Andere Winker …

Winker am Halteplatz sind so eine Sache. Ich fahre in der Regel nicht hin, wenn jemand nicht bis zum Halteplatz läuft und von dort aus winkt. Und das nun wirklich nicht aus Faulheitsgründen. Im Gegenteil: ich laufe den Leuten sogar lieber entgegen.

Der Grund ist simpel: auf die Distanz weiß ich einfach nicht, ob überhaupt eine Fahrt zustande kommt. Und wenn man einmal weg ist von der Halte … ich sag’s mal so: man trifft selten eine komplette Halte voller verständiger Kollegen, die einen wieder auf den alten Platz lassen. Und schon auf die Diskussionen dazu habe ich keine Lust.

Sicher: bei den meisten Kunden, die einen aus der Ferne heranwinken, gibt es einen Grund. Sie wollen ihr Gepäck nicht alleine stehen lassen oder können es nicht alleine tragen zum Beispiel. Da komme ich dann wie gesagt gerne als Fußgänger entgegen. Aber ja, manchmal hat man dann eine Tour, die man nicht machen kann. Keinen passenden Kindersitz an Bord, keinen Kartenleser, keine Ahnung wo das Ziel liegt. (Ist höchst selten, soll ja aber auch mal vorkommen)
Das alleine wäre ja noch ok. Die Statistik wirklich verderben dann die Spaßvögel, die einen vorwinken und dann eine Kurzstrecke haben wollen, weil man „ja nicht mehr am Stand steht“. Oder eine Wegbeschreibung wollen. Da kennt die Fantasie ja keine Grenzen. Und bei aller Nettigkeit: solche Aktionen kosten einen dann bisweilen über eine Stunde Arbeitszeit (man hat ja lange gewartet), da hört der Spaß halt auch mal auf.

Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. Dieses Mal hat beispielsweise ein voll besetzter Reisebus neben mir gehalten und der Fahrer hat mir bedeutet, ihn bis zur Bushaltestelle zu begleiten. Er hatte also eine oder mehrere Touren – da haben Busfahrer als Quasi-Kollegen dann doch ein wenig Vertrauensvorschuss.

Ich war gespannt, aber Touren von Bussen gehören am Ostbahnhof durchschnittlich eher zu den besseren. Die Tagesreisen, die die meisten von ihnen machen, werden oft von Rentnern gebucht, viele davon wohnen auch ein Stückchen weiter weg. Die klassische Tour geht dann etwa nach Pankow, Hohenschönhausen oder Mahlsdorf. Irgendwas zwischen 15 und 25 € Umsatz und liegen damit deutlich über dem normalen 8€-Stich nach Kreuzberg.

Ich sollte nicht enttäuscht werden. Zunächst leerte sich zwar der Bus ohne erkennbare Tendenzen der Passagiere, ein Taxi zu suchen. Dann aber kam der Fahrer selbst an und geleitete – Überraschung! – ein Pärchen Rentner zu mir. Nach Marzahn sollte es gehen, etwas weiter noch als bis zu mir. Über 20 € also, ein Jackpot für Leute, die nicht die ganz großen Hoffnungen haben.

Es war auch wie so oft eine angenehme Fahrt, wobei ich besonders lustig fand, dass der Mann teilweise völlig grundlos geflucht hat wie ein Kesselflicker.

„Sie haben eine Tagesreise gemacht?“

„Ja. War sehr schön. Aber dass das sooo lange daaaauuuuert – meine Fresse!“

Umso angenehmer war, dass sie wirklich gutes Trinkgeld gegeben haben. Bei 22,60 € auf der Uhr liegen 25 € nicht wirklich fern, sind es doch quasi glatt die 10 üblichen Prozent. Dann aber noch einen Zweier draufgelegt zu bekommen, ist immer wieder schön. Da kann man sich auch mal von der Halte wegwinken lassen. 🙂

14 Kommentare bis “Andere Winker …”

  1. Glück gehabt. Wäre in Bremen, zumindest bei den namhaften Busreiseunternehmen nicht denkbar. Deren Kunden bekommen automatisch einen sog. Taxi-Gutschein, der vom Fahrgast dann vorgelegt wird. Der Gutschein ist eine Festpreis-Fahrt an einen beliebigen Punkt. Abrechnung erfolgt zwischen Taxibetrieb und Busfirma, für den Fahrer nicht lukrativ…

  2. ednong sagt:

    @Taxiblog Bremen
    Bekommt der Fahrer davon keine Umsatzprovision?

    Und echt: wie kann eine Tagestour nur fast einen ganzen Tag dauern? Geht ja gar nicht! 😉

  3. Carom sagt:

    Grundlos fluchen wie ein Kesselgflicker = Tourette-Syndrom?

  4. metro sagt:

    Stand mal 2h am Rosenthaler, Funk und Einsteiger absolut tote Hose, wie es eben manchmal in den Sommerferien zwischen 20-22 Uhr so ist. Dann ein Winker in der Tor versuchte eine besetzte Taxe anzuhalten. Gedankenschnell bin ich aus 2 Position bei Dunkel gelb hin, Kurzstrecke Alex. War trotzdem froh, dem Elend am Thaler entkommen zu sein. Kumpel von mir stand bestimmt noch gefühlte 2 h dort rum, wie er mir dann erzählte…

  5. Sash sagt:

    @Taxibölog Bremen:
    Naja, aber selbst wenn’s weniger ist: wie schlecht sind denn die Konditionen?

    @ednong:
    Na, aber die Busfahrt! Meine Fresse! 🙂

    @Carom:
    Nee, keine Tics. Einfach gepflegtes Fluchen.

    @metro:
    Kenne ich auch. Manchmal will man einfach nur weg, egal ob sich’s nun wirklich lohnt oder nicht.

  6. asci sagt:

    wäre es dir eigtl lieber wenn viele menschen taxi fahren wuerden ohne trinkgeld oder weniger mit viel trinkgeld?
    Weil mich haelt vom taxi ab (bin bei car2go & drivenow), das der preis nicht der preis ist, ich aber keine lust verspuere mehr als diesen zu bezahlen.
    In china is das kein problem, da gibts beim taxi sogar 3 klassen mit stark unterschiedlichem komfort und preisen.
    Und trinkgeld erwartet dort keiner.
    Dafuer werden sie haeufiger genutzt, waehrend es hier luxus ist und sie rumstehen. Würde ich taxi fahren wuerde ich nie Trinkgeld zahlen wollen. Wäre das fuer dich ok?

  7. Sash sagt:

    @asci:
    Das ist schon für mich alleine schwer zu beantworten. Natürlich würde ich mir erst einmal mehr Auslastung wünschen. Zumindest derzeit, wo wir umsatzbasiert bezahlt werden, erhöht das mein Einkommen ja auch direkt. Insgesamt finde ich das „System Trinkgeld“ allerdings nicht so schlecht. Ich will jetzt auch gar nicht Jobs aus dem Ärmel zaubern, bei denen der eigentliche Lohn zu niedrig ist zum Leben, sondern von dem Vorteil, den gut arbeitende Dienstleister haben. Dass die Löhne sich der Trinkgeldfreundlichkeit der Gäste angepasst haben, ist eine Sauerei, aber darum soll’s wie gesagt nicht gehen. Ich finde es schön, dass ich (zumindest manchmal, das Trinkgeldverhalten ist ja auch nicht immer berechenbar) mit dem Versuch, die Kunden gut zu behandeln, mal einen Euro mehr verbuchen kann.
    Zumal ich von meinem Standpunkt aus ohnehin immer wieder sage, dass Trinkgeld keine Pflicht sein soll. Insofern würde ich persönlich mich freuen, eine Tour mehr zu haben, dafür aber einen Euro Trinkgeld weniger am Tagesende. Da deine Kritik aber eher allgemein das Ganze betrifft: das werden schon mal alle, die für einen Fixlohn arbeiten, schlecht finden.
    Ich hab aber auch als Kunde immer schon – und inzwischen noch mehr – gutes Trinkgeld gegeben. Ich schlage das bei der Planung einfach schon mit drauf. Aber, zugegeben, ich nehme Dienstleistungen auch eher selten in Anspruch. Da sind ein paar Euro extra dann nicht der Untergang des Abendlandes. Und bisher isses mir auch jedes Mal gedankt worden.

  8. […] asci hat mir in den Kommentaren eine Frage gestellt, die mir irgendwie schwer fiel zu beantworten. Hab’s gerade dann doch gemacht, aber ich dachte, dass das auch ein spannendes Thema für unterschiedliche Meinungen ist. asci fragte (ich fasse das mal eben mit meinen Worten zusammen): […]

  9. @ Sash / ednong

    Wir kriegen grundsätzlich hier 40 % vom Umsatz.
    Die Taxigutscheine sind Fest-Touren. Die haben immer denselben Wert, ich glaube das sind 9 Euro.
    also gibts 40 % von 9 Euro. Wenn man es mit Uhr fahren würde, gäbe es min 20 Euro. Daher sind diese Touren im Kollegenkreis sehr unbeliebt, zumal die älteren Kunden viel Gepäck haben und grundsätzlich nach der langen Urlaubsrückfahrt gestresst & schlecht drauf sind.

    Gibt natürlich auch die berühmten Ausnahmen, die die Regel bestätigen 😉

  10. Sash sagt:

    @Taxiblog Bremen:
    0.o
    Das sind aber wirklich extrem miese Bedingungen …

  11. elder taxidriver sagt:

    Bei Gestern-Nacht-im-Taxi kann man ja auch Trinkgeld geben. Das nur nebenbei.

  12. Sash sagt:

    @elder taxidriver:
    Machen sehr viele aber auch erst direkt im Auto. 🙂

  13. cy sagt:

    Ich fahre viel Taxi, zu 90% dienstlich. Und da meine Reisezeit und auch die Kosten vom Kunden gezahlt werden, gebe ich auch gerne ein gutes trinkgeld, 10 bis 20% im Normalfall. Jetzt mögt ihr vielleicht denken, ich verprasse das Geld meiner Kunden – nein, bei den tagessätzen und Einsatzkosten kommt es dem Kunden auf 3 oder auch 6 Euro nicht an. Das haben mir auch zahlreiche Kunden schon bestätigt. Es kommt auch schon mal vor, dass ich gar nicht selbst zahle, sondern ein Kunde in Berlin Mitte dem Fahrer für die Fahrt nachTXL 40 Euro gibt, damit der mich pünktlich am Terminal raswirft.
    Und das prägt sich ein, auch privat gebe ich gern Trinkgeld.
    Die meisten Fahrer die ich bisher erlebt hab sind echte Dienstleister und verdienen sich das auch.

  14. Sash sagt:

    @cy:
    Freut mich zu hören. Insbesondere auch, dass Du bisher weitgehend gute Erfahrungen mit Taxen hattest. 🙂

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