Quickies

So, am Wochenende bin ich ja immer viel beschäftigt. Einige Dinge graben sich stets ins Hirn, es will aber kein kompletter Blogeintrag daraus werden. Deswegen hier eine kurze Auswahl an nicht existenten Blogeinträgen.

Der erste hätte sich mit der Frage beschäftigt, wieso ausgerechnet der Taxistand, bzw. der Bahnhofsvorplatz als Umkleide, bzw. Entkleide gebraucht wird. Zurückzuführen ist diese recht seltsam anmutende Frage auf das Verhalten zweier junger Mädels, die sich noch schnell vor dem Clubbesuch ihrer Höschen entledigen wollten. Es ist sicher eine Frage des persönlichen Empfindens, ob man sich das auch öffentlich zutraut – die beiden wirkten aber ziemlich um Privatsphäre bemüht. Als Tipp würde ich mal den Parkplatz gegenüber nennen. Sind keine 30 Meter Fußweg, dennoch sinkt die Zuschauerzahl von 100 auf 0. Inklusive irritierter Taxifahrer…

Der zweite nicht geschriebene Blogeintrag wäre eine Rezension des Films „Unknown Identity“ geworden. Ich fand ihn eigentlich ganz nett und unterhaltsam, aber natürlich hab ich mich über die Taxiszenen gewundert. Mal abgesehen davon, dass die inexistente im Film auftretende Firma natürlich quasi das organisierte Verbrechen selbst war: Es tut weh, als Taxifahrer zu sehen, wie eine Kollegin vom Adlon zum Flughafen Tegel als „schnelleren Weg“ irgendwie bei der Oberbaumbrücke vorbeikommt (um dann auch noch in die Spree zu fallen). Aber so ist das wohl, wenn man eine Stadt halbwegs kennt: Die Fiktion tut weh 🙂

Am frühen Morgen des Samstags hat mich dann auf der Leipziger Straße die betrunkene Beifahrerin in einem dunkelgrünen BMW ziemlich schamlos angebaggert, was ich allerdings eher als Scherz aufgefasst habe. Noch niveauloser waren nur zwei Jungs, die an einer Ampel bei mir einen Whopper bestellen wollten. Berlin, wie es leibt und lebt.

Zu guter Letzt gab es aber auch noch eine süße Begebenheit in letzter Zeit. Ich hab einen wirklich sehr sehr netten und schüchternen jungen Mann in einen Vorort gefahren. Es war an der Fahrt alles ok, aber auch alles belanglos. Die Strecke war nicht schwierig, der Kunde nett aber recht stumm und der Preis war kein Thema. Das Trinkgeld war durchschnittlich und ich bin nicht einmal durch irgendwelche Glasscherben gefahren. Es ist einfach nix passiert. Am Schluss hab ich bei ihm im Wohngebiet gewendet und dann mitbekommen, dass er tatsächlich an der Türe gewartet hat bis ich wieder vorbeigekommen bin, um mir zum Abschied nochmal zu winken…
Manchmal sind die Kunden ja schon niedlich 😀

Sonne!

In diesem Sommer kann man einen sonnigen Abend ja mal als Sondermeldung verkünden: Hier scheint die Sonne und die Temperaturen sind auch wieder ok. Am Wochenende bei der Arbeit sah das eher so aus:

Doof: Regen. Gut: Taxi. Quelle: Sash

Klaus hat zwar schon geschrieben, dass das Wetter auch Vorteile hat, aber mir ist es jetzt trotzdem Recht, mal wieder ein paar Sterne bei der Arbeit zu sehen…

Mal was zu Schönefeld / BBI

Nachdem wir uns gestern alle so schön einig waren, dass Zusammenarbeit was praktisches ist, hab ich heute mal ein etwas schwereres Thema.

Inzwischen sollten die meisten hier wissen, dass ich kein Flughafenfahrer bin. Ich schätze, das ist eine Gemütsfrage. Ich will mir einfach nicht regelmäßig eine zweistündige Wartezeit antun. Oder auch mal noch länger…

Abgesehen davon, dass ich sicher bin, mit mehreren kurzen Fahrten in derselben Zeit mehr Trinkgeld zu machen, bin ich einfach nicht geduldig genug. 2 Stunden am Stück rumlungern? Ich lese zwar gerne und ich schreibe gerne – aber zwischendrin möchte ich auch mal ein paar Leute im Auto haben. Mir ist klar, dass man auch so sein Geld in dem Gewerbe verdienen kann, für mich ist es zumindest derzeit keine Option.

Außerdem haben die Fahrer in Schönefeld es ja so schwer…

Ich wollte mal ein paar Worte zum Streit im Taxigewerbe um den Flughafen loswerden. Erst einmal ein kurzes Fazit vorweg:

Ich finde es schade fürs Gewerbe! Diese armselige Streiterei kotzt mich an! Wegen genau sowas haben wir Taxifahrer unseren schlechten Ruf weg!

Worum geht es? Ganz kurz: Der Flughafen liegt nicht in Berlin, sondern im Landkreis Dahme-Spreewald. Aufgrund einer Sonderregelung dürfen Taxen aus beiden Kreisen dort Kundschaft aufnehmen. Abgesehen vom Hickhack um die unterschiedlichen Tarife ist es vor allem so, dass die Taxifahrer sich dort gegenseitig nicht akzeptieren wollen. Es gibt eine Regelung zur „Gleichberechtigung“, die vorsieht, dass am Flughafen eine Art Reißverschluss-System herrscht: Ein Taxi aus Berlin, danach eines aus LDS. Die Berliner Taxler fühlen sich benachteiligt, weil es (weit!) weniger LDS-Taxen gibt und diese somit wesentlich schneller wieder laden können. Die Brandenburger hingegen fallen auch nicht gerade durch Wortarmut auf und verweisen darauf, dass der Flughafen nunmal ihrer sei und die Berliner ja gerne ganz wegbleiben können.

Die Positionen sind beide genauso verständlich wie unverständlich zugleich. Die wenigen LDS-Taxen könnten nie alleine den Flughafenverkehr schmeißen und die Berliner stehen sich ja mehrheitlich selbst im Weg und es ist meist nur blanker Neid, der sie vermuten lässt, es würde viel besser sein, wenn die Brandenburger weg wären.

In diesen konkreten Streitpunkten enthalte ich mich. Ich kenne die genauen Zahlen nicht und es stimmt sowohl, dass der Flughafen in LDS liegt, als auch, dass er letztlich hauptsächlich zu Berlin gehört. Ein Flughafen bietet eine Menge Umsatz für eine Menge Taxifahrer – und die sollten sich gefälligst einigen oder wenigstens an die ausgemachten Regeln halten. Jedem Fahrer steht es frei, den Flughafen zu meiden! Hab ich mal irgendwo eine Schlägerei angefangen, weil gerade am Ostbahnhof weniger Züge ankommen?

Ob die Regelung nun 1:1 oder (wie geplant) 5:1 fairer ist, weiss ich nicht. Fakt ist aber auch, dass das besser kein Taxler entscheiden sollte, der gerade sauer ist, weil im einer aus dem „anderen Lager“ eine gute Tour weggeschnappt hat.

Und nun dazu, weswegen ich das überhaupt schreibe, wo es mich doch gar nicht interessiert:

Vor einer Woche hat ein ungestümer „Kollege“ aus LDS, der scheibar auch noch ordnungsgemäß unter Klarnamen kommentiert hat, gemeint, im oben verlinkten Beitrag herumpöbeln zu müssen und Berliner Taxifahrern, wenn sie sich nicht „benehmen“, angedroht, dass sie „was auf die Fresse“ bekommen. Dabei sprach er auch noch schön von „uns“ und „wir“ und nannte eine (den Kollegen sicher bekannte) Gewerbevertretung.

Diese wenig internetaffine Vertretung antwortete mir im Gegensatz zu dem „Kollegen“ auch und schrieb folgendes:

„Wir werden versuchen heraus zu bekommen, wer der Schreiber M. K. (so es
der richtige Name ist) wirklich ist. Dann werden wir Ihn gemeinsam zur Rede
stellen. Desweiteren verwahren wir uns gegen solche Behauptungen und Wortspielereien
und vor allem Drohungen gegen andere Kollegen, egal aus welchen Grund.
Dieses kannst und sollst Du auch in deinem Forum wiedergeben.“

(der Name wurde von mir gekürzt, die Vertretung kennt ihn selbstredend)

Die Gewerbevertretungen sind nicht meine Lieblinge und ich möchte dieses Statement nicht einfach so für bare Münze nehmen. Die streiten sich ja auch wunderbar ums Thema – aber das ist in ihren Kreisen auch angemessen und nötig. Ich bin mir sicher, dass sich hier alle Beteiligten (also auch die Berliner) nichts schenken.

Aber eines möchte ich an dieser Stelle klarmachen: Der Kommentar des Kollegen ist zufällig (wie derletzt schon viele andere) im Spamordner gelandet. Zum Glück. Denn derartige Scheiße will ich hier nicht lesen! Ich biete mit dem Artikel eine Möglichkeit, auch hier über die Regelung in Schönefeld zu diskutieren und vielleicht auch um Infos auszutauschen. Es würde mich freuen, wenn das passiert. Dazu sind auch ganz explizit Kollegen aus LDS eingeladen!

Was jedoch nicht sein kann, ist, dass GNIT hier missbraucht wird, damit sich Taxifahrer gegenseitig Drohungen an den Kopf werfen können! Ich weiss, dass in unserem Gewerbe nicht Friede-Freude-Eierkuchen herrscht und wir alle unser Geld verdienen müssen und wollen. Das kann aber kein Grund sein, die eigenen Kollegen anzugehen! Und wer sich nur deswegen im Recht fühlt, weil er meint, er sei aus einer besseren Gegend, der kann sich verpissen von hier, und zwar für immer!

„The Best Western please!“

Das ist so in etwa das Schlimmste, was einem als Taxifahrer in Berlin passieren kann. Oder das Beste – falls der Kunde die Rundfahrt bezahlen will. Die Seite der Best-Western-Kette bietet selbst den besten Überblick, weswegen man das so sagen kann: Suchergebnisse für Berlin bei Best Western. (ich hoffe mal, der Link klappt)

Getroffen hat es einen der netteren Kollegen an meinem Lieblingsbahnhof. Rein vom Optischen her ein Bilderbuchkutscher und sehr nett und erfahren. Ich hab ihn nur ein paarmal dort gesehen, aber wahrscheinlich gehört er wirklich zur Lichtseite des Gewerbes. Nur Englisch ist nicht so sein Ding.

Ich stand direkt hinter ihm und nach ein paarmal gegenseitigem Achselzucken bin ich ausgestiegen und hab mal nachgefragt, ob ich irgendwie helfen kann. Nun kannte der Kollege das Best Western City Ost nicht – was ich aber auch nur kenne, weil ich zufällig schon einmal da war. Auch mit englischem Publikum übrigens, der Fahrgast damals war allerdings um etliches verstrahlter als das gut situierte Ehepaar dieses Mal.

Ich hab ihm also kurz zu sagen versucht, an welcher Ecke das Hotel liegt, war mir allerdings auch nicht bis aufs Letzte sicher. Dass man das Hotel im Vorbeifahren übersieht, kenne ich aus eigener Erfahrung – da mag es noch so direkt an der Frankfurter Allee liegen. Den Fahrgästen wurde die Sache etwas unheimlich und sie haben verschämt nachgefragt:

„So, would YOU please bring us there?“

Ich hab ihn gefragt und er hat eingewilligt. OK, eine lange Tour war es nicht, aber nicht jeder Kollege gibt gerne seinen Fisch an der Angel ab. In Nullkommanix waren die beiden dann dorthin verfrachtet, und sie haben die 8 € mit 12 beglichen. Mit einem ausdrücklichen Dank für meine guten Englischkenntnisse und mein kulantes Einspringen.

Der Kollege ist zufällig nach seiner Tour auch wieder zum Bahnhof gefahren. Wir kamen in genau derselben Konstellation wieder zum Stehen. Er erkundigte sich gleich, wo das Hotel jetzt nochmal genau ist und merkte es sich. Außerdem beglückwünschte er mich zu dem dicken Trinkgeld und gestand:

„Naja, so viel hätt‘ ick ja eh nich‘ jekriegt. Mit mein Englisch.“

Er hatte eine Tour für 7,60 €. Hat sich also im Prinzip alles nix geschenkt. Wie man sieht, muss man auch in diesem Gewerbe nicht ständig nur um jeden Euro untereinander kämpfen. Zusammenarbeit ist für alle Beteiligten wesentlich gechillter!

Das erste Taxi am Stand

Die Berliner Taxiordnung sagt in Paragraph 4 (2):

„Den Fahrgästen steht die Wahl der Taxe frei. […]“

Soweit die Theorie. Wie sieht das in der Berliner Realität aus? Ein Erfahrungsbericht:

Ich hatte mir (was sehr selten ist) an der Tankstelle meines Vertrauens ein belegtes Brötchen für lächerliche 2,99 € rausgelassen und mich zum Essen am Bahnhof an den Stand, auf Position 25 etwa, gestellt.
In dem Moment, in dem ich erwartungsvoll die Tüte öffne, klopft es an meine Scheibe:

„Sag mal, bringste mich kurz zum Mariannenplatz?“

Wäre er nur 5 Sekunden später gekommen, hätte ich mit „Felbverfbämfliff“ antworten müssen, ohne eine halbe Gemüsetheke im Mund gelang mir aber die hochsprachliche Artikulation.

„Letztes Mal hat mich der Taxifahrer ganz vorne gebeten, doch nach hinten zu gehen, ist das in Ordnung?“

Jein. Bitten oder Beten ist nicht verboten. Wie wir eingangs gelesen haben, ist dem Wunsch eines Fahrgastes aber Folge zu leisten. Mein übersensibler Kunde war tatsächlich gewillt, es allen Fahrern auf diesem Planeten recht zu machen, da war das sichtlich in Ordnung. Ich denke, ich kann für fast alle Fahrer sprechen, wenn ich sage: Wir freuen uns, wenn der Kunde sich über unser Geschäft Gedanken macht und eine kurze Fahrt mit einem der hinteren Taxen absolviert, weil diese noch nicht so lange gewartet haben. Selbst ich ärgere mich manchmal insgeheim, wenn ich nach einer Stunde Standzeit eine Tour für 5 € bekomme, das bleibt nicht aus, wenn man umsatzbasiert bezahlt wird.

Aber es ist und bleibt dabei: Der Kunde darf sich das Auto (und damit auch den Fahrer) aussuchen. Wir Fahrer mögen den ein oder anderen Kundenwunsch nicht verstehen, aber legitim ist er. Ob der Kunde sich das Auto aussucht, weil es an einer bestimmten Stelle steht, weil es neuer, größer, sauberer oder vielleicht doch eher gemütlicher, lustiger oder älter ist: Es ist sein Recht. Wir Taxifahrer haben eine Beförderungspflicht, und die gilt in einem siffigen Lada ebenso wie in einem frisch geputzten Mercedes.

Das Problem ist schlicht der Faktor Mensch. Jeder Taxifahrer geht anders mit seinem Job und den Kunden um. Und viele sind der Meinung, dass das ungeschriebene Gesetz, der erste bekomme die Tour, über der Taxiordnung steht.
Man sollte als Kunde nicht verwundert sein, wenn ein Fahrer den ersten in der Reihe vorschlägt. Es ist meist einfach ein Versuch, kollegial zu sein.
Ebenso finden sich aber natürlich auch Arschlöcher am Taxistand, die als letzte in der Reihe den Kunden mit der Kurztour wieder nach vorne schicken, „weil das so ist“, obwohl sie in Wirklichkeit nur dem Kollegen eine kurze Tour unterjubeln wollen und selber auf einen dicken Fisch warten.

Damit ist es ein leidiges Thema, denn es ist schwer, es allen Taxifahrern recht zu machen. Wir sind auch nur Menschen und haben alle ein bisschen verschiedene Ansichten. Wirklich beliebt sind kurze Strecken vielleicht nie – aber genau das ist ein Grund mehr, die Taxiordnung beim Wort zu nehmen und als Kunde zu entscheiden, mit wem man fahren will!

Ich würde wirklich gerne einen allgemeingültigen Tipp geben, welches Auto man als Kunde am ehesten wählen sollte – aber irgendwer in der Kollegenschar fühlt sich immer auf die Füße getreten. Vielleicht sollte ich es so machen:

Wenn sie eine kurze Strecke im Taxi fahren wollen, dann sagen sie das im Voraus und fahren dann mit dem Fahrer, der am nettesten reagiert. Und wenn sie das Gehacke um dieses Thema genauso stört wie mich, dann bedanken sie sich bei genau diesem Fahrer mit einem guten Trinkgeld und verzichten sie beim nächsten Nörgler ganz explizit (gerne mit Ansage) darauf. Vielleicht ändert sich dann mal was…

Mündlich: Mangelhaft

„Hallo, wo ist der Braucher Berg?“

„Der wat bitte nochmal?“

Als mich der Typ mit seinem Kumpel am Ostbahnhof angequatscht hat, hab ich zwar einen groben Verdacht gehabt, dennoch vermutet, ich kann ihm nur bedingt weiterhelfen.

„Ja, der hier, der Braucher Berg?“

Das klang verdächtig nach Prenzlauer Berg (wenn man die Fantasie eines 8-jährigen Kindes mit der Lebensweisheit eines 80-jährigen Taxifahrers kreuzt), aber das ist als Stadtteil doch eine etwas unscharfe Angabe. Wobei? Die Straße…
Es gibt ja auch tatsächlich eine Straße, die Prenzlauer Berg heißt. Ich fragte mich bloß, was Touris da wollen könnten. Sonderlich spannend kam mir die Ecke nicht vor bisher.

Aber sie hatten Hilfe in Form einer kleinen Karte dabei. Die war offensichtlich von einer bestimmten Einrichtung herausgegeben, denn sie umfasste nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Straßennetz. Sie deuteten auch gleich auf „Prenzlauer Berg“ und verdeckten dabei rund 80% der sicher lesenswerten Restinfo.

„Ihr wollt zum Prenzlauer Berg. Sicher? Wohin genau?“

Ich schaute mir die beiden nochmal an. Inzwischen hatte ich auch herausgefunden, dass es Schweizer waren, und so wie sie mit ihren Wanderrucksäcken vor mir standen, erweckten sie den Anschein, gar nicht Taxi fahren zu wollen. Nicht, dass die Strecke unschaffbar wäre, aber ich hätte nach einer wahrscheinlich 8- bis 10-stündigen Fahrt besseres zu tun als noch mal eben 3 Kilometer zu laufen.

„Ja, äh, eigentlich genau hier.“

Sprach es und legte den Rest der Karte frei, wo alsbald ein mir nicht unbekannt vorkommendes Zeichen unter dem Finger zum Vorschein kam, das mir irgendwas sagen wollte. Ich warf nur einen flüchtigen Blick auf die umständliche Karte und meinte:

„Ihr wollt ins Pegasus Hostel?“

„Äh ja, genau.“

„Na das ist hier direkt um die Ecke. Da vorne links und dann nach 600 Metern auf der linken Seite.“

Manchmal wäre das Leben einfacher, wenn man nicht aneinander vorbeiredet 🙂
Ich weiss, ich sage ja auch immer wieder: Merkt euch in Berlin am Besten auch gleich den Stadtteil und den Straßennamen – auch wir Taxifahrer können nicht alles wissen – aber mit dem Namen des Hotels darf man es durchaus auch mal probieren. Vor allem, wenn man ihn besser aussprechen kann als etwaige Straßennamen. 😉

(Was beim Pegasus durchaus öfter vorkommt, da es in der Straße der Pariser Kommune liegt, was insbesondere für Nichtdeutschsprachige eine enorme Schwierigkeit darstellt.)

Taxistand Kulturbrauerei

Zu meinen regelmäßigen Standplätzen gehört auch die Kulturbrauerei. Dort ist leider wunderbar zu beobachten, wie Interessen von Stadt und Taxigewerbe auseinandergehen können und was das im Alltag für Stress bedeuten kann.
Da selbst Google Maps noch nicht ganz auf dem aktuellen Stand ist an dieser Kreuzung, müsst ihr eine meiner seltenen Zeichnungen ertragen. Bitteschön:

 

Die Kulturbrauerei-Haltesituation (+Elch) Quelle: Sash

An der Ecke Knaack-/Danziger Straße befindet sich ein Ausgang der Kulturbrauerei, hier durch das X links markiert. Da die Knaackstraße eine Einbahnstraße ist, bietet es sich für die Taxifahrer an, in zweiter Reihe vom Eingang bis weiter unten in der Straße auf der linken Seite zu halten. Die gewohnheitsmäßigen Halteplätze sind hier mit den Buchstaben A bis E gekennzeichnet, am Wochenende kann es schon mal bis zum Buchstaben R gehen 😉

Die Halte ist natürlich nicht legal, das hat sie mit vielen anderen gemein. Es ist auch tatsächlich relativ eng in der Knaackstraße, wenn dort eine Stange Taxen wartet. Nun hat man uns dort vor einiger Zeit etwas fantastisches geschenkt: Eine Taxihalte in legal. Diese findet sich auf dem Bild dort, wo TAXI geschrieben steht, und etwas ungelenk dazuwischengekritzelt sind die Halteplätze 1 bis 3. Abgesehen von meinem unklaren Verhältnis zur maßstabsgetreuen Zeichnung kann man sich jetzt wahrscheinlich bildlich vorstellen, wie es da aussieht, oder?

Sowohl die Macht der Gewohnheit, als auch Platzmangel und rationale Erwägungen sorgen nun dafür, dass die Halte eigentlich kaum genutzt wird. Zumindest Nachts. Zum einen eignet sie sich viel besser als einfache Ausfahrt von Position A. Auf A kann man quer zur Fahrtrichtung halb in den Eingang der Kulturbrauerei hineinstehen und dann über den eigentlichen Taxistand auf die Danziger fahren (das hat im Übrigen auch den Vorteil, dass man sich die oft rote Ampel am hier nur angedeuteten Fußgängerüberweg an der Danziger spart).

Die Kunden fallen einem quasi direkt ins Auto, und gut ist. Der Nachteil ist natürlich: Wenn die Cops das doch mal mitbekommen, ist man dank Halten auf der Straße, dem Gehweg und in einer Feuerwehreinfahrt wahrscheinlich ziemlich viel Geld los…
Ein guter Grund, die legale Halte zu verwenden, oder? Unter der Woche sicher, denn solange nur maximal 3 Taxen vor Ort sind, funktioniert das ganz gut. Sobald aber Taxi 4 dann entweder auf Position A oder B wartet, steigen alle (!) Kunden aus der Kulturbrauerei (und das sind die meisten) in dieses Auto ein, weil es näher ist. Mal ganz abgesehen davon, dass die Kunden wegen dieser Entfernungsphobie auch grundsätzlich eher Taxi 3 wählen – was zwar die Abfahrt schwieriger macht, aber so ist es eben…

Da ich dennoch nicht viel Lust auf Ärger mit den Cops hab, und mich gerne unter der Woche spät dort ans Eck stelle, wo man auch mal ein Weilchen warten kann, versuche ich tatsächlich, mitten auf der Halte, also eher in Position 2 zu warten. Sollte ein Kollege kommen, rücke ich kurz vor.
Dummerweise inspiriert das einige Kollegen, zu denken:

„Haha, ein Idiot! Der stellt sich soweit vom Eingang weg, da stelle ich mich doch auf Position A und räume die Kunden ab!“

Das ist weder ein Einzelfall, noch erfolglos. Man hat also die Wahl zwischen Pest und Cholera: Riskiere ich ein Bußgeld oder riskiere ich, dass mir eine Fahrt  – durchaus auch mehrmals 🙁 – weggeschnappt wird?

Kleiner Witz am Rande: Als ich mich mal ausnahmsweise als einziges Taxi auf Position A gestellt hab, kam prompt ein Kollege an, positionierte sich auf der 3 und beschuldigte mich, ein widerlicher Aasgeier zu sein…
Aber normalerweise entscheide ich mich gegen die rauhen Sitten und nehme es in Kauf, dass mir ein oder zwei Touren durch die Lappen gehen. So auch neulich. Es kam auch, wie es kommen musste: Ich stand 10 Minuten da, dann kam ein Kollege ohne mich eines Blickes zu würdigen zur Position A gefahren, lud binnen zweier Minuten Kundschaft ein und brauste (noch dazu über die rote Ampel hinweg) davon. Man gewöhnt sich dran, aber an dem Abend hat es mich echt gefuchst. Also hab ich mein Buch zugeschlagen und zu mir selbst gesagt, dass ich auf die Kundschaft hier scheiße und eine Runde durch die Stadt fahren werde. An der nächsten Ecke würde ich sicher eine gute Tour bekommen! So!

Danziger Ecke Prenzlauer (also 400 Meter weiter) sprang mir dann ein kleiner Mann ins Auto und wollte zur Deutschen Oper. Die Tour hat etwa 20 € gebracht, die Genugtuung war unbezahlbar 😀