„The Best Western please!“

Das ist so in etwa das Schlimmste, was einem als Taxifahrer in Berlin passieren kann. Oder das Beste – falls der Kunde die Rundfahrt bezahlen will. Die Seite der Best-Western-Kette bietet selbst den besten Überblick, weswegen man das so sagen kann: Suchergebnisse für Berlin bei Best Western. (ich hoffe mal, der Link klappt)

Getroffen hat es einen der netteren Kollegen an meinem Lieblingsbahnhof. Rein vom Optischen her ein Bilderbuchkutscher und sehr nett und erfahren. Ich hab ihn nur ein paarmal dort gesehen, aber wahrscheinlich gehört er wirklich zur Lichtseite des Gewerbes. Nur Englisch ist nicht so sein Ding.

Ich stand direkt hinter ihm und nach ein paarmal gegenseitigem Achselzucken bin ich ausgestiegen und hab mal nachgefragt, ob ich irgendwie helfen kann. Nun kannte der Kollege das Best Western City Ost nicht – was ich aber auch nur kenne, weil ich zufällig schon einmal da war. Auch mit englischem Publikum übrigens, der Fahrgast damals war allerdings um etliches verstrahlter als das gut situierte Ehepaar dieses Mal.

Ich hab ihm also kurz zu sagen versucht, an welcher Ecke das Hotel liegt, war mir allerdings auch nicht bis aufs Letzte sicher. Dass man das Hotel im Vorbeifahren übersieht, kenne ich aus eigener Erfahrung – da mag es noch so direkt an der Frankfurter Allee liegen. Den Fahrgästen wurde die Sache etwas unheimlich und sie haben verschämt nachgefragt:

„So, would YOU please bring us there?“

Ich hab ihn gefragt und er hat eingewilligt. OK, eine lange Tour war es nicht, aber nicht jeder Kollege gibt gerne seinen Fisch an der Angel ab. In Nullkommanix waren die beiden dann dorthin verfrachtet, und sie haben die 8 € mit 12 beglichen. Mit einem ausdrücklichen Dank für meine guten Englischkenntnisse und mein kulantes Einspringen.

Der Kollege ist zufällig nach seiner Tour auch wieder zum Bahnhof gefahren. Wir kamen in genau derselben Konstellation wieder zum Stehen. Er erkundigte sich gleich, wo das Hotel jetzt nochmal genau ist und merkte es sich. Außerdem beglückwünschte er mich zu dem dicken Trinkgeld und gestand:

„Naja, so viel hätt‘ ick ja eh nich‘ jekriegt. Mit mein Englisch.“

Er hatte eine Tour für 7,60 €. Hat sich also im Prinzip alles nix geschenkt. Wie man sieht, muss man auch in diesem Gewerbe nicht ständig nur um jeden Euro untereinander kämpfen. Zusammenarbeit ist für alle Beteiligten wesentlich gechillter!

11 Kommentare bis “„The Best Western please!“”

  1. So ist es. Miteinander statt Gegeneinander bringt die Menschen am weitesten.

  2. pansen sagt:

    BW suche geht leider nicht. Aber Suchexperte Herr Google kann’s und hat sogar eine Karte und ein URL-shortener http://goo.gl/3mr77

    Aber du hast Recht, was haben aggresive Egoisten für ein Leben, jedenfalls kein angenehmes.

  3. Bernd sagt:

    Finde ich auch sehr schön. So müßte man immer zusammenarbeiten können.

  4. Sash sagt:

    @Der Maskierte:
    Es sollten nur mal alle verstehen 🙁

    @pansen:
    Danke für den Link! 🙂

    @Bernd:
    Und gerne auch andersrum. Wenn die Kunden am Ende zufrieden sind… an einer abgegebenen Tour ist noch kein Taxler verhungert.

  5. ednong sagt:

    Jaja, das Miteinander ist vielen einfach noch nicht geläufig. Kann man ja seine Ellenbogen nicht nutzen …

  6. […] wir uns gestern alle so schön einig waren, dass Zusammenarbeit was praktisches ist, hab ich heute mal ein etwas schwereres […]

  7. Sash sagt:

    @ednong:
    Ja, und die sind ja bekanntlich leichter zu bedienen als dieses graue Ding da im Kopf…

  8. highwayfloh sagt:

    Es wäre so vieles „leichter“ im Leben, wenn die Gesellschaft an sich fähig wäre, mal die eigenen Befindlichkeiten etwas zurück zu stellen und sich gegenseitig sozusagen den „Dreck unter den Fingernägeln“ gönnen würde..

  9. Sash sagt:

    @highwayfloh:
    Ja, das wäre es. Aber die Idioten sterben einfach nicht aus…

  10. […] zu diesem Thema habe ich schon mal einen Artikel geschrieben. Ein bisschen näher erklären konnten sie es dann aber […]

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