Trinkgeld. Ja oder nein?

asci hat mir in den Kommentaren eine Frage gestellt, die mir irgendwie schwer fiel zu beantworten. Hab’s gerade dann doch gemacht, aber ich dachte, dass das auch ein spannendes Thema für unterschiedliche Meinungen ist. asci fragte (ich fasse das mal eben mit meinen Worten zusammen):

Zusätzlich zum Taxipreis noch Trinkgeld zu geben, habe ich eigentlich keine Lust. Würde es Dir gefallen, mehr Fahrten zu haben, wenn die dann kein Trinkgeld abwerfen – oder ist das erst recht doof?

Schwer getan habe ich mich damit, weil

a) ich das Trinkgeldsystem in Teilen gut finde

(Die Bevorteilung engagierter Dienstleister. Dass deswegen teils die Löhne niedrig gehalten werden, ist natürlich eine Frechheit – trifft aber weniger aufs Taxigewerbe und mehr auf die Gastronomie zu)

b) ich umsatzbasiert bezahlt werde

(Deswegen kann für mich ein gutes Trinkgeld finanziell gleich bedeutend mit einer Tour sein, was eine allgemeine Aussage schwer macht.)

c) weiß, dass es da kein Schwarz und Weiß gibt

(Man kriegt auch als Arschloch Trinkgeld; für viele ist es schwer, das Geld auch noch aufzubringen etc. pp.)

Wie seht Ihr das?

Meine Sicht als Taxifahrer:
Trinkgeld ist nicht das wichtigste. So lange mir eine Tour Geld bringt, fahre ich sie. Sicher erhoffe ich mir bei 9,00 € auf der Uhr, dass zu dem Zehner ein „Stimmt so!“ kommt, aber ebenso wie ich eigentlich nie genervt bin, dass die 10€-Tour keine 12€-Tour ist, sehe ich den „fehlenden“ Euro Einnahmen nicht als Problem. Was ich aber auch anmerken muss: ich freue mich wahnsinnig über Trinkgeld. Sicher, der Euro läuft irgendwo unter „normal“ und das „Vielen Dank!“ ist natürlich nicht gerade der Ausdruck über einen noch nie dagewesenen Brüller in meinem Leben – aber zwei Euro extra mit einem Hinweis auf die nette Unterhaltung, die angenehme Fahrweise oder so, weiß dann schon zu rühren. Und je nach Umständen graben sich auch Kleinbeträge in die Erinnerung ein. Den Euro, den ich von drei Obdachlosen auf eine 5€-Fahrt bekommen habe, werde ich wohl nicht so bald vergessen.

Meine Sicht als Kunde:
Ich nehme Dienstleistungen nur sehr selten in Anspruch. Das macht es mir leicht, das Trinkgeld einzupreisen. Die Taxi-Fahrt wird 20 bis 22 € kosten? Lege ich halt 25 € raus. Ebenso beim Pizzaservice. Wenn ich mir schon den Luxus gönne, mal Leute Arbeit für mich zu erledigen zu lassen, denen ich naturgemäß nur selten über den Weg laufe, dann ist Geld halt eine schnelle Option, meine Anerkennung auszudrücken. Und wenn ich dann den Rentner vom Pizzaservice an der Tür stehen hab, der mir während eines Halbfinalspiels der Fußball-WM Essen bringt – der Kerl, der die betriebsinterne Auslosung für die Arschlochschicht verloren hat – warum sollte ich da über 2 oder meinetwegen 4 € extra nachdenken?
Ich weiß: andere kommen öfter als ich mit Dienstleistern in Kontakt, da kann das schon teuer werden. Denen kann ich nur nach wie vor raten, sich einfach genau zu überlegen, wem sie warum Trinkgeld geben – und das ggf. anpassen. Bei den einen nach oben, bei den anderen nach unten …

Aber ich bin gespannt auf Eure Meinungen zum Thema. 🙂

Neuer Kollege …

Die Nacht soll ja auch in anderen Städten Deutschlands schön sein, sogar wenn diese Städte sich selbst als „Dorf mit Straßenbahn“ bezeichnen. Um das zu beweisen, tritt neuerdings ein Kollege an, die Nacht aus der Sicht eines Bremer Taxifahrers zu schildern.

Das schreibe ich natürlich nicht einfach so vor mich hin, sondern ich bitte darum, dem Kollegen den Start ins Bloggerleben mit einem Besuch und vielleicht einem Abonnement und Kommentaren zu erleichtern.

Hier ist der Link: taxiblogbremen.wordpress.com

Na dann mal gute Kasse, Herr Kollege! 🙂

Erkannt

„Und Du bloggst also übers Taxifahren?“

„Äh, ja …“

Lesertouren sind für mich ja inzwischen ein nennenswerter Teil meiner Arbeit – aber das aus einer Gruppe typischer Sisyphos-Besucher gefragt zu werden, nachdem ich sie bereits im Auto hatte, war auch irgendwie neu.

„Ja? Weil ich war da letzte Woche auf einem Taxiblog und da war dein Bild …“

Ich hatte eine Vermutung, um welchen Blog es sich handelt.

„Ähm, wo kommst Du ursprünglich her?“

„Stuttgart.“

„Ha – dann bist das wirklich Du!“

Wahnsinn! Hätte ich ja nach dem vorangegangenen Gespräch kaum für möglich gehalten! /o\ 😉

Interessant war die Reaktion der Mitfahrer:

„Du liest Taxiblogs? Aber sonst …“

„Ja, ich hab halt viel Zeit auf Arbeit.“

Es ist nicht der übliche Weg, auf dem ich Leser kennenlerne. Aber hey, öfter mal was neues. Und an dieser Stelle auch einen lieben Gruß: War nett mit Euch! 🙂

MoMa über Uber

Hab gerade nach einem Tipp das ZDF-Morgenmagazin eingeschaltet, weil dort ein Beitrag zum Thema Uber angesetzt war. Und ich muss sagen: ich bin positiv überrascht. Natürlich darf dort auch ein Firmensprecher mal kurz über „die neue Form des Teilens“ reden und natürlich fällt in einer Moderation das scheinbar auf ewig festgetackerte Wort „Mitfahrgelegenheit“, mit der Uber sein Angebot verfälscht.
Aber es werden alle rechtlichen Bedenken genannt und als Stimme der Berliner Taxifahrer haben sie sich Richard Leipold ausgesucht, der mir als Chef der BTV von all unseren Funktionären bisher am häufigsten positiv aufgefallen ist – und der wie gewohnt souverän und dennoch ohne martialisches Kriegsvokabular über die Vorschriften in der Personenbeförderung gesprochen hat.

(Wenn ich richtig gehört habe, hat sich allerdings ein kleiner Fehler eingeschlichen, als Leipold gesagt hat, dass Uber, wenn sie sich an alle Regeln halten, wegen der Tarifbindung nicht mehr billiger als Taxen sein könnten. Das würde natürlich nur gelten, wenn Uber direkt ins Taxigeschäft einsteigt. Die wahrscheinlichere Variante „Mietwagen“ obliegt dieser Bindung natürlich nicht. Dann würde es sich nur einfach entweder für Uber oder die Fahrer nicht mehr lohnen. 😉
Da ich aber inzwischen einige Interviews hinter mir habe, könnte ich mir auch einen ungeschickten Schnitt oder dergleichen vorstellen, der zu dieser Aussage geführt hat. Ich wollte es nur mal anmerken.)

Ansonsten ist es wirklich schön zu sehen, dass wir da langsam mal auf einem vernünftigen Niveau angekommen sind, auf dem man sich vielleicht wirklich mal über weiterführende Themen wie  z.B. sinnvolle Anpassungen des PbefG unterhalten kann – ohne auf das Uber-Niveau abzurutschen und über Kartelle und Arschlöcher rumzupöbeln.

Noch weiß ich übrigens nicht, was es mit der im Bericht angesprochenen Klage von Leipold auf sich hat, aber ich möchte mal meine in dem Fall wirklich nur auf Gefühlen beruhende Meinung in den Raum stellen:

Ich glaube, Uber hat sich mit Deutschland verhoben. Sie verballern immer noch Geld ohne Ende für Werbung und schenken trotzdem auch den Fahrern noch welches. Trotz alledem ist der Hype langsam am Abflachen und die Medienberichte werden immer kritischer und ersticken nicht mehr in der Konfusion der Anfangstage, als noch niemand UberPop von UberBlack unterscheiden konnte und auch sonst nur mal recherchiert wurde, wie ein Taxi eigentlich so aussieht und ob es wirklich so viele davon gibt, wie alle behaupten. Und unter jeder Social-Media-Werbung häufen sich in den Kommentaren die Hinweise auf die Schwierigkeiten, die den Fahrern drohen.

Ich bin in dem Spiel parteiisch, keine Frage. Aber ich glaube, im Gegensatz zu Uber brauche ich mich nicht vor einer Versachlichung der Diskussion fürchten …

Ob und bis wann der Beitrag online zu finden sein wird, weiß ich leider nicht, freue mich aber über Nachträge dazu in den Kommentaren. Die Seite des Morgenmagazins ist jedenfalls morgenmagazin.zdf.de.


PS: Bis 9.00 Uhr heute früh wird der Beitrag sicher auch noch ein paarmal wiederholt.

PPS: Hier der Link zum Video direkt. (und nicht genau das, was ich gesehen habe). Ist zudem auch nur eine Woche gültig. (Danke an die Hinweisgeber!)

Auflösung

So, kommen wir zur Auflösung bezüglich der Besetztkilometer bei meiner vorgestrigen Schicht. Tobias hat als schlauer Fuchs versucht, das Ergebnis zu berechnen und ist damit dem realen Wert ziemlich nahe gekommen:

Tobias tippte auf 46,58%

Meine Berechnung ergab 47,53%

Wie ich in dem alten Beitrag gesagt hatte: man sollte da keine Wunderdinge erwarten!

Dass das Ergebnis von Tobias nicht ganz passt, hat zwei Gründe.

Zum einen schreibe ich die Kilometer auf dem Abschreiber ohne Nachkommastellen auf. Rundungsfehler sind also vorprogrammiert. Zweitens ist aber auch Tobias‘ Rechenweg meiner Vermutung nach nur unsauber:

Er hat wohl den Umweg genommen und über die Anzahl der Touren und dem Umsatz pro Stunde den Umsatz der durchschnittlichen Tour bestimmt und dann mit Hilfe eines Taxirechners nachgeschaut, wie viele Kilometer das sind, den mit der Anzahl dieser Touren multipliziert und den so erhaltenen Wert der Besetztkilometer mit meinen Gesamtkilometern pro Stunde abgeglichen. Schlau! Und bemerkenswert, dass sonst niemand drauf kam. 😉

(Im Ernst: Ich bin auch nicht drauf gekommen, als ich die Aufgabe gestellt habe.)

Das Problem hierbei ist, dass der Durchschnittswert der Tour eben nur ein Durchschnitt ist. Einen guten Nährungswert bekommt man damit (wie man sieht), aber in der Tat spielt es eine Rolle, wie sich die Touren verteilen, da Touren, die weit über den Durschnitt gehen, viel weniger pro Kilometer bringen, kurze hingegen wesentlich mehr. Im Alltag kommt man durch eine ausgeglichene Geschäftslage zwar sehr nahe an den Wert ran, theoretisch hätte die Abweichung aber durchaus noch größer sein können. Findige Köpfe können sich gerne mal Beispiele mit Kurzstrecken oder Überlandfahrten ausdenken, die lustige Falschergebnisse zur Folge haben. 🙂

PS:

Heute war ich noch besser: ganze 55% Besetztkilometer. Strike! 😀

Nachschlag zu den Besetztkilometern

Hab mir in Anbetracht der sauguten gestrigen Schicht gestern eben nochmal den Abschreiber wegen der Besetztkilometer angeschaut – weil wir es da neulich drüber hatten.

Wie gesagt: hammergute Schicht, nahezu perfekter Umsatz pro Stunde, quasi 0% Standzeit. Dazu nur eine wirklich längere Tour, bei der ich mal fast 10 km leer in die Stadt zurück „musste“.

Schätzt mal, wie hoch der Anteil der Besetztkilometer war …

(Auflösung gibt’s morgen, Ihr dürft Euch gerne in den Kommentaren beraten. 🙂