Wie Bombe (2)

Als ich meinen alkoholisierten Super-Fang wieder im Auto hatte und ausparken wollte, ermahnte er mich, wir müssten erst einmal anstoßen. Dazu hatter er mir tatsächlich eine Cola mitgebracht, er selbst hielt sich an einer kleinen Jägermeister-Pulle fest. „Nicht betrinken“ war er ja angeblich. Wieder auf der Straße hab ich ihm den Gefallen getan und ihm zugeprostet, ist ja nicht das erste Mal, dass ich im Auto etwas trinke.

Er verzog bei seinem ersten Schluck das Gesicht, als würde er – wie ich – eigentlich gar keinen Schnaps trinken und es ziemlich widerlich finden. Als Lösung fing er an, sich eines der 5 gekauften Bier zu öffnen. Ich bin da nach wie vor recht offen, aber er war schon arg in Mitleidenschaft gezogen. Also hab ich ihn mehr als nur deutlich verwarnt:

„Hey! Nix dagegen, dass du hier Bier trinkst! Aber VORSICHT! Das Auto bleibt gefälligst sauber, sonst wird’s teuer!“

Als Antwort dienen sollte ein etwa zweiminütiger Monolog seinerseits, der zum Inhalt hatte, dass er Gustav heißt und als Gustav selbstverständlich auch saubermacht, was er beschmutzt. Außerdem sei das auch mit dem Geld kein Problem, denn er hätte Arbeit, weder Frau noch Kind, einfach nur „Kohle ohne Ende“. Dabei hantierte er mit seiner Bierflasche immer so, als ob er mir ernstlich zeigen müsste, wie es aussehen würde, würde er sie ausschütten. Ein bisschen geschwitzt hab ich bei der Darbietung durchaus. Aber er hat sein Versprechen gehalten.

Kurz vor dem Ziel musste er mir zeigen, wo es jetzt genau zu seiner Firma geht. Als wir an der Ampel standen, hätten es folgende Worte getan:

„Hier gleich hinter der Kreuzung die erste Einfahrt rechts!“

Gesagt hat er ungefähr folgendes:

„Fahrsdu fahrsdu gerade, immer gerade. Nicht hier rechts, erst nachher. Dann rechts, dann ist meine Firma!“

Das kann man so auslegen wie er, muss man aber nicht. Kurzum: Es hat 3 Anläufe gebraucht, bis wir die Einfahrt getroffen haben. Auf dem Gelände selbst gab es das gleiche Spielchen nochmal, aber ich hab das genossen. Ich hatte meinen Blogeintrag in der Tasche, alles ok. Am Ende einer solchen Tour muss man – insbesondere als Gustav! – natürlich eine Zigarette rauchen. Deswegen muss der Taxifahrer auch eine rauchen. Irgendwie logisch. Fand er zumindest.

Immerhin ist er dazu ausgestiegen. Damit wäre eigentlich alles erledigt gewesen. Ach gut, das Zahlen…

Das stellte ihn – wie er ja gesagt hatte – vor keine sonderliche Herausforderung. Er drückte mir einfach seinen Geldbeutel in die Hand, der mit grob geschätzten 500 € durchaus ausreichend ausgestattet war, um die 14€-Tour zu begleichen. Ich hab ihn dann gezwungen, hinzusehen was ich mir rausnehme, denn bei seiner Aufmerksamkeitsspanne hätte es keines Meisterdiebes bedurft, mal eben die Hälfte der Kohle zu entwenden.

Da mein Fahrgast langsam aber auch die Kontrolle über die Sprache verlor, gab es nicht einmal weiteres Trinkgeld. Stattdessen rutschte er neben der offenen Beifahrertür plötzlich weg, stürzte kopfüber und ohne sich abzustützen ins Wageninnere. Statt aber bequem auf dem Beifahrersitz zu langen, knallte er mit dem Kopf gegen das Amaturenbrett, um am Ende mit dem Gesicht zwischen selbigem und der Türe eingeklemmt liegen zu bleiben. Wer will, kann das gerne versuchen: Es gibt keine bequeme Position, in der man das hinkriegt. Im Grunde weiß ich nicht einmal, wie er einem Genickbruch entgehen konnte…

Also hab ich ihn rausgefischt und nebenbei auch sein offenes Bier, dass er bei der Aktion in den Wagen geschmissen hat.

Aber ebenso wie ihm sein Kopf nicht abgefallen war, stand das Bier nun, leicht an den Türschweller angelehnt, sicher im Wagen und ist nicht ausgelaufen. Mehr Glück kann man kaum haben. Er sah ein, dass es nun besser wäre, zu gehen. Ich selbst wollte ohnehin einen Abflug machen. Als ich gerade einsteigen wollte, drang ein fürchterlicher Lärm an mein Ohr, aus genau der Ecke, um die er inzwischen verschwunden war.

„Was ist los, biste hingefallen?“

„Jaaaaa!“

„Ist was passiert?“

„Nee, aber besoffen wie Bombe!“

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung 🙂

Wie Bombe (1)

Als ich am Freitag wieder ins Cockpit zurückgekehrt bin, war ich noch nicht so ganz überzeugt von meinem Versprechen, schnell blogbare Fahrgäste zu finden. Ich bin vielleicht nicht schlecht darin, Kleinigkeiten aufzupumpen, aber die ersten 3 Kunden haben einen schalen Nachgeschmack von Nichts mit Wasser hinterlassen.

Für die Schicht und für mich als Taxifahrer waren sie super. Schnell ein paar Euro verdient, keine Probleme, alles bestens. Für mich als Blogger war es indes eine Katastrophe. Das Glück kam dann jedoch schon um 22 Uhr etwa angetorkelt. Ich war an der Rücke gerademal sechster oder siebter Fahrer, eigentlich hatte ich also sogar noch mit etwas Wartezeit gerechnet. Aber da stand er dann – oder versuchte zu stehen. Er war ein junger Mann, eingekleidet in einen knallroten Trainingsanzug, vom Zustand her leicht mitgenommen. Auf jeden zweiten Vorwärtsschritt folgte einer rückwärts und so wie er schon nach Brockenlachen aussah, dachte ich mir:

„Na komm, den packste ein. Nur so zum Bloggen!“

Mit einem Geräusch, das entfernt an ein „Pff“ erinnerte, sank er auf den Beifahrersitz und ich begrüßte in standesgemäß:

„Guten Abend aber auch. Na, war auch schon ein Bier zu viel, oder?“

„N-N-Neeeee!“

protestierte er mit starkem russischen Akzent und erging sich in Unverständnis darüber, dass ihn andere Fahrer nicht mitnehmen wollten. Eine grobe Adresse hatte er auch noch parat, dann ging es auch schon los. Ziel sollte eine nicht so genau benannte „Firma“ in einem Lichtenberger Gewerbegebiet sein, immerhin grob eingegrenzt auf eine Kreuzung, die mir was sagte. Allerdings wollte er unbedingt noch Bier kaufen und brauchte dazu einen Imbiss. Für eine clevere Idee hielt ich es nicht bei seinem Zustand, aber besser als die folgende war es dann doch noch:

„Trinkst du mit! Kriegst du von mir!“

Ihm das auszureden war nicht leicht:

„Hey, ich kann während der Arbeit nix trinken!“

„Ach, is egal!“

„Nein, das ist nicht egal.“

„Machst du Woodka! Lemon! Merkt Polizei nix!“

„Und wenn doch? Nix da. Mein Schein ist mir wichtig!“

„Machstu kommstu! Nullzwei! Merkt niiiix!“

„Ja, und ich muss 0,0 Promille haben, Ende der Diskussion.“

„Sonst ist der Schein, also nicht Führerschein…?“

„Ja genau. Mein P-Schein! Der ist dann weg. Hier ist übrigens ein Imbiss!“

Ich hab den Wagen an der Frankfurter Allee vor einem Imbiss gestoppt, er wollte allerdings nicht aussteigen, bevor ich ihm sage, was ich trinke. Da hat er sich nicht von abbringen lassen. Also hab ich ihm vorgeschlagen, er könne mir ja eine Cola mitbringen. Reichlich ungelenk hat er sich aus dem Auto geschält und ist unsteten Schrittes zum Imbiss gewankt. Während ich mir eine Zigarette angezündet habe, hat er mir noch zugerufen:

„Cholla! OK, kriegst du Cholla! Machst du dir keine Sorgen. Ich bin nicht betrinken. Trunken! Nicht!“

5 Minuten, halbe Strecke – und schon hab ich eine Auszeit gebraucht. 🙂

Den Rest der Tour gibt es morgen. Verzeiht mir, aber so viele Stories hab ich noch nicht gesammelt. Und der reicht für zwei…

Wer langsam kackt…

kriegt auch ’nen Haufen.

Eines der liebsten Sprichwörter, die in meiner Familie so rezitiert werden…

Ich bin tatsächlich seit gestern wieder auf der Straße. Allerdings hab ich bisher noch nicht von mir hören lassen. Zum einen liegt das daran, dass es recht gut lief, zum anderen daran, dass noch nichts so richtig rund lief. Ich hab z.B. meinen Handy-Akku wiedergefunden, allerdings 10 Minuten vor dem Losgehen. Und das Autoladekabel hat sich über die ganze Nacht einen Fight mit der Handbremse geliefert, sodass ich gestern oberstumm unterwegs war.

Im Grunde lief es gut und ich hab sogar einiges für neue Blogeinträge gesammelt, aber nach 10 Stunden Arbeit war ich vorerst so geschafft, dass ich mich nicht einmal mehr an den PC gesetzt habe und bis eben mal gemütliche 10 Stunden durchgeschlafen habe. Wenn man dann noch ein bisschen Essen und Körperpflege in den Raum wirft, wird klar, warum ich wider Erwarten noch keinen Taxiartikel geschrieben habe. Deswegen – und weil ich mich auch noch um die Auswertung des Gewinnspiels kümmern muss! – verbleibe ich heute nur mit einer sehr kurzen Anekdote:

Der Fahrgast nach Rummelsburg war einer der typischen Geschäftspendler: Vornehm angezogen, ein einzelner Koffer als Reisegepäck und eine Menge Erleichterung, nun endlich heimzukommen. Trotz meiner noch immer krächzigen Stimme haben wir uns hier und da locker unterhalten und am Ende hat er mich zu seiner kleinen Nebenstraße gelotst. Eine Tour wie tausende. Da ich mich inzwischen ein wenig erholt hab vom Kofferfund, hab ich zuletzt wieder meinen üblichen dämlichen Spruch zum Ende hin gebracht:

„Na dann befreien wir mal noch das Gepäck. Wäre ja ein blödes Ende für die Fahrt, wenn ich jetzt damit abhaue…“

Er war so ziemlich der erste, der darauf schlagfertig geantwortet hat:

„Wissen sie, da ist mein halbes Büro drin. Wenn sie’s weiter bearbeiten, wäre ich ihnen sogar dankbar dafür!“

Einer von vielen kleinen Momenten gestern, in denen ich mich sehr gefreut habe, endlich wieder auf der Straße zu sein. Und einer der Gründe, weswegen ich mich gleich wieder auf den Weg mache, obwohl ich mich wesentlich unfitter fühle als gestern.

Nee…

Ich bin dafür, dass wir neben der ganzen Gewinnspielgeschichte nun auch langsam mal wieder die Taxigeschichten-Zeit hier im Blog einläuten. Ich selbst fahre zwar erst heute Abend wieder, aber der Besuch bei Cheffe neulich hat mich auch insofern erheitert, als der nette Kollege, der mich heimgefahren hat, noch eine seiner Geschichten von letztem Monat zum Besten gegeben hat.

Offenbar hat er nach einem Konzert einen ziemlich verstrahlten Typen aufgegabelt, lange Haare, Lodenmantel bis zu den Stiefeln. Mein Kollege hat den Fahrgast gefragt, wo er hinmüsse, woraufhin dieser eine eher unorthodoxe Antwort gab:

„Du, äh, ganz ehrlich: Ich weiß es nicht! Fahr erstmal los…“

Mein Kollege hat dann ziemlich gekonnt umschrieben, wie er vorsichtig und unter stetigem Nachfragen eine mittelgroße Runde gedreht hat und nach rund einem Kilometer mit 4,80 € auf der Uhr wieder am Ausgangspunkt angekommen, erneut gefragt hat:

„Und? Isses dir wieder eingefallen?“

„Äh, nee.“

Daraufhin hat der Kollege, hilfsbereit wie wir nunmal sind, nicht nur Stadtteile runtergebetet, sondern auch in Erinnerung gerufen, dass der Fahrgast ja vielleicht eine Karte vom Hotel oder etwas ähnliches haben könnte. Der junge Mann hat daraufhin seine Taschen geleert, dabei immerhin offenbart, dass er Geld dabei hat, ansonsten aber eher in die Röhre geschaut. Auf seinem Personalausweis war vermerkt, dass er aus Wolfsburg kam. Mein geschäftstüchtiger Kollege hat natürlich gleich angemerkt:

„Wolfsburg ist doch gut, also ich fahr dich da gerne hin!“

Als Antwort bekam er kleinlaut:

„Nee, des is ja jetzt dann doch’n bisschen weit, ne?“

Am Ende kam das Gedächtnis glücklicherweise wieder und mehr als 3 € über normal sollen auch nicht auf der Uhr gestanden haben, als er in Friedrichshain abgeladen wurde. Ich persönlich frage mich ja immer noch, wie man in ein Taxi steigen kann ohne zu wissen, wo man hin muss. Aber selten ist das Phänomen dann ja auch nicht. Meine liebsten Fahrten in der Art waren ja beispielsweise der Typ im himmelblauen Shirt, der andere, der sein Hostel auch nicht kannte und zu guter Letzt irgendwie auch die beiden Hamburger…

Reisen, Röcheln, Riesenkraken 5

Falls sich wer über den Titel des Eintrags wundert – oder gar den Zeitpunkt der Veröffentlichung: Das hier ist Teil einer kleinen Serie über meine Hochzeit. Überwiegend waren das natürlich keine Taxigeschichten, deswegen gibt es sie auch bei Sashs Blog. Und dort fangen sie genau hier an.

Als in Taxidingen immer knallharter Rechercheur und Besserwisser vom Dienst war ich natürlich auf meine erste Taxifahrt in Stuttgart nach langer Zeit sehr gespannt. Ich hab mich vorbereitet, um zwischen all meinen halblebigen Freunden als wirklich durchschnittlicher Fahrgast gelten zu können. Ich hab mindestens 7 Bier und 2 Wodka getrunken und gleich ohne Missverständnisse geklärt, dass ich garantiert nicht ins Auto kotze, weil ich selber Taxi fahre.

OK, ganz ehrlich: Keine Ahnung, was ich dem sehr geduldigen Kollegen erzählt habe. Über die Preise haben wir geredet, aber soweit ich das sehe, hat mich das Schlitzohr angelogen. Denn natürlich liegen die in Stuttgart meist über denen in Berlin. Der Startpreis nicht, und Kilometer 6 und 7 wohl auch nicht. Dennoch müssten 90% der Fahrten teurer sein dort unten. Aber vielleicht wollte er mich auch nur testen…

Er ist jedenfalls den perfekten Weg gefahren (der aus einmal wenden und dann nix mehr) bestanden hat, aber lobenswert ist es ja dennoch.  Also wenn er schon beim Preis lügt 😀

Nein, im Grunde war er ebenso nett wie der zweite Kollege, der uns dann vom Bahnhof zum Hostel genommen hat: Gute Fahrer, gute Autos, nette Gespräche, entsprechend gab es eben auch Trinkgeld.

Aber nach Details dürft ihr mich dieses Mal echt nicht fragen…

 

Liebeserklärung an Berlin

Im Grunde ist es ja noch nicht so lange her, dass ich nach Berlin gezogen bin. Sicher: Es war schon im letzten Jahrzehnt, aber gerade meiner Arbeit wegen fühle ich mich hier doch inzwischen durchaus auch in gewisser Weise zu Hause. Das ist in meinen Augen keine Selbstverständlichkeit, denn ich bin zwar kein ausgesprochener Lokalpatriot, aber ich brauche meine Homebase, meine Heimat, einen Ort, den ich Zuhause nennen kann. Natürlich wird Stuttgart das auch immer für mich bleiben, aber Berlin macht es einem nach dem ersten Durchfahren ja auch wirklich leicht. Zumindest, wenn man wirklich in dem Teil der Stadt landet, der einem zusagt.

Mein Fahrgast kam aus der tiefsten Provinz, war allerdings schon locker zwei weitere Jahrzehnte vor mir in der Hauptstadt gelandet. Ich hab ihn vom Bahnhof nach Altglienicke gefahren, auch dort eher in eine ruhige Ecke mit Einfamilienhäusern locker zwei oder drei Stufen über meiner Einkommensklasse.

Er erzählte, dass er in Frankfurt am Main arbeitet und darüber hinaus drehte sich unser Gespräch hauptsächlich darüber, dass die Bahn mal wieder 2 Stunden Verspätung hatte und er trotz schlechten Gewissens wohl wieder aufs Flugzeug umsteigen würde. Seit 10 Jahren würde er nun schon pendeln erklärte er mir, verbunden mit der Aussage, dass er seinen Wohnsitz in Berlin nie wieder aufzugeben gedenkt:

„Wissen sie, ich könnte ja ohne weiteres nach Frankfurt ziehen. Ich hab dort einen Job, und der ist verdammt gut honoriert. Ich könnte mir 10 Stunden Reiseweg jede Woche ersparen, aber ich werde es nicht tun. Ich hab noch 10 Jahre bis zur Rente, aber ich würde nicht auf die Idee kommen, deswegen hier wegzuziehen. Berlin ist eine fantastische Stadt, trotz aller Probleme und aller unschöner Seiten. Aber bevor ich mich in Frankfurt niederlasse, pendel ich lieber die 10 Jahre noch hin und her!“

Ein bisschen verstehen kann ich ihn ja 🙂

Mit’m Opel!

So, ich bin seit gestern unterwegs, leider weiss ich jetzt, da ich diesen Eintrag schreibe, noch nicht, mit was für einem Auto. Ein Opel wird es wahrscheinlich nicht sein, aber das hindert mich nicht daran, hier eine schon etwas länger zurückliegende Fahrt nachzuerzählen.

Die Vorgeschichte ist eigentlich völlig uninteressant. Ich hatte die ordentliche Wochenendschicht fast schon hinter mir, als ich doch noch eine Winkerin fand, die ausgerechnet nach Charlottenburg – in die völlig falsche Richtung, wenn man mich fragt – musste. Aber die Tour brachte gute 20 € und sorgte bei mir schon deswegen für Heiterkeit. Den Rückweg in Richtung Heimat trat ich über die Bismarckstraße an und – zack! – hatte ich wieder einen Winker.

„Guten Morgen, wo darf es denn hingehen?“

„Ich möchte gerne in die Dorfstraße. Nach Spandau.“

Im Nachhinein betrachtet, hätte ich einfach sagen sollen, dass mir das gar nicht passt. Ist nicht nett, würde ich auch nie tun, aber er war leider keinen Deut besser. Zunächst stellte er – durchaus locker und freundlich – fest:

„Dass ich mit’m Opel fahr. Na das passt ja!“

Da er guter Laune war, hab ich das als Positivnachricht verstanden und gefragt:

„Wieso das? Arbeiten sie etwa für Opel?“

Sowas hatte ich schon mal, da meinten mir meine Fahrgäste dann haarklein irgendwelche Features meines Autos erklären zu müssen. Aber nein:

„Was? Das wäre ja noch schöner! Das sind ja keine Autos!“

Ich bin mir bewusst, dass mein Opel z.B. in Punkto Federungskomfort deutlich hinter einer E-Klasse von Mercedes liegt. Er ist auch lauter, vor allem wenn man etwas zügiger fährt. Kein Auto ist wie das andere, aber es ist eben auch nicht so, dass die Kisten nur Nachteile hätten. Für meinen Chef sehr angenehm ist, dass so ein Zafira günstig und sparsam ist. Für mich und die Fahrgäste liegt der Vorteil im vielen Platz und der Flexibilität und zu guter Letzt möchte ich auch gerne noch den Punkt „Umweltfreundlichkeit“ in den Raum werfen. Sicher, die Prioritäten legt jeder für sich selbst fest, aber der nun vom Fahrgast folgende Nörgel-Monolog hätte wirklich nicht sein müssen. Und auch wenn er mich selbst dabei nicht wirklich angegriffen hat, auf Sätze wie

„Ich hab dich auch nur angehalten, weil sonst kein Taxi in der Nähe war…“

kann ich verzichten. Ich weiß, irgendwie hält sich das Gerücht, dass ein Taxi zwingend eine Luxus-Limousine sein muss, aber dem ist nicht so. Wir sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs und eine der wenigen unternehmerischen Freiheiten in dem Gewerbe ist die Wahl des Fahrzeugs. Es gibt genügend luxuriös ausgestattete Limousinen und es gibt eine Menge andersweitig spezialisierte Fahrzeuge unter den Taxen, wie z.B. Großraumtaxen. Man kann wahrscheinlich so weit gehen und sagen, dass schon jeder ein passendes Taxi findet. Aber zum Einen muss man mit Sonderansprüchen eben einen Wagen bestellen, zum Anderen sollte man vielleicht soweit denken, dass die eigenen Ansprüche – so berechtigt sie sein mögen – nicht unbedingt die von allen Benutzern gehegten sind und schon deswegen verschiedene Taxen unterwegs sind. Das Auto, das gleichermaßen groß, edel, umweltfreundlich, und überhaupt das Nest sämtlicher eierlegender Wollmilchsäue ist, gibt es leider nicht.

Naja, mein Kunde jedenfalls nörgelte und störte sich an jedem Fahrzeuggeräusch, um die Fahrt dann aber letztlich mit der Gabe von fast 4 € Trinkgeld zu beenden. Im Grunde war es also einfach nur ein inkonsequenter Idiot. Aber nach so einer Tour macht man dafür richtig gerne Feierabend, insofern hatte es auch was Gutes.