Kleiner Programmhinweis

Schon alleine die andauernde und wirklich Spam-Ausmaße annehmende Uber-Werbung in Facebook könnte mich dazu bringen, seitenweise immer mehr Texte zum Thema zu schreiben. Dabei sind alle Argumente im Wesentlichen inzwischen dargelegt und man läuft als Taxifahrer selbst Gefahr, sich ständig zu wiederholen und die Leute zu nerven.

Ich selbst hab das vor einer Weile auf Facebook versucht zu durchbrechen, indem ich nicht nur die Fakten runtergebetet habe, sondern den Fokus auf die Kundschaft gelegt habe, die Uber toll finden, weil sie an Taxis einiges auszusetzen haben – und dass das zusammen leider eine leidlich schlechte Argumentation ist.

Wesentlich interessanter aber noch ist der Blogeintrag „uberhaupt ned“ von meinem geschätzten Taxibloggerkollegen Reinhold aus München, der aus aktuellem Anlass wie nebenbei schildert, was man als Taxifahrer (und in seinem Fall -Unternehmer) eigentlich so alles tun muss, bis man sein Taxi endlich auf der Straße hat – und dabei immer mal wieder darauf verweist, dass genau das bei der angeblich so großartigen Konkurrenz natürlich keine Rolle spielt.

Uber Überhaupt kann ich Reinhold nur nochmal allen Lesern empfehlen. Sein Blog ist anders als meiner, aber auch er spiegelt das Taxifahren in Deutschland wieder. Er schreibt etwas seltener, aber dafür sind seine Einträge auch immer sehr interessant zu lesen. Ich jedenfalls freue mich, am anderen Ende der Republik so einen Kollegen zu haben, denn ich selbst lerne bei ihm immer noch einiges neues. Also hier klicken: taxi-online.blogspot.de – und am Besten abonnieren!

A Day in the Life

Ich hab’s schon fleißig bei Facebook und Twitter geteilt. Aber weil es wirklich Spaß macht, will ich es auch hier nochmal tun:

Ein Tag im Leben eines New-York-City-Taxis

Obwohl ich manchmal ein wenig an der Genauigkeit der Daten zweifele (sonderbare Sprünge zwischendrin) und mich manches Mal über die Fahrtwege wundere, finde ich das doch eine obergeniale Datenvisualisierung. Ich jedenfalls hab schon viel zu viel Zeit damit verbracht, auf die Karte zu schauen und den Umsatz am Tagesende abzuschätzen … 🙂

Und falls irgendwer Ahnung vom Thema hat: Ich bin bereit, mich an sowas auch zu beteiligen. 😀

Donnerndes

Ich hab gerade ehrlich gesagt nicht mehr die Fitness, eine meiner Taxigeschichten niederzuschreiben. Was auch daran liegen könnte, dass ich heute aus dem Bett gedonnert wurde. Was es damit auf sich hatte, hab ich drüben in meinem privaten Blog niedergeschrieben:

Aus dem Bett gedonnert

Spaß verstehen …

Bei „Verstehen Sie Spaß?“ haben sie mal wieder einen Taxifahrer auf die Schippe genommen. In Anbetracht der Umstände muss man dem Kollegen fast schon mustergültige Contenance bescheinigen … 🙂

WM-Komplikationen

Fußball-Weltmeisterschaften sind offenbar ein einziges Drama. Und das nicht nur für Engländer und Spanier.

Ich hab dieses Jahr schon einige Leute nach irgendwelchen Spielen im Auto gehabt und dabei regelmäßig nicht so ganz glückliche Menschen im Auto gehabt, bei denen offenbar der Haussegen schief hängt. Einer brüllte sein Handy an, dass er ja schon auf dem Heimweg sei und der Terror jetzt unangebracht sei, ein anderer junger Mann ließ mich verschwörerisch dreinblickend wissen, dass er sich freue, dass er „seiner Ollen“ glücklicherweise vorher gesagt hätte, dass sie während der WM nix zu melden hätte und das jetzt entsprechend auskosten würde. Dazu irgendwie passend dann letzte Woche auch eine junge Frau, die sich beschwerte, dass „wir Männer“ ja zu gar nix mehr zu gebrauchen wären, wenn wir jeden Tag besoffen vom Fußballgucken kommen würden.

Das erscheint mir zwar alles ein bisschen zu klischeehaft, aber das waren jetzt wirklich die Beispiele aus dem Taxi.

Ist die Welt wirklich so mit Idioten gepflastert oder haben die zur WM alle erstmalig Ausgang?

Ich würde mir ja meinen Teil denken, wenn meine Beziehung unter so was wie Fußballgucken leiden würde. 0.o

Und nicht dass wir uns falsch verstehen: ich bin zwar kein überragender Fußballfan, aber dadurch, dass ich mir dann WM-Spiele trotzdem durchaus gerne mal ansehe, fast der Prototyp für Leute, für die die WM mal was Besonderes ist. Dieses Jahr hab ich deutlich mehr Spiele gesehen als bei den Weltmeisterschaften zuvor – und wenn mir dazu was einfallen würde, dann, dass ich in den letzten Wochen mehr Pizza gegessen habe als sonst, weil das ein prima Machen-wir-schnell-noch-vor-dem-Spiel-Essen ist. Aber Stress? Nun ja, bei mir der Arbeit wegen vielleicht …

Ist es wirklich so ungewöhnlich, dass man in Beziehungen Interessen teilt oder sich mal abspricht? Oder landen bei mir im Taxi nur die paar Töffel, die das Beziehungslexikon schon nach „A wie Abseits“ gelangweilt wieder zur Seite gelegt haben?

Ich jedenfalls schaue mir die Spiele, die mich interessieren, zusammen mit Ozie an. Vielleicht – bei plötzlich auftretendem Desinteresse – schauen wir vielleicht auch mal alleine. Wenn ich davor und/oder danach arbeite, belegt sie schon die Pizza; mache ich frei, kriegen wir den Tag drumrum irgendwie organisiert. Das nimmt keine 2% meiner Unterhaltungen mit Ozie ein und selbst wenn ich mal – was bei der WM eher nicht der Fall ist – besoffen unterm Tisch liege, dann ist das irgendwie immer noch nix, was 9 Jahre Beziehung in Frage stellt.

Ich persönlich habe das immer für einen guten Weg gehalten. Aber wenn ich meiner Kundschaft glauben soll, dann ist das natürlich auch nicht wahr:

„Kiekste dit Spiel morjen?“

„Schätze, ja.“

„Haha, die Olle macht Stress, wa?“

„Äh, nee. Wenn, dann schauen wir zusammen.“

„Na dit is ja ooch Kacke, wa Alter?“

Menschen. -.-

Die Kotztütenfrage

Hier in den Kommentaren kommt das Thema nach jeder Geschichte mit reihernden Fahrgästen hoch, heute hat aber auch Udo Vetter in seinem nach wie vor immer lesenswerten law blog auf einen Fall aufmerksam gemacht, bei dem es um einen Taxifahrer – und Kotztüten – ging. Also schreibe ich mal was dazu.

Zunächst der Fall:

Vor Gericht war der Kollege aus Bamberg gelandet, weil er auf der Autobahn 64 km/h zu schnell war. Nix, was man sich als Fahrer so einfach erlauben sollte. Seine Begründung war nun, dass sein Fahrgast so betrunken war, dass er eventuell hätte kotzen können und er als Taxifahrer deswegen möglichst schnell ans Ziel kommen wollte.

Er ist damit in erster Instanz tatsächlich durchgekommen. Was mich schon verwundert, aber gut. Im nächsten Durchlauf am Oberlandesgericht dann wurde allerdings zurückgerudert und klargestellt, dass das Interesse an der Einhaltung der Verkehrsregeln höher zu bewerten ist als die Sorge um die Verschmutzungen eines Taxis. Zumal sich diese z.B. mit Kotztüten vermeiden ließen. Im Großen und Ganzen ein verständliches Urteil, zumal ich mir die Frage stelle, ob schnelles Fahren nicht auch zusätzlich eher ein Risiko in so einem Fall darstellt.

Nun grundsätzlich:

Ich hab nix gegen Kotztüten und sie werden ja auch in verschiedensten Situationen sinnvoll eingesetzt. Sie sind billig und je nach Ausführung platzsparend. Und zweimal hat eine Tüte – in diesen Fällen zwar keine dafür vorgesehene, aber wayne? – tatsächlich schlimmeres verhindert. Vielfach bringen sie aber gar nix.

Ich weiß nicht, wie Eure Erfahrungen mit Leuten sind, die vom Alkohol kotzen mussten (und das sind bei mir im Auto natürlich alle Fälle), aber meiner Einschätzung nach gibt es zwei nennenswerte Gruppen:

Die einen sind soweit in Ordnung und meist recht heiter drauf. Sie wissen, dass sie einen über den Durst getrunken haben und haben selbst Angst davor, Kotzen zu müssen und sagen das mitunter auch ganz offen.

Die zweite Gruppe unterteilt sich in die, die schon so hinüber sind, dass sie mit offenem Mund im Halbkoma vor sich hinsabbern – und in die, die bis ganz ganz zum Schluss der Meinung sind, sie halten das schon aus und keinen Bock haben, zwei Euro mehr fürs Taxi zu zahlen, wenn man anhält. Oder es ist ihnen peinlich vor ihren Freunden.

Die aus Gruppe eins sind problemlos. Die sagen Bescheid. Manchmal etwas sehr kurz vorher, aber ich fahre in solchen Situationen auch meist so, dass ich auf ein schnelles Anhalten vorbereitet bin. Das geht also auch schnell.

Gruppe zwei sind die, die ich die ganze Zeit im Auge behalten muss und die dann in der Regel bei stehendem Auto noch zu besoffen sind, die Tür zu öffnen oder aus dem Nichts und ohne Vorankündigung 10 Meter vor Ende der Fahrt einen dicken Strahl direkt auf die ungünstigste Stelle richten.

Und Gruppe eins beinhaltet die absolute Mehrheit der Leute, die Kotztüten noch benutzen können oder wollen. Und wenn ich dann noch miteinbeziehe, dass ich die Tüten irgendwo griffbereit haben muss … und ja: Ich! Nicht die Kunden. Denn ansonsten sind sie eh geklaut, bis der erste Kotzkandidat auftaucht.

Ich glaube, für jemanden, der all die Problemkandidaten einlädt, habe ich eine recht brauchbare Kotzerstatistik auch ohne Tüten – und sie wird immer besser. Direkte Ansprache des Themas, Ausräumung der Angst vor den Wartezeitkosten, gleichermaßen Angst machen vor den Kosten beim Kotzen ins Auto, umsichtiges Fahren … ist ja nicht so, dass man nicht viel machen kann. Wie gesagt: ich hab nix gegen Kotztüten und hab eine Zeit lang (bis sie eben geklaut waren) auch welche spazieren gefahren. Im auf sie zugeschnittenen Fall können sie prima sein. Aber ich glaube, dass sie ihrem Ruf, die Problematik der Kotzer einfach zu lösen, in der Praxis nicht gerecht werden. Die Menschen sind zu unterschiedlich als das ein so simples Hilfsmittel alle Probleme lösen könnte.