Unerwartetes von Cheffe

Ich hatte eine Idee, die ich selten habe: Warum nicht vielleicht schon morgen statt erst am Donnerstag mit der Arbeit beginnen? Damit habe ich Christian gestern im Büro etwas überrascht. Natürlich wäre das vor allem toll gewesen, wenn ich das Auto gleich hätte mitnehmen können.

„Die 72 ist in der Werkstatt.“

„Oh Shit, was hat sie denn?“

„Ach, nix. Ich wollte nur, dass sie vorne wieder ordentlich aussieht.“

Also wird wohl derzeit sowohl die Zierleiste angebracht, es werden aber wohl auch – und das ist der größere Act – die Träger der Stoßstange nochmal zurechtgebogen, damit sie wieder gerade sitzt. Ich hätte auf beides verzichten können, aber schön ist es natürlich trotzdem.

Und dann hab ich unerwartet noch eine gute halbe Stunde bei Andreas im Büro verbracht. Wir haben es über alle möglichen Sachen gehabt, von Uber bis zu Sitzkontakten. Wie immer ein interessantes Plaudern, eher unter Kollegen als von Chef zu Angestelltem. Unter anderem ging es schon der Aktualität wegen um den Mindestlohn. Ist in der Branche ein großes Ding und immerhin haben schon Fahrer ihre Kündigung erhalten deswegen. Oder von sich aus den Arbeitgeber gewechselt.

Ich hab von Andreas (obwohl wir vorher das Wichtigste schon vorher geklärt hatten) dann einfach mal den noch nicht endgültig bestätigten neuen Arbeitsvertrag zugeschickt bekommen, der ja zwangsläufig bald kommen musste. Und auch wenn ich daraus jetzt nicht zitieren werde (das sind eben Firmen-Interna und ich bin nur Angestellter), kann ich doch nur einmal mehr sagen, dass ich weiß, warum ich für genau diese Firma arbeite. I like. Insbesondere mit dem inzwischen langjährigen Hintergrundwissen, wie die Vertragsdetails dann genau umgesetzt werden. Ich bin trotz geringer Zweifel immer noch positiv überrascht.

Ich komme als Taxifahrer – und das ist ganz ohne Zweifel eigentlich ein positiver Punkt des Jobs – nur selten wirklich in Kontakt mit meinen Chefs. Abr genau an diesem Punkt denke ich mir jedes Mal wieder, dass das eigentlich schade ist, weil sich meine Laune auch nach sechs Jahren immer noch nach jedem Besuch in der Firma bessert.

In unserem Gewerbe läuft eindeutig zu viel schief. Umso mehr ist es schön zu wissen, nicht Teil daran zu haben. 🙂

26 Kommentare bis “Unerwartetes von Cheffe”

  1. Willst du mit der Arbeit einen tag früher beginnen, wegen dem Bahnstreik?

    In Bremen haben wir davon leider nicht viel, weil bei uns die Regio-S-Bahn ein privates Eisenbahnunternehmen ist…

  2. silverchaser sagt:

    Bisher gibt es doch nur ein Gesetz, dass der Angestellte nach Mindestlohn bezahlt werden muss. Wie das aber konkret gehandhabt wird, steht meines Erachtens in den Sternen. Überlässt man die Interpretation dieses Gesetzes jeden Einzelnen oder darf man auf eine Konkretisierung hoffen?

    Sash, darfst du konkret sagen, welche Tätigkeiten/Zeiten nach Mindestlohn bezahlt werden müssen?
    Darfst du auch sagen, wie ihr die Pausenzeiten bestimmt?

  3. Oni sagt:

    Klar, das Mindestlohngesetz sagt nicht viel über die konkrete Arbeitszeiterfassung. Dafür gab es aber vorher schon Gesetze, das wurde hier unter dem „Was-tun“-Eintrag doch schon breit diskutiert. Wenn das nicht strenger kontrolliert wird, läuft der Mindestlohn natürlich ziemlich ins Leere, da hast du wohl recht.

  4. MsTaxi sagt:

    Derzeit ist die Umsetzung des Mindestlohnes bei uns im Gewerbe (noch) über den Arbeitsvertrag zu gestalten, einen Tarifvertrag haben wir ja nicht und werden wir wohl auf die Schnelle auch nicht kriegen. Erfahrene ‚Arbeitgeber werden sich bei der Umsetzung an grundsätzlich gängige Definitionen des Arbeitsrechtes halten, unerfahrene können sich ja bei der IHK beraten lassen. Da ist der Zwangsbeitrag dann wenigstens mal sinnvoll angewendet.

  5. MsTaxi sagt:

    @Silverchaser

    Arbeitszeit muss grundsätzlich mit dem Mindestlohn vergütet werden. Arbeitsbereitschaft kann geringer entlohnt werden, sofern ein Tarifvertrag, der Arbeitsvertrag oder aber eine betriebliche Regelung solches festlegt. Sofern sowas fehlt oder aber einfach keine Einigung darüber erzielt werden kann, muss nach Mindestlohn entlohnt werden. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

    Streitpunkt ist bei uns im Gewerbe die Zeit, die wir am Stand stehen. Die wird sich so mancher Arbeitgeber wohl gerne klein zu rechnen versuchen.

  6. silverchaser sagt:

    Oni: Sag ich ja. Ich habe auch schon von Fahrern gehört, dass deren Unternehmer nur die Besetztzeiten zu 8,50 Euro bezahlen. Ähnlich wie bei einem Kfz – Mechaniker, der nur für die volle Zeit bezahlt wird, weil er kontinuierlich mit Aufträge versorgt wird. Alles hintereinander weg. Branchen, die nach Stundenlohn bezahlt werden, haben Dienstpläne. Da wird Arbeitszeit und Bereitschaft vorausgeplant.

    Was ist mit uns?

    Wir werden alle in einen großen Topf geworfen, wo sich die Zentrale einen rausfischt, der einen Auftrag bekommt, je nachdem wer die höchste Priorität hat. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Der Rest geht leer aus.

    Wo ist die Gerechtigkeit abgeblieben?

    Ist doch unfair, dass ich als Taxifahrer mehr Stunden im Auto verbringen muss, als jemand der kontinuierlich mit Aufträge versorgt wird, nur um das gleiche Gehalt zu bekommen, obwohl wir alle nach Mindestlohn bezahlt werden.

    Eigentlich müsste es so sein, dass die Zeit zwischen Anmelden und Abmelden abzüglich 45 Minuten für Pause pro Stunde mit 8,50 Euro pro Stunde bezahlt wird.

    Wenn dem Unternehmer das Glücksspiel mit den Funkaufträgen der Zentrale nicht ausreicht, dann muss man sich selbst um Aufträge kümmern.

    Oder wie seht ihr das?

  7. silverchaser sagt:

    MsTaxi: ok, die Ungerechtigkeit bestimmt weiter unsere Branche. Es ist frustrierend nicht zu wissen, wieviel Geld man am Monatsende überwiesen bekommt.

  8. Oni sagt:

    Ich sehe das so: Wer einen Vertrag unterzeichnet, in dem nur Besetztzeiten mit 8,50€/h bezahlt werden, ist selbst schuld. Würde ich nicht machen. Wenn das konsequent niemand tun würde, würden Betriebe mit solchen Vorstellungen bald keine Fahrer*innen mehr haben. Leider ist das Leben ungerecht und viele werden es aus Gründen trotzdem tun.

  9. silverchaser sagt:

    Oni: Ich habe sowas geahnt. Ich bin seit drei Monaten dabei, detailliert meine Arbeit aufzuschlüsseln um über diese Statistik jede Möglichkeit der Lohnberechnung auszurechnen.

    Mein Zwischenergebnis:

    Im Durchschnitt bin ich pro Schicht 9 Stunden angemeldet. Davon gehen anderthalb Stunden wegen Pause weg. Weitere 2 Stunden sind Bereitschaft an der Taxihalte. Der Rest ist Arbeitszeit. Pro Tour benötige ich maximal 45 Minuten der Durchschnitt bei 15 Minuten. Bei durchschnittlich 8 Touren pro Schicht sind das 2 Stunden Besetztzeit.

    2 Stunden bei 26 Schichten pro Monat mit 8,50 Euro Vergütung macht 442 Euro brutto.

    Für das Geld gehe ich nicht arbeiten. Da muss man schon was draufpacken.

  10. MsTaxi sagt:

    @Silverchaser

    Bereitschaft an der Taxihalte ist ebenfalls Arbeitszeit, weil sie Arbeitsbereitschaft ist. Derzeit ist sie, sofern bei euch innerbetrieblich oder arbeitsvertraglich nix anders geregelt ist, ebenfalls mit 8,50€ zu vergüten.

  11. metro sagt:

    silverchaser:

    Wie viel Umsatz hast du in den 7,5 Stunden durchschnittlich gemacht?

  12. hans olo sagt:

    Es freut mich, dass dein(e) Chef(s) so cool drauf ist (sind) und dass er (sie) den Laden so gut im Schuss haben. Ich wünsche Euch viel Erfolg und dass ihr vom Mindestlohn alle profitieren könnt (indem die schlechten Firmen zu machen)…

    Btw, wenn Aro noch keinen neuen Job hat, wär das nicht was? Ein tag-team aus 2 Bloggern in einem Taxi-Unternehmen… 🙂

  13. silverchaser sagt:

    MsTaxi bitte nicht vergessen, dass ich allgemein gesprochen habe. Man darf hier kein Bezug zwischen meiner Firma und mir herstellen.

  14. Sash sagt:

    @Taxiblog Bremen:
    Ich hatte es überlegt. Aber das Auto ist noch nicht fertig und heute ist ja auch erstmal nur Güterverkehr dran.

    @Silverchaser:
    Ich nehme an, ich dürfte Details schreiben, aber ich kann es nicht. Es gibt diesbezüglich keine Konkretisierung, aber als Arbeitszeit galt bisher die Zeit, die man am Taxameter angemeldet war – künftig werde ich wohl meine Pausen noch notieren müssen, aber damit sollte es das dann auch gewesen sein. Es wird sicher auch bei uns noch Diskussionen über dieses oder jenes geben, aber so einen Bereitschaftszeitenbockmist wird es nicht geben. Für mich persönlich wird das aber vermutlich auch kaum eine Rolle spielen, da mein Umsatz hoch genug ist.

    @Oni:
    Ja, das wäre schön und einfach. Aber hey, hier gibt es Deppen, die für Uber fahren … -.-

    @hans olo:
    Ja, ich bin auch froh. Und Aro wird schon irgendwo unterkommen. Im Notfall weiß er wie alle anderen auch, wo er unsere Firma findet. 🙂

  15. silverchaser sagt:

    Sash schrieb:
    Es gibt diesbezüglich keine Konkretisierung, aber als Arbeitszeit galt bisher die Zeit, die man am Taxameter angemeldet war – künftig werde ich wohl meine Pausen noch notieren müssen, aber damit sollte es das dann auch gewesen sein.

    Das ist konkret genug.
    Und wenn jetzt die Politik genau darüber ein Gesetz verfasst, dann haben auch die Taxifahrer einen Mindestlohn!

  16. LGMA sagt:

    @ silverchaser:

    „Eigentlich müsste es so sein, dass die Zeit zwischen Anmelden und Abmelden abzüglich 45 Minuten für Pause pro Stunde mit 8,50 Euro pro Stunde bezahlt wird.“

    45min Pause pro Stunde … wäre mir selbst als AN ein bisschen viel 😛

  17. rüdiger netz sagt:

    Sobald du dein Taxi aufschließt, dich ans Lenkrad setzt beginnt deine Arbeitszeit. Am Halteplatz wartest Du auf Kunden, jederzeit kann einer bei dir einsteigen, es gibt über Funk Angebote für Fahrten, da musst Du aufpassen. Mal machst Du die Scheiben sauber oder ein Passant fragt Dich nach einer Strasse-das soll jetzt alles Pause sein ? Dann gelten demnächst im Sommer Fahrten an den Wannsee als Urlaub ?. Mittags gehst Du eine Wurst essen und eine Tasse Kaffee trinken-das ist dann eine Pause( mindestens 15 Minuten). Alles andere ist schlicht Arbeit-und wenn die Chefs nicht genug Touren für Euch haben , sollen Sie ein paar Taxen abmelden.

  18. ednong sagt:

    @Sash
    Also gehe ich recht in der Annahme, dass der Lohn mindestens 8,50 E pro Stunde beträgt. Und wenn du mehr verdienst, ist das dein Plus?

    Und gibt es dann eine feste Stundenanzahl pro Tag – oder hast du eine Wochenarbeitsstundenzahl (wass für ein Wort 😉 )? Und was ist, wenn du – bspw. mal 3 Stunden in der Woche, weil es grad gut läuft wegen Streik – länger arbeitest? Bekommst du die bezahlt oder darfst du die dann in der Woche drauf „abfeiern“, wenn mal weniger los ist?

  19. silverchaser sagt:

    LGMA: Tippfehler

    Gemeint war 8,50 Euro pro Stunde und 45 Minuten Pause pro Schicht. Sorry.

  20. Sash sagt:

    @rüdiger netz:
    So sehen das meine Chefs glücklicherweise auch. Blöd ist nur, dass hier halt der, der Autos abmeldet, erst einmal kaum Vorteile hat. Das wird nur dort passieren, wo wirklich miese gemacht wird.

    @ednong:
    Das hast Du korrekt rausgelesen. Will heißen: Im besten Falle ändert sich für mich gar nix, ich verdien‘ nur an miesen Tagen ein wenig mehr. Ich hoffe, meine Chefs können das durchhalten. Aber ich hab sie gefragt – auch an den Prozenten soll sich nix ändern. Für mich als Arbeitnehmer ist das quasi vollumfänglich perfekt. Ich drücke jetzt halt mal fest die Daumen, dass das klappt und nicht im Nachhinein noch Änderungen anfallen.
    Das Schöne ist: Dadurch, dass sich formal an der Umsatzbeteiligung nix ändert, kann ich weiterhin fahren, sobald ich guten Umsatz erwarte. Am Ende wird der Monatsverdienst durch die Stunden geteilt. Eine miese Schicht ist also egal, insofern kann ich wie bisher einfach machen was ich will. Hab ich am Monatsende einen Stundenlohn von 9,00 €, ist alles spitze. Hab ich nur 8,00 €, muss mein Chef das Restgeld drauflegen. Und dann hoffen wir mal, dass das nur selten der Fall ist. Blöd nur, dass der Mindestlohn im Januar startet – und nicht jetzt.

  21. Oni sagt:

    @silverchaser:
    Warum meinst du, dass die Taxibranche ein Spezialgesetz braucht? Die normalen Arbeitszeitgesetze gelten auch für euch und wenn sich eine Firma nicht daran hält, ist das genauso illegal wie Steuerhinterziehung. Auch in der Taxibranche gilt der Mindestlohn nicht nur theoretisch. Die Fahrer*innen müssen sich beschweren bzw. klagen, wenn sich die Firmen nicht an das Gesetz halten, aber daran änderten auch Spezialgesetze nicht. Die machten nur die Rechtslage schön unübersichtlich.

  22. silverchaser sagt:

    Sash, es wird aber bei dir trotzdem ein neuer Arbeitsvertrag kommen, sprich Änderungskündigung.

    Einfach nur damit schwarz auf weiß steht, dass das Mindestlohngesetz eingehalten wird.

    Oni, stimmt. Noch mehr Gesetze, noch unübersichtlicher. Das wird noch ein Heidenspaß werden.

    So mancher Unternehmer wartet noch auf die konkrete Antwort der Behörden. Weil die nicht kommt, denken wirklich einige, sie bräuchten nur die Besetztzeit bezahlen.

  23. Fastdäne sagt:

    Moin,
    solange ich als Kutscher direkt am Funk meines Chefs hänge, kann der oder der beauftragte Funker mich ja auch stets mit Aufträgen versehen und hat eine gewisse Kontrolle, wo ich mich rumtreibe und was ich so mache.
    Fahre ich aber als Graupe vom Hof oder als Funkwagen einer großen(anonymen) Zentrale, könnte ich ja locker am Taxameter angemeldet sein , stelle das Auto irgendwo geschickt ab und gehe mal für 2 Stunden ins Kino. Wäre dann ja Betrug aber zunächst mal bezahlte Arbeitszeit.
    Wo bleibt da die Gerechtigkeit, wenn ein Kollege tagelang den Bahnhof bewacht, kaum Touren fährt, nett mit Gleichgesinnten quatscht oder während des Wartens Skat spielt und dafür 8,50 bekommt, während andere sich bemühen, flexibel an viele Fahrgäste zu kommen?
    Ist ein unendlich schwieriges Thema. Kann man Mindestumsätze vereinbaren? Das dürften Juristen ziemlich schnell vereiteln. Prämien für gute Umsätze müssten dann ja auf 8,50 aufgeschlagen werden, macht das Personal also noch teurer, werden die Chefs nicht wollen.
    Ich wünsche euch gute Lösungen
    Gruß Frank

  24. silverchaser sagt:

    Wir haben den Mist doch nicht erfunden Frank.

    ABER! Wie fleißig ein Taxifahrer war, erkennst du an dessen Umsätze. Die Graupen werden verschwinden, wenn der Unternehmer will, dass der Umsatz eingefahren wird.

  25. Fastdäne sagt:

    @silverchaser
    Moin,
    klar habt ihr das nicht erfunden, ihr oder die Unternehmer müsst das aber jetzt lösen oder ausbaden. Ich bin nun schon viele Jahre raus, weiß aber immer noch, dass es Schichten gab, da konnte ich machen was ich wollte. Da lief nix für mich, während andere Kollegen einfuhren wie bekloppt. Kneipe bestellt zwei Wagen, mein Fahrgast für den berühmten Heiermann um die Ecke, der Kollege für das Dreifache quer durch die Stadt.
    Gab natürlich auch Tage, da lief es genau umgekehrt :-)), bei mir sogar eher öfter sehr gut als schlecht. War da irgendwie oft ein Glückskind.
    Ich fuhr für eine Unternehmerzentrale, d.h. wir hatten für unsere 12 Wagen einen eigenen Funk. Dh.. Funker oder Chef konnte sehr gut kontrollieren (glaubte er jedenfalls :-))

  26. silverchaser sagt:

    Von der BZP gibt es Musterarbeitsverträge.

    http://www.taxiforum.de/forum/viewtopic.php?p=189962#p189962

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