Der arroganteste Satz des Jahres 2017

Mein Kunde war ein Angeber. Im Wesentlichen hat er mir vorgejammert, wie schlimm es ist, dass sein teures Auto gerade in der Werkstatt ist. Was ich sehr gut verstehen kann, welcher Autofahrer hat schon gerne Reparaturen? Ich hab auch viel über die Umstände erfahren, noch mehr allerdings über den Preis. 200.000€! Immer wieder. Das allerdings hat mir nicht wirklich imponiert. Da draußen sind viele Leute jenseits meiner Gehaltsklasse unterwegs und ein paar von denen stehen auf Autos.  So what?

Im Grunde war der Typ sogar in Anflügen sympathisch, weil er oft betonte, dass das halt sein teures Hobby sei, aber sonst gönne er allen ihr Zeug und zwischendrin hab ich ziemlich bedauert, ihm nicht 80€ Festpreis für die innerstädtische Fahrt angeboten zu haben, denn auf irgendwas zwischen 60 und 150 hatte er sie eh geschätzt.

Wirklich überrascht war ich, dass er neben dem Gejammer über seine Kiste lobende Worte für mein Taxi loswurde:

„Aber der is‘ ja auch mal extrem gechillt. Was fahr’n wir’n?“

„Opel Zafira.“

„Nee, echt angenehm, ganz ehrlich, muss ich so sagen!“

Und so zog sich das durch. Er hat zwar fortwährend Dinge bejammert, die hier keine 0,5% der Bevölkerung beschäftigen, aber weitgehend ohne irgendwie „von oben herab“ zu sein. Aber bezüglich meines Autos ergab sich dann dieser goldwerte Dialog:

„Ich bin auch zufrieden mit dem Wagen. Natürlich spielt er nicht in der 200.000€-Klasse mit – um ehrlich zu sein: Wir reden hier eher über 20.000.“

„Echt jetzt? Ich wusste gar nicht, dass es Autos für 20.000 gibt.“

Ich würde sagen: Das ist schwer zu toppen. 😉

Ach ja, nur noch kurz das Ende vom Lied: Der Fahrpreis blieb 25% unter seiner niedrigsten Schätzung und das Trinkgeld betrug weniger als 10% …

Planungsschwierigkeiten

„Orrr, ich glaube, Sie schmeißen mich gleich aus ihrem Taxi!“

Wieso? Weil Sie angesagt haben, dass ich möglichst schnell zu Adresse A fahren soll und eingesehen haben, dass es dank Stau auf der einzigen Zufahrtsstraße nicht schneller geht?

Weil Sie dort ihr Handy abholen wollten, um dem Freund zu sagen, dass Sie nicht rechtzeitig da sind?

Weil Sie mehrfach zwischen Hauptbahnhof und Ostbahnhof als Zieladresse durcheinanderkamen?

Weil Sie dann beschlossen haben, doch zum Bahnhof Friedrichsfelde-Ost zurückzufahren?

Weil ich dann doch wieder zu Ihrer Wohnung zurückfahren sollte?

Weil ich dann abermals stoppen musste und es am Ende doch zum Bahnhof Karlshorst gehen sollte?

Ich will jetzt mal ehrlich sagen: Ja, ich hatte schon einfachere Touren. Aber wie ich auch immer wieder gerne sage:

Deswegen fahr‘ ich Taxi und nicht Straßenbahn: Wo Sie wollen, dass ich anhalte, halte ich auch an.

Punkt.

PS: Danke für das gute Trinkgeld! 🙂

Wie Du mir …

Ich bin ja nun schon einige Jahre sehr sehr regelmäßig im Straßenverkehr unterwegs. Sicher, im Taxi meist nachts, da ist selbst in Berlin so wenig los, dass man sich nur höchst selten in die Quere kommt – aber auch mir fehlt es nicht an den vielen hier oft ungenannten Beispielen von egoistischen Verkehrsteilnehmern, die allerorten das Klima auf der Straße versauen. Irgendwer drängelt sich immer vor, nimmt die Vorfahrt oder versucht durch Hupen einen Stau aufzulösen.

Während die spannenden Fahrgäste letztes Wochenende leider auf sich warten ließen, hab ich abseits des Taxis aber in den letzten Wochen ein kleines Idyll entdeckt: Die Schleizer Straße. Das ist eine unbedeutende Nebenstraße in Alt-Hohenschönhausen (glaube ich zumindest, ich hab mir die Ortsteilgrenzen da nicht so genau angesehen), die auch ich gerade eher zufällig in einem anderen Auto regelmäßig befahre. Im Berufsverkehr.

Das besondere Setting der Straße ist wie folgt: Es wird von Ortskundigen derzeit zur Umgehung einer Baustelle benutzt und oft von Anfang bis Ende befahren. In beide Richtungen. Dabei handelt es sich um eine 30er-Zone mit überwiegend nur einer freien Spur, die andere Seite ist legal beparkt. Sollte allen Gesetzmäßigkeiten des deutschen Verkehrs nach die absolute Hölle sein. Und vielleicht ist das sogar oft so, aber ich hab in den letzten paar Wochen erstaunt gesehen, dass dort, in dieser kleinen Straße, alles sowas von absurd planmäßig verläuft, dass es mich als Vielfahrer schaudert. Die Fahrer auf der beparkten Seite scheren frühzeitig in Lücken ein und die, die in der anderen Richtung unterwegs sind, haben fast immer eine komplett freie Fahrt. Nix mit Lichthupen, Dränglern, Auf-den-Gehweg-Ausweichern. Alles gesittet und wie geplant, ich traue meinen Augen immer noch kaum.

Aber ich glaube, ich habe eine Idee, warum es so ist:

Ziemlich genau in der Mitte der Straße ist eine Kreuzung und an der wechseln die Vorzeichen. Jeder kann die erste Hälfte durchfahren und wird erst in der zweiten zu dem, der ausweichen muss. Und als nicht wirklich kleiner und nicht wirklich begabter Psychologe glaube ich, dass das vielleicht wirklich kein Zufall ist. Erst kann man trotz wenig Platz frei fahren, weil alle entgegenkommenden Autos regelkonform ausweichen – und dann ist man selber der, der ausweichen muss. Erhöht das Verhalten der Entgegenkommenden zuvor nicht die Bereitschaft, hier auch brav zu sein und immer in eine Parklücke zu schwenken? Ich bin mir da sehr sicher.

Was ich noch nicht weiß: Wem ich dafür danken soll.
Eher dem Planer, der die Parkplätze dort so verteilt hat oder dem armen Trottel, der irgendwann vor Jahren mit seiner Nettigkeit ein Spiel angestoßen hat, das seither kein Ende findet? 😉

Totalausfall

Ich hatte meine Kundin schon gesehen, da ahnte sie noch nicht einmal, dass es mich gibt. Sie tanzte auf der anderen Seite der Hauptstraße mitten auf der Fahrspur herum und war drauf und dran, dem nächtlichen Karlshorst einen Stau zu bescheren, weil sie die Autos hinter ihr nicht interessierten. Ganz offensichtlich bereits völlig hinüber. Dass die Fahrt mir kein Geld bringen würde, war dieses Mal von Anfang an eine mögliche Option, aber das war kein Grund, nicht zu wenden. Es gibt schon eine Menge gute Gründe, nachts nicht alleine besoffen durch Berlin zu torkeln – aber wenn man das dann auch noch auf die Fahrbahn verlegt, wird’s tendenziell suizidal.

Alle Autos vor mir schlängelten sich hupend an ihr vorbei, ich hab am Straßenrand angehalten, obwohl nicht ganz sicher war, ob sie eben wirklich gewunken hatte. Aber sie stieg zielsicher ein und nannte mir einen U-Bahnhof als Zieladresse.

„Aba nur bis zum Bahnhof!“

„Kein Problem.“

Sie versuchte mir dann noch etwas wirr zu erklären, weswegen man als „Bitch“ gilt, wenn man sich ein Taxi bis vor die Haustüre nimmt. Ich hab’s nicht verstanden und auch keinen Wert drauf gelegt. Ich sah durchaus einige Schwierigkeiten, als ich mir vorstellte, wie sie vom Bahnhof heimkommt, aber soweit waren wir noch nicht.

Denn zunächst einmal musste sie Dennis anbrüllen. Bzw. das Handy, auf dem Dennis anrief. Als sie ranging, erklärte sie lautstark, es sei alles ok, sie sei „im Taxi mit so ’nem komischen Typen“. Ich hab kein Problem damit, von Besoffenen als komischer Typ wahrgenommen zu werden, aber im Kopf hatte ich natürlich eher, dass Dennis ihr Freund ist und das jetzt ziemlich missverständlich rüberkam.

„Ja nee, ich bin voll. Ich geb dir mal den komischen Typen!“

Und so hielt ich dann das Telefon mit Dennis in der Hand.

„Hi, ich bin der Taxifahrer. Ich bring sie jetzt zum Bahnhof XY. Sie hat mir gesagt, ich soll sie dorthin bringen.“

„Ja, bring sie mal in die Lünschwünschstraße.“

„Die was?“

„Ach, irgendwas mit L da ums Eck, da wohnt sie.“

Ich hab auf die Karte geschielt. Eindeutig war das leider nicht. Einige Straßen mit L. Aber erst einmal sollte ich ja eh zum Bahnhof. 100 Meter vorher brüllte sie mir dann eine Adresse ins Ohr, die ich leider ähnlich gut verstand wie die Ansage von Dennis. Es sagte mir gar nix und das Navi konnte ich auch vergessen, denn ob man die Straße mit U oder O oder OU schreibt, war nicht aus ihr rauszukriegen.

„Egal. Zeig ich Dir! Nächste Straße wenden!“

Kürzen wir das ab: Wir sind dann fast zwei Kilometer zurück in die Richtung gefahren, aus der wir gekommen waren. Dort fand ich die Straße schnell auf der Karte und die Nummer 27 war dann kein Problem mehr. Aber da ging’s erst los. Sie kraxelte etwas unbeholfen aus dem Auto und meinte, Sandra zahle das.

0.o

Also wie gesagt: Dass ich kein Geld sehe – ok. Aber die Ansage hat selbst mich noch verwirrt. Wer zur Hölle war jetzt Sandra? Aber die Kundin torkelte schon Richtung Hauseingang. Ich hab erst einmal keine Eile gehabt, denn mir lag jetzt erst einmal daran, ihr Handy aus dem Fußraum zu fischen, das sie zwei Minuten zuvor unter großem Gejammer fallengelassen, inzwischen aber völlig vergessen hatte. Da es in einer üppigen Klapphülle steckte, hätte es mich zudem nicht gewundert, wenn dort noch Geldscheine im Gegenwert der Fahrt zu finden gewesen wären. Aber so einfach war es nicht.

Während sie nach ihrem Schlüssel nestelte, bin ich langsam hinterher und hab sie darauf hingewiesen, dass ich einerseits keine Sandra kenne und trotzdem das Geld für die Fahrt haben wolle und zudem hier ein Telefon hätte.

„Boah, etwa meines?“

Für eine Sekunde lang hatte ich darüber nachgedacht, es als so eine Art unfreiwilliges Pfand einzubehalten, aber wie sie nun dastand und es für einen irren Zaubertrick hielt, dass ich ihr Telefon hatte … ich will ehrlich sein: Die war so hinüber, ich konnte ihr nicht böse sein. Sie bestand aber darauf, dass Sandra doch schon was gezahlt hätte und dass Sandra „selbstverständlich!“ die sei, mit der sie eingestiegen war. Und während ich noch dabei war, ihr zu erklären, dass ich sie alleine aufgegabelt hatte, drückte sie mir ihren Schlüsselbund in die Hand:

„Kanns Du mal machen? Ich bin voll!“

Ich, deutlich zu wenig voll für das, was ich hier tat, konnte allerdings auch nur wenig ausrichten, weil die Schlüssel nicht passten.

„WAAS, aber das ist doch die 27?“

Nach der Vergewisserung, dass die Nummer stimmt, drückte sie einmal 50% der Klingeln des Mehrfamilienhauses und verkündete dann, dass sie jetzt ganz dringend kotzen müsste.

Die Aktion mit den Klingeln hat mich weniger geärgert als sonst, denn meine Kundin war deutlich jünger als ich, ich hatte also durchaus auch noch ein wenig die Hoffnung (bzw. Befürchtung), dass ich im Verlauf des Bezahlvorgangs vielleicht ihre Eltern oder diverse Mitbewohner kennenlernen würde. Ich hab die verstörten Rufe aus der Gegensprechanlage dennoch verhallen lassen, weil meine Kundin beim beeindruckenden Versuch, mehr als zwei Liter Cocktails direkt neben der Klingeltafel loszuwerden, umgefallen war. Nicht schlimm, sie hatte sich davor schon hingehockt, aber ihre nun doch mehr als bodennahe Haltung ließ mich instinktiv Hilfe anbieten:

„Soll ich hochhelfen?“

„NEIN!“

Deswegen fragt man vorher.

„Äh … vielleicht doch?“

Deswegen fragt man überhaupt.

Kaum, dass ich sie mit einem beherzten Griff unter die Achseln wieder in der Senkrechten hatte, öffnete eine Nachbarin die Tür und fragte, was los sei. Ich hab versucht, das ganze mit zwei Sätzen klarzustellen, selbstverständlich nebst Entschuldigung.

„Sie haben mich wachgeklingelt!“

Die Verteidigungsreflexe meiner Kundin saßen noch:

„Ich nicht. Wenn dann er!“

Also hab ich noch zwei, drei Sätze dranhängen müssen. Aber die Nachbarin war nett und hat versucht, die Situation zu überblicken. Die Kundin behauptete, Geld in der Wohnung zu haben, ich hab versucht, glaubhaft zu versichern, dass das wirklich alles ist, weswegen ich hier bin und ich war super erfreut, als die Nachbarin angeboten hat, mitzukommen. Leider machte sie dann doch vor der Wohnungstür kehrt, ich hätte ja nix gegen Zeugen gehabt. Allerdings gab’s da wirklich nix mehr zu klären, denn kaum dass die Wohnungstür hinter uns ins Schloß fiel und ich noch einmal den Fahrpreis nannte und dass ich deswegen hier sei, erklärte die Kundin folgendes:

„Ja nee, wo soll ich denn hier Geld haben? Also da müssteste bis morgen warten.“

Ich hab – obgleich wie gesagt nicht überrascht – ernüchtert angemerkt, dass ich den schweren Verdacht hätte, dass ihrerseits morgen vermutlich keine Erinnerung mehr an diese Posse übrig wäre.

„Ach was, ach was! Ich will doch nicht unfair sein. Ich hab deine Daten!“

„Äh … nein!?“

„Na dann schreib mal auf! Morgen!“

„Haben Sie einen Zettel?“

Ganz im Ernst: Die eine Minute jetzt war natürlich verschenkt, aber was weiß ich schon, wozu ein solcher Zettel beim morgigen Erwachen führen könnte. Vielleicht hilft’s ja wenigstens bei der Erkenntnis, dass sie im Vollsuff jemanden in ihre Wohnung gelassen hat, was mir ehrlich gesagt an ihrer Stelle rückblickend ziemlich spooky vorkommen würde.

Und wäre ich gegangen, hätte ich mich auch um die letzte Pointe des Abends gebracht, denn obwohl ich an dieser Stelle mal klarmachen muss, dass wir uns in einer kleinen aber sehr feinen, ordentlichen und sauberen Wohnung befunden haben, kam sie nach meiner Frage nach einem Zettel ungelogen mit einer Küchenrolle zurück und hat auf meine Skepsis hin gesagt:

„Ja, sorry. Ich hab nicht so oft Besuch.“

Hier im Bezirk wird heute also eine junge Dame mit einem Mörderkater aufwachen und meine Handynummer auf ihrer Küchenrolle finden. Natürlich würde ich mich über den Anruf, bzw. die 22,70€ sehr freuen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass das am Ende auch einfach nur dermaßen lustig und absurd für mich war: Ich werde trotz Wissens über Name und Adresse nie tun, was sie mir abschließend angeboten hat:

„Weißt ja, wo ich wohne. Kannst jederzeit klingeln. Jederzeit, klar!“

Es ist mir völlig egal, wie diese Geschichte bezüglich meiner Kohle endet. Ich hoffe bloß, dass sie in dem Zustand nie an die falschen Leute gerät.

Das dumme Navi

Ich hab ja gestern erst mein Navi als das dümmste dieses Planeten beschimpft und ich denke, ich sollte mal erklären, wie ich zu so einer Einschätzung komme. Ich habe ja schon öfter gejammert und mir auch immer wieder das von vor 9 Jahren in der 1925 zurückgewünscht. Aber wirklich nie war das berechtigter als jetzt.

Ich gebe zu, dass ich in den paar Monaten, die ich es jetzt nutze, noch nix an der Routenführung zu meckern hatte und vielleicht liegt das sogar wirklich daran, dass es da ganz gut ist. Es ist mir immer noch etwas zu langsam, aber das geht mir eigentlich auch sonstwo vorbei. Meine Kritik bezieht sich auf einen einzigen, aber unfassbar elementaren Programmierfehler: Es kennt keine doppelten Straßen!

Ihr kennt meine Rants über die dumme Angewohnheit Berlins, etliche Straßen doppelt zu haben. Das mag ein Nischenproblem von Taxifahrern sein, aber wenn man’s mal genau nimmt, ist es damit auch eines von Taxikunden und damit potenziell von allen Menschen.

Was mein derzeitiges Navi (ich kenne die Typbezeichnung nicht, es ist ein eingebautes von Opel) macht, ist so schlecht, dass ich schon mehrfach selbst drüber lachen musste, obwohl es mich irgendwann mal richtig Nerven kosten wird: Wenn man eine Straße eingibt, die es in Berlin mehr als einmal gibt, dann stellt es keine Fragen oder bietet Optionen an, sondern navigiert zu einer offensichtlich vorher festgelegten Straße dieses Namens und ignoriert die anderen einfach.

Herausgefunden habe ich das glücklicherweise ohne Kundschaft, als ich einen Kollegen in der Kastanienallee treffen sollte. Diese Straße in Hellersdorf kenne ich, aber ich hab’s der Hausnummer wegen eingegeben. Plattenbauviertel sind gerne mal ziemlich verschachtelt, es schien mir sinnvoll. Und das Navi wollte mich einfach nach Prenzlauer Berg lotsen. Ich will ehrlich sein: 95% aller Fahrten in eine Kastanienallee gehen zu genau dieser, aber neben ihr und der in Hellersdorf gibt es auch noch ein paar weitere.

Das gestern mit der Uhlandstraße war dann der Beweis, dass die Wahl nicht einmal nach Beliebtheit oder Zentrumsnähe oder so getroffen wird, denn statt zu der großen, langen, zentralen und einzigen mir bekannten Uhlandstraße in Charlottenburg wollte mich das Navi zu einer Nebenstraße am Stadtrand in Lichtenrade lotsen. WTF?

Richtig absurd wird es aber da, wo ich dachte, dass ich das System zwar unbequem, aber immerhin irgendwie austricksen könnte: Das Navi erlaubt nämlich neben der Eingabe der Stadt alternativ auch die Postleitzahl. Das schien mir ein gangbarer Weg. Natürlich nur für Notfälle, denn viele Kunden kennen die Postleitzahl ihres Ziels nicht, aber immerhin irgendwas!

Nope.

Irgendein Programmierer hat das Navi so „intelligent“ gemacht, dass es nach der Eingabe von nur zwei Ziffern erkennt:

„12? Aha! Du willst nach Berlin!“

Und dann Berlin als Zielstadt auswählt.

Den ersten Teil der Problematik kann ich trotz Ärger verstehen. Da wusste wohl jemand nicht, dass es in Berlin zig Straßen doppelt, drei- oder elffach gibt. Aber dass dann eine andere Funktion AKTIV dafür sorgt, dass das Gerät NOCH unbrauchbarer wird … da jubiliert der Anarchist in mir, das ist so grotesk scheiße, dass ich eigentlich nur noch drüber lachen kann.

Ich weiß, ich wollte mir ewig schon ein eigenes Navi anschaffen. Ich werde es tun, aber derzeit überwiegt die Faulheit.

Der klitzekleine Mehrwert

Ich hacke ja gerne mal auf autonomen Autos rum oder behaupte, dass mir bei aller gegenteiligen Behauptung seitens Uber die Ortskundeprüfung wirklich was gebracht hat. Dabei spitze ich natürlich oft zu und Ihr wisst ja eigentlich alle, dass ich mit meinen Fails bezüglich Ortskunde auch nicht hinterm Berg halte und all das stets mit einem Augenzwinkern tue. Aber selbst der absurd-konstruierte Randfall kommt mal vor, in diesem Fall gestern.

Ein Winker nahe des Ostbahnhofs:

„Sag mal Alter, Du hast Navi, oder?“

„Äh ja, sicher …“

„Dann mach mal U bei Charlottenburg!“

Ich weiß, dass ich derzeit das wirklich mit Abstand dümmste Navi auf diesem Planeten habe, aber es ist nun wirklich nicht das einzige, bei dem man Straßennamen nicht auf einen Stadtteil beschränken kann.

„Ähm, das wird schwierig. Worum geht’s denn?“

„Mann, ich kenn die Straße nicht. Fängt mit U an und ist Richtung Charlottenburg.“

„Also als erstes würde mir die Uhlandstraße einfallen.“

„Uhland? Ja, ja, das ist sie!“

Und nein: Da standen noch eine Menge Möglichkeiten im Raum, aber ich hab ihm vorgeführt, dass eine berlinweite Suche nach „U“ halt zu gar nix führt. Mein Navi fängt erst bei „UHL“ an, die Optionen aufzulisten. Er hatte die Adresse natürlich im Handy, aber das war halt kein normales, sondern so ein teures, dessen fruchtiger Hersteller es für Mehrwert hält, keinen USB-Anschluss zu haben. Natürlich ist es extrem unwahrscheinlich, dass das zusammentrifft: Ein völlig verstrahlter Typ mit leerem Handy und ein Taxifahrer ohne Adapter mit einem Navi, das so bescheuert ist, dass es selbst bei der Uhlandstraße in Berlin zuerst und alleinig (!) an die in Lichtenrade denkt.

Aber hey, ich hatte mit meiner Vermutung recht, wir kamen schnell und sicher an. Und während ich das schreibe, hab ich eben mal versucht, Google zu überreden, mir alle Charlottenburger Straßen mit U zu zeigen. Tja … nee, nicht so wirklich.

Wenigstens der Punkt geht dieses eine Mal also an mich. 🙂

„Was erlaube Zentraaal?“

Ein guter Start ins Arbeitswochenende sieht anders aus. Dass das Auto seit meiner letzten Schicht unbenutzt rumstand und ich somit auch beim guten Sturm-Donnerstag hätte mitmischen können, war das eine. Das wirkliche Problem war, dass die Batterie leer war. Einfach so. Und die ist sogar noch relativ neu.

Aber gut, sowas passiert. Was die Sache wirklich ärgerlich gemacht hat, war, dass mich die Aktion am Ende anderthalb Stunden gekostet hat. Mein erster Gedanke war natürlich auch, einen Kollegen zu rufen, das Ganze schnell für einen Zwanni gefixt kriegen und dann nix wie los. Aus irgendeinem Grund hat mein Handy sich aber lange geweigert, die Zentrale anzurufen. Warum auch immer, schließlich sollte es später noch klappen.

Aber gut, da hab ich als zunächstmal in der Firma angerufen. Ob vielleicht einer von uns ein Starterkabel dabei hat. Nein, aber das war wenig überraschend. Also hat Cheffe die Zentrale angerufen und ein Taxi mit Kabeln bestellt. Ich konnte das live mithören.

Und dann verging eine halbe Stunde.

Das hat mich auch nicht überrascht, denn obwohl irgendein Taxi in Berlin meist in wenigen Minuten vor Ort ist: Dass an einem Tag mit recht hoher Auslastung ein Kollege, der Starthilfe geben kann, gerade in Marzahn nicht verfügbar ist, verstehe ich. Dann aber hab ich mal nachgefragt. Erst bei Cheffe und als der nix gehört hatte, hab ich (dieses Mal erfolgreich) selbst beim Taxi-Funk angerufen. Und dann kam was, was ich schon von einigen Kunden gehört hatte, aber immer ein bisschen skeptisch war:

Sie haben mir gesagt, dass kein Taxi verfügbar ist.

Das an sich: Traurig, aber es passiert mal. Nur wieso zur Hölle melden die einem das nicht noch einmal? Ich meine, auch wenn so etwas natürlich eine unschöne Kontaktaufnahme ist – der Frust der Kunden wird nicht gerade kleiner dadurch, dass sie die ganze Zeit glauben, ihre Bestellung hätte geklappt!

Ich weiß, dass das gar nicht so leicht ist. Denn die eigentliche Vermittlung findet erst nach dem Telefonat statt. Und wenn sich kein Kollege findet, kann die Zentrale daran nichts ändern. Und vielfach haben sie vielleicht gar keine Telefonnummer vorliegen, könnte ich mir vorstellen. Aber dann muss man doch die Abläufe ändern! Das ist ja kein Randproblem wie vielleicht eine ungenaue Angabe, wann das Taxi genau kommt. Gerade wenn man ein Taxi ruft, sind die paar Minuten, die man gewinnt, wenn man schnell weiß, dass es nicht klappt, doch wertvoll, weil man dann schneller umplanen kann. Und Hell yeah, auch wenn das heißt, dass der Auftrag an die Konkurrenz verloren geht, ist das doch wohl essentieller Bestandteil so einer Dienstleistung, ein Nichtzustandekommen auch zu kommunizieren!

Ich stell mir gerade vor, irgendwo Schuhe zu bestellen, nach zwei Wochen mal nachzufragen und die sagen mir unironisch und ohne Entschuldigung: „Ja nee, hatten wir nicht da.“ Das geht doch nicht!

Für mich war’s nur ein bisschen Zeitverlust. Am Ende hat sich doch unser Hausschrauber Jürgen auf den Weg gemacht und mir mit seinem Privatwagen Starthilfe gegeben. Hat halt nochmal eine Dreiviertelstunde gedauert.