Zeitmanagement auf der Warschauer

Ich weiß nicht, ob die Warschauer tagsüber gerade noch eine Straße ist, denn die Baustellen sorgen teilweise bis nach Mitternacht für Rückstaus. Das müsste zu hellen Stunden einer Komplettsperrung gleichkommen. Die zwei Jungs wollten aber undbedingt zum Bahnhof, änderten ihr Ziel dann aber zur Ecke Revaler. Und da war er nun, der Stau. Und der verbleibende Weg betrug etwa 400 Meter. Ich hab sie vorsichtig drauf hingewiesen:

„Mir soll’s zwar egal sein, aber ich glaube, ihr seid zu Fuß schneller.“

„Ach was, wir sind heute stinkfaul. Das passt schon!“

5 Minuten und 200 Meter weiter:

„Du, wir steigen doch besser aus …“

20 Sekunden später löste sich der Stau komplett auf und ich überholte die Jungs auf halber Strecke. Das ist nicht mal nur Stau, das ist auch noch vollkommen fies, was der Verkehr da macht! 🙂

Mal Du, mal die anderen, aber immer er.

Ich hab neulich schon über unseren Fernfahrtspezialisten geschrieben. Ob wir ihn nun Jörg, Rolf oder Gustav nennen, ist ja mal egal. Mit ihm stand ich am Mittwochabend am Ostbahnhof und wir waren beide etwas gebeutelt. Nur knapp ein Zehner Umsatz pro Stunde, ein schlechter Witz. Aber der Kollege belehrte mich in väterlichem und leicht sächsischem Tonfall:

„Ach Sascha, das weißte doch: Mal verlierst Du, mal gewinnen die anderen!“

Eine halbe Stunde später stehe ich wieder bei ihm am Auto, da kommen zwei Punks angelatscht.

„Entschuldigen Sie. Würden Sie uns für diesen Scheiß-Gutschein der Scheiß-Bahn nach Fürstenwalde bringen?“

„Ach, warum nicht?“,

meinte der Kollege dann gelangweilt. Wie der das macht, wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Immerhin war er seit meinem letzten Artikel schon wieder in Frankfurt/Oder …

Wie eine gute Schicht endet

Seit der Tour mit den spendablen SO36-Besuchern waren 15 Touren ins Land gezogen. Für einen Wochenendtag nicht sonderlich viele, aber sie waren länger als der Durchschnitt und so hatte ich meinen Schwan (200 €) voll. Ab Richtung Heimat!
Gut, die Fackel hab ich trotz Morgendämmerung angelassen. Wenn der Tag schon gut läuft …

Und so kam ich tatsächlich am Ostkreuz vorbei und wurde rangewunken.

„Ach ja, wo soll’s schon hingehen?“,

dachte ich einmal mehr.

Was Bullshit ist. Es mag gewisse Wahrscheinlichkeiten geben, nach denen Winker am Ostkreuz in östlicher Fahrtrichtung in Richtung Osten wollen – für eine einzelne Fahrt indes sagt das NICHTS aus!

„Regattastraße.“,

sagte mein Fahrgast.

Ich dachte nach: Grünau, eine lange Fahrt. Nicht direkt zielführend, aber immerhin in den Osten. In diesem Fall Südost statt Nordost – aber da kann man ja trotzdem schnell nach Hause cruisen! Passt also!

„Die in Reinickendorf!“,

warf mein Fahrgast dann ein.

BITTE, WAS?

Aber ja, auch dort gibt’s eine Regattastraße.

Nachtrag: NEIN, NICHT! Fehler meinerseits: Es war wohl nur ein Verhörer und ich hab nicht aufs Straßenschild geschaut. Der Fahrgast meinte die Ragazer Straße. Sorry an alle Kollegen, die jetzt am Suchen waren und danke an @taxijuergen auf Twitter, der mich zum Nachdenken gebracht hat!

Hab ich auch erst durch diesen Fahrgast erfahren. War richtungsmäßig eine mittlere Katastrophe, aber eben auch für gutes Geld. Diese kuriose Taxifahrer-Haltung vor Feierabend („Mist, falsche Richtung – aber immerhin schön weit!“) kam hier voll zum Tragen.

Ich hab es gemacht und dennoch (an angemessener Stelle!) dem Fahrgast mein Leid geklagt. In dem Fall hat sich das sogar gelohnt: Die 24,80 € hat er mit immerhin 28,00 € beglichen.

Dann war aber wirklich Ende. Fackel aus und Sturzflug in Richtung Marzahn! Ich war zwar umsatzmäßig zufrieden, aber eben spät dran …

Headhunter-Hinterlassenschaften

Ich muss eben noch mal auf die Headhunterin aus dem letzten Eintrag zurückkommen. Die Fahrt war wie gesagt nett, das Trinkgeld ok und ich war sowieso ein bisschen erfreut über die tolle Vorlage für einen Blogartikel.

Etwas weniger erfreut war ich eine Minute später, an der nächsten Ampel, als ich mal wieder wie so oft spontan nach hinten in den Fahrgastraum geschielt habe, ob da noch alles in Ordnung ist. Manchmal mache ich das, während die Kunden aussteigen, manchmal denke ich erst später dran.

Und „in Ordnung“ war hier nicht das Wort der Wahl. Auf der Fußmatte vor dem Sitz, auf dem eben noch die junge Frau saß, war eine Pfütze, in deren Mitte sich Früchte stapelten. WTF?

Ich hab die Fackel ausgemacht und bin mal eben zur nächsten Tanke gegurkt. Hatte mir die Heldin echt ins Auto gekotzt?

Nein. So talentiert, das zu überspielen, war nicht einmal sie. Allerdings hatte sie offenbar einen Cocktail mit ins Auto geschmuggelt und verschüttet – und ich hab’s nicht bemerkt. Gut, es waren zwei Kilometer Leerfahrt und 50 Cent für den Kärcher an der Tankstelle. Für einen Fünfer extra hätten wir da gerne gemeinsam drüber lachen können. Aber so dämpft es die Freude über eine so nette Fahrt dann doch ziemlich. Betrunken schön und gut, aber das muss doch echt nicht sein! 🙁

Sichere Fahrten, die einem enttrommelt werden

Man sieht öfter mal Leute, die scheinbar dazu tendieren, ein Taxi zu nehmen, dann aber doch weiterlaufen. Schade. Jedes Mal wieder. Der neulich hatte seine Hand allerdings schon am Türgriff, weswegen ich ihn auch schon mit einem „Guten Abend!“ begrüßt hatte.

Womit wir beide nicht so wirklich gerechnet hatten, war seine Freundin, die (nach langen vorhergegangenen Streitereien) nun dann doch noch heulend und brüllend auf ihn zugerannt kam, mit ihren Fäusten auf seine Brust trommelte und ihn irgendwelcher Sachen bezichtigte. Ich hab mich damit getröstet, dass ich nun immerhin keinen der beiden fahren musste, statt beide zusammen.

Der Kollege hinter mir meinte (offensichtlich mit einigem Erfahrungshintergrund):

„Warum haut se ihm nich‘ inne Fresse? Brust tut ja nich‘ weh!“

Am Ende war das aber tatsächlich einer der Gründe, nicht einzuschreiten. Verletzungen – zumindest physische – hatten die beiden sich offenbar nicht vor, sich zuzufügen.

Trotzdem: Alle bekloppt!

Osterferien oder Januar II

Obwohl dieses Wochenende das erste Mal dieses Jahr sowas wie Ausgehwetter angesagt war, waren die Umsätze im Taxi grotesk niedrig. Auf mein normales Wochenende fehlen knapp 40%, und das hat nur bedingt damit zu tun, dass ich auch immer ein wenig früher Feierabend gemacht habe. Die 2 Stunden, die ich normal mehr runtergerissen hätte, hätten locker den doppelten Stundenschnitt von Silvester hergeben müssen, um das Wochenende noch gut zu machen. Ein Tag schlechter als der andere – aber immerhin bin ich viel zum Lesen gekommen.

Dass ich heute früher Feierabend gemacht hab, lag aber eher an der letzten Fahrt. Die Informationen, wo es letztlich hingehen sollte, waren nämlich zu Beginn sparsam, es war eine Tour mit zwei Zwischenstopps. Als wir dann am Ende aber keinen Kilometer von der Firma entfernt gelandet waren, wollte ich wirklich nicht nochmal in die Stadt zurück. Obwohl die Fahrt Laune gemacht hat. Eine besoffene Sechsergruppe inklusive einer potenziellen Kotzerin mit mauen Richtungsangaben – trotzdem toll. Manchmal machen es dann doch die Menschen hinter den Fahrgästen aus.

Und die Tour war lang und hat meinen Umsatz erheblich erhöht. 34,40 € inkl. Zuschläge. Was auch schon wieder niedlich war. Ohne die Zuschläge standen ja erst einmal 31,40 € auf der Uhr. Mir wurden 35 mit einem „Stimmt so“ gereicht. Als ich dann den bösen Knopf gedrückt habe, der beides zusammenzählt, wurde mir von einer Kundin immerhin noch eine Münze nachgereicht:

„Tut mir leid, wir dachten, es wären nur die 31,40.“

Ich hab ihr kurz das System mit den Zuschlägen erläutert und sie fand das nicht etwa doof oder unnötig, sondern schön, es zu wissen. Da sind mir die zwei verlorenen Euro Trinkgeld dann doch auch egal gewesen, verständige Kundschaft ist mir persönlich mehr wert.

Laune von null auf hundert auf null

Eine 10€-Tour nach Friedrichshain rein. Nun ja, so mittel halt. Aber dann erwies sich die Kundin als äußerst nett, gesprächig, es war einfach schön. Einfach eine nette Unterhaltung, das kann nach einer Stunde Wartezeit selbst bei einer durchschnittlichen Fahrt schnell mal die Laune heben.

Dann, wir waren noch 300 Meter vom Ziel entfernt, winkte es. Deutlich, penetrant, ich hab in Gedanken die Augen verdreht und mir gedacht:

„Hallo, so langsam müsste doch auch der letzte begriffen haben, dass eine ausgeschaltete Fackel bedeutet, dass das Taxi besetzt ist!“

Andererseits hoffte ich doch auch irgendwie, die beiden noch einsacken zu können. Die Aussicht war gering, wir waren auf einer Hauptstraße, durch die gerade an jenem Abend mehr als genug Taxis fuhren. Aber während ich meine Kundin und ihr Gepäck auslud, passierte nichts. Kein Taxi, Totenstille. Also hab ich sofort Vollgas gegeben und bin zurückgeschossen. Und sie standen noch da, puh!

Mit Höflichkeiten haben wir uns dann nicht lange aufgehalten.

„Alt-Biesdorf, zur Tierklinik. Kennste?“

„Ja, schon mal gesehen.“

„Schön.“

„Und, ist das dann jetzt ein Notfall?“

„Ja.“

Und da war die gute Laune wieder hin. Sicher, die Fahrt war gut für mich, aber die Fahrgäste waren deprimiert, telefonierten die ganze Zeit, so eine Tour halt.

Was passiert ist, weiß ich nicht. Das Tier war wohl schon in der Klinik. Aber der Laune nach wurde der altehrwürdige Familienhund eingeschläfert. 🙁

Schön, dass ich helfen konnte. Aber irgendwie ging’s mir 15 € vorher noch deutlich besser.