Hey, Adina-Hotels!

Ich weiß, Ihr seid nicht die ersten*, die diesem unsagbar bescheuerten Trend folgen – aber druckt gefälligst einen Hinweis auf eure Karten, von welchem eurer grandiosen Häuser sie sind! Ich hab echt Verständnis für Corporate Identity und vielleicht kriegt Ihr die Teile ja auch billiger, wenn Ihr sie gleich für alle Hotels bestellt. Aber das ist gespart am falschen Ende!

In Berlin habt Ihr drei innerstädtische Standorte und beim Ruf Berlins als Party-Hauptstadt war der französische Töffel in meinem Taxi sicher nicht der einzige, der sich nicht mehr erinnern konnte, wo sein Hotel jetzt genau liegt – also mal abgesehen von der hilfreichen Antwort „Berlin“.

Mir könnte es ja eigentlich egal sein, für mich als Taxifahrer ist das im Zweifelsfall mehr Umsatz, wenn ich eure Läden alle nacheinander abklappern muss. Das Schlimme ist nur, dass die Idee, für drei Hotels die gleichen Karten rauszugeben, so strunzdoof ist, dass niemand auf die Idee kommen würde, dass man zusätzlich zur Karte auch noch eine gesonderte Adresse mitzunehmen hat. Und das wirkt sich nicht gerade positiv auf die Meinung eurer Kunden aus.

Also falls Ihr euch fragt, wieso der verstrahlte Glatzenträger mit dem schielenden Blick in eurer Niederlassung am Hackeschen Markt beim Auschecken kein Trinkgeld gegeben hat:

Das hat jetzt der Taxifahrer, der eures Ideenreichtums wegen trotz ausreichender Ortskenntnis nach Hotels suchen muss …

*Die Kollegen von Meininger sind da nicht besser …

Wen braucht man für Musik im Club?

Im Notfall einen Taxifahrer.

Die vielleicht lustigste Fehleinschätzung bezüglich Taxen ist die, dass man sie selber garantiert nie braucht. Viele von euch Lesern sind – wie ich auch – bemüht, Taxifahrten möglichst zu vermeiden. Schließlich kostet Taxifahren ein Schweinegeld und das haben wir alle nicht sonderlich locker sitzen. Aber selbst wenn man beispielsweise ein treues Rad besitzt, kann es mal passieren, dass man ein Taxi braucht. Ob man nun seiner Mobilität beraubt wurde, müde oder bequemlichkeitsversessen ist: Es gibt ja eine Menge gute Gründe, am Ende doch mal ein Taxi zu rufen.

Und das soll nicht einmal Werbung sein, das ist die Realität. Wir sind wirklich nicht da, um ausschließlich Leute zu transportieren, die zusätzlich zu einem fürstlichen Gehalt auch die Taxifahrt nach Hause vom Chef gezahlt bekommen, sondern einfach als Fortführung des öffentlichen Nahverkehrs, wenn Busse und Bahnen mal nicht mehr, bzw. nur noch selten und nicht mehr überall fahren. Oder wenn man bis vor die Tür muss – ich hatte ja sogar schon Obdachlose im Wagen …

Und so kam es dann, dass ich am letzten Wochenende eine offensichtlich nicht ganz unentscheidende Rolle gespielt habe, als es um die Beschallung des Fritz-Clubs ging. Leider leider war der Anlass nicht etwa die in meinem CD-Player rotierende Discover My Soul von H-Blockx, sondern dass ich als erster an der Halte am Ostbahnhof stand.

„Einmal in die Sonntagstraße. Und vielleicht dann auch wieder zurück.“

„OK, gerne doch. Die Rückfahrt ist noch nicht sicher?“

„Doch, auf jeden Fall.“

„Dachte nur, wegen dem ‚vielleicht‘ …“

„Nee, muss schnell ein Netzteil besorgen für den DJ!“

„Im Fritz?“

„Ja. Der Laptop will nicht mehr lange. Früher hat man ja mit Platten aufgelegt – oder mit CD’s – aber jetzt sind das halt die Probleme …“

„Stimmt, den Stecker am Plattenspieler konnte man schlecht vergessen.“

„Ja, und jetzt muss der Techniker halt mit dem Taxi kurz mal …“

Es war eine überaus nette Tour. Seinen Sprint in die Wohnung hab ich genutzt um zu wenden und am Ende sind wir auch mit den 15 Euro locker hingekommen, die er bereits für die Fahrt gekriegt hatte. Den Rest durfte ich behalten (immerhin 2,60 €) und hatte bislang selten das Gefühl, dass jemand das Trinkgeld für so selbstverständlich erachtet.

OK, einen gab’s, aber bei dem war das anerzogen.

Ein Netzteil also. Na gut. Öfter mal was neues. Aber wenn ich ehrlich bin: Nach der Konzertanlage schockt mich das auch nicht mehr wirklich … 😉

Immer noch nett

Wieder zurück im Cockpit. Endlich. Dank der Party letztes Wochenende, wegen der ich insgesamt über 24 Stunden unterwegs war, bin ich schon seit einer Weile nicht mehr im Auto gesessen – was in Anbetracht der durchzechten Nächte und der räumlichen Distanz zu Berlin ja auch einen gewissen Sinn ergab. Ein altes Sprichwort sagte jedoch mal sowas ähnliches wie „Der Mensch kann nicht ununterbrochen von kaltem Augustiner und selbstgemachter Steinofenpizza leben“.
(Vielleicht ist das nicht der genaue Wortlaut, ich wollte aber gerade nicht bei Wikiquote suchen.)

Da die enthemmte Feierei im Ausland zwar Spaß macht, aber Geld kostet, hab ich mich seit … (Hm, ich könnte hier wahrscheinlich eine Jahreszahl einsetzen.) mal wieder an einem Mittwoch ins Taxi gesetzt. Ich bin in letzter Zeit nicht mehr sonderlich akkurat im Bezug auf Umsatzwünsche bei Bonustagen, so dass ich erst sehr spät aus dem Haus bin. Wofür ich die Schuld aber in meinem Spieltrieb sehe, weniger in der Faulheit.

Ich habe nämlich ein neues Handy. Und völlig aus dem Häuschen bin ich weit weniger wegen all der tollen Knöpfchen und Farben, sondern weil es mir wirklich völlig überraschend und ohne Vorankündigung von einem Leser zugeschickt wurde. Was das bedeutet, wo ich so viel Stress mit meinem alten hatte, weil ich es ständig überfordert habe, bin ich kaum in der Lage, in Worte zu fassen. Und in der Tat hab ich in den letzten Monaten wahrscheinlich selten so einen stammeligen Text geschrieben wie die vorläufige Dankesmail.

Ein Galaxy S3 ist es zwar nicht geworden, aber ein in meinen Augen durchaus würdiger Ersatz. Im Vergleich zum alten jedenfalls isses riesig, schnell, besser … abgesehen von der noch ungewohnten Bedienung weiß ich echt nicht, wo ich mit dem Lob anfangen soll. Als erstes hab ich mich natürlich trotzdem wie ein Trottel benommen und bin – als sich das Netz plötzlich verabschiedet hatte – nicht auf die logischste aller Ideen seit Win 3.11 gekommen: Einfach mal neustarten. *Grummel*
Aber woher sollte ich es gewohnt sein? Mein altes Handy brauchte ungelogen (fragt den Schwob) ein paar Minuten zum Booten und mein PC hier zuhause … naja, so einmal im Monat starte ich ihn vielleicht neu. 😉

War hoffentlich ein eher seltener Bug. Dennoch bin ich ziemlich nervös unterwegs gewesen, so ganz ohne Verbindung zur Außenwelt. Bin da ja ein Gewohnheitstier und mag es nicht, wenn etwas nicht tut. Und ich hatte die Befürchtung, dass sich das auch auf die Arbeit auswirkt. Stattdessen aber hatte ich nach ein bisschen Wartezeit drei betagte Damen an Bord, die mit ihrem Wunsch – mit drei extragroßen Koffern in die Görlitzer Straße gebracht zu werden – bei einem Kollegen auf taube Ohren, bzw. auch ein unpassendes Auto gestoßen sind. Mir sollte es nur recht sein, obwohl der Kerl sich schon während des Wartens völlig krude benommen hatte. Eine kurze Fahrt von der letzten Rücke wollte er nicht machen (da hatte die Kundin allerdings schon gefragt, ob sie nicht lieber doch weiter nach hinten gehen soll), dann hat er 5 Minuten gewartet, bis die Lücke zum nächsten etwa 8 Fahrzeuglängen betrug. Plötzlich ist er mit einem Affenzahn losgefahren und wollte offensichtlich ganz vom Bahnhof weg, nur um sich dann nach einer etwas eierigen Bremsaktion doch noch rückwärts einzureihen, bevor ich zu ihm aufgeschlossen hatte. Vielleicht war es also wirklich besser, dass ich die drei alten Frauen eingeladen habe.

Ich hab auf der kurzen Strecke nur mal so kurz nach ihrem Urlaub gefragt und ein zwei Anmerkungen zu meiner Route angefügt, was meine Beifahrerin dann recht zügig zu folgender Aussage inspirierte:

„Also Sie sind aber mal wirklich ein außergewöhnlich netter Taxifahrer.“

Hab ich dann einfach mal hingenommen. Ebenso wie die glatten drei Euro Trinkgeld.

Mal sehen, wie nett ich erst heute Nacht bin, wenn auch noch das Handy nach meiner Pfeife tanzt. 🙂

Glückscent

Ein Wort, dass mir bei aller Gewöhnung an den Euro noch Schwierigkeiten bereitet. Glückspfennige – ja. Glückscent – hmm …

Aber ich will nicht ein paar Tage, nachdem sich ein Haufen Schwachmaten unter dem Kürzel AfD formiert hat, schlecht über den Euro reden. Das verstehen die in ihrer einfachen Welt sonst vielleicht falsch.

(Lesenswert zum Thema übrigens wie fast immer Ali Arbia bei den Scienceblogs)

Eine Kundin hatte so ihre Not mit dem Geld. Nicht einmal grundsätzlich, sondern mit dem Kleingeld. In solchem wollte sie mir den Fahrtpreis gerne erstatten, und da bin ich auch dankbar. Insbesondere, wenn es wie hier um einen einstelligen Betrag geht und die Alternative in dem Fall ein Fuffi ist. Das ist alles kein Problem, aber in klein isses mir dann doch lieber.

Und ihr Portemonnaie war wirklich randvoll gefüllt. Aber natürlich mehr mit Rotgeld als mit Münzen, die man gemeinhin bei einem Preis von acht Euro herauskramt. So ließ es sich kaum vermeiden, dass irgendwann eine Münze zu Boden fiel, was sie auch in helle Aufregung versetzte. Ich beruhigte sie, kassierte dann erst einmal und bot ihr an, nach dem Aussteigen nochmal nachzusehen. War aber nicht nötig:

„Ach, was ich jetzt verloren hab, war allenfalls ein Glückscent.“

Genau genommen waren es zehn Glückscent und ich gebe zu, dass ich mir die Mühe gemacht habe, sie aufzuheben – was sich, wie Götz Widmann eindrucksvoll erforscht hat, (zumindest für arme Schlucker wie Taxifahrer) durchaus lohnt.

Nachdem das nun nicht das erste Mal war, stellt sich nur die Frage: Sind es tatsächlich die Taxikunden, denen wir die Glückscents zu verdanken haben?

Stammkundschaft

Dank meiner ja doch eher, sagen wir: eingeschränkten Arbeitszeit bin ich ja nicht so der Held im Sammeln von Stammkundschaft. Hauptsächlich ein paar Leser, deren Ausflüge hier und da mal passen, rufen gelegentlich an. Ansonsten beschränken sich vermehrte Fahrten mit den selben Fahrgästen auf Leute, die am Ostbahnhof einfach durch Zufall mehrmals bei mir landen.

Bei dieser eigentlich nicht wirklich als Stammkundschaft zu bezeichnenden Fahrgastgruppe gibt es natürlich solche und solche:

Ein netter, schweigsamer, älterer Herr, der gerne bis Zehlendorf fährt,

einen ziemlich nervigen Meckerer, der bei der Bahn arbeitet

und eine Kollegin von ihm, die mir eine meiner liebsten Kunden ist.

Es gibt auch noch einen netten Kerl, der zwar nur eine kurze Strecke fährt, dafür aber gerne geräumige Autos nimmt und ebenfalls nicht sparsam beim Trinkgeld ist. Wahrscheinlich gibt es sogar noch weitere, aber ich bin mit einer Gesichtsblindheit gesegnet, die in dem Job nicht wirklich toll ist.

So hab ich auch dieses Mal ein wenig skeptisch geguckt. Der riesige Typ mit der Glatze stand schon ein paar Minuten rauchend mit einem Kumpel auf der anderen Straßenseite am Stand und ging dann auf mich zu. Der Kerl, ein Brecher sondersgleichen, mich in Größe und Umfang noch toppend, bleibt still und sagt nur sein Fahrtziel an. Tief im Südosten, gute 25€-Tour. Ein zwei Fragen zur Strecke, er ist ein angenehmer Fahrgast, was sein Äußeres so nicht unbedingt vermuten lässt. Aber das hab ich über mich als Fahrer auch schon gehört.

Wir waren am Schlesi, da meint er, er hätte gerade eine längere Tour durch die USA gehabt, woraufhin ich einfach mal unsicher aber frech gesagt habe, dass wir ja trotzdem nicht das erste Mal zusammen fahren würden. Die Kombination kam mir bekannt vor – und bingo:

„Ja, damals hab ich noch bei ‚Night of the Jumps‘ gearbeitet.“

Er freute sich, dass ich ihn wiedererkannte – und es gibt wirklich nichts schöneres als bei Leuten, bei denen man sich wegen irgendwas unsicher ist, ein Lächeln zu sehen. Damit aber war der Schalter sofort umgelegt. Als ob wir uns ewig kennen würden, haben wir uns geduzt und er hat angefangen, wieder mal von seinem Job zu erzählen. Er ist nämlich Kameramann, früher bei besagter „Night of the Jumps“-Veranstaltung, inzwischen für Red Bull direkt bei einem ähnlichen Zirkus weltweit. Abgesehen davon war er wohl auch beim Stratosphärensprung von Felix Baumgartner vor Ort.

Ist alles im Prinzip so überhaupt nicht meine Welt, aber mein Fahrgast hat eine wahnsinnig angenehme Art, über seine Arbeit zu reden, dass es auch mich immer wieder fesselt. Ich mag das ja, wenn Menschen so richtig in ihrer Arbeit aufgehen, und das scheint bei ihm definitiv der Fall zu sein. Ich hab zumindest sonst noch von niemandem lachend erzählt bekommen, dass er schon dreimal bei seiner Arbeit von einem Motorrad getroffen wurde.

Mit der Zeit erinnerte ich mich zumindest vage wieder an die Zieladresse, aber das sind ohnehin so Fahrten, die meinetwegen gerne ein bisschen länger dauern könnten. Der Fahrpreis wurde – daran hab ich mich dann schnell erinnert – wie jedes Mal großzügigst auf 30 € aufgerundet. Wenn es überhaupt irgendwas negatives benennen könnte, dann, dass man nachts kurz von der Stadtgrenze einfach zwingend noch ein paar Leerkilometer ansammelt. Aber in Anbetracht der ganzen Umstände: Wayne?

Und es ist schön, dass es umgekehrt wohl ähnlich sein muss. Denn wenn man wie ich jetzt auch noch auf der zehnten Halteplatzposition mit solchen Fahrten beglückt wird, dann muss man doch wohl auch irgendwas richtig machen. 🙂

Hektik

Hektik ist eine schlimme Sache in meinem Job. Insbesondere, wenn man ihn so ausübt wie ich: ohne Hektik.

Ich hab vor Ewigkeiten mal hier und da damit geprahlt, dass ich dank meines Jobs als Taxifahrer seit wasweißichwielang nicht mehr auf eine Bahn gerannt bin. Und das ist gut so. Aber manchmal haben es dann eben die Fahrgäste eilig.

Und da gibt es haufenweise Meinungen aus dem Gewerbe zu. Glücklicherweise geht der Tenor da in meine Richtung: Wir können nicht alles richten und unser Führerschein ist zweifelsohne mehr wert als ein lausiges Trinkgeld. Und selbst wenn lausig im ein oder anderen Fall mal in den zwei- oder (soll es alles schon gegeben haben) dreistelligen Bereich geht.

Dass Taxifahrer wie die Irren durch die Gegend heizen ist ein gängiges Klischee. Und wie immer gibt es natürlich auch hier Leute, die dies bestätigen. Das müssen nicht einmal die schlimmsten sein, ich kenne sogar nette Kollegen, die schon mehrmals eine „Auszeit“ vom Job nehmen mussten, weil sie wirklich schnell unterwegs waren.
Aber wie bei vielen irrationalen Verhaltensmustern von Taxen auf der Straße ist das mitunter auch den Kunden geschuldet. Das soll keine Rechtfertigung für mieses Verhalten sein, aber ja: Manchmal springen Kunden auf die Straße um uns anzuhalten und manchmal wollen sie „nach links“, wir setzen den Blinker und dann wird nach rechts gezeigt. Hatte ich alles auch schon und es ist manchmal wirklich schwer für uns, da die Kundenzufriedenheit und die Verkehrssicherheit unter einen Hut zu bringen. Letztere sollte immer im Vordergrund stehen, das ist klar – aber natürlich hab auch ich mich da schon mal falsch entschieden.

Ganz so wild war es bei der Tour nicht. Ich war bereits fast am Ostbahnhof, hab zumindest keine Winker mehr erwartet. Aber an einer Ampel stieg mir dann doch eine junge Frau zu und wollte nach Tegel. Na holla! Lockere 20 bis 25 €, das ist von der Straße weg Luftsprünge wert. Obwohl sie keinen Flieger erwischen musste, sondern nur wen abholen, war es natürlich dennoch eilig. Na klar …
Um 22 Uhr sollten wir da sein, aufgesammelt hab ich sie um 21.43 Uhr am Franz-Mehring-Platz. Dass das nix wird, hab ich ihr gesagt, aber es war ja auch klar, dass mit Landung, Gepäcksuche und Auschecken noch ein paar Minuten mehr übrig bleiben würden.

Wir haben verschiedene Routen diskutiert, sie war selbst passionierte Autofahrerin. Was schon mal schön war. Viele haben da sehr unrealistische Ideen …

Wir einigten uns auf die Linden und einen späteren Stich in den Norden, dann aber war natürlich dort Stau. Also Ausweg über die Friedrichstraße, letztlich folgten wir der Müller- bis zur Seestraße. Was für ein dusseliger Umweg! Aber vermutlich die schnellste Möglichkeit. Gibt ja doch mehrere Kenngrößen im Taxigeschäft – ich orientiere mich normalerweise halt eher am kürzesten und damit preiswertesten Weg. Da haben Tagfahrer natürlich ganz andere Gedanken, das weiß ich.

Durch das viele Hin und Her, teilweise mismutigste Ampelschaltungen und meiner Weigerung, in der Stadt schneller als 70 zu fahren, kamen wir tatsächlich erst um 22.10 Uhr an. Sollte gereicht haben. Mitbekommen habe ich es nicht mehr. Meine Kundin war so sehr in Eile, sie hat mir für die 25,40 € einfach 30 gereicht und „Stimmt so!“ gerufen, bevor sie rausgerannt ist.

Für den Preis hätte ich noch eine ganze Weile warten können und sie günstiger als die anderen Kollegen (kein Einstiegspreis, keine teureren ersten 7 km) heimbringen können. Aber um das zu sagen, hätte ich ja erst einmal die Zeit haben müssen.

Ihr merkt schon: Hektik ist nicht gut, ehrlich nicht …

Schon länger hier …

Ostern – ih bäh!

Ich hab’s heute nicht länger als für zwei Touren auf der Straße ausgehalten. Vielleicht blöd, es könnte ja auch noch die gute Zeit kommen, aber nach rund drei Stunden am Stand wollte ich die leere Hauptstadt nicht länger mit meiner Anwesenheit nerven. Zwei Touren … unterirdisch wäre geprahlt, ich muss definitiv mehr Bücher verkaufen … 😉

Aber eine der Touren war zu schön, um nicht von ihr zu erzählen. Ein schon ziemlich alter Mann zog seinen Rollkoffer mehr und mehr in Richtung meines Taxis. Ihn schien ein wenig Skepsis zu plagen, vielleicht wegen meines Bartes oder weil ich so jung war. Ich hab ihn offensiv freundlich begrüßt, am Ende ist er mutig eingestiegen. Na also.

Zur Tiergartenstraße wollte er, genauer könnte er mir das sagen, wenn wir da wären. Normalerweise hätte ich gleich wegen der Sperrung dort gefragt, aber er hat umgehend eingeworfen:

„Wir können durch den Tunnel fahren!“

„Den Tunnel?“

„Ja, oder ist der zu?“

„Nein, aber das wäre von hier dann doch ein ziemlicher Umweg …“

Seine Aussage war offensichtlich der Gewohnheit geschuldet, er erzählte nämlich im Anschluss daran, dass er ja eigentlich verschlafen hätte. Eine freundliche junge Frau hätte ihn im Zug geweckt, da seien sie aber schon am Hauptbahnhof vorbei gewesen, wo er eigentlich ausstiegen wollte. Und ja, vom Hauptbahnhof aus wäre der Tiergartentunnel auch die beste Lösung gewesen. Ich hab ihm ein wenig dabei geholfen, sich zu orientieren, am Molkenmarkt hatte er dann wieder alles auf dem Plan:

„Ach hier! Ja, hier hab ich ja auch mal gesessen. Da ham die von der DDR mich an der Grenze erwischt und 8 Stunden verhört …“

„Na, das war sicher auch nicht der beste Tag …“

„Nein“, erwiderte er lachend. „Aber das ist schon unendlich lange her. Sind Sie Berliner?„

Wir hatten es dann über meine Herkunft und ich hatte ein wenig Sorgen, als er anfing, über „die kleinen Probleme zwischen den Ländern und Mentalitäten“ zu reden. Nicht wegen mir, aber ich weiß ja wie diese „Ich hab ja nix gegen Ausländer aber …“-Gespräche anfangen. War glücklicherweise Fehlalarm. Im Gegenteil. Nicht nur, dass sich der alte Mann prächtig mit mir über die Animositäten zwischen Schwaben und Berlinern unterhielt, er teilte einem wegen der Verspätung besorgten Anrufer mit, er sitze gerade in einem „sehr netten Taxi“. 😀

Kurz vor seiner Zieladresse informierte er mich ausführlich über die Gegend während der Nazizeit und ich war froh, dass er deutliche Worte fand über diese Epoche.

„Hab das ja mitgemacht, ich bin ja schon länger hier.“

Natürlich mussten wir dann doch hinter die Absperrung, die Tour hat sich also nochmal verlängert, was mir nicht einmal des Geldes wegen ganz gut gefallen hat. Am Ende standen 14,80 € auf der Uhr.

„Hier haben Sie zwanzig. Die dürfen Sie behalten.“

Gut, es war auch des Geldes wegen schön. Er verlor noch ein paar Worte über die umliegenden Diplomatenwohnungen und verabschiedete sich mit einem ausgesprochen weise klingenden Satz:

„Leben Sie gut.“

Ich werde es mir merken. Vielleicht werde ich ja dann auch mal so angenehme Taxi-Kundschaft im Alter …