Kosten? Nutzen? Ach, was soll’s?

„Kollege, kannst du 5 Leute nehmen?“

So was höre ich öfter und sehr gerne am Stand 🙂

Ein Haufen Partywütiger ergoss sich quasi in mein Auto, und als ich gerade die Sitzreihe wieder vorgeschoben hab, hab ich mal gefragt, wo es eigentlich hingehen soll.

„Kennste Bar 25?“

„Äh… klar. Aber ihr wisst schon, dass ihr da auch laufen könntet. Das sind Pi mal Daumen 300 Meter.“

„Ja, nein! Nee, ich find‘ des nimmer und sie hier hat eh Probleme mit’m Laufen!“

„Ich fahr euch gerne, ich wollte es nur gesagt haben…“

[…]

„Kannste mal Radio anmachen?“

„Grundsätzlich sehr gerne, aber da das hier schon die Bar 25 ist, würde ich gerne darauf verzichten und einfach wenden. So, das macht dann 5,70 € – davon sind 1,50 € für die fünfte Person.“

Ich hab nach wie vor kein auch noch so kleines Problem mit kurzen Fahrten. Als Kunde wäre es mir allerdings manchmal ein wenig peinlich, gewisse Strecken zu fahren…

Zielangabe mal umgekehrt

Es ist nicht sonderlich selten, dass Fahrgäste beim Einsteigen nicht ihr Ziel nennen. Das heisst: Sie nennen erst einmal ein grobes Ziel und formulieren das dann entweder gleich näher aus oder lotsen mich von einem bekannten Zielpunkt aus weiter in irgendwelche kleinen Straßen.

Also sagen Leute z.B. oft, dass ich sie zum Frankfurter Tor fahren soll, und mit der Zeit rücken sie dann damit raus, dass sie eigentlich in den Weidenweg wollen. Oder ganz klassisch wird mit „Zoo“ so ziemlich alles umschrieben, was im Westteil der Stadt liegt.

Jetzt hatte ich es aber mal anders herum, was irgendwie ungewöhnlich war. Der Kunde wollte zur Hufelandstr. Das ist nicht weiter verwunderlich – das Bötzow-Viertel ist schon ganz gerne mal Fahrtziel. Auch wenn es bei einer Anfahrt vom Westen her nicht viel ausmacht, fragte ich pro forma dennoch nach, wohin in der Hufelandstr. er genau möchte. Die Antwort war dann etwas überraschend:

„Greifswalder.“

„Ecke Greifswalder?“

„Naja, eigentlich muss ich in die Greifswalder. Aber in die Nähe der Hufelandstr.“

Das ist jetzt nicht irgendwie schlimm oder toll – aber ein bisschen so, als ob ich im Zug eine Fahrkarte von Berlin nach Fellbach löse und bei der Nachfrage, wo ich genau aussteigen wolle, dem Schaffner gestehe, dass ich eigentlich nach Stuttgart möchte…

Es gibt nichts, was es nicht gibt.

Modern Stalking oder: Point of View

Der gestrige Abend war etwas seltsam. Ich war wie immer in letzter Zeit pünktlich in der Stadt unterwegs, was zuerst bedeutet hat, dass ich eine Stunde lang am Ostbahnhof vergammelt bin. Als ich gerade kurz davor war, meinen ersten Fahrgast aufzunehmen, hat mein Handy geklingelt. Wie passend! 🙁

War aber alles in allem in Ordnung, da mich ein Kollege in Internet- wie Firmen-Dingen auf einen schnellen Becher Kaffee zum Cahoona-Coffee-Drive-In in der Leipziger Str. eingeladen hat. Die Kaffee-Preise für Taxifahrer sind erträglich, und ich hatte da eine echt nette Zeit und nette Gespräche (Wahnsinnige. Alles Wahnsinnige. Aber das macht es ja gerade sympathisch.) – sollte das Beste an der Schicht werden…

Da ist mir das erste Mal dieser komische mit Werbung vollgepflasterte Mini aufgefallen, der da scheinbar unbenutzt im Eck gestanden ist.

Ziemlich spät bin ich dann zum Zwecke der Geldbeschaffung wieder gen Ostbahnhof gegurkt. Irgendwie ist mir dieser komische Mini gefolgt. Der seltsam anmutende Fahrer hat sich sogar an der selben Tanke Kippen gekauft wie ich. Obwohl ich das erste Mal an der Tanke war und nicht an meiner Stammtanke gegenüber. Komische Sache!

Am Ostbahnhof angekommen stelle ich fest, dass der Fahrer mir schon wieder gefolgt war und sein Auto ebenso stoppte. Wohl um irgendwas zu Essen zu holen. Wahrscheinlich wäre mir das nicht aufgefallen – aber dank der Werbung…

Prompt trat eine Kundin an mich heran und überraschte mich beim Rauchen einer Kippe. Ich war reichlich abgelenkt wegen dieses komischen Wagens und hab sie erst einmal völlig übersehen. War aber eine gute Tour – bis zum bayrischen Platz – mehr konnte ich mir nach 5 Minuten rumstehen auch wirklich nicht erhoffen. Die 16,40 €-Tour sollte bis weit nach Mitternacht meine Einnahmen-Statistik dominieren…

Als ich an der Yorckstr. so in den Rückspiegel schaue: Un-glaub-lich. Da fährt, ihr ahnt es sicher schon: Dieser komische Mini. Mit dem selben kuriosen Fahrer wie zuvor! Ein bisschen Paranoia geschoben hab ich ja schon. Insbesondere als er dann auch noch am Bayrischen Platz stoppte. Da bin ich dann ausgestiegen und hab ihn zur Rede gestellt. Irgendwie war das ja nicht mehr normal.

Hier ist mal ein Foto von der Kiste:

Und er stalkt mich... all Night long, Quelle: Sash

Und er stalkt mich... all Night long, Quelle: Sash

Tja, und was war wohl? Eigentlich nix besonderes. Über Sinn und Unsinn sowie Wahrheitsgehalt dieser Geschichte könnt ihr etwas mehr erfahren, wenn ihr euch neben diesem Gelaber hier auch noch den Artikel bei Jo anschaut…

🙂

Spaß muss sein und wie ich gestern zu Jo gesagt habe: Soll nochmal einer behaupten, dass Bloggen keine Arbeit ist!

Best Fail / Western Win

Zwei betrunkene Mädels aus dem Matrix. Zum Best Western Hotel am Spittelmarkt wollten sie. Und was macht Sash? Gurkt einfach mal drauf los und hat im Kopf das Novotel dort direkt ums Eck. Als ich gerade ranfahren wollte, fiel mir plötzlich ein, was sie gesagt hatten:

„Äh sorry? Did you say Best Western?“

Klar, natürlich hatte ich mich nicht verhört, sondern verfahren. Argh! Wo war das verdammte Hotel jetzt? Ach ja, Neue Grün… natürlich ein ziemlicher Umweg, den ich da jetzt fabrizieren müsste. Bin schließlich ressourcenschonend auf der grünen Welle am Ostbahnhof vorbeigeritten und nicht gleich mal hinten über die Köpenicker.

Hat mich geärgert. Also hab ich mich entschuldigt, das Taxameter bei 10,40 € ausgemacht, gesagt, dass wir bei 10 € sind und gehofft, dass ich mein Trinkgeld damit nicht überstrapaziere. Die beiden waren kein bisschen sauer und haben am Ende mit 12 € bezahlt. Puh, danke werte Kundschaft! 🙂

Wie so Wochentage mit zwei drei Matrixtouren sind, hatte ich später noch eine weitere Tour zum selben Hotel. Diesmal war ich ja schlauer. Ein Kollege hat den Rest der verbleibenden Feierwütigen mitgenommen und so kam es dann dazu, dass wir an der Oberbaumbrücke getrennte Wege fuhren. Ich über die Brücke zur Köpenicker, er geradeaus, einen anderen Weg nehmend.

Umgehend meldete sich meine Kundschaft und fragte, weswegen wir nun abbiegen und die anderen nicht.

„Compare the prices…“

habe ich ihnen gesagt, und damit war Ruhe im Karton. Wir sind tatsächlich kurz nach der anderen Taxe angekommen und meine Kundschaft ist gleich aus dem Wagen gesprungen und hat die andere Gruppe gefragt, was die Fahrt gekostet hat. Ich lag mit 9,40 € noch unter dem, was ich eigentlich erwartet hatte.

Dann plötzlich spontaner Jubel auf der Straße, nachts um drei Uhr. Freudestrahlende Grimasse eines jungen Mädchens mit erhobenem Daumen und der Bestätigung:

„You won!!!“

Man kann ja wenigstens versuchen, seine Fehler auszubügeln.

Was mich danach am meisten beschäftigt hat, war der Gedanke, dass sie sich mit meinen ersten Fahrgästen unterhalten und am Ende würden die nie darauf kommen, dass das der gleiche Fahrer war 😉

Christies

Ich kann nicht mehr bewerten, ob der junge Kerl wirklich schon blau angelaufen war. Das liegt zum einen daran, dass er tatsächlich blau war, als auch ein himmelblaues T-Shirt trug.

Ja, dies ist keine Geschichte aus dem Sommer! Der Kerl fragte mich tatsächlich am Ostbahnhof in einem himmelblauen T-Shirt bei 5 Grad unter Null, ob ich das Christies Hostel kenne. Wie zu erwarten friert er fürchterlich und sieht mich flehend an. Christies? Nie gehört! Ich frage bei einem Kollegen nach, der aber auch passen muss. Also befrage ich mein schlaues Buch. Nichts. Puh, das ist schlecht…

Ich frage ihn, ob er irgendeinen Anhaltspunkt hätte, wo das Hotel ist. Die ganze Konversation muss man sich übrigens auf Englisch mit einem echt derben Dialekt inkl. Lallen vorstellen. Also recht schwierig. Nach 3 Minuten weiss ich immerhin, dass man das Hostel mit einem wie auch immer gearteten Zug vom Alex aus erreicht. Prima, dann fallen schon mal ca 2,5% der Berliner Adressen weg 🙁

Aber es geht auch genauer. Es war nicht allzu weit und das Hostel liegt, und das muss ich im Original widergeben, „at a Place called ‚Platz‘ „

Wir suchen also ein Hostel das nirgends verzeichnet ist an einem Platz, den man vom Alexanderplatz mit S-Bahn, U-Bahn oder Zug erreicht. Ich hab ihm versucht zu erklären, dass „Platz“ keine ernstliche Ortsangabe ist und ihm ein paar Plätze aufgezählt, die ganz grob in der Innenstadt liegen.

So wirklich zusagen wollte ihm keiner, aber er fragte mich, ob ich ihn zum Potsdamer Platz bringen könnte. Klar kann ich, aber was passiert, wenn das Hostel da nicht ist?

Er meinte, er würde es sicher wiedererkennen und überhaupt und sowieso. Ihm war kalt. Also hab ich mich mit einem mehr als schlechten Gefühl und einem durchgefrorenen Australier auf den Weg zum Potsdamer Platz gemacht. Ich hab versucht, ihm zu erklären, wie es am Potsdamer Platz aussieht, aber es wurde immer klarer, dass das nicht richtig ist. Wer keine Hochhäuser gesehen hat, wohnt auch nicht am Potsdamer Platz…

Ich hab ihn permanent bitten müssen, langsam und deutlich zu sprechen, weil ich sonst nichts, aber auch gar nichts verstanden habe. Irgendwann sprach er dann vom „Christl’s Hostel“ und vom „Christ Hostel“ Da hab ich ihm dann nochmal etwas schärfer klargemacht, dass ich schon genau wissen müsste, wie das Hostel heisst. Und plötzlich glaubte ich ein „St. Christoph“ zu hören…

„St. Christoph? Do you mean St. Christopher’s Hostel?“

„Uh, yeah! St. Christopher’s!“

„Ok, no Problem, I’ll bring you there…“

Also hab ich mal spontan auf der Leipziger Str. gewendet (hab ich schon mal geschrieben, dass ich gerne nachts arbeite?) und bin zum Alex hochgegurkt. Das St. Christopher’s ist mir nun durch die ganzen Matrix-Gäste mehr als bekannt, und von der Beschreibung her passt es auch: Eine U-Bahn-Station vom Alex entfernt am Rosa-Luxemburg-Platz. Ich möchte übrigens anmerken, dass ich ihm den Platz in weiser Vorausahnung auch genannt hatte.

So viel Freude wie zu dem Punkt, als ich gegenüber des Hostels hielt und fragte:

„Is it that one?“

kann man sich kaum vorstellen. Und er hat die 11,40 € ganz artig mit 17 € bezahlt und ist in sein hoffentlich warmes Bett entfleucht. Glücklicherweise! Denn was hätte ich mit einem Australier in einem himmelblauen T-Shirt bei Minusgraden anfangen sollen?

Schlüsselkinder

Dass die Samstagsschicht verdammt gut war, habe ich in den letzten beiden Einträgen bereits geschrieben und sogar Zahlen genannt. Nur unzureichend beschreibt es allerdings den Dusel der letzten Stunde der Schicht. Ich habe hochzufrieden nach dem Einfahren von rund 250 € beschlossen, ich nehme noch eine kurze Tour mit, um dann vielleicht über dem Silvesterumsatz zu liegen. Es war 6.30 Uhr, eine halbe Stunde lang hatte ich das Auto offiziell noch und ich habe es gerade gewaschen und getankt.

Am Ostbahnhof stieg mir dann nach wenigen Minuten tatsächlich eine Frau zu. Der Anfang war vielversprechend:

„Ist leider nicht wirklich weit…“

Na also, so wünsche ich mir das.

„Nach Köpenick in den…“

Nicht weit? Ich merke hier gerne noch mal an, dass die durchschnittliche Tour in Berlin zwischen 11 und 12 € bringt, und damit runde 5 km lang ist. Köpenick bedeutet runde 25 €…

Ich hab kurz überlegen müssen. Klar, alle Kollegen hätten sich gefreut, wenn ich ihnen die Tour geschenkt hätte, aber ich finde es eigentlich nicht nett, Kunden weiterzureichen, weil es einem nicht passt. Zudem hallte mir im Kopf, dass mein Tagfahrer mal gesagt hat, er fange Sonntags sowieso frühestens 8.30 Uhr an. Und naja… es war zwar kalt, aber er kommt  mit dem Auto zur Übergabe. Will heissen: Wenn er 10 Minuten warten muss, dann wird er mich deswegen auch nicht hassen. Also auf nach Köpenick!

Die Fahrt war unspektakulär und geprägt durch das Redebedürfnis meines Fahrgastes. Sie kam aus dem Skiurlaub und hatte einige nette Anekdoten zu erzählen, wie beispielsweise die, dass sie sich mal „versehentlich“ bei einem Mountainbike-Extreme-Race angemeldet hat, und das dann auch durchgezogen hat, weil sie „nun eh schon da war“. Ist jetzt aber eine stark vereinfachte Version…

Naja, schließlich machte ich mich wieder auf den Rückweg und hoffte, das Auto so gegen 7.20 Uhr abstellen zu können. An der langen Brücke dann: Winker. Ich hab mit mir gerungen, aber immerhin war die Fahrtrichtung stadteinwärts, also wie schlimm sollte es kommen?

„Nach Altglienicke, bzw. Schönefeld…“

OK, ich werde mich meinem Ziel also eher spiralförmig annähern. Zwei Partygänger auf dem Heimweg, beide eigentlich recht nüchtern. Das könnte allerdings auch daran gelegen haben, dass sie bereits seit mindestens einer halben Stunde zu Fuß unterwegs waren und auf ein vorbeifahrendes Taxi gehofft haben. Auch diese Fahrt verlief ganz reibungslos und toll, allerdings kam die Wende ca. 200 Meter vor dem Ziel:

„Wie, du hast deinen Schlüssel nicht dabei?“

„Ja nee, im Ernst…“

Also durfte ich wenden, und die beiden wieder nach Köpenick fahren. Nix war es mit Spirale. Ich komme wohl einfach nicht mehr an. Schließlich wollten sie danach wieder nach Altglienicke…

Bemerkenswert übrigens folgendes Dialog-Kleinod:

„Och, das war jetzt aber auch wieder… ne, Häschen?“

„Wie, warum bin ich denn jetzt…?“

„Ey, na klar bist du Häschen!“

Unterwegs haben sie dann beschlossen, dass Häschen die Dame bereits wieder fahrtüchtig ist, und meine Dienste nur bis zu ihrem Auto (wo der Schlüssel sich so oder so befand) benötigt werden. Sonderlich wehgetan hat das auch nicht, obwohl ich mich natürlich gefreut hätte, die 300 € Umsatz zu knacken. Um die Fahrtüchtigkeit schien es ja auch nicht so schlecht bestellt zu sein, sodass ich nicht interveniert habe – was sowieso immer nach Geschäftemacherei aussieht.

Und wie bereits geschrieben habe ich dann nach 12 Stunden mit 297 € das Auto um 8 Uhr abgestellt. Mein Tagfahrer war noch nicht mal da, es gibt also nichts, was ich zu bereuen hätte 🙂

Ich nehme alles zurück! OK, nicht alles, aber immerhin!

Jetzt habe ich die negativen Seiten des neuen Dachschildes ja oft genug hier durchgekaut. Aber jetzt muss ich der Fairness halber erwähnen, dass ich derletzt offensichtlich wegen der Werbung eine Tour hatte. Ich vermute zwar stark, dass es ein Einzelfall bleiben wird, aber ich will ja ehrlich bleiben hier 😉

Ich stehe als 15. in der Schlange am Bahnhof. Die Zeit schlage ich mit Lesen tot und ein Brötchen hab ich auch ausgepackt, um nebenher ein bisschen was in den Magen zu bekommen. Plötzlich grinst es neben mir am Fenster. Äußerst kundenunfreundlich muss ich gewirkt haben, mit einem Haufen halbzersetzten Teigs im Mund. Immerhin ist mir beim Lächeln nichts davon rausgefallen.

Und die nette Dame sagte in gebrochenem Deutsch mit einem permanent unterdrückten Lachen:

„Ich gesehen „Taxi macht Appetit“ und du essen…“ *grins*

Naja, ich hab ja auch lieber Kunden als dass ich Pause mache:

„Tja, sehen sie: Es muss also stimmen!“

Und eine Tour für 8 € ist weitaus besser als noch eine halbe Stunde warten 🙂