Dezember-Ehrentag

Ja, sowas in etwa muss heute sein: Ein Tag, den Dezember zu ehren.

Nun haben wir Januar, der geneigte Leser wird fragen, was ich damit wieder sagen will.

Nun, der Dezember ist ein verdammt guter Monat zum Taxifahren. Klar, man muss mit Kälte, Matsch, Schnee und Eis, sowie Meckereien über das Wetter leben können. Dafür stimmt der Umsatz. Der Januar ist im Prinzip genauso, nur fehlt da auch noch der Umsatz. Und dabei ist der wunderschöne Dezember doch eben erst vorbei…

Kurzum: Es war eine deprimierende Schicht! Gut, jetzt nicht unbedingt das schlimmste, was ich je erlebt habe, aber man gewöhnt sich jedes Jahr wieder an die 20€ pro Stunde, die man im Dezember meistens macht. Der Rückschritt auf 10 schmerzt irgendwie.

Was den Tag aber wirklich bitter gemacht hat, war das Trinkgeld. Dass das bei üblen 7 Touren nicht exorbitant werden würde, war klar. Aber 2,20 € ist in einer normalen Schicht ein guter Wert für das höchste Trinkgeld, in guten Schichten ein Wert für das durchschnittliche Trinkgeld – aber doch nicht für die Gesamtsumme wie heute!

Fahrten hatte ich von 6,80 € bis 21,60 €. Alles schöne Fahrten mit netten Fahrgästen, Urlaubsstimmung, Lockerheit, nette Gespräche. Und das war ihnen 0,00 bis maximal 0,80 € extra wert. Schade, wirklich!

Über das Trinkgeld meckern ist immer wieder schwierig. Schließlich ist es freiwillig, und im Einzelfall kann ich auch gar nicht bewerten, was jetzt der Grund war, wenn es weniger wurde. Manch einer gibt aus Prinzip nichts, einer ist knapp bei Kasse, den dritten ärgert doch ein kleiner Umweg, der mir gar nicht aufgefallen ist… kann ja alles sein. Meist gleicht sich das aber irgendwie wieder aus.

Gut, das wird es. Bis Monatsende spätestens. Aber bitter ist es gerade trotzdem. 🙁

Neujahr, 2:45 Uhr

Bis ans westliche Ende von Lichtenberg! Wow!

Das Fahrtziel, das mir die gemischte Mannschaft in Biesdorf nannte, war gar nicht so weit weg. Eine Tour zwischen 15 und 20 € wie so einige in der Silvesternacht. Bis dato hatte ich allerdings alle 6 Touren in den anderthalb Stunden Arbeitszeit östlich der Nord-Süd-Verbindung Rhinstr./Am Tierpark/Treskowallee/Sterndamm abgearbeitet. Letztes Jahr bin ich sogar in der ganzen Nacht außer nach Kreuzberg nie in „den Westen“ gekommen.

Jetzt aber bis quasi zum S-Bahnhof Landsberger Allee. Na denn.

Die Fahrgäste waren sehr nett und abgesehen davon, dass ich ihre teilweise übertrieben langen Streckenwünsche behutsam zurückgestutzt habe, könnte ich über die Fahrt kaum etwas erzählen.

Außer, dass ich so langsam eine Kippenpause wollte. Und immer noch kein Feuerzeug hatte. Aber es ist Silvester, alle feiern sie heute, da kann man mal fragen:

„Sagen sie, darf ich sie ganz dreist etwas fragen?“

Und was soll ich sagen? Ausgerechnet die alte Mutti, die von ihren längst erwachsenen Kindern begleitet wurde, reichte mir mit strahlenden Augen ein Feuerzeug. Dafür hab ich ihr artig einen Euro vom Fahrpreis erlassen und kein Trinkgeld genommen. Und wahrscheinlich hat sie jetzt auch noch was zu erzählen 😉

Wieder im Einsatz

So, das Wochenende war einmal mehr ein verlängertes, aber man hat ja schließlich noch mehr zu tun, als nur zu arbeiten.

Heute sind die Schlagzeilen voll vom winterlichen Tief Petra, das halb Deutschland einen schönen Winter bescheren soll. In Berlin soll es wohl vor allem in den nächsten Nächten frostig werden. Das sollte auch eigentlich kein Problem fürs Taxifahren sein, sondern eher mehr Kunden bedeuten.

Ein bisschen Sorgen mache ich mir indes wegen des Autos. Dass die Heizung ein bisschen braucht, um auf Touren zu kommen, ist kein großes Problem. Ab -5°C mache ich den Motor sowieso nur versehentlich aus während einer Schicht – mit der Zeit passt es schon.

Aber schon bei den ersten Tiefsttemperaturen der letzten Wochen hat wieder mal die Zentralverriegelung einen Schlag weg gehabt – was mein Tagfahrer jetzt hat richten lassen. Noch ist es nicht so schlimm wie letztes Jahr, aber wir mussten die rechte hintere Tür immer von Hand abschließen, da die ZV das nicht hinkriegt. Wahrscheinlich ein kälteinduzierter Kabelbruch/Wackelkontakt. Jedenfalls vergisst man das natürlich auch mal – Gewohnheit und so – was ja jetzt nicht im Sinne des Erfinders ist. Wenn es dann wirklich wieder das ganze Auto betrifft, wird es aber richtig ärgerlich.

Naja, ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Überwiegend freue ich mich des Wetters wegen 🙂

Gewinnprobleme und Designcountdown

Heyho allerseits da draussen!

Nach mehr als zu langer Pause bin ich endlich wieder ins Cockpit zurückgekehrt, und was bleibt, ist vor allem die Frage, warum mich niemand gewarnt hat, wie kalt -12°C eigentlich sind. Brrr!! Und was sich da wieder für Alltagsprobleme ergeben… Da will ich die Fenster innen putzen, weil natürlich jeder auf die beschlagenen Scheiben seine Initialen und versaute Bilder mit dem Finger gemalt hat, und dann stelle ich fest, dass die Fenster auch innen (!) von einer Eisschicht überzogen ist, die sich ziemlich hartnäckig einer Entfernung wiedersetzt…

Aber zu den Gründen dieses Eintrages:

1. Gewinncountdown:
Das Gewinnspiel läuft heute Nacht aus. Wer noch keinen Kommentar unter den Gewinnspielartikel gepostet hat, und noch mit sich ringt, ob das ein berechtigter Arbeitsaufwand ist, um die Chance zu haben, ein völlig ungesundes Süßigkeitenpaket zu erhalten, der sollte nur noch bis heute Nacht, 4. Dezember 2010, 23.59 Uhr, ringen. Alle Kommentare, die mein WordPress (keine Garantie, dass die Uhr zu 100% genau geht!) auf den 5. Dezember legt, zählen nicht mehr. Also: Wenn noch nicht geschehen, dann ran an die Tasten!

2. Designprobleme:
Meine backupanfälligere Hälfte hat sich heute während ich geschlafen hab mit dem Design hier bei GNIT geprügelt und einige alte CSS-Dateien bei sich gefunden und durchs Hochladen derselben das Aussehen des Blogs wieder halbwegs hergestellt. Das ist nicht nur total super und sollte ihr Dankeswünsche und hochwertige Geschenke bescheren (Ich weiß, das ist mein Part. *seufz*), nein es hat selbst ohne dies ihren Ehrgeiz geweckt, und sie plant, die letzten Unstimmigkeiten heute Nacht zu beseitigen. Dadurch könnte es sein, dass hin und wieder Kleinigkeiten auf der Seite nicht funktionieren – insbesondere die Navigation zwischen den Artikeln.
Sollte euch also heute Nacht etwas auffallen, das nicht funktioniert, dann ist das ein Zeichen dafür, dass es gut ist. Wie wenn Mama sagt: „Es ist aber gut, dass es juckt. Das bedeutet, dass es heilt…“
Kann man doof finden, kratzen wäre dennoch die falsche Vorgehensweise 😉

Ja, ich freue mich auf eine hoffentlich und wahrscheinlich hammermäßige Samstagsschicht, bin also wie üblich am Wochenende arbeitsmäßig beschäftigt. Aber wir sehen uns hier wieder häufiger als letzte Woche, versprochen!

Zieht euch warm an, Leute!

Streckenrandnotiz

Hm… ein bisschen ruhig gerade hier, was?

Abgesehen von den Kommentaren natürlich 😉

Ich hab die letzten zwei Tage nichts geschrieben, weil ich zu Hause sitze. Ich fühle mich gerade nach allem anderen als Arbeit, ich werde – was wirklich nur selten passiert – auch an diesem Samstag nicht arbeiten. Keine leichte Entscheidung, aber es ist besser so. Der November wird damit zu einem ziemlich unspektakulären Monat werden, aber ich freue mich dafür schon doppelt auf den Dezember: Weihnachtsfeiern, Weihnachtseinkäufe, Weihnachtsbesuche – alles Dinge, die mich nur sehr wenig vom Arbeiten abhalten, den Rest der Welt aber zu mir ins Taxi spülen. Nicht zu vergessen als krönender Abschluss dann Silvester.

Ich werde die nächsten zwei Tage mal mein schlaues Büchlein durchblättern nach noch nicht gebloggten Geschichten, ganz sterben wird dieser Blog also abermals nicht. Halte mich diesbezüglich an Hitchcock, der ja angeblich auch dereinst verkündete, dass die Berichte über sein Ableben stark übertrieben seien 😉

Ansonsten gibt es noch einen Taxiüberfall zu vermelden, glücklicherweise abermals ohne Verletzten. Von meiner Seite aus wie immer einen lieben Gruß an den Kollegen und der Wunsch, dass es ihm wieder gut geht!

Link zur Polizeimeldung

Ja, Freunde der Nacht – das war es für heute Abend erst mal. Haltet die Ohren steif und man liest sich!

Wenn man einmal heim möchte…

Auch wenn es viele Kollegen tatsächlich nicht glauben wollen: Morgens am Wochenende ist der Ostbahnhof eine verdammt gute Halte. Wenn ich mich Sonntag früh für meine letzte Samstagstour anstelle, bin ich schon oft mit Fahrten nach Spandau, Lichtenrade, Hellersdorf, meist aber zum Flughafen Schönefeld „überrascht“ worden.

Da mein Tagfahrer das Auto aber auch irgendwann haben will, verlege ich die letzte Tour somit meist eher auf 6:15 bis 6:30 Uhr statt später. Wenn man es überhaupt mal vernünftig einschätzen kann, wann man Kunden hat…

Aber manchmal will auch ich nach einer langen Nacht nur noch heim. Da fehlen vielleicht noch 5 € auf die 200 oder ich hoffe, noch ein bisschen den Kilometerschnitt drücken zu können mit einer Tour grob in Richtung des Abstellplatzes. Das Ablehnen einer langen Fahrt zu dieser Uhrzeit ist alles andere als problematisch, da die Kollegen, die sich um die Uhrzeit am Bahnhof tummeln, meist schon die Tagfahrer sind, sprich: eben mit der Schicht angefangen haben. Da hat niemand was gegen einen 30€-Stich zu Beginn einzuwenden, und meist frage ich sie auch vorher, ob es für sie ok wäre.
Die Fahrgäste haben ebenso meist Verständnis, also läuft das eigentlich ganz gut.

Und so stand ich neulich da, es war ziemlich genau 6 Uhr. Ich hatte überlegt, direkt von der Tanke aus zum Abstellplatz zu fahren, aber irgendwie kam der Ehrgeiz dann doch mal durch. Darf nach 29 Jahren Faulheit ja auch mal passieren.

Es wurde das bekloppteste Schichtende ever.

Zunächst wartete ich 10 Minuten, bis ich erster war. Dann kam eine Kundin. Sie wollte wohin? Richtig: Flughafen Schönefeld. Mein Ziel hingegen war die Storkower Str., und eine Tour über 15 € wollte ich in gar keinem Fall annehmen. Vielleicht, wenn es über die Landsberger Allee gehen sollte, da wäre der Rückweg nachher schnell. Aber lieber so um die 10 €. Richtung Westen vielleicht 8. Meinetwegen gerne eine kurze Tour wie den ganzen Abend davor. So 6,50 € und richtige Richtung?

Die Kundin hatte Verständnis, der Kollege hat sich mächtig gefreut, ich hab weiter gewartet. Die Zeit verrann ziemlich langsam.

15 weitere Minuten später tauchte dann ein Kunde am Horizont auf. Na also! Wo soll es hingehen?

„Ach, ich müsste ganz dringend zum Flughafen Sch…“

„Dann steigen sie doch bitte zu meinem Kollegen ins Auto, ich bin schon 10 Stunden unterwegs und möchte gerne nur noch eine kurze Tour fahren.“

Kollege glücklich. Fahrgast glücklich. Sash müde. weiter warten!

Etwa 10 Minuten nach dieser Anfrage betrat ein weiterer Kunde das Spielfeld. Er wollte wohin? Richtig! Zum Flughafen Schönefeld!

Inzwischen wäre ich mit der ersten Flughafen-Tour längst auf dem Rückweg gewesen und mit 30 € mehr Umsatz auf direkterem Wege in die Heimat. Aber ich bin tapfer weiter rumgestanden und hab die Hoffnung nicht aufgegeben, dass keiner der Kollegen weiter hinten mitbekommen hat, was für eine erbärmliche Gestalt ich in diesem Moment war.

Die nächste Tour hab ich angenommen. Sie war zwar mit 16 € eigentlich zu lang, sie führte mitten ins Herz von Schöneberg, also straight nach Südwesten, was genau entgegen meiner Richtung lag – aber ich wollte es gar nicht mehr mitkriegen, wie mich der nächste Kunde dann wahrscheinlich wegen einer Ferntour nach Leipzig gefragt hätte oder so…
Ich hab das Auto dann mit ein paar Minuten Verspätung abgestellt, was glücklicherweise kein Thema ist, da mein Tagfahrer am Sonntag immer spät anfängt. An diesem Tag hab ich ihn tatsächlich mal getroffen am Auto, und er meinte zu mir:

„Kiek ma, bist ja noch unterwegs. Ha, siehste ooch ma Sonntags de Sonne uffjehn!“

Hätte ich drauf verzichten können…

Ich glaube, nächstes Mal fahre ich einfach „heim“. Irgendwann ist es schließlich mal gut!

Immer wieder lustig…

Nun bin ich zwar Taxifahrer, noch dazu einer aus dem Internet, aber gelegentlich gibt es mich ja auch im realen Leben. Meine Freundin kann das mit am Besten bewerten.

Da wir einen gemeinsamen Haushalt führen, bzw. ihm mit gemeinschaftlicher Hingabe gelegentlich Grenzen des Zerfallsprozesses aufzeigen, kommt es schon mal vor, dass trotz erheblichen Mangels an Trauscheinen selbst während eines Bank-Gesprächs der Name des Anderen fällt. So sah sich meine geschäftstüchtigere Hälfte seitens ihres Beraters mit der Frage konfrontiert, welcher Arbeit ich, Sash, nachgehe.

Sie antwortete der Abwechslung halber just auf diese Frage wahrheitsgemäß mit:

„Der fährt Nachts Taxi.“

Die nächste Frage des Bankberaters meiner besseren Hälfte wird auch mir immer wieder in eben jenem Auto gestellt, und deswegen findet sich der Eintrag auch hier wieder und nicht im privaten Blog nebenan:

„Und was macht er tagsüber?“

Dass Nachtarbeit noch immer so wenig erforscht ist, hätte ich mir vor zwei Jahren nie träumen lassen. Das wirkliche Dilemma an der wahrheitsgemäßen Beantwortung der Frage („Schlafen.“) ist, dass einem bisweilen nicht geglaubt wird. So wich die Skepsis jenes Beraters auch erst, als meine Freundin ihn mit der Gegenfrage konfrontierte, was er denn Nachts tue.

Mir ist bewusst, dass Alltagsbewältigungsmodelle existieren, die Taxifahren zu später Stunde als Nebenerwerb möglich machen, über diesen Punkt ist man jedenfalls im Taxi stets weit raus, wenn die Frage nach der mittäglichen Lebenssituation kommt.

Also nochmal zum Mitschreiben: Wer die ganze Nacht arbeitet, schläft tagsüber! Mir ist kein Konzept bekannt, das auf Dauer ähnlich effizient funktioniert.