Die Konkurrenz untereinander

oder 2:1

Es gibt zwar wahrlich aufregendere Themen am Taxistand, aber natürlich unterhält man sich über gute Fahrten, die Umsätze, das Geschäft. Und man neckt sich auch mal.

Da ist zum Beispiel Kollege Rolf, der unter uns Nachtfahrern einen Ruf wegen dauernder Fernfahrten weg hat. Er war es, der beim Sturm Niklas nach Hamburg weggekommen ist – und als ich einmal nach Cottbus gefahren bin, hatte er denselben Fahrgast am nächsten Abend auch nochmal.

Und dann bin ich am Samstag an den Ostbahnhof rangefahren und der Kollege steht da und erzählt einem anderen, dass er vorher eben vom Ostbahnhof bis nach Zehlendorf gekommen sei.

„Na Rolf“,

warf ich ein,

„Da biste heute aber nicht der mit der weitesten Tour gewesen. Ich komm‘ grad aus Fürstenwalde.“

Das war nicht gelogen. Ich hatte aus heiterem Himmel einen Bahn-Coupon bekommen. Letzter Abend des Streiks und so.

Nun ist die Glückspilzeritis bei Rolf aber derart akut, dass er 10 Minuten später vor meinem Auto steht, einen Bahncoupon hinhält, auf dem „Ostbhf – Fürstenwalde“ steht und meint:

„Na Kollege, haste so einen bekommen vorher?“

„Ja. Und äh … der jetzt?“

„Der is‘ von meinem Kunden. Der raucht gerade noch eine …“

Der Kerl ist nicht zu toppen! Keine Ahnung, wie er das macht.

Kaum dass Rolf weg war, kam ein anderer Kollege und fragte mich, wie’s an der Halte laufen würde. Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass es so mittel sei, aber Coupons nach Fürstenwalde im Spiel seien. Also hat er sich angestellt und wir haben gequatscht. Er meinte, dass er so eine Fahrt auch noch brauchen könnte jetzt, der Umsatz war bis dato nicht so dolle; während ich darüber sinnierte, ob irgendwer schon mal zwei lange Umlandstouren in einer Schicht hatte. Und als den Kollegen ein potenzieller Fahrgast etwas fragt, erscheint wie aus dem Nichts plötzlich eine junge Frau neben mir, hält einen Coupon hoch und fragt:

„Fürstenwalde?“

Die Frau hat die einstündige Fahrt gemütlich schlafend auf dem Beifahrersitz verbracht und ich hab mich, so langsam kurz vor Feierabend, auf die dunklen Landstraßen im Wald konzentriert. Einmal musste ich allerdings grinsen – und das war, als Rolf mir entgegengefahren kam. Ich kann es kaum erwarten, ihn am Donnerstag wiederzusehen … 😀

11 Kommentare bis “Die Konkurrenz untereinander”

  1. philipp sagt:

    Herzlichen Glückwunsch.
    Ich hatte (als Fahrgast) mal die Situation, dass mir ein Zugbegleiter einen Taxigutschein für eine ~120 km-Tour angeboten hat, falls ich den Anschluss verpassen würde. So weit ist es dann doch nicht gekommen – das Gesicht des Taxifahrers hätte ich dann aber doch gerne gesehen…

  2. Aro sagt:

    In Fürstenwalde muss es ja mittlerweile ziemlich voll sein…

  3. Sash sagt:

    @philipp:
    Ich muss ehrlich gestehen, dass ich da durchaus ein Pokerface aufsetze. Ich sage gerne, dass es eine gute Tour ist, aber ich hüpfe da auch nicht selig grinsend am Stand rum, obwohl das den Gedanken in so einem Fall sicher näher kommen würde.

    @Aro:
    Ja, in Fürstenwalde Nord war quasi Stau. Da stand tatsächlich ein Auto.

  4. Hast du Rolf eigentlich fröhlich zugewunken, als er dir entgegen kam? Und dabei im Kreis gegrinst?

  5. Sternennacht sagt:

    Hmm, ist das immer bewiesen das er solche Fahrten hat, oder schmückt er gerne Geschichten etwas aus?

    Ich habe einen Kollegen der, wenn ich 20 Kilometer weit war – 50 Kilometer weit weg war, war ich 50 – war er 100, war ich 100 – war 200, war ich auf dem Mond war er auf dem Mars usw.

  6. Marco sagt:

    @Sternennacht: Im Artikel über den Sturm erwähnt Sash zumindest, dass er diesem Kollegen im Gegensatz zu anderen die Erzählungen glaubt.

    @Sash: Keine Ahnung, ob das Absicht ist, aber deine Anonymisierung ist nicht konsequent, im Cottbus-Artikel heißt der Kollege Jörg 😀

  7. Sash sagt:

    @Der Maskierte:
    Quasi. Innerlich. Aber ich war eigentlich bemüht genug, das Kennzeichen zu erkennen.

    @Sternennacht:
    Wie Marco schreibt: Wenn er sowas sagt, hat das Hand und Fuß. Und wie man sieht: Er zeigt seine Trophäen ja auch gerne mal rum. 😉
    Außerdem prahlt er nie mit seinen Umsätzen im Alltag.

    @Marco:
    Ja, darauf hab ich nicht geachtet. Ich denke mir meist einfach spontan einen Namen aus, das hatte ich beim Verlinken nicht bedacht. 🙂

  8. Sternennacht sagt:

    Und sie seien ihm gegönnt 🙂

  9. Taxi 123 sagt:

    Das ist immer wieder lustig, wenn man 50, 100 oder mehr Kilometer von der Heimatbasis entfernt Kollegen aus dem eigenen Bereich trifft und grüßt.

  10. Sash sagt:

    @Taxi 123:
    Allerdings! 😀

  11. […] hab neulich schon über unseren Fernfahrtspezialisten geschrieben. Ob wir ihn nun Jörg, Rolf oder Gustav nennen, ist ja mal egal. Mit ihm stand ich am Mittwochabend […]

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