ihn rangefahren. Dass er vorne einsteigen konnte, schien ihn zu irritieren. Wie so viele. Aber er taute schnell auf, ich bin ja jetzt auch nicht unbedingt ein Eisklotz im Auto.

Es ging mal wieder darum, eiligst eine Party zu retten. Dieses Mal nicht mit einem Netzteil für den DJ-Laptop, sondern gleich mit der vergessenen Musiksammlung. Die allerdings erklärte mir mein – im übrigen mal wieder englischer – Fahrgast jedoch recht schlüssig: Sein Kumpel, für den er und ich jetzt diese Boten-Tour erledigten, hatte gar nicht vor aufzulegen. Er war einfach nur DJ und privater Gast auf einer Jungesellenabschiedsparty. Aber ebenso wenig, wie man als Blogger durchs Leben gehen kann, ohne seinen Kollegen Computerfragen zu beantworten, kann man offenbar DJ sein, ohne auf Parties aufzulegen.

Und nun waren ich und der gutgelaunte Rotschopf dabei, in der Adalbertstraße kurz eine externe Festplatte oder einen USB-Stick zu holen. Müssen ja heute glücklicherweise nicht mehr ganze Plattenkisten sein. Während die Fahrt so prima lief, dass ich dem Typen nach 5 Minuten Weg nicht einmal ein Pfand abgenommen hab, bevor er ins Haus sprintete, war das mit dem Verkehr schon ein ganz anderes Kaliber. Der südliche Teil der Adalbertstraße ist immer noch (Wahrscheinlich auf Dauer oder so -.-) nur in Nordrichtung durchfahrbar, dank des Andrangs dort in den Abendstunden fährt natürlich trotzdem jeder Vollhorst erst einmal in die enge, zugeparkte und von Fußgängern durchwatschelte Straße rein, um zu gucken, ob auf den hundert Metern nicht vielleicht ein Parkplatz frei ist. Danach wird unter Zuhilfenahme der Hupe möglichst gemeingefährlich gewendet.

Und ich stand mitten drin und hab mich irgendwann einfach neben das Taxi gestellt und grinsend eine geraucht. Für die Unterhaltung zahlen andere teuren Kino-Eintritt. 🙂

Irgendwie hab ich es ohne Beule geschafft, das Auto am Ende auch wieder herauszumanövrieren und zu wenden, an Bord wieder den gut gelaunten Briten, der sich die letzten Minuten mit einer geradezu infantilen Begeisterung mit mir über meinen Beruf unterhalten wollte. Die für die ganze Action eigentlich recht mageren 12,80 € hat er am Ende großzügig auf 15 aufgerundet und sicher noch eine Menge Spaß gehabt in der Nacht. Wie ich ja auch. Nach vier Touren inklusive einer geretteten Party wollte ich eigentlich mal wirklich Pause am Bahnhof machen. Aber selbst dazu kam ich nicht. Eine Winkerin nach Baumschulenweg.

So muss Taxifahren dort aussehen, wo die Fahrer nicht über ihre Umsätze meckern. In Utopia oder so. 🙂

Sterniges

Es war nur eine kurze Fahrt, dennoch kann ich meine inoffiziell geführte Liste der Kundenschmeicheleien nun erweitern um die Aussage:

„Du bist ein Star!“

Oder nur Stern als solches, so ganz klargeworden ist mir das nicht aus dem englisch-deutsch-italienischen Kauderwelsch, das mein sichtlich angeschlagener Kunde so von sich gab. Und hey, für die Länderstatistik: 2 € Trinkgeld aus Italien! 🙂