Die kleinen Pannen …

Was halt so passiert, wenn der Tarif geändert wird.

Ich will jetzt gar nicht davon erzählen, dass meine Chefs … obwohl, könnte ich schon. 🙂

Ihr wisst, dass ich meine Chefs sehr mag und das jetzt passt mir nur gerade vom Thema her. Soll keine böse Kritik sein. Im Großen und Ganzen ist mit der Tarifumstellung alles gut gelaufen, aber bei allem Trara ist eine kleine Bestellung untergegangen. Und zwar die der Aufkleber für die linke Türe, auf denen die Taxitarife in Kurzform stehen. Will heißen: Derzeit fahre ich noch mit einem eigentlich ungültigen durch die Gegend. In dem Fall bin ich mir aber sicher, dass nicht ich das Bußgeld bezahlen würde, falls nach jahrelanger Abstinenz mal irgendwer auf die Idee kommt, Taxen auf sowas hin zu kontrollieren. 😉

Aber eigentlich wollte ich von einem Kunden erzählen. Ein junger Kerl, sogar noch halbwegs fähig zu laufen. Diese Fähigkeit einzusetzen hatte er nach dem Abend allerdings nicht mehr im Sinn und er nahm – wie wohl öfter mal – ein Taxi nach Hause. Das Zuhause lag nicht weit weg, genau genommen vielleicht 500 Meter Luftlinie vom Ostbahnhof. Da allerdings Parkplätze, Höhenunterschiede, Hausmauern und nicht zuletzt die Spree gewisse Hürden sind, ist der Weg im Taxi über einen Kilometer lang gewesen.

Ich sattelte also die paar halblebigen Pferde unter der Motorhaube der 72 und fuhr nicht übermäßig glücklich los. Ihr wisst, ich lasse das keinen Kunden merken, aber natürlich möchte man als Taxifahrer nach fast einer Stunde Wartezeit gerne mehr als 5 € Umsatz. Gab es jetzt, Tariferhöhung sei Dank, quasi auch. 5,40 € standen auf der Uhr und das war natürlich etwas, womit mein Fahrgast nicht gerechnet hatte. Als offenbar häufiger Nutzer hatte er das Geld – inklusive Trinkgeld – gleich zu Beginn der Fahrt abgezählt. Kann ich gut verstehen, mache ich mehr oder weniger auch so, wenn ich eine mir halbwegs bekannte Strecke fahre.

Nun ist sein Trinkgeld halt keines der Oberklasse gewesen, gemeinhin bezahlte er wohl die 5 € mit 5,50 €. Das sind die durchschnittlichen 10%, fasst das nicht als Meckerei meinerseits auf! Aber bei 40 Cent Preiserhöhung blieben dann halt nur noch 10 Cent übrig, was ihm sichtlich unangenehm war. Aber er hat’s sportlich genommen und sich nicht etwa geärgert, sondern mir sein letztes verbliebenes Rotgeld vermacht.

„Is‘ leider nur noch Bronze, sorry!“

Witziger Nebeneffekt: Bei dieser Tour hat mir persönlich die Tariferhöhung gar nix gebracht. Ich hatte zwar von den 40 Cent mehr auf der Uhr 18 Cent mehr brutto, dafür aber ein um ca. 20 Cent geringeres Trinkgeld. Ich hoffe, meine Chefs investieren ihre paar gewonnenen Cent sinnvoll. Ein Aufkleber mit den aktuellen Tarifen wäre z.B. eine gute Idee. 😀

Neue Taxitarife in Berlin

Es ist nun so weit: Seit Mitternacht gelten in Berlin neue Taxitarife. Sollte jemand seitdem mit dem Taxi gefahren sein: Wenn es heute einen Euro mehr gekostet hat, dann wird das seine Richtigkeit gehabt haben und ab jetzt immer so sein. Erhöht wurden der Einstiegspreis von 3,20 € auf nunmehr 3,40 € und jeder der ersten sieben Kilometer kostet nun 1,79 € statt 1,65 €. Alles weitere (die weiteren Kilometer, die Kurzstrecke, die Zuschläge) bleibt wie bisher. Die Erhöhung der Tarife ist für kurze Fahrten zwar höher als die letzte im Jahr 2009; dadurch, dass alles andere gleich bleibt, werden die Mehrkosten jedoch für keine Fahrt mehr als 1,20 € betragen:

taxitarifdiagramm

(Die Darstellung ist zwar vereinfacht, weil ich eine lineare Preissteigerung anstelle der in 20ct-Schritten erfolgenden Zählung des Taxameters verwendet habe, aber die Relationen bringt sie ganz gut rüber.)

Ihr wisst, ich bin kein begeisterter Freund von Tariferhöhungen, aber angesichts der insgesamt moderaten Steigerung und vor allem der unabhängig davon zu erwartenden Umbrüche im Gewerbe wegen des Mindestlohns in den nächsten Jahren, sehe ich das jetzt nicht so eng. Es gibt diesen neuen Tarif jedenfalls seit heute und wir werden uns alle daran gewöhnen müssen, als Kunden und als Fahrer.

Taxitarife in Berlin steigen

So, nun ist es mal wieder so weit: Die Taxitarife in Berlin werden erhöht. Der Senat hat heute in einer Pressemitteilung verkündet, eine entsprechende Verordnung erlassen zu haben. Die Erhöhung des Tarifs betrifft nur den Einstiegspreis, sowie den Preis für die ersten sieben Kilometer. Der Preis für die nachfolgenden Kilometer oder auch die Pauschale für die Kurzstrecke bleiben unangetastet.

Hier mal kurz als Übersicht:

Einstiegspreis: 3,40 € statt bisher 3,20 €.

Kilometer 1 – 7: 1,79  € statt bisher 1,65 €.

Kilometer 7 – ?: Ungeändert 1,28 €.

Kurzstrecke: Ungeändert 4,00 €.

In Kraft treten wird das Ganze am 14. Tag nach der Verkündung im Gesetz- und Verordnungsblatt, dessen nächste Publikation mir jedoch unbekannt ist. Falls jemand dazu was sagen kann, ändere ich das hier gerne in ein Datum.

Ein bisschen was dazu zu sagen hab ich natürlich.

Zunächst mal: Dass die Tarife mal wieder steigen, ist nicht per se falsch. Die letzte Erhöhung fand am 1. Juli 2009 statt, das ist eine ganze Weile her, da ist ein Inflationsausgleich durchaus mal drin. Wer nachrechnet, wird zudem feststellen, dass eine Taxifahrt damit maximal 1,20 € teurer werden kann. Das sollte im Normalfall kein Problem sein.

Interessant ist meines Erachtens nach dennoch diese Art der Erhöhung (nur für die ersten Kilometer). Natürlich deckt das einen Großteil der Touren ab. Die Durchschnittstour liegt immer noch irgendwo um 11 – 12 €, ausgenommen von einer Steigerung sind also vor allem deutlich überdurchschnittliche Fahrten. Dennoch wird sie mit den gestiegenen Kosten im Taxigewerbe begründet.
Wie gesagt: Die Kosten sind natürlich gestiegen, logisch. Aber dass die Tarife für die längeren Fahrten oder die Kurzstrecke gleich gelassen wurden, lässt mich vermuten, dass wir doch eigentlich genug verdienen, so lange wir fahren und der Tarif eigentlich nicht unser Hauptproblem ist. Nach wie vor haben wir zu wenig Kundschaft oder zu viele Taxen. Je nachdem, wie man lieber argumentiert. Das dummerweise wird sich nicht ändern. Im Gegenteil: Tariferhöhungen sorgen immer dafür, dass wir ein paar Fahrten verlieren und dass die Zahl der Neukonzessionen steigt. Gerade im Hinblick auf einen kommenden Mindestlohn ist doch zu bemängeln, dass eine Tariferhöhung wie immer die einzige Stellschraube ist, deren Bedienung man sich im Gewerbe zutraut.

Einstiegspreis …

Ich hatte es angedeutet: Ich hatte eine Diskussion um den Einstiegspreis im Taxi. Der ist natürlich doof. Hey, 3,20 € (hier in Berlin) auf der Uhr, noch bevor der Taxifahrer sich überhaupt bewegt hat? Was is‘ dat denn?

Klar, als Kunde verstehe ich das. Ehrlich. Das ist ja auch irgendwie … kacke. Oder? Ich meine, wer würde sich das Geld nicht gerne sparen?

Aber ja, ganz so grundlos ist das alles natürlich nicht. Denn, das hab ich auch dem Kunden erklärt, ich war ja bislang nicht untätig. Das Geld ist keine ominöse Spende an meinen Chef oder gar eine unverantwortlich blöde Gebühr, für die die Regierung verantwortlich ist, sondern lediglich ein Ausgleich für die Arbeit die erbracht wurde, bevor der Kunde ins Taxi steigt.

Denn anstatt gemütlich im Wohnzimmer vor dem Fernseher oder dem PC zu sitzen, stellen wir Taxifahrer uns bereit. Entweder wir halten an einem Taxistand oder wir fahren irgendwohin, wo wir glauben, dass dort Kundschaft sein könnte. Sicher: Mal fahren wir nur 20 Meter leer (ohne Kundschaft) vor uns hin, bis ein Winker uns Arbeit verschafft – anderenorts fahren wir aber auch mal 10 Kilometer, um uns dann eine Stunde an eine Halte zu stellen, bevor wir einen Auftrag kriegen.

Aber was ist der Mehrwert für den Kunden?

Nun, so komisch es klingt: Dass wir da sind. Dass wir entweder Samstag Nacht um 2.54 Uhr direkt vor dem Club stehen oder dass wir am Dienstag Mittag um 13.32 Uhr nur drei Minuten bis zum  entsprechenden Hotel brauchen. Meist haben wir Taxifahrer bereits vor der Fahrt Arbeitszeit investiert, um Euch abzuholen. Nicht immer geplant, natürlich. Manchmal haben auch wir Glück und bekommen einen Auftrag nach einer Minute oder vor dem nächsten Haus. Im Durchschnitt aber warten wir auf eine Tour. Fahrend oder stehend. Und damit wir nicht z.B. Kunden benachteiligen, die in Vororten wohnen, erheben wir nicht z.B. zwölfmal 10 Cent, achtmal 1,40 €, zweimal 6,10 € und einmal 23,40 €, sondern die Pauschale von 3,20 €. Die Zahlen sind erfunden und passen sicher nicht, aber sie erklären das Prinzip ganz gut. Vielleicht bietet sich auch ein Vergleich mit Versandkostenpauschalen im Einzelhandel an: Schließlich weiß jeder, dass ein kleines Päckchen keine 6 € kostet. Wenn aber mal eines per Luftpost nach Timbuktu fällig ist, kann der Versender das mit der Pauschale ausgleichen.

Dass Taxen vor Ort verfügbar sind, ist nunmal kein Hexenwerk, sondern die Arbeit der Taxifahrer. Auch wenn sie ausnahmsweise (und die Berliner City mag manchmal wie eine einzige Ausnahme erscheinen) immer überall und zahlreich zur Verfügung steht.

Mein Kunde hat das wie folgt kommentiert:

„Egal, ist trotzdem doof!“

Der Meinung kann man sein. Ich fand den entsprechenden Kunden ja zum Beispiel auch ganz nett, nach der Aussage aber trotzdem, ja, ähm … doof.

„Dann nehmen wir.“

„Eine schönes guten Abend.“

Holländer. Supi! 🙂

„Funf Euro für der Alexanderplatz wird ok sein?“

Da das als Preis für den Platz wirklich ein bisschen tiefgestapelt ist, habe ich gleich vermutet, dass sie nur nach dem Fahrtpreis dorthin fragten:

„Nein, sorry. Das werden eher so 7 bis 8 Euro.“

„Oh, ist der Preisen mit Taxometer?“

„Ja.“

„OK, dann nehmen wir. Viele Dank!“

So dürfen Verhandlungen gerne öfter laufen: „Ist das der Taxameterpreis?“ – „Ja.“ – „Super, dann nehmen wir den!“ Hach.

Und am Ende hielten sie es sogar für eine gute Idee, doch lieber gleich zum Bahnhof Friedrichstraße zu fahren. Das waren dann zwar schon 10,40 €, aber das Eis war offenbar gebrochen. 😀

(Keine) Verarsche

Ich hatte es heute am Stand noch mit einem Kollegen darüber: Wie viel man wohl so im Laufe der Zeit an Umsatz verliert durch die Leute, die nicht zahlen können/wollen, etc.
Statistisch erfasse ich solche Fehlfahrten gar nicht. Aber ich weiß, dass sie selten sind, weil ich jedes Mal darüber blogge und sie deswegen fast alle noch irgendwie im Kopf habe. Mein Score diesbezüglich liegt bei unter 100 € – und das, obwohl schon die erste Fahrt damals glatte 21 € ausgemacht hat. Allzu häufig ist das also zumindest bei mir nicht – und ich bin schon der Deppchef, der die ganzen Chaoten einsammelt, die sonst kein Fahrer mitnehmen will …

Und dann springt mir in Prenzlauer Berg ein wirklich ziemlich junger und ziemlich betrunkener Kerl vors Auto. Er fragt mich, was es zum S-Bahnhof Hohenschönhausen kosten würde.

„So etwa 15 €. Ich will mich nicht auf zwei Euro hin oder her festlegen, aber es werden sicher keine 25 und andersrum reicht ein Zehner sicher auch nicht.“

„Allet klar. Machen wa!“

Ja, denkste! Eine Minute später meinte er:

„Mach doch ma’n Fünfer und dit Ding da aus!“

„Und was hab ich davon?“

„Na, is doch ejal!“

„Nö. Isses nicht.“

Ich war wie immer viel zu nett und hab das Gespräch gesucht. Ich hab gesagt, dass ich ja verstehen könnte, dass das teuer sei, aber ich eben auch nur wenig verdienen würde und es dann einfach nicht mehr lustig finde, wenn jeder dritte versucht, mich auch dabei noch nach unten zu handeln. Da hat er geknickt zugestimmt und gemeint, er könne das gut verstehen. Das klappt erstaunlich oft und ich bin mir sogar sicher, dass er nicht unbedingt gelogen hat. Wer versteht sowas schon nicht? Aber der Alkohol, die dadurch um sich greifende Vergesslichkeit, eine Prise Egozentrik – und zack, schon wird die Fahrt zur nervigsten der ganzen Woche. (Ich bin mit der Woche noch nicht ganz durch, aber die Wette gehe ich ein!)

Nach seinem ersten Schub hab ich mich gleich versichert, ob er genug Geld dabei hätte. Hatte er nicht, er wollte es bei sich holen. Nichts, was mich bei so einem Gesprächseinstieg erfreut, aber er bot mir großzügig Ausweis und Handy als Pfand an.

Nichtsdestotrotz ging es 5 Minuten später wieder los:

„Mach doch das Taxameter aus!“

„Nein! Und ich hab schon erklärt, wieso.“

„Is‘ doch Scheiße. Machen wir’n Zehner, dit is doch ok!“

„Nein, isses nicht! Ich hab Dir gesagt, dass es um die 15 € werden. Da fange ich jetzt keine Spielchen an!“

„Ach komm, das macht doch keinen Unterschied …“

„Haste Recht, also bleibt’s bei den 15 €.“

„Hä?“

„Ja, hast doch selbst gesagt: Macht keinen Unterschied. Und ich will 15 € haben. Im Ernst: 10 reichen nicht.“

„Sicher reichen 10! Schon hundertmal gefahren die Strecke.“

„Junge, wir sind bei 9,20 € und erst in Weißensee …“

„Ja und? Fahr zu mir, ich geh hoch und hol Dir den Zehner. Mehr hab ich ja eh nicht.“

Irgendwann ist auch mal gut. Ich hab den Blinker gesetzt und an einer kleinen dunklen Nebenstraße angehalten. Er schien nicht sonderlich begeistert zu sein:

„HÄÄÄ? Was’n jetzt?“

„Du steigst jetzt hier aus!“

„Aber … ich hab doch kein Geld …“

„Das hab ich verstanden. Verpiss Dich gefälligst!“

„Ey Alter, so wollte ich das aber nicht!“

„Ach, auf einmal?“

„Ey, ich verarsch‘ Dich doch nicht. Ich zahl ja den Zehner!“

„Wenn Du einen Zehner zahlen willst, steigst Du hier aus. Ende!“

„Aber ich kann doch gar nicht bezah…“

„Junge, verzieh Dich einfach! Jetzt kann ich hier noch wenden und wieder in die Stadt zurück. Da finde ich dann Leute, die mich auch bezahlen.“

„Aber, Alter, Du checkst dit nich: Ich verarsch‘ Dir nicht! Ich bezahl‘ Dir!“

„Nein. DU checkst es nicht: 10 € statt 15 SIND Verarsche. Also hau ab und schönen Heimweg noch!“

Da stand er dann reichlich bedröppelt rum und moserte:

„Ey, ohne Witz: SO wollte ich das nicht, echt jetzt!“

„Ach, Du denkst, ICH wollte das?“

Das Ende vom Lied? Ich hab 9,80 € Fehlfahrt zu verbuchen. Die kickt mein Chef aus dem System und ist damit technisch quasi nie passiert. Der Depp hatte noch gut 4 Kilometer heimwärts zu wanken. Entweder er hat es gepackt oder noch einen Kollegen gefunden. Der Preis dürfte von dort aus auch noch etwa einen Zehner betragen haben. Optionslos war er also nicht. Keine Frage, dass ich ihm den Fußweg eher gönne. 😉

Und ich? Hab gewendet und noch vor seinen Augen Winker aufgenommen. Total lustige Tour für 12,20 € plus Trinkgeld nach Mitte. Und von da an lief es wie am Schnürchen weiter. Selbst mein Kilometerschnitt ist heute bombig gewesen, ganze 1,20 €. Ich schlag mir doch mit so einem Vollhonk nicht für ein paar Euro fünfzig die Nacht weiter um die Ohren, wenn es Leute gibt, die meine Arbeit honorieren und mit denen ich zudem Spaß haben kann.

Wenn schon klugscheißen …

dann richtig!

Mitten in Gesundbrunnen hatte ich eine ziemlich lustige Truppe eingesammelt. Hauptsächlich aufgefallen sind sie dadurch, dass sie versuchten, mich zu einem Rennen gegen einen Kollegen anzustacheln. In dessen Taxi fuhr ein anderer Teil ihrer feuchtfröhlichen Runde. Nun, so viel Spaß wir auch hatten, das Spiel habe ich dann nicht grenzenlos mitgespielt. Zumal die einzige Begründung blieb, dass die anderen Fans eines anderen Fußballclubs seien …

Auch ansonsten hatten sie es sowas von raus. Zum Beispiel haben sie mich (und der andere Teil der Truppe den Kollegen) so praktisch an einer Stelle der Bornholmer Straße rausgewunken, dass wir noch ein ganzes Stückchen gegen die eigentliche Fahrtrichtug fahren mussten, bevor wir durch Wenden ihrem Ziel – dem Wedding – entgegenschießen konnten. Die Kommunikation an sich gerissen hat eine junge Frau der Marke „So bin ich gar nicht“:

„Herr Taxifahrer, ich weiß, des sieht jetzt voll komisch aus so, weil ich hier jetzt einfach drauf losrede, als hätte ich irgendwie voll den Laberflash und Sie denken jetzt sicher, was ist denn mit der los, die ist doch nicht mehr ganz richtig in der Birne, die hat doch ’nen Schatten, wie kann man um die Uhrzeit bloß so viel reden? Ich weiß ja auch nicht, vielleicht haben Sie ja gerade erst angefangen zu arbeiten und dann stress‘ ich Sie von der Rückbank bestimmt voll, so wie ich sie jetzt zutexte und des tut mir auch voll leid, aber ich kann mir des – also dass ich so viel rede jetzt, nicht dass ich auf der Rückbank sitze, das liegt ja daran, dass die Jungs hier mich mitgenommen haben, die wundern sich bestimmt auch. Wo war ich? Genau: ich kann mir des auch nicht erklären, weil eigentlich hab ich gar nicht so viel getrunken und ich bin nicht so! Ehrlich! Ich rede gar nicht viel, ich bin eher so ein – wie sagt man – schüchterner Mensch. Ich kann des gar nicht ab, wenn mich irgendjemand fremdes einfach so am frühen Morgen zuschwallt. Sie denken ja bestimmt: Alter, was ist die dicht? Haha, bin ich gar nicht! Wir haben ja nur da hier die zwei Cocktails und ich würde da auch nie so viel reden, des ist gar nicht meine Art. Ich mein – hallo!  – wer bin ich denn? Ich kenn Sie ja gar nicht und dann laber und laber und laber ich, also so einen Job könnte ich ja nicht machen. Soll jetzt nicht heißen, dass ich Taxifahrer blöd find, Sie haben ja sicher ihre Gründe und des ist ja sicher auch ganz toll, aber – alter Schwede, was red‘ ich denn für einen Quatsch!? So bin ich nicht. Ehrlich. […]“

Na, äh … klar. 🙂

Das Taxameter zählte lustig vor sich hin und irgendwas gefiel ihr daran nicht. So wie ich das mitbekommen hatte, wurde sie zwar zu der Fahrt eingeladen, aber das macht ja nix. Wird der ein oder andere Kollege sicher bestätigen können: Manche sagen halt gerne „aus Prinzip“ was. Aber das war ok, einen kleinen Einblick in ihren Zustand hatte sie mir ja bereits gegeben. Da war der Hebel im Hirn bei schnell auf „altersmilde*“ gekippt. Einfach reden lassen und nicken …

Dann hat sie jedoch bei den Vergleichen einen klitzekleinen Fehler gemacht – und ich liebe es ja, wenn ich so die Stimmung im Auto drehen kann. Das kann Euch der Typ mit dem Godzilla-Penis sicher bestätigen. Naja, sie griff zum naheliegendsten Vergleich und meinte:

„Weil wenn ich die Bahn nehmen würde, dann könnt‘ ich mit 2,60 € bis Flughafen Schönefeld fahren …“

Ich hab mein ernstes Gesicht aufgesetzt und gemeint:

„Aber nicht legal.“

„Doch!“

„Nein, das ist absolut unmöglich, was Sie da sagen.“

Mir ist ja klar, worauf sie hinaus wollte: Natürlich kann man in ganz Berlin für 2,60 € mit der Bahn umherfahren. Und natürlich ist das damit viel günstiger als ein Taxi. Dafür muss man sich halt die Bahn mit quasselnden Betrunkenen teilen. Oh, wait …
Sie hätte mit ihrer Aussage auch vor wenigen Jahren noch komplett richtig gelegen. Aber nun tauschte ich verschwörerische Blicke mit ihrem Freund auf dem Beifahrersitz aus, der mitbekommen hatte, was ich meinte. Und er hat es dann auch laut ausgesprochen:

„Äh, Schatzi … der Flughafen Schönefeld liegt inzwischen in Tarifgebiet C …“

Womit es dann 3,20 € wären. Haha!**

Klugscheißen ist schon in Ordnung, aber man muss halt damit leben, dass ich das Spiel dann mitspiele. 🙂

* Hey, im Gegensatz zu ihr war ich wirklich alt!
** Von unserem Standpunkt aus hätte sie genaugenommen Tarifgebiet A mit der Ringbahn umfahren können. Dann wären aber immer noch 2,90 € für eine BC-Karte angefallen.