Ubergate? Ubergate!

Ich hatte mich fast schon ein bisschen daran gewöhnt, nichts essentiell Neues von Uber zu hören und war dementsprechend ein wenig überrascht vom Korkenknallen, mit dem #ubergate gestern in die Welt geploppt ist.

„Uber: Manager droht kritischen Journalisten“

betitelt z.B. golem.de stellvertretend für viele andere Medien, was der neueste Skandal um die so liebgewonnen Disruptivlinge vom Dienst beinhaltet. Besagter Uber-Manager, Emil Michael, hatte anlässlich eines Dinners mit Journalisten (!) davon schwadroniert, Uber hätte genügend Geld, um nebenbei vielleicht eine Million zu investieren, um Leute zu bezahlen, die im Privatleben von kritischen Journalisten wühlen würden und sie durchleuchten, um sie in Mißkredit zu bringen. Dabei ging er insbesondere namentlich auf die Journalistin Sarah Lacy ein, die Uber auf ihrem Portal PandoDaily seit geraumer Zeit kritisiert, zuletzt wegen sexistischer Unternehmenskultur. Das alles sagte er im Glauben, all die geladenen Schreiberlinge wüssten Bescheid, dass sie nichts von alledem veröffentlichen dürften. Nun, einer wusste das nicht: Ben Smith von BuzzFeed wurde nicht mitgeteilt, dass die Veranstaltung „off the record“ lief und hat mit seinem Artikel zumindest mal ein kleines Beben ausgelöst.

Das freilich kam nicht überall an, so verkürzt z.B. die eigentlich sehr empfehlenswerte Seite netzpolitik.org die Meldung so grotesk, dass deren Artikel das Ganze auf ein Datenschutzproblem für Uber-Nutzer runterbricht und sogar mutmaßt, dass all das vielleicht nur ein PR-Stunt sei. Was wirklich eine lächerliche Nebengeschichte ist, vor allem da Ubers sorgloser Umgang mit Nutzerdaten schon mehrfach Thema war und schon damals den Bogen hin zum Problem sexueller Belästigung geschlagen hat. Außerdem ging es bei Michaels Aussagen explizit nicht nur um die Auswertung von Nutzerdaten, sondern das Engagieren von Detektiven. Selbst in der taz werden die Themen Sexismus und Frauenhass leider völlig ausgespart. Der Autor Daniel Bouhs (den ich von einem Interview kenne) hat mir auf Nachfrage erklärt, dass der Artikel wegen Platzbeschränkungen bei der Printausgabe sehr kurz gehalten werden musste.

Ich persönlich finde die „Androhung“, Journalisten zu bespitzeln und ihnen das Leben zur Hölle zu machen, selbst für Uber überraschend menschenverachtend. Sicher, ob sie das wirklich tun würden, steht auf einem anderen Blatt – aber im Gegensatz zu einem vielleicht mal in Feierlaune rausgerutschten „Arschloch“ ist es schon erschreckend, wie detailiert Michael darüber offenbar nachgedacht hat, wenn er für ein Budget von einer Million schon mal vorab die Anzahl der Schnüffler (4) nennen kann. Ganz offensichtlich ist da ein Mann weit oben in der Firmenhierarchie, der solche Kampagnen für prinzipiell legitime Planspielchen hält.

Ausgangspunkt für die weiterführende (und inhaltlich nicht überlieferte) zielgerichtete Drohung gegen Sarah Lacy war wohl ihr Artikel, in dem sie schrieb, dass sie ihre Uber-App gelöscht habe, weil sie die sexistischen Auswüchse der Firma für gefährlich hält. Sie beruft sich dabei keineswegs quellenarm auf Übergriffe von Uber-Fahrern und den Umgang der Firma damit, auf sexistische Werbeaktionen, die Uber schnell wieder löschen lassen hat und nicht zuletzt auf CEO Kalanick, der gerne damit angibt, wie viele Frauen er haben könne, jetzt wo er den Arsch voll Geld hat.

„I don’t know how many more signals we need that the company simply doesn’t respect us or prioritize our safety“,

schrieb Lacy in ihrem Artikel.

Anstatt die Vorwürfe zu entkräften oder das Vorgehen der Firma zu erklären, passierte offensichtlich nicht viel. Wie eigentlich immer bei Uber. Alles abperlen lassen und weiter Kätzchen liefern. Die Wende brachte dann erst oben genanntes Dinner, bei dem Emil Michael nicht nur die vielzitierten Ideen zum Journalisten-Geradebiegen unters Volk brachte, sondern verkündete, dass Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit von Taxifahrern als von Uber-Fahrern vergewaltigt werden – und man Lacy „persönlich verantwortlich“ machen sollte für jeden sexuellen Übergriff auf Frauen, die nun ihre Uber-Apps löschen würden.

Was für ein Unternehmen ist das, bei dem eine Pressesprecherin nach einer Festrede verkünden muss, dass es nicht die Meinung der Firma sei, dass eine kritische Journalistin verantwortlich für Vergewaltigungen im Beförderungsgewerbe ist?

Für Sarah Lacy war es ein Alptraum, als sie erfuhr, dass Uber sich offenbar zumindest gedanklich dazu hinreissen lassen könnte, ein paar Dollar des enormen Kampfbudgets in die Zerstörung ihres Privatlebens zu investieren, was sie eindrucksvoll beschreibt. Ich komme als Blogger auch nicht umhin, mir Gedanken darüber zu machen.

Gut, dieses Mal musste sogar Uber zurückrudern.

Emil Michael hat sich bei Sarah Lacy mit 4 Sätzen via Mail entschuldigt, nachdem er am Telefon noch aufgelegt hatte, weil sie nicht zugestimmt hat, seine Worte nicht zu veröffentlichen. Und Kalanick schickte 13 Tweets in die Welt, eine „Entschuldigung ohne eine einzige Frage zu beantworten„, auf mehr als heiße Luft wird man aber wohl noch lange warten müssen.

Es ist wohl angemessen, darauf mit einem Zitat aus dem Artikel von Lacy zu antworten:

„I didn’t actually think Uber could shock me anymore. I was wrong.“


PS: Wer jetzt glaubt, dass das ja dann doch eigentlich nur ein kleiner Nebenaspekt der „eigentlichen“ Datenschutzaffaire ist, der kann Sarah Lacy gerne mal auf Twitter folgen und ihre Retweets der Hater lesen und sich mit so datenschutzinteressierten Prolls wie dieser Flachpfeife solidarisieren. -.-

Unerwartetes von Cheffe

Ich hatte eine Idee, die ich selten habe: Warum nicht vielleicht schon morgen statt erst am Donnerstag mit der Arbeit beginnen? Damit habe ich Christian gestern im Büro etwas überrascht. Natürlich wäre das vor allem toll gewesen, wenn ich das Auto gleich hätte mitnehmen können.

„Die 72 ist in der Werkstatt.“

„Oh Shit, was hat sie denn?“

„Ach, nix. Ich wollte nur, dass sie vorne wieder ordentlich aussieht.“

Also wird wohl derzeit sowohl die Zierleiste angebracht, es werden aber wohl auch – und das ist der größere Act – die Träger der Stoßstange nochmal zurechtgebogen, damit sie wieder gerade sitzt. Ich hätte auf beides verzichten können, aber schön ist es natürlich trotzdem.

Und dann hab ich unerwartet noch eine gute halbe Stunde bei Andreas im Büro verbracht. Wir haben es über alle möglichen Sachen gehabt, von Uber bis zu Sitzkontakten. Wie immer ein interessantes Plaudern, eher unter Kollegen als von Chef zu Angestelltem. Unter anderem ging es schon der Aktualität wegen um den Mindestlohn. Ist in der Branche ein großes Ding und immerhin haben schon Fahrer ihre Kündigung erhalten deswegen. Oder von sich aus den Arbeitgeber gewechselt.

Ich hab von Andreas (obwohl wir vorher das Wichtigste schon vorher geklärt hatten) dann einfach mal den noch nicht endgültig bestätigten neuen Arbeitsvertrag zugeschickt bekommen, der ja zwangsläufig bald kommen musste. Und auch wenn ich daraus jetzt nicht zitieren werde (das sind eben Firmen-Interna und ich bin nur Angestellter), kann ich doch nur einmal mehr sagen, dass ich weiß, warum ich für genau diese Firma arbeite. I like. Insbesondere mit dem inzwischen langjährigen Hintergrundwissen, wie die Vertragsdetails dann genau umgesetzt werden. Ich bin trotz geringer Zweifel immer noch positiv überrascht.

Ich komme als Taxifahrer – und das ist ganz ohne Zweifel eigentlich ein positiver Punkt des Jobs – nur selten wirklich in Kontakt mit meinen Chefs. Abr genau an diesem Punkt denke ich mir jedes Mal wieder, dass das eigentlich schade ist, weil sich meine Laune auch nach sechs Jahren immer noch nach jedem Besuch in der Firma bessert.

In unserem Gewerbe läuft eindeutig zu viel schief. Umso mehr ist es schön zu wissen, nicht Teil daran zu haben. 🙂

Was machen?

Mein erster Impuls war natürlich: „Anzeigen! Was für eine Frage!“

Aber natürlich ist das nicht so einfach, wenn man mal drinsteckt. Worum es eigentlich geht?
Nun, ein Leser hat mir eine Mail geschrieben, in der es um miese Arbeitsbedingungen im Taxigewerbe geht:

ein Freund von mir ist Taxifahrer und ich mache mir im Moment Gedanken um seine Situation, weiß aber nicht, ob ich da etwas tun sollte (oder auch was).
 
Die Eckdaten: Es geht um eine Großstadt im unteren Drittel der Liste der Großstädte, also sicher kein leichtes Pflaster für Taxifahrer. Einen nicht vernachlässigbaren Teil der Fahrten machen soweit ich weiß Krankenkassenfahrten aus.
 
Mein Freund ist in den 50ern und durchaus froh, den Job zu haben (macht ihn sicher auch gut). Das Problem sind seine Arbeitsbedingungen, die ziemlich sicher illegal sind. Er hat eine 6-Tagewoche (Mo-Sa), und im Prinzip jeden Tag eine 12-Stundenschicht. Gleichzeitig wechseln sich jede Woche Tag- und Nachtschicht ab.
 
Auf den kommenden Mindestlohn angesprochen meinte er, dass sein Chef dann sicher jeden auf dem Papier 7 Stunden arbeiten lässt, er aber trotzdem 12 im Auto sitzt.
 
Frage an dich und deine Leser: Was würdet ihr tun?
 
Ich freue mich auf Antwort, bleibe aber lieber anonym 😉
Zunächst ist es natürlich mal so, dass 6-Tage-Wochen im Gewerbe normal sind. Traurig, aber wahr. Steht in meinem Arbeitsvertrag auch so drin. 12-Stunden-Schichten dauerhaft vorzuschreiben, geht meines Wissens nach nicht, man kann aber als williger Fahrer zumindest mal dafür sorgen, dass das dank „Pausen“ im eher uneigentlichen Sinne schon klargeht. Ich hab mich ehrlich gesagt nie sonderlich viel ums Arbeitnehmerrecht gekümmert, weil ich meine Arbeitszeit selbst bestimmen kann und die Grenzen nach oben nicht einfach versehentlich einreisse, da kenne ich mich zu gut.
Was aber natürlich gar nicht geht, ist das Unterschlagen von Stunden wegen des kommenden Mindestlohns. Scheißegal, ob der Unternehmer keine andere Möglichkeit sieht, es geht einfach nicht. Aber ja: Was tun? Vor allem, wenn man mit ein bisschen weniger Kohle doch bisher auch gut gefahren ist und den Job eigentlich nicht verlieren will?
An alle, die das jetzt kommentieren:
Wie gesagt: Ich hab mir auch gedacht, dass das doch kein Thema sein sollte. Einfach, weil es das für mich nicht ist. Aber ja, es ist schwierig für andere – und es ist ganz offensichtlich deswegen schwierig, weil sie unter nicht so guten Bedingungen arbeiten und vielleicht weniger Alternativen haben. Nutzt das also bitte nicht für neunmalkluges Rumprahlen damit, wie gut es euch selbst geht, sondern helft mir und dem verzweifelten Leser mit ein paar guten Ideen!

Start-Stopp-Talk

Durch einige Jura-Blogs ging heute die Nachricht über ein Gerichtsurteil (Link zum lawblog), das die Straffreiheit vom Telefonieren am Steuer bestätigt, wenn das Auto an der Ampel dank Start-Stopp-Automatik den Motor selbst abgestellt hat. Ist vielleicht hilfreich für einige Schnelltelefonierer. Tatsächlich hält sich das Gericht damit einfach an den Wortlaut des entsprechenden Paragraphen, der das Benutzen eines Telefons bei laufendem Motor untersagt.

Auf der anderen Seite sagt auch Udo Vetter in seinem Eintrag nochmal, dass umgekehrt eben auch auf öffentlichen Parkplätzen das Telefonieren bei laufendem Motor trotzdem verboten bleibt. Etwas, das bei strenger Kontrolle gerade uns Taxifahrern das Leben nicht unbedingt leicht machen würde. Schließlich verbringen wir meist viel Zeit stehend. Ob auf Kunden wartend in zweiter Reihe, oder am Taxistand. Oft – gerade im Winter oder wenn das Vorrücken recht schnell geht – durchaus mit laufendem Motor. Und unsere Telefone bedienen wir auch regelmäßig – zum Beispiel zur Fahrtannahme via App.

Da würde ich sagen, wäre eine Änderung schön. Schließlich soll das „Handyverbot“ Unfälle verhindern – die meines Wissens nach nur selten durch unbewegte Fahrzeuge verschuldet werden. Aber was weiß ich schon …

Tariferhöhung – ja oder nein?

Es war erwartbar. Angesichts des zum ersten Januar einzuführenden Mindestlohns haben die Gewerbevertretungen auch für Berlin Anträge auf eine Erhöhung des Taxitarifs gestellt. Ja, Plural – einig sind sie sich wie immer nicht. 🙁

Nun ist das ausnahmsweise mal eine schwierige Situation. Ich bin nach wie vor kein Freund von Tariferhöhungen, allerdings sowohl ein Freund des Mindestlohns als auch meines Arbeitsplatzes an sich. Und in der aktuellen Situation ist es einfach schwer, sich für oder gegen eine Erhöhung an sich zu entscheiden.

Eine Tariferhöhung sorgt in erster Linie für mehr Einkommen, schon klar. Andererseits schreckt es Kunden ab und es gäbe nach wie vor andere Möglichkeiten, den Verdienst zu erhöhen. Zusätzlich zur normalen Inflation kommt jetzt der Mindestlohn, der etliche Unternehmer einfach wegen des geringen Stundenumsatzes der Fahrer wirklich an die Grenze der Rentabilität bringt. Ist andererseits ein Stellenabbau nicht auch gut? Fragen über Fragen – und vieles eine reine Meinungs- und Gewichtungssache.

Argumente pro Tariferhöhung:

Trotz Abschreckungseffekt würden die Umsaätze im Taxigewerbe wohl etwas steigen.

Sollte das zutreffen, könnten durch einen erhöhten Tarif mehr Arbeitsplätze gerettet werden.

Argumente gegen die Tariferhöhung:

Die Kunden zahlen mehr für Taxifahrten.

Die Zahl der Kunden verringert sich (ob merklich oder nicht, es passiert).

Am Ende bleibt die Glaubensfrage, ob es um die Auslastung oder die Bezahlung gehen soll. Der (durchschnittliche) Lohn der Taxifahrer wird notgedrungen im Laufe der Zeit auf Mindestlohnniveau steigen. Mit Tariferhöhung oder ohne. Ohne würde bedeuten, dass mehr Taxifahrer ihren Job verlieren. Auch nicht zu verachten: Wenn mehr Taxifahrer ihren Job verlieren, es also weniger Taxis gibt, wird die Verfügbarkeit sinken. Ob das dramatisch wird: Keine Ahnung. Aber ja, ein Teil des Taxipreises ist immer auch der Verfügbarkeit geschuldet gewesen.

Ich persönlich schätze, dass eine auf Mindestlohnniveau „lohnende“ Arbeit drin ist, wenn einige Taxen wegfallen und die Tarife nicht erhöht werden – und das, ohne dass es die Kunden zu arg beeinträchtigt. Aber dafür hab ich keine Zahlen, es gibt vermutlich auch keine. Und im Einzelfall könnte tatsächlich deswegen mal kein Taxi verfügbar sein, das es davor noch gegeben hätte.

Eine Tariferhöhung hingegen könnte mehr Menschen in Lohn und Brot stehen lassen und damit mehr Taxen in der Stadt garantieren. Allerdings für höhere Preise, weiterhin niedrige Auslastung und auf die Gefahr hin, dass noch mehr Leute auf Alternativen umsteigen.

Obwohl ich gerne gegen eine Tariferhöhung plädiere, kann ich mich dieses Mal nicht hinstellen und sie voller Überzeugung als grenzenlos gut darstellen. Wie immer hat alles Vor- und Nachteile, und jetzt ist es schwieriger denn je, sie abzuwiegen. Von den Details der einzelnen Vorschläge will ich dabei noch nicht einmal reden. Bin ich dafür, dass mehr Kollegen arbeitslos werden oder dafür, dass die Kunden höhere Preise zahlen und weniger werden? Das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera. 🙁

Das Taxigewerbe in Berlin steht an der Wand gerade, ganz ehrlich. In Teilen selbstverschuldet, aber auch dem Senat haben wir da einiges zu verdanken. Detlef Freutel hat Recht, wenn er sagt, dass auch die Politik Schuld daran hat: im Kampf gegen Schwarzarbeit wurden wir im Stich gelassen – ja wirklich! Anfangs begeistert vom „Hamburger Modell“, das im Wesentlichen mehr Überprüfungen vorsieht, hat der Senat am Ende kaum was davon umgesetzt – am allerwenigsten die Kontrollen. So stehen die ehrlichen Firmen seit Jahren schon unter dem Druck, illegale Konkurrenz erdulden zu müssen, was natürlich die Umsätze senkt.

(Kleiner Funfact: Uber hat es also nicht einmal geschafft, in Punkto Illegalität innovativ zu sein. Gut, sie sind weiter gegangen als die Schwarztaxler, aber selbst das taugt für ihre „Voll neu!“-Legende kaum.)

DIE richtige Entscheidung gibt es beim Thema Tariferhöhung alleine also nicht. Man müsste den Wirkungsbereich ausweiten. Denn wirklich perfekt wäre tatsächlich, den Tarif nicht zu erhöhen und stattdessen einfach mal ein paar Kontrolleure loszuschicken. Dann würde sich die Zahl der Taxifahrer durch den Wegfall der schwarzen Schafe ergeben und die Kunden müssten eine geringere Einschränkung der Verfügbarkeit hinnehmen, während die Taxifahrer immer noch besser ausgelastet wären und damit besser verdienen würden. Aber dreimal dürft Ihr raten, welcher Wunsch genau nicht in Erfüllung gehen wird …

Was macht eigentlich …

dieses sympathische kleine Startup-Unternehmen Uber?

Gut, die Antwort ist wie immer: Ärger. Aber das wäre wirklich zu kurz gegriffen, denn die Firma ist schwer am Rudern. So verlangen sie laut eigener Aussage für UberPop inzwischen tatsächlich nur noch 35 Cent pro Kilometer – was (wenn ich mich recht erinnere laut einem Gerichtsurteil) ungefähr die Betriebskosten eines Autos sind. Wobei man selbst den Betrag anzweifeln könnte, aber das ist gar nicht der Knackpunkt. Sie versuchen also, UberPop jetzt wirklich als Mitfahrzentrale zumindest nebenher weiterlaufen zu lassen. Das könnte man an und für sich gut finden, wenn die Geschäftspraktiken der Firma nicht grundsätzlich den Anreiz bieten würden, um jeden Cent zu feilschen. Und das meine ich ernst: Dass z.B. Taxi Deutschland weiter streitet, hat Uber sich einfach selbst zuzuschreiben. Wer austeilen kann, muss auch einstecken.

Darüber hinaus hat Uber eine Petition verfasst, die man unterschreiben kann, um das ach so innovative und soziale Engagement der Firma zu verteidigen. Die ist inzwischen auch schon über 5000 mal unterschrieben worden, was zugegebenermaßen gar nicht übel ist, allerdings auch nicht ganz so das Aufbegehren der Massen, wenn man ehrlich bleiben will.

Ich möchte auf einen Punkt des Uber-Mimimis aber gesondert eingehen:

Sie bemängeln, dass UberPop-Fahrer nicht mehr als die Betriebskosten verlangen dürfen,

„… und damit per Gesetz weniger als den Mindestlohn erhalten müssen. Warum sollen Fahrer nicht für ihre Dienste auch belohnt werden? Was spricht dagegen, dass sie mehr als die Betriebskosten für die Mitnahme erhalten dürfen?“

Denn das ist ein schönes Beispiel für die wirklich widerwärtig verlogene Arroganz dieser Firma. Fahrer dürfen mehr als die Betriebskosten verlangen. Und wenn sie angestellt sind, müssen sie dafür ab 2015 den Mindestlohn kriegen. Leute, die für UberPop fahren, erfüllen aber schlicht nicht die Kriterien, um in Deutschland als Fahrer zu arbeiten, also Geld verdienen dürfen – und sind auch nicht irgendwo angestellt, wo es einen Mindestlohn gäbe. Aber dazu unten mehr. Wer gewisse Arbeiten beruflich macht, muss Qualifikationen erwerben. Ich selbst darf z.B. nicht einfach als Rechtsanwalt arbeiten. Ich darf meinen Kumpels sicher Tipps für Gerichtsverfahren geben, aber vor Gericht wird man mich nur akzeptieren, wenn ich die entsprechenden Nachweise einreiche. Ich darf ja noch nicht einmal einen Bus fahren. Obwohl ich das schon mal für eine Dreiviertelstunde getan habe, es also grundsätzlich sicher schon irgendwie könnte. Da könnte ich jetzt ja auch mal eine Petition starten:

„Lasst Sash endlich Busfahrer werden, der hat’s nämlich voll raus!“

Und natürlich würden die Busfahrer sagen:

„Hey, Moment mal! Wir haben hierfür einen Führerschein und eine Ausbildung gemacht, da kannst Du doch jetzt nicht einfach sagen, dass Dir das egal ist, nur weil Du keinen Bock hast, das auch zu machen, egal ob das 500 deiner Blogleser geil fänden!“

Das Schlimme an dem Uber-Text ist aber das Gewinsel über den Mindestlohn. Denn Uber interessiert sich einen Scheiß für Mindestlöhne. Nicht nur, dass sie sich selbst rausnehmen, den Fahrern gar nix zu zahlen – sie wollen sie ja nicht einmal anstellen. In den USA laufen die Fahrer Sturm gegen immer neue Preissenkungen (die gab es hier ja auch schon) und damit „Löhne“ unter aller Sau. Sie lassen die Fahrer unter Bedingungen arbeiten, die selbst uns chronisch unterbezahlten Taxifahrern wie Sklavenarbeit vorkommen und erdreisten sich jetzt, die Betriebskostenregelung (die einfach nur den Geltungsbereich des Personenbeförderungsgesetzes begrenzt) zu missbrauchen, um das als Unterdrückung der armen Fahrer anzuprangern. Sie selbst haben die Fahrer gezwungen, für 0 € Gewinn zu fahren, damit sie bloß keine Qualitätsstandards einhalten müssen und behaupten jetzt, dass es voll unfair sei, dass die Fahrer so wenig verdienen. Wenn Durchfall reden könnte, würde wohl das ungefähr dabei rauskommen.

Aber ja, genau das macht das kleine sympathische Startup-Unternehmen Uber gerade. Wie immer quasi.


PS: Die sind wirklich am Rudern. Ein Einknicken wie die Preissenkung bei UberPop ist meines Wissens nach weltweit einzigartig. Deutschland ist für sie der wichtigste Markt in Europa und wie man sehen kann, tun sie alles (auch hier: völlig egal, was das für die Fahrer bedeutet), um einen Fuß in der Tür zu haben und werden dabei ungewohnt kreativ. Wenn sie morgen UberGabelstapler anbieten würden, wäre ich nur minimal verwundert, die kämpfen um jeden Millimeter. Deswegen auch nochmal die Bitte an alle Kollegen:

Auch wenn es für einen Moment lukrativ erscheint: Meldet Euch bloß nicht bei UberTaxi an!
Für Uber ist es scheißegal, an wen sie die Tour abtreten: an Euch, an UberBlack oder an Schwarztaxen. So lange sie irgendeinen Fahrer finden, finden sie Kundschaft. Und wenn genügend Kundschaft da ist, dann senken sie die Preise, erhöhen ihre Provision – oder was auch immer ihnen gerade ins Geschäftskonzept passt. Schaut in die USA, wo das seit einiger Zeit läuft! Uber ist es scheißegal, ob wir Fahrer von der Kohle leben können oder ob Kunden einen guten Wagen kriegen. Trotz aller Einführungsangebote oder Bonuszahlungen. Das nutzen sie als Werbung und setzen es ab, wenn sie genug Fahrer und Kunden haben. Da steckt nicht ein Funke Qualitätsbewusstsein oder gar soziale Verantwortung dahinter. Jeden Cent, den wir jetzt mit Uber verdienen, zahlen wir (und auch unsere Kunden) in Zukunft doppelt oder dreifach zurück. Wenn’s denn reicht.

Lehrgeld

„Den Zwanni fürs Taxi hab ich immer einstecken. Ich fahr doch nicht selber, wenn ich getrunken hab!“

Das klang schon fast zu vorbildlich, was mein Fahrgast da vorbrachte. Und meine (nicht geäußerte) Skepsis war nicht unangebracht. Denn: Nein, so war er wohl nicht immer. Irgendwann mal ist er unter Alkoholeinfluss von den Cops gestoppt worden, nachdem er eine rote Ampel überfahren hatte – was natürlich nicht schön endete.
Zur Last gelegt wurde ihm offenbar nur die Alkoholfahrt, angefochten hat er es natürlich trotzdem. Was ungeachtet dessen, wie schlimm man die Verfehlung findet, durchaus legitim ist. Vor Gericht, so erzählte er mir, kam es dann natürlich zu einem Widersehen mit dem Beamten, der ihn aufgegriffen hatte. Die Menschenkenntnis des besagten Polizisten scheint bilderbuchmäßig gewesen zu sein, denn mein Kunde berichtete mir, dass er letztlich mit einer Geldstrafe davon kam, was vor allem daran lag, dass der Rotlichtverstoß selbst bei der Gerichtsverhandlung nicht erwähnt wurde – was der Staatsbedienstete nach dem Verfahren damit begründet haben soll, dass er überzeugt gewesen wäre, die Lektion wäre angekommen und der Verlust des Führerscheins wäre nicht angemessen gewesen.

Ich bin kein Freund übermäßiger Gnade beim Fahren unter Drogeneinfluss – aber in dem Fall scheint es die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Ich habe selten einen netteren und überzeugteren Taxifahrgast kennengelernt und habe mich ernstlich für ihn freuen können.