Ach der, na dann is ja klar!

Das alte Pärchen fragte mich, ob ich sie in die Jungstraße bringen könnte.

„Die in Friedrichshain?“

„Haben wir noch eine?“,

fragte sie.

„Ich weiß es nicht, aber ich wollte auf Nummer Sicher gehen. Wo in der Jungstraße denn genau?“

„Beim Bäcker.“

An der Stelle stieg ihr Mann ins Gespräch ein:

„Haha, ‚Beim Bäcker‘ …“

Aber sie toppte das:

„Na selbstverständlich! Jeder kennt den Bäcker!“

Ich hab’s nicht hingekriegt, die Klappe zu halten und gesagt, dass leider nicht jeder diesen Bäcker kennt.

Kennst Du diesen Bäcker?

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Etwas pingelig

Einer dieser Aufträge, bei denen man die Adresse erst einmal suchen muss. Bzw. die genaue Auffahrt rausfinden, weil das Wohnviertel kleinteiliger organisiert ist, als Google-Maps das kartiert hat. Aber egal, ich komme also an und vor der Tür steht bereits eine Frau.

„Haben Sie bestellt?“

„Ja. Smebdewense …“

„Äh, ok …“

Und dann läuft sie weg.

Ich lege den Rückwärtsgang ein und folge ihr so quasi. Ich hab keine Ahnung, was das eben war. Da mich diese Verwirrung ein paar Sekunden gekostet hat, hole ich sie erst nach 50 Metern wieder ein.

„Ähm, wo soll ich denn jetzt hinfahren?“

„HIER. DREHEN SIE BITTE, ICH MÖCHTE AUF DIESER SEITE EINSTEIGEN! ICH SAGTE DOCH: SIE SOLLEN WENDEN!“

OK, damit wäre das Gebrabbel schon einmal erklärt. Aber bei allem Verständnis für Sparsamkeit: Leute, die ein Taxi irgendwohin bestellen und dann einfach mal in die richtige Richtung loslaufen, um mit etwas Glück noch 20 Cent zu sparen, sind mir suspekt. Es war ja auch keine pfützenübersähte Lehmgrube, wo sie nicht einfach ums Auto hätte laufen können anstelle der nun bald 100 Meter …

Aber gut, ich bin selbstverständlich nett geblieben und hab nur wahrheitsgemäß gesagt, dass ich das mit dem Wenden nicht verstanden hatte.

Kaum eingestiegen, ermahnte sie mich, ich solle über die XY-Straße fahren. Und ja, um ehrlich zu sein: Es hätte schon noch eine andere Route gegeben, aber das wäre schon dreist gewesen. Auf halber Strecke dann bat sie mich, doch bitte eine mir bekannte Abkürzung zu nehmen. Die nehme ich bei guter Ampelschaltung freiwillig, aber da länger warten für nochmals 20 Cent … das hat noch nie jemand gefordert und ich bin diesen Teil der Strecke schon oft gefahren. Alles, was ich bisher erlebt hatte, war Anerkennung von Anwohnern, dass ich den Schleichweg kenne, den kein fucking Navi auf diesem Planeten eingespeichert hat.

Ja, ich fand das reichlich übertrieben. Aber: Sie hat sich am Ende bedankt und hat ein immerhin überdurchschnittliches Trinkgeld gegeben, das sie nicht einmal auf der Quittung vermerkt haben wollte, die sie natürlich brauchte – aber auch da schnell angemerkt hat, dass ich die Route nicht notieren müsse.

Ich weiß noch nicht so ganz, wie das alles zusammenpasst, aber mir kann’s ja auch egal sein. Denn auch wenn sie sich mit „Bis zum nächsten Mal“ verabschiedet hat: Die Chancen stehen eher schlecht.

Wirklich schlechte Ausreden

„Sorry, ich wollte Dir eigentlich mehr geben, aber mehr hab ich nicht …“

Sprachs und reichte mir einen Zehner für eine 9,70€-Tour.

Das alleine finde ich immer noch völlig ok, aber es wäre etwas glaubwürdiger gewesen, hätten wir nicht 20 Sekunden vorher folgenden Dialog gehabt:

„Soll ich also hier an der Ampel anhalten?“

„Ja, das wäre super.“

„OK, dann wären wir bei 9,70€.“

„Waaas? Sooo billig? Das hätte ich nicht gedacht!“

Keine Ahnung!

Der Typ stand zwei Minuten quasi direkt hinter meinem Auto und starrte in die Luft. Natürlich hatte ich beim Ranfahren an den Stand vermutet, er könnte ein Kunde sein, aber er schien meine Anwesenheit nicht einmal wahrzunehmen. Dann aber torkelte er doch zur Autotür. Er sprach gebrochen Deutsch, konnte mir aber auf meine Frage, wo es hingehen soll, eine unmissverständliche Antwort geben:

„Keine Ahnung!“

Ich hab das – als wäre das völlig normal – einfach mal wie folgt beantwortet:

„Das ist dann wohl eher eine unzureichende Planung.“

Er grinste kurz und sagte mir, ich solle geradeaus fahren. Da dieser Weg in einer Wohngebiets-Sackgasse endet, habe ich folgendes gefragt:

„Geradeaus? Ist also nur eine kurze Fahrt, ja?“

„Ja.“

Na gut, warum nicht?

OK, ich will ehrlich sein: Ich bin zu gutmütig. Denn ich bin den Schlängelungen der Straße treudoof gefolgt und erst nachdem wir uns mit Händen und Füßen darüber verständigen konnten, dass er sein Handy bei mir aufladen darf, präzisierte er die Zielangabe wie folgt:

„Keine Ahnung. Eine Club-Disco vielleicht.“

Ich hab ihm dann die schockierende Nachricht überbringen müssen, dass sich in diesem Wohngebiet kein Club befindet. Aber:

„Egal, irgendwo Club!“

Auf eine weitere, bereits etwas verzweifelte Nachfrage hin konnte er das sogar „eingrenzen“:

„House! House ist gut! Oder Rock! Oder vielleicht was anderes.“

Ich hab ihm erst das Matrix vorgeschlagen, weil sie da verschiedene Floors mit unterschiedlicher Musik haben, hab mir dann am Ende doch was näheres einfallen lassen. Er hat zwar gesagt, dass er Geld hat, aber um ehrlich zu sein: So besoffen wie er war, hab ich eh keine Chance gesehen, dass er überhaupt irgendwo reinkommt. Und da wollte ich die Taxikosten nicht unnötig hochhalten. Zumal ich ohnehin froh gewesen wäre, ihn loszuwerden. Was zugegebenermaßen an mir lag, denn er war trotz Hinüberitis wirklich nett. Er wollte mich einladen zum Mitfeiern und hat das auf meinen Einwand, ich würde gerne arbeiten, sogar abgemildert und mir angeboten, ich solle doch wenigstens für fünf Minuten auf einen Kaffee mitkommen. Selbst wenn’s eine Anmache gewesen sein sollte, war’s die am wenigsten übergriffige ever.

Am Ende hat er fast 30% Trinkgeld gegeben und mich gebeten, in einer halben Stund nochmal vorbeizufahren. Ich gebe zu, leichte Gewissensbisse zu haben, weil ich das nicht getan habe. Aber ich hatte wirklich keine Lust drauf (und war zudem anderweitig beschäftigt, aber natürlich hätte ich es ggf. einrichten können).

Ich glaube, ich mache mir zu viele Gedanken. 🙂

Die Zukunft

„Und? Jetzt nach Hause?“

„Ja. Aber nachher ins Kino. Star Wars.“

„Welches Kino?“

„Friedrichshain, also richtig groß.“

„Na das ist ja gut, das passt für Star Wars!“

„Ja, Star Wars is cool, weil das ist ja die Zukunft.“

„…“

„Ja, weil das zeigt ja, wie es mal wird hier. Nicht mehr Krieg auf der Erde sondern da oben.“

Wir haben uns noch ein wenig weiter unterhalten und er hat zugegeben, dass Star Wars auch „etwas übertrieben“ wäre. Aber dass wir seit 40 Jahren nicht einmal mehr jemanden zum Mond geschickt haben, liegt daran, dass „vielleicht auch nicht immer alles so gesagt wird, wie es wirklich ist, verstehste?“

Holy Shit, wir müssen an diesen „Alternative Facts“ echt arbeiten, Leute!

Die ganz Harten und ihre Vorsätze

Ich hatte ja neulich schon so einen Vogel im Auto, der seine eigenen Klischees übererfüllt hat, aber nun an Silvester hatte ich einen, der das noch um Längen toppen konnte und alle Vorurteile bestätigt hat, die ich so über manche Menschen mit mir rumtrage.

Aber zunächst, bei seinem ersten Bier, ging es um die Liebe. Die Frau trennt sich von ihm. Scheiß Jahresstart, aber er hätte jetzt das mit dem Entzug wirklich vor. Das hab ich mit ehrlicher Anerkennung quittiert. Drogenabhängigkeit ist hart, meine Mutter hat ja auch ihren Alkoholismus nicht überlebt. Zu dem Teil der Story stehe ich. Aber leider war die Fahrt lang genug, dass sich das Thema nicht darin erschöpfte, dass er jammerte, sein Mitbewohner wolle von seinen Sorgen nix mehr hören.

Nein, es ging weiter damit, dass er seine Beziehungsprobleme schilderte, deren Höhepunkt wohl ein Axteinsatz seinerseits „durch de janze Wohnung“ seiner Frau war. Er dachte, sie hätte einen anderen. Schien ihm als Begründung immer noch auszureichen.

Überhaupt Gewalt: Er bemühte sich zwar philosophisch, das Problem bei sich und seinem toten Vater zu suchen, aber am Ende wurde es eine Heldensaga, wen er nicht wo wegen nichtiger Anlässe schon vermöbelt hätte. Nur eines sei witzig: Der Taxifahrer, dem er mal das Leben gerettet hätte, obwohl er ihn eigentlich verkloppen wollte.

Ich hab zwischenzeitlich überlegt, Kollegen zwecks Verstärkung anzufordern, aber der Typ war halb so groß wie ich und badete eigentlich in Selbstmitleid. Das waren keine passiv-aggressiven Provokationsversuche, der war echt so peinlich, dass er glaubte, ich fände das irgendwie toll.

Dann kamen Verschwörungstheorien dazu. Ich als Chronist tue hiermit also meine Pflicht und warne euch: Am 13. Januar werden eure Konten gepfändet! Ist wie in Griechenland, Ihr wisst schon! Ach so, der BER wird übrigens nicht fertiggebaut, weil er nur eine Kulisse ist. Mit (sehr sehr tiefem!) Tunnel „zum Bundestag“, damit DIE dann schnell flüchten können. Also über den funktionsunfähigen Flughafen … egal: Ihr wisst Bescheid!

Bleibt nur noch zum Schluss, dass er völlig ungerechtfertigt Stress auf Arbeit hat, weil er als Nazi gebrandmarkt würde, nur weil er „alle Schwarzen“ über einen Kamm scheren würde. Bewusst! Schließlich habe die Polizei mal wen totgefahren, als sie Kollegen helfen wollten, die „einen von denen“ nicht alleine festnehmen konnten. Wenn das kein Grund ist!

Aber eigentlich isser „n Netter“, auch wenn er mal Günther Jauch angepöbelt hat („DEM JEHÖRT HALB POTSDAM!“), obwohl der mal eine coole Reportage über seine Autorennen-Kumpels in der DDR gemacht hat.

Liebe Evolution, können wir uns mal darüber unterhalten, wie unrealistisch deine Charaktere mittlerweile geworden sind?

 

Echt bitter nötige Ersatz-Party

Ich fahre oft Menschen zum Feiern, die meisten davon allerdings eher mit guter Laune. Natürlich sind ein paar mal müde und manche kommen nur des Freundes wegen mit, aber es geht noch wesentlich schlimmer. So hab ich am Freitag eine Frau zur betrieblichen Weihnachtsfeier gefahren. Soweit normal. Bitter war, dass sie da drei Stunden vorher schon war. Und verlassen hatte sie die Feier nur, weil sie … Geburtstag feiern wollte mit ihren Freunden. Die am Ende allesamt ohne Ausnahme nicht aufgetaucht sind.

🙁

Ich fand’s schon stark, dass sie nicht geheult hat. Weiß nicht, wie meine Laune da gewesen wäre.