Der arroganteste Satz des Jahres 2017

Mein Kunde war ein Angeber. Im Wesentlichen hat er mir vorgejammert, wie schlimm es ist, dass sein teures Auto gerade in der Werkstatt ist. Was ich sehr gut verstehen kann, welcher Autofahrer hat schon gerne Reparaturen? Ich hab auch viel über die Umstände erfahren, noch mehr allerdings über den Preis. 200.000€! Immer wieder. Das allerdings hat mir nicht wirklich imponiert. Da draußen sind viele Leute jenseits meiner Gehaltsklasse unterwegs und ein paar von denen stehen auf Autos.  So what?

Im Grunde war der Typ sogar in Anflügen sympathisch, weil er oft betonte, dass das halt sein teures Hobby sei, aber sonst gönne er allen ihr Zeug und zwischendrin hab ich ziemlich bedauert, ihm nicht 80€ Festpreis für die innerstädtische Fahrt angeboten zu haben, denn auf irgendwas zwischen 60 und 150 hatte er sie eh geschätzt.

Wirklich überrascht war ich, dass er neben dem Gejammer über seine Kiste lobende Worte für mein Taxi loswurde:

„Aber der is‘ ja auch mal extrem gechillt. Was fahr’n wir’n?“

„Opel Zafira.“

„Nee, echt angenehm, ganz ehrlich, muss ich so sagen!“

Und so zog sich das durch. Er hat zwar fortwährend Dinge bejammert, die hier keine 0,5% der Bevölkerung beschäftigen, aber weitgehend ohne irgendwie „von oben herab“ zu sein. Aber bezüglich meines Autos ergab sich dann dieser goldwerte Dialog:

„Ich bin auch zufrieden mit dem Wagen. Natürlich spielt er nicht in der 200.000€-Klasse mit – um ehrlich zu sein: Wir reden hier eher über 20.000.“

„Echt jetzt? Ich wusste gar nicht, dass es Autos für 20.000 gibt.“

Ich würde sagen: Das ist schwer zu toppen. 😉

Ach ja, nur noch kurz das Ende vom Lied: Der Fahrpreis blieb 25% unter seiner niedrigsten Schätzung und das Trinkgeld betrug weniger als 10% …

7 Kommentare bis “Der arroganteste Satz des Jahres 2017”

  1. Joe sagt:

    Der muß aber gewaltige Minderwertigkeitskomplexe haben. Tatsächlich fährt er wahrscheinlich einen 12 Jahre alten Schrotthaufen.

  2. Lily sagt:

    Was für eine arme, alberne Gestalt.

  3. Der Banker sagt:

    Erinnert mich gerade an einen Kunden, der zu mir an den Tresen kam, seine Bankkarte hinlegte und „drei“ bestellte.
    Ja, gut, das war so auf den ersten Blick nicht wirklich die übliche Klientel für „drei“, aber da schauste ja nicht rein. Bei solchen Summen muss man schon diskret sein, und so nickte ich nur und behandelte ihn mit der ganz normalen professionellen Freundlichkeit.. Ich also das Programm gestartet, den Kunden an das PinPad verwiesen, wo er den Betrag auch bestätigte.
    Und ihm still drei Euro in die Finger gedrückt, damit es auf dem Tresen keine auffälligen Geräusche gab.

    Der Kunde ist daraufhin ziemlich abgegangen, ob ich ihn verarschen wolle. Auf Nachfrage meinte er, er habe „natürlich dreitausend“ gemeint. Natürlich! „Natürlich“, weil normal wären bestenfalls dreihundert, wenn man es so sehen möchte.
    Aber absolut nicht glauben wollte er, dass es wirklich Leute gibt, die drei Euro von ihrem Konto abheben…

  4. Daarin sagt:

    @Der Banker: Da sieht mans mal. Unsereins, für den eher dreißig normal sind als dreitausend hätte sich wahrscheinlich nur über etwaige Gebühren aufgeregt aber ansonsten ganz klar gesagt „Mein Fehler, ich hätt dann gerne noch 2997“ und gut ist. Wobei bei 3k hätte ich mich wohl auch nicht mehr um die paar Euro Gebühren geschert.

  5. Sebastian sagt:

    Der Satz ist toll 🙂

    Unser Twizy hat 4.500 gekostet 😉 Dafür ist er steuerfrei, braucht keinen Sprit und kostet keine zwei Deiner Kurzstrecken Versicherung im Monat. Allerdings als Großraumtaxi eher begrenzt geeignet.

  6. Der Banker sagt:

    @Daarin,
    Gebühren waren da noch kein Thema. Heute wäre das zumindest theoretisch möglich – und glaub mir, auch ein €3000-Kunde geht dann auf die Barrikaden 😀 Da kennen die garnix.
    Wäre natürlich das kleinste Problem, das Engelt über ein Storno der ursprünglichen Auszahlung oder nachträglich über den Kulanzantrag zu erstatten.

  7. Chris sagt:

    Ganz ehrlich, dass es Leute gibt, die drei Euro vom Konto abheben, wusste ich auch nicht bzw. hätte es nicht geglaubt. Ohne selbst Krösus zu sein…

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