„Was erlaube Zentraaal?“

Ein guter Start ins Arbeitswochenende sieht anders aus. Dass das Auto seit meiner letzten Schicht unbenutzt rumstand und ich somit auch beim guten Sturm-Donnerstag hätte mitmischen können, war das eine. Das wirkliche Problem war, dass die Batterie leer war. Einfach so. Und die ist sogar noch relativ neu.

Aber gut, sowas passiert. Was die Sache wirklich ärgerlich gemacht hat, war, dass mich die Aktion am Ende anderthalb Stunden gekostet hat. Mein erster Gedanke war natürlich auch, einen Kollegen zu rufen, das Ganze schnell für einen Zwanni gefixt kriegen und dann nix wie los. Aus irgendeinem Grund hat mein Handy sich aber lange geweigert, die Zentrale anzurufen. Warum auch immer, schließlich sollte es später noch klappen.

Aber gut, da hab ich als zunächstmal in der Firma angerufen. Ob vielleicht einer von uns ein Starterkabel dabei hat. Nein, aber das war wenig überraschend. Also hat Cheffe die Zentrale angerufen und ein Taxi mit Kabeln bestellt. Ich konnte das live mithören.

Und dann verging eine halbe Stunde.

Das hat mich auch nicht überrascht, denn obwohl irgendein Taxi in Berlin meist in wenigen Minuten vor Ort ist: Dass an einem Tag mit recht hoher Auslastung ein Kollege, der Starthilfe geben kann, gerade in Marzahn nicht verfügbar ist, verstehe ich. Dann aber hab ich mal nachgefragt. Erst bei Cheffe und als der nix gehört hatte, hab ich (dieses Mal erfolgreich) selbst beim Taxi-Funk angerufen. Und dann kam was, was ich schon von einigen Kunden gehört hatte, aber immer ein bisschen skeptisch war:

Sie haben mir gesagt, dass kein Taxi verfügbar ist.

Das an sich: Traurig, aber es passiert mal. Nur wieso zur Hölle melden die einem das nicht noch einmal? Ich meine, auch wenn so etwas natürlich eine unschöne Kontaktaufnahme ist – der Frust der Kunden wird nicht gerade kleiner dadurch, dass sie die ganze Zeit glauben, ihre Bestellung hätte geklappt!

Ich weiß, dass das gar nicht so leicht ist. Denn die eigentliche Vermittlung findet erst nach dem Telefonat statt. Und wenn sich kein Kollege findet, kann die Zentrale daran nichts ändern. Und vielfach haben sie vielleicht gar keine Telefonnummer vorliegen, könnte ich mir vorstellen. Aber dann muss man doch die Abläufe ändern! Das ist ja kein Randproblem wie vielleicht eine ungenaue Angabe, wann das Taxi genau kommt. Gerade wenn man ein Taxi ruft, sind die paar Minuten, die man gewinnt, wenn man schnell weiß, dass es nicht klappt, doch wertvoll, weil man dann schneller umplanen kann. Und Hell yeah, auch wenn das heißt, dass der Auftrag an die Konkurrenz verloren geht, ist das doch wohl essentieller Bestandteil so einer Dienstleistung, ein Nichtzustandekommen auch zu kommunizieren!

Ich stell mir gerade vor, irgendwo Schuhe zu bestellen, nach zwei Wochen mal nachzufragen und die sagen mir unironisch und ohne Entschuldigung: „Ja nee, hatten wir nicht da.“ Das geht doch nicht!

Für mich war’s nur ein bisschen Zeitverlust. Am Ende hat sich doch unser Hausschrauber Jürgen auf den Weg gemacht und mir mit seinem Privatwagen Starthilfe gegeben. Hat halt nochmal eine Dreiviertelstunde gedauert.

20 Kommentare bis “„Was erlaube Zentraaal?“”

  1. Peter Vorweger sagt:

    Und neben deinem persüblichen Ärger kommt hinzu: Damit gibt die Vermittlung den Leuten wieder einen Grund mehr zu sagen, die Taxifahrer wollen mit den Protesten gegen uber und co nur die Konkurrenz klein halten statt sich über besseren Service Gedanken zu machen. In den Apps kann ich genau sehen wo mein Chauffeur Grad ist. Die Taxizentrale hat’s nicht mal nötig zurückzurufen…

  2. Peter Vorweger sagt:

    Ortsüblichen? Meine Autokorrektur ist noch dümmer als die Taxizentrale…;-)

  3. Peter sagt:

    warum nicht mal schnell beim ADAC nachgefragt ?
    die haben doch jede menge Erfahrung mit Starthilfe 😀

  4. Ich würde im Zweifelsfall die Batterie mal in ner Werkstatt durchmessen lassen, nur zur Sicherheit. Ich hatte es jetzt schon zwei mal, dass mir Gel-Batterien (die gar noch nicht so alt waren) „umgekippt“ sind. Von Heute auf Morgen, fast ohne Vorwarnung. Blöd, das…

  5. Klaus Trophobie sagt:

    Was lernen wir daraus: Essentielle Dinge wie Starthilfe (oder Abschleppseil) hat man selbst. 😉

    Gerade auch weil man auf den ADAC schnell mal eine Stunde und mehr wartet…

  6. Wahlberliner sagt:

    W

  7. Wahlberliner sagt:

    WTF? Warum steht da nur W? Ich hab doch sowas hier geschrieben:
    Es gibt da so recht handliche LiIon-Akkupacks, die können Starthilfe leisten, und auch Handys laden usw. – ist vielleicht ganz praktisch, sowas dabei zu haben.

  8. Dennis sagt:

    Jaja, unter anderem wegen sowas vermeide ich telefonische Bestellungen bei den Berliner Taxizentralen. Mit den Apps klappt es hingegen stets einwandfrei. Allein die einfache Auswahl der Optionen / Sonderwünsche ist schon ne tolle Sache, das Live-Tracking des anfahrenden Taxis sowieso. Verstehe ehrlich gesagt nicht, warum sich die Apps der Zentralen nicht weiter durchsetzen. Habe ja letztens irgendwo gelesen, dass nur 0,4% der Taxifahrten per Appbestellung zustande kommen. Falls das nicht mehr aktuell oder nicht auf Berlin bezogen sein sollte, korrigiert mich bitte.
    Starthilfe kann man auf dem Wege nicht bestellen, das stimmt; aber sonst…
    Ich kann es allen Smartphone-Nutzern jedenfalls wärmstens empfehlen. 😉

  9. Klaus Trophobie sagt:

    „Es gibt da so recht handliche LiIon-Akkupacks, die können Starthilfe leisten,“

    Kunden kann man vergackeiern. Die Physik nicht. 🙁

  10. Manne sagt:

    Die ZENTRALE, alles Arschlöcher…

  11. Manu sagt:

    Ja, das müsste die Messlatte sein im Kundenkontakt: den Kunden so enttäuschen (wenn schon), dass er mit einem zufrieden ist.

  12. Bitschubser sagt:

    Das Problem gibt es auch in anderen Branchen.
    $KUNDE hat einen Stapel Laptops nachbestellen versucht, identische Baureihe, wie die, die er schon im Einsatz hat.
    B2B-Webshop sagt „sofort lieferbar“.
    2 Wochen später immer noch keine Laptops da.
    Rückruf.
    Stellt sich raus, sie können doch nicht mehr liefern.
    Bieten dann zum gleichen Preis das vermeintlich besser ausgestattete Nachfolgemodell an.
    Kunde fällt darauf rein und hat nun den Scheiß, weil „anders“ eben nicht für ihn „besser“ ist (fehlende Treiber etc.)

  13. Kraven sagt:

    Einfach mal andere Autos anhalten und fragen, ob die ein Starthilfekabel haben, war keine Option? Oder ist der Abstellplatz so in der Pampa, dass da niemand vorbei kommt?

  14. Aro sagt:

    Leider ist das bei Taxi Berlin offenbar wirklich nicht mehr üblich, den Kunden abzusagen. Wenn ein Auftrag zustande kommt, wird automatisch eine SMS verschickt, wenn nicht, kommt keine Nachricht.
    Als ich noch dort gearbeitet hatte, war es selbstverständlich, die Fahrgäste auch dann zu informieren. Aber nachdem fast alle Mitarbeiter/innen eingespart wurden, sind die restlichen offenbar überfordert 🙁

  15. Wahlberliner sagt:

    @Klaus Trophobie: Doch, die gibt es, und funktionieren tun die auch. Sind etwa doppelt bis drei mal so groß wie ein Laptop-Akku. Ein typischer Laptop-Akku hat 50-60Wh, d.h. die dürfen so bei 100-150Wh liegen. Und Lithium-Akkus sind ja dafür bekannt, dass sie durchaus kurzzeitig extrem hohe Ströme liefern können. Ich hab sowas auch schon im Einsatz gesehen, funktioniert wirklich, und nicht nur bei kleinen 4-Töpfern.
    Darfst halt nicht den Billigschrott kaufen, sondern was anständiges, dann klappt es auch. Und natürlich ganz wichtig: Nicht im Winter im kalten oder im Sommer im heißen Auto lagern, das bekommt den Akkuzellen nicht. Aber sonst: Kein Problem!

  16. asd sagt:

    Hatte auch mal so ein Erlebnis. Normalerweise gab es nach der Taxibestellung per Handy eine SMS mit der geplanten Ankunftszeit und dem Kennzeichen des anfahrenden Taxis. Einmal blieb das aus. Nach einer Viertelstunde angerufen: Nee, es kommt keiner, ist kein Wagen im Prenzlauer Berg. Waren alle bei einer irgendeiner Messe.

    Bezüglich Starthilfe: Wenns kein Sonntag ist, zum nächsten Supermarktparkplatz gehen und Männer ansprechen. Da hat öfters mal einer ein Kabel dabei und ist hilfsbereit. Am besten nach Bastler-Autos gucken. Alte Mercedes-Kombi sind immer gute Kandidaten.

  17. Toni sagt:

    Als ich vor knapp zwei Wochen hier in Lüneburg ein Taxi zur falschen Straße bestellt hatte, hat das geklappt. Erst fiel es mir selbst auf und ich rief die Zentrale an, keine dreißig Sekunden später rief mich der Fahrer auch noch selbst an, bevor er die Korrektur von denen hatte. Nach nur einem weiteren Anruf hat er dann auch die richtige Hausnummer gefunden. Gut, dass ich genug Zeit für die Taxi-Anfahrt eingeplant hatte, aber war ja großteils auch mein Fehler.

  18. Dod sagt:

    Wir haben einen Batterie-zickigen Wagen und waren es auch über, bei jedem zweiten Einkauf auf dem Parkplatz wildfremde Leute um Starthilfe anzubetteln. Tatsächlich funktioniert eine vergleichsweise kleine Powerbank die sonst das Smartphone lädt auch als Starthilfe – da liegt dann ein kurzes Überbrückungskabel bei. Bei dickeren Autos als dem unseren reicht natürlich das Jackentaschenmodell nicht mehr unbedingt aus. Taschenlampe und Smartphone-Notstrom (notfalls auch als Energiequelle um das SNES Mini anzutreiben :D) inklusive. Praktisches Zubehör.

  19. Dod sagt:

    Eben vergessen: Ausprobiert haben wir das natürlich auch schon. Mehrfach sogar. Offenbar lässt die Physik sich doch austricksen 😉 .

  20. Sash sagt:

    @Kraven:
    Theoretisch sicher. Aber ich bin nicht der, der das tut.

    @Aro:
    Scheint so. 🙁

    @Toni:
    Schön, dass es bei Euch so läuft!

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