Mindestlohn, bist Du’s?

Als im Frühling noch nicht so recht klar war, ob Taxifahrer nicht vielleicht auch vom Mindestlohn ausgenommen werden könnten, habe ich ein wenig überlegt, wie sich das Geschäft wohl entwickeln würde, würde er beschlossen. Ich kam (im Rahmen langer Diskussionen) zu der Erkenntnis, dass vermutlich der Umsatz steigen würde. Und zwar im Laufe dieses Jahres noch. Alleine die große Unsicherheit auf der Unternehmerseite, wie man künftig mindestens 8,50 € zahlen solle, müsste im Großen und Ganzen dazu führen, dass Fahrer zumindest nicht neu eingestellt werden. Darüber hinaus müssten einige Kündigungen auch schon ausgesprochen worden sein.

Und nun, drei Monate vor Tag X; nachdem der Mindestlohn beschlossen wurde?

Wenn ich meine eigenen Zahlen nehme und den Kollegen Glauben schenke, dann boomt das Geschäft wie nie. Dass wir an manchen Abenden für einen Zehner Umsatz die Stunde rausgefahren sind, daran können sich manche kaum noch erinnern. Meine (statistisch natürlich eigentlich irrelevanten) Zahlen legen eine Umsatzsteigerung von 10 bis 25% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahe, gefühlt isses fast das Doppelte, was ich gerade einfahre.

Natürlich kann das alles auch noch eine normale Schwankung sein, bzw. ein reines Nachtschichtphänomen. Gerüchten zufolge haben aber große Firmen schon reihenweise Autos verkauft und die Umsätze sollen auch in der Tagschicht hochgegangen sein. Was irgendwie ins Bild passen würde. Für eine endgültige Bestätigung bräuchte es eigentlich (monats-)aktuelle Konzessionszahlen vom LABO. Wenn jemand weiß, wie man da rankommt, würde ich mich über einen Hinweis freuen.

Bis dahin bleibt die Frage: Bist Du’s, Mindestlohn?

Uber „darf“ wieder fahren.

Gestern wurde in Frankfurt die neulich erlassene einstweilige Verfügung gegen Uber, keine Fahrten mit nicht zugelassenen Fahrern und/oder Autos durchzuführen, wieder gekippt. Wenngleich das überraschend war und die Begründung durchaus ihre, nun ja, Schwächen hat, ist das deswegen kein übergroßes Drama. Es ging nur darum, ob das Rechtsmittel der einstweiligen Verfügung in diesem Fall angemessen war oder nicht. Da Uber weiterhin alles verschweigt, was ihnen nicht so ganz in ihre Welt passt, schreibe ich das hier noch einmal ganz klar:

Noch nie und nirgends hat bis heute ein deutsches Gericht die Rechtmäßigkeit von UberPop auch nur ansatzweise bestätigt!

Im Gegenteil. Sowohl beim Verbotsrückzug in Hamburg als auch jetzt bei dem der bundesweiten einstweiligen Verfügung haben die Richter klargestellt, dass, diplomatisch ausgedrückt, erhebliche Zweifel an der Legalität dieses Geschäftsmodells bestehen.

Den Uber-Blogartikel gestern hätte man freilich auch vor einer Woche schon schreiben können. Da steht wie üblich drin, wie geil sie sind. Ob sie das trotz oder wegen eines Urteils sind, ist auf deren Planeten ohnehin nur ein Wortspiel.

Obwohl viele Medien das jetzt auch wieder schreiben, ist das nicht einmal ein „Etappensieg“ für Uber in der Sache an sich. Es spielt ihnen allerdings in die Hände, das muss man zugeben. Schließlich setzt Uber auf die eigene Beliebtheit in der Bevölkerung und braucht sie, um Druck zu machen. Schön finde ich die Entscheidung des Gerichts also trotzdem nicht.

Zumal wegen der Begründung. Laut dem oben verlinkten Heise-Artikel ist das Gericht der Uber-Darlegung gefolgt, Ihr Geschäftsmodell sei seit 2013 bekannt gewesen, was Taxi Deutschland die Möglichkeit gegeben hätte, frühzeitig ein Hauptverfahren einzuleiten anstelle des jetztigen Eilantrages der einstweiligen Verfügung. Ob das juristisch korrekt ist, kann ich als Laie nicht einschätzen, zumal ich auf die Schnelle keine Quellen gefunden habe, wann Uber die Vermittlung via UberPop in Deutschland angekündigt hat. Zufälligerweise war es jedoch im Jahr 2013, als Uber seinen Limousinenservice Black erstmalig in Berlin gestartet hat, der ja nach wie vor auch legal und vom Taxigewerbe weitgehend unangegriffen ist. Ich hab ja ein bisschen Sorge wegen etwaiger Pop-Black-Verschmandungen bei der Entscheidung. Aber sei’s drum. Taxi Deutschland haben in ihrer Presseerklärung jedenfalls halbwegs plausibel begründet, weswegen sie nicht schneller sein konnten als sie es waren.

Einen kleinen Funfact liefert der oben verlinkte Heise-Artikel noch. Uber hat sich offenbar des Staatsrechtlers und ehemaligen Verteidigungsministers Rupert Scholz bedient, der ihnen ein Gutachten schrieb, das die eigentlich doch schon lange widerlegte These, UberPop sei eine Mitfahrgelegenheit, bejahte. Der vorsitzende Richter soll entgegnet haben:

„Nicht jedes Gutachten, was von einem Hochschullehrer verfasst wurde, ist automatisch geeignet, die Rechtssprechung, wie es vielleicht gewünscht ist, zu beeinflussen.“

Und Fabien Nestmann, Uber-Sprecher für Deutschland, liest von seinem Blatt ab, dass die heutige Entscheidung zeigt, dass die Richter sich offenbar „aufgeschlossen“ für neue Ideen zeigen.

(Sorry, dass ich solche Kleinigkeiten manchmal breittrete, aber ich bin offenbar ein zu ehrlicher Mensch und einfach nur bei jeder neuen Wortmeldung von Uber entsetzt über deren Tatsachenverdrehungen und Desinformationen. Sich einen auf ihre Digitalität runterholen und dann aber darauf zu setzen, dass die Menschen zu dumm sind, einfache Internet-Recherchemöglichkeiten zu nutzen. Ekelhaft! Dass sie eine andere Meinung haben als ich, kann ich akzeptieren. Würde ich aber schreiben wie sie schreiben, würde ich sogar mich selbst widerlich finden.)

Als kleinen positiven Bonus gibt’s hier noch einen Zeit-Artikel, der klarstellt, dass es bei Uber und co. nicht um Taxis, sondern um Weltanschauungen geht.

Uberanstrengendes Wochenende

Ich hatte heute keine Zeit zu bloggen. Ehrlich nicht. Auch wenn ich bis heute Abend quasi Wochenende habe, hat z.B. das Recherchieren zum UberPop-Verbot mich so viele Stunden gekostet, dass ich das besser nicht nachrechnen sollte. Denn nach wie vor ist Bloggen nur bedingt lukrativ, so lange ich Euch nicht mit Werbung vollballere.

Zudem ist mir klar, dass manche Leute Uber als Thema nervt. Das verstehe ich, denn es ist ja vergleichsweise uninteressant für Außenstehende. Wobei ich auch anführen möchte, dass es schon leichtfertig ist, sich als „außenstehend“ zu begreifen, wo Uber versucht, das komplette Transport- und Logistikgewerbe zu stürmen, dabei Fragen in Sachen Schwarzarbeit, Mindestlohn und Arbeitnehmerrechte aufwirft und zudem mit der Ignoranz gegenüber gerichtlichen Verboten den Rechtsstaat an sich in Frage stellt. Wo das Thema also eigentlich ein Bisschen übers Taxigewerbe hinausgewachsen ist.

Aber gut. Wie gesagt: ich will Euch nicht mehr nerven, als ich es tun muss (das ist dennoch sicher nicht der letzte Uber-Artikel!), aber ich möchte auch wieder mehr von meiner Zeit vor dem Bildschirm haben – ohne auf Informationen zu verzichten.

Deswegen habe ich beschlossen, für UberPop eineInfo/FAQ-Seite einzurichten, die sich schnell verlinken lässt, wenn das Thema wieder hochkocht.

Leider ist sie noch nicht fertig, da mir vorher ein Text verloren ging, an dem ich anderthalb Stunden gesessen habe. Meine Laune ist entsprechend großartig. -.-

Ich vermute, in den letzten Tagen zu Uber alles gelesen zu haben. Zum Verbot, zum Kampf gegen Lyft, zur Shareconomy, zu Travis Kalanick. Das hat (insbesondere in Form von Links, die auf der Seite noch folgen sollen) noch keinen Einzug in die „FAQ“ gehalten. Soll aber kommen. Ebenso wie weiterer Inhalt.

Deswegen ist hier vorerst nur für Euch Dauer-, Stamm- und sonstige Leser die UberPop-FAQ!

Bessere Verlinkung (auch der Seite selbst) etc. pp. ist wie gesagt geplant. Aber noch ist sie ja nicht fertig. Genau deswegen aber würde ich mich über Links, Hinweise etc. freuen. Um sie einarbeiten zu können und eine Quelle für all die zu schaffen, die UberPop immer noch besser finden als es ist.

PS: Heute abend sitze ich dann wieder im Taxi und blogge über die Kundschaft. Ich schwör‘! 😀

Uber in Deutschland verboten

So wie es aussieht, hat das Landgericht Frankfurt Uber die Vermittlung von Fahrten über ihre App verboten.

(genau genommen die Fahrten mit ungeeigneten Fahrern/Fahrzeugen, wenn sie entgeltlich erfolgen – im Grunde also UberPOP)

Das Ganze bundesweit und bei Androhung von 250.000 € Strafe pro Fahrt. Und zwar dieses Mal für Uber, nicht für die ohnehin bedauernswerten Fahrer. Das ist – wie die bisherigen Verbote – auch noch keine endgültige Sache. Im oben verlinkten Pressebericht klingt es jedoch, als ob Uber nicht wie bisher schnell mal widersprechen und dann weitermachen kann, bis es ernst wird. Ich als juristischer Laie kann den Wahrheitsgehalt dieses Aspektes jedoch nicht einschätzen, sorry.

Aber auf die Gerichtsverfahren darf man sich wohl dennoch freuen, denn z.B. die Antwort der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation in Hamburg (Link zum PDF), die Uber das erste Verbot eingebrockt hatte, ist in meinen Augen mörderlustig, wenn es um die Argumente von Uber geht – aber da hab ich vielleicht einen speziellen Nerd-Humor, wer weiß …

OK, trotzdem: einige werden hier gelandet und sauer sein. „UberPOP war so geil und so billig – immer muss man alles verbieten!“
Hab ich alles schon gehört. Das macht’s nicht richtiger, egal ob man’s fehlerfrei aus dem Uber-Blog kopiert hat oder sonstwoher der Meinung ist. Ja, ein App-Anbieter hat sich ein Verbot eingefangen, weil er illegale Dienstleistungen angeboten und null Kooperationsbereitschaft gezeigt hat. In vielen anderen Bereichen freut man sich dagegen über schnelles Handeln: Pferdefleisch in Lasagne war eigentlich auch ’ne geile neue Idee, um Dinge billiger zu machen – oder etwa nicht?

Und selbst wenn ihr Verbots-Kritiker seid, dann freut Euch über die Entscheidungshilfe des Gerichts! Es ist Euch nur zuvorgekommen. Uber war hier neu, geil und hip. Schön. Angeboten haben sie aber „nur“ Personenbeförderung. Eine Dienstleistung, die wie alle anderen mal zu vollster Zufriedenheit aller verläuft, manchmal nicht. Seit Uber glauben aber scheinbar alle, dass schlechte Taxifahrten auf „das System Taxi“ zurückzuführen wären.

Ach ja?

Da Uber derzeit praktischerweise bei Smartphonebesitzern ein großes Thema ist, hab ich heute Nacht mal kurz bei Twitter nachgesehen und z.B. in den USA, wo Uber schon eine Weile aktiv ist, neben vielen positiven Statements unter anderem folgende gefunden:

 

 

Stinkige Karren, Verspätungen, überhöhte Preise, keine Ortskunde, Unzuverlässigkeit, etc. pp. … ist das nicht das, was eigentlich nur Taxifahrern passiert?

Im Ernst, Leute: Uber hat den Problemen im Gewerbe strukturell nichts entgegenzusetzen. Für die regelt der Markt alles. In der Liste war ursprünglich sogar noch ein inzwischen gelöschter Tweet, in dem eine Frau fragte, wie viele Sterne man dem Fahrer bei der Bewertung abziehen sollte, wenn dieser einen am Ende zu begrapschen versucht. War sicher ironisch gemeint, hat aber das Problem gut auf den Punkt gebracht.

Es tut mir ja auch leid, dass Uber nur Blinki-blinki-Bullshit ist und nicht die Revolution, die sie uns versprochen haben. Sicher verändert sich Mobilität und sicher muss man dazu auch mal aus alten Strukturen raus. Deswegen ist halt trotzdem nicht automatisch alles besser, was sich als Alternative anpreist, dieser Umkehrschluss ist einfach immer schon falsch gewesen, sorry.

Nächstes Jahr kommt wahrscheinlich der Mindestlohn im Taxigewerbe, 2 Jahre später das Fiskaltaxameter. Damit werden hoffentlich sowohl der allermiesesten Bezahlung als auch der Schwarzarbeit ein paar Riegel vorgeschoben. Es geht nicht immer schnell, leider. Aber das, kombiniert mit mündigen Kunden – die vielleicht statt sich übers Uber-Verbot zu beschweren einmal das Ordnungsamt rufen, wenn ein Taxifahrer scheiße war und sich ihre Lieblingstaxifahrer in ihrer App markieren – könnte die „bösen Taxis“ auch wieder ins Rennen bringen. Und das billiger als UberPOP (wenn man mal das wöchentliche Surge-Pricing mit einbezieht), ohne illegale Ausbeutung und inklusive der Grundversorgung, die wir Taxifahrer nebenbei noch leisten. Und alle, die die schwarze S-Klasse mit Minibar wirklich brauchen, können das immer noch bei all den Limousinenanbietern kriegen, wenn sie ein paar Euro extra auf den Tisch legen.

Ich versuche ja zumindest irgendwie, das nicht nur als Taxifahrer zu sehen, aber ich hab echt keine Ahnung, was an positivem mit einem Verbot von Uber wirklich verloren geht …

PS: Die Datenlage zum Verbot war noch recht dünn, als ich den Artikel geschrieben (und immer wieder umgearbeitet) habe. Die grundsätzlichen Aussagen gelten jedoch ungeachtet der derzeitigen juristischen Geschehnisse.

Update (2. Sept., 17 Uhr):

Uber kündigt an, weiterzumachen. Einfach so. Schätze, die nächsten Tage werden spannend …

Der Uber-Uber-Artikel

Die aktuelle Debatte über den Fahrdienst-App-Anbieter Uber ist ein gutes Beispiel dafür, wie Vernunft im Keim erstickt werden kann, wenn die Ressourcen zu ihren Ungunsten ungleich verteilt sind. Und damit ist nicht einmal die gigantische Summe von 18 Mrd US-Dollar gemeint, die Uber angeblich wert sein soll. Obwohl die sicherlich hilfreich ist für die Firma. Denn damit kann sie den Hype am Leben erhalten, der dank PR die einzige wirkliche Stärke in ihrem Kampf ist. Nicht unähnlich einer Sekte, die mit absurden Heilsversprechen durch außerirdische Götter hausieren geht. Eigentlich nur eine App, ein schmuckes Design und viel Lust auf Grenzverletzungen. Im Grunde nichts, was nicht tausende Hinterhof-Schmieden im Koksrausch auch hätten machen können.

Die Anhänger rufen laut, man möge Innovationen nicht verbieten, dabei war Uber nur genau einmal in der Firmengeschichte tatsächlich kreativ: als sie in San Francisco einen Limousinendienst angeboten haben. In einer Stadt mit offenbar unzureichender Taxiflotte haben sie den jungen Hipstern ein neues Spielzeug geboten und haben vermutlich nicht zu Unrecht Erfolg damit gehabt. Die heute so bewunderte Expansion und das „innovative“ Konzept von UberPop sind indes nur ein Schatten ihrerselbst.

In den New Yorker Taximarkt wollte Uber eigentlich mit einer ganz normalen Taxi-App eindringen, wie sie dort GetTaxi einzuführen vorhatte. Statt das in der Eile sinnvoll zu planen, bot Uber die App den Yellow-Cabs an, die noch nie Bestellungen angenommen haben und dies auch nicht vorhatten. Dabei existieren in New York andere Fahrdienste, die so eine App vielleicht hätten gebrauchen können. Aber nicht mit Uber! Sie wollten die Yellow-Cabs und schoben ihr Scheitern auf eine innovationsfeindliche Branche. Sie brachen den Versuch ab und schmissen auch hier einfach ein paar UberBlack-Limousinen auf den Markt, beileibe kein neuartiger Dienst, schon gar nicht in NYC.

Dann stand Lyft kurz davor, eine lohnendere Variante einer Mitfahrzentrale auf den Weg zu bringen. Ubers Programmierer warfen einen offenbar nicht einmal sonderlich guten Abklatsch dieser Idee – vermutlich auch hier weil in Eile zusammengeschrieben – ein paar Wochen vor Lyft raus und nannten es UberX. Woraus in Europa dann UberPop werden sollte.

Natürlich verletzten sie mit einer App, die ungeschulten Fahrern ohne Lizenz oder Ausbildung die Personenbeförderung erlaubt, etliche Gesetze. Sie wurden hier und da verboten und überall wo sie auftauchten, haben sie auch Prozesse am Hals. Selbst die vermeintlichen Erfolge sehen bei gezielter Recherche schnell dünn aus. In NYC z.B. ist UberPop (also UberX) vertreten, allerdings müssen die Fahrer dort inzwischen auch eine Limousinen-Lizenz erwerben. Ein Kompromiss und ganz sicher kein waghalsiges Niederringen einer Branche, geschweige denn eine große Neuerung.

Ubers aggressive Expansionsstrategie brachte sie schnell nach Europa, wo ihre Innovation im Wesentlichen daraus bestand, mit Geldscheinen zu wedeln. Zwar wurden die Sprecher auch hier nicht müde, die Taxibranche zu beschimpfen und „verkrustete“ und „überholte“ Gesetze anzuprangern, wo immer man ein Mikrofon fand, allerdings ist auffällig dabei, dass sie nicht etwa tatsächlich an den vorhandenen Hürden ins Gewerbe gescheitert wären – sie haben es schlicht nie versucht. Die Gesetze in Deutschland sehen Ausnahmen für neue Technologien und Angebote vor. Kein Fall, für den man nicht eine Genehmigung beantragen hätte können. Was Uber aber soweit bekannt nie getan hat. Stattdessen haben sie sämtliche Arbeit in die PR gesteckt und irgendwelche Taxi-Kartelle erfunden, die die Taxifahrer in Deutschland heute noch vergeblich suchen. Aus dem erwartbaren Gegenwind der Branche und der Politik ließ sich dann das tolle Märchen weiterspinnen vom kleinen Startup, das an einer Politik scheitert, die ewiggestrig ist. Sicher hätten sie mit ihren Anträgen scheitern können, aber die Begründungen der Gerichte wären vermutlich inhaltlich zu kompliziert gewesen, um sie einfach in die Legende einzubauen.

Und überhaupt: die Taxifahrer! Während Uber vor geneigtem Publikum gerne verkündet, mit „einem Arschloch namens Taxi“ Krieg zu führen, ist das ein beim zweiten Hinsehen mehr als billiger Trick. Uber hat gar kein Interesse an einem deregulierten Taxigewerbe. Es müsste ihnen gut in den Kram passen, dass Taxen reglementiert sind, weil es Uber die Konkurrenz erleichtert. Wenn Uber in der gewerblichen Personenbeförderung eine Rolle spielen will, dann als Mietwagendienst. Der unterliegt weit weniger strengen Bestimmungen, aber das macht sich schlecht als Feindbild, denn wer kennt denn bitte überhaupt Mietwagen oder hatte in einem solchen mal eine schlechte Erfahrung, die Uber nun für sich verwenden könnte? (Und wie viele davon wären UberBlacks gewesen, mit denen Uber seit Anfang 2013 in Berlin erfolglos ist?)

Taxifahrer kennt jeder – und da das Gewerbe immer schon auch Schattenseiten hatte, hält es als Sündenbock halt gut her.
Was auch auf andere Weise kurios ist, denn Uber kämpft PR-mäßig an vielen, sich widersprechenden Fronten. Zum einen der Krieg gegen Taxis, der Kampf gegen die Taxi- und Mietwagenregulierungen und nicht zuletzt behaupten sie zusätzlich (!), dass sie ja gar nichts mit diesem Gewerbe zu tun haben, weil sie nur eine Art Mitfahrzentrale sind. Was zwar dreist gelogen ist wie vieles andere, aber darauf kommt’s nicht mehr an. Selbst manche Berichte über ihre Einnahmen sind bestenfalls ein wenig unglaubwürdig, wenn man mal ein bisschen nachrechnet.

Eine Mitfahrzentrale ist man, wenn die Fahrer Leute mitnehmen, die sowieso in die selbe Richtung wollen und sich dafür ein wenig Spritgeld zahlen lassen. UberPop verspricht seinen Fahrern ein Einkommen von 100 € am Tag und vermittelt entsprechende Aufträge. Und wenn man sich wie ich als Taxifahrer ein bisschen näher mit dem Thema auskennt, dann weiß man, dass 100 € in der Personenbeförderung ein ansehnlicher Betrag ist, für den man ein ganzes Weilchen arbeiten muss; nix, was man mit 2 oder 3 Fahrten in einer Stunde mal locker nebenbei einfährt.

Aber da ist das nächste Problem: das Wissen. Das ist recht nutzlos, wenn es dem Glauben gegenüber steht. Jeder, der schon mal eine (in welcher Art auch immer) schlechte Taxifahrt hatte, jubelt Uber nun zu und wünscht den Siegeszug jener „innovativen“ App. Wie sich das damit vertragen soll, dass Uber die Qualität im Gewerbe ausgerechnet dadurch verbessern soll, dass die paar qualitätssichernden Regularien abgeschafft werden, interessiert Gläubige nicht. Und meine Meinung als Taxifahrer mit entsprechendem Wissen zählt natürlich ebensowenig, weil ich ja der Feind von Uber und damit per se unglaubwürdig bin. Hier kommen Argumentationsmuster zum Vorschein, die denen von Verschwörungstheoretikern nicht unähnlich sind.

Faktenresistent wird dabei darüber hinweggesehen, dass UberPop – angeblich ja nette Mitfahrzentrale eines kleinen lieben und von Kartellen bedrohten Startups – beileibe nicht billiger ist als ein Taxi. Sicher, hier und da mal 20% – was jedoch nix ist gegen das „Surge Pricing“, das bei hoher Nachfrage die Fahrer auf die Straße locken soll, weil der Preis vervielfacht wird. Vervielfacht, nicht etwa moderat erhöht! Die Frage, wieso knuffiges Ressourcenteilen so viel kosten muss wie professionelle Personenbeförderung, geht im „Armes Uber, böse Taxifahrer!“-Geschrei natürlich unter. Da wird der Raubtierkapitalismus plötzlich zum Schmusetier, weil irgendwann mal einer der letzten Taxifahrer ein Arschloch war. Dass Uber, würden sie alle Gesetze zu Gunsten UberPops einreissen, auch Mitbewerbern Tür und Tor öffnen würde, denen dann wirklich alles scheißegal ist, ist natürlich auch nur eine düstere Dystopie, die ich als Taxifahrer ungerechtfertigt aus Angst um mein Geld in die Welt setze und nicht etwa, weil das zum einen auf jedem komplett deregulierten Markt passiert und ich zum anderen aus mehrjähriger Erfahrung weiß, wie schwer es in diesem Gewerbe ist, irgendwelche qualitätssichernden Regeln auch nur durchzusetzen.

Und als ob das nicht schon ein viel zu langer Text wäre, den kaum jemand bis hierhin durchlesen wollte, ist der wichtigste Punkt noch überhaupt nicht angeschnitten: dass das Kernkonzept von UberPop darin besteht, Menschen auf die Straße zu schicken, die weder ein Gewerbe angemeldet haben, noch bei Uber beschäftigt sind. Die Fahrer werden abgespeist mit einem allem Anschein nach sittenwidrigen Vertrag, der ihnen quasi alle Rechte nimmt, und sind damit nicht einmal Angestellte. Wer es versäumt, oder – was wahrscheinlicher ist – sich absichtlich dagegen entscheidet, ein Gewerbe anzumelden und dort die Gewinne seiner Tätigkeit abzurechnen, arbeitet schwarz. Nicht dunkelgrau oder ein bisschen schwarz – sondern zweifelsfrei.
Und tatsächlich wird aber nicht etwa darüber diskutiert, dass sich da einige im Grunde bedauernswerte Gesellen fremde Leute ins eigene Auto laden, damit oft ihre Versicherung riskieren und am Ende im kargen Niedriglohnbereich (Tja, keine Angestellten, kein Mindestlohn!) Sklaven ohne Rechte spielen, ohne dabei ihr Einkommen zu versteuern oder wenigstens in die Sozialkassen einzuzahlen. Nein, die Profis unter den Gläubigen sagen, dass das „vielleicht schon etwas schlecht“ sei, „aber mit Mindestlohn und Steuern“ wäre es voll dufte. Klar, ein Banküberfall mit Bankkarte statt Pistole und Zugriff nur aufs eigene Konto ist auch voll in Ordnung. Aber bei UberPop ist diese lockere Anbindung das Konzept, darum geht’s hier! Nicht darum, was UberPop vielleicht sein könnte, wenn es anders wäre. Etwas, das überall geächtet und als gesellschaftliches Problem anerkannt ist, wird bei Uber ruck-zuck zu einer leider unterdrückten Innovation erklärt.
Etwas, das vermutlich wirklich nur mit einer Milliarden-Propagandakasse erklärt werden kann.

Natürlich bin ich in meiner Position als Taxifahrer befangen. Man wird mir zumindest immer vorwerfen können, dass es mir eigentlich nur um meine eigene Kohle geht bei der Sache. Nichtsdestotrotz habe ich auch einfach Ahnung vom Geschäft:

Ich weiß, dass es zumindest hier in Berlin kein Taxi-Kartell gibt. Hier bekriegen sich 5 oder 6 Gewerbevertretungen gegenseitig und liegen zudem im Clinch mit dem LABO und dem Gewerbe in den umliegenden Gemeinden. Und in den Gewerbevertretungen sind tausende (ja, tausende – in Berlin alleine!) Unternehmen unterschiedlichster Meinung organisiert.

Ich weiß, dass wir Taxifahrer nie ohne Konkurrenz waren – egal ob seitens der Mietwagen, dem Carsharing, Bus und Bahn, dem Privat-PKW oder am Ende durch uns selbst.

Ich hab schon schwer schlucken müssen, als ich gelesen hab, dass Uber für die Vermittlung 20% Provision kassiert, weil ich weiß, dass man nach so einem Abzug einfach beschissen wenig Geld verdient, so lange man es wenigstens legal meldet. Die anderen Abzüge, die Uber hier und da darüber hinaus einführt, mal gar nicht einberechnet.

Auch über die uns vorgeworfenen festen Preise wüsste ich zu referieren, dass sie zum einen dafür sorgen, dass Taxifahren nicht noch teurer ist als ohnehin. Und noch dazu, dass Uber das gar nicht stören muss, weil sie ja sowieso keine Taxis im Sinne öffentlicher Verkehrsmittel (wie wir es sind) anbieten will und damit natürlich auch nicht der Tarifpflicht nicht unterliegt. Wir sind die, die weiter für 15 € fahren müssen, wenn bei Uber 120 € angesagt sind. Und laut Uber-Kunden sind wir dafür immerhin auch gut genug. Messen mit zweierlei Maß made bei Uber-Fans.

Und mir fallen ebenso für all die Gerüchte über unsere Einnahmen, unsere Auslastung und das, was Uber da reissen könnte, zig Gegenargumente ein, warum genau dieses oder jenes nicht oder nur teilweise stimmt. Einfach weil das seit 5 Jahren als Taxifahrer und Taxiblogger mein Leben ist.

Aber das alles hat ein großes Problem: es beschreibt eine komplizierte rechtliche und gesellschaftliche Situation, die nicht ganz so sexy wie die David-gegen-Goliath-Geschichte ist, die Uber frei erfindet und unter den Gläubigen streut.

Wie bei anderen Religionen scheint es ein Kampf gegen Windmühlen zu sein. Ich kann nur immer wieder sagen, dass man sich selbst informieren sollte, bevor man die einfachste Lösung akzeptiert. Aber das ist halt kompliziert und der große Schwarm der Leute, der weder Zeit noch Lust hat, einen Mythos zu entzaubern, weil es ja immerhin eine Flasche Wasser gratis gibt, schwimmt halt mit im Strom der 18 Milliarden Argumente. Da strampelt man sich mit einem Zehner Stundenlohn ziemlich ab um dagegenzuhalten. Wohl dem, der keine Ahnung hat; denn das ist weit weniger anstrengend …


Nachtrag: Seht Euch die USA an, schaut in die Foren der Fahrer! Lest mal, wie die abgezockt und ignoriert werden! Obwohl Selbstausbeutung via selbständigem Drittjob dort viel akzeptierter ist als hier. Und auch wie die Fahrer dort über Kunden und ihren Service denken. Wo ist das gehypte Kuschel-Startup mit den ach so viel besseren Bedingungen? Zuschläge für hinterlistig konzipierte und beinahe nutzlose Versicherungen, willkürliche Preissenkungen, jetzt dann Miete für ein nur für die App nutzbares Telefon usw. usf. … da bleibt kein lustiges Shareconomie-Märchen am Ende. Die ziehen Geld aus jedem Cent von jedem, der ihnen über den Weg läuft. Moral hingegen kostet Geld, ist also unnötig. Wenn wir Taxifahrer schon Monopole und ein Kartell haben, was baut Uber da gerade auf? Gibt’s dafür schon einen Namen?

(Vorhersehbarer) erster Schlag gegen Uber

Laut dem Tagesspigel hat das LABO die App von Uber in Berlin vorerst verboten.

Das ist natürlich alles noch nicht endgültig und Uber wird vermutlich wie in Hamburg auch erst einmal dagegenhalten. Das ist völlig normal und ein Sieg lässt sich daraus noch nicht herleiten. Auch Uber hat die Möglichkeit, den Rechtsweg zu beschreiten und das will nicht einmal ich ihnen verbieten.

Juristische Prozesse brauchen Zeit und das ist ok. Das Gewerbe wird nicht untergehen unterdessen.

Dennoch: schön zu sehen, dass sich in unserem Gewerbe – in dem sonst gerne weggesehen wird – offenbar auch mal was bewegt.

Nachtrag: Und wie erwartet: Sie machen weiter. Auch irgendwie putzig ist Ubers eigene Stellungnahme. Nett geschrieben ist sie ja, aber es ist schon faszinierend, wie viel Text sich ohne ein einziges inhaltliches Argument produzieren lässt.

MoMa über Uber

Hab gerade nach einem Tipp das ZDF-Morgenmagazin eingeschaltet, weil dort ein Beitrag zum Thema Uber angesetzt war. Und ich muss sagen: ich bin positiv überrascht. Natürlich darf dort auch ein Firmensprecher mal kurz über „die neue Form des Teilens“ reden und natürlich fällt in einer Moderation das scheinbar auf ewig festgetackerte Wort „Mitfahrgelegenheit“, mit der Uber sein Angebot verfälscht.
Aber es werden alle rechtlichen Bedenken genannt und als Stimme der Berliner Taxifahrer haben sie sich Richard Leipold ausgesucht, der mir als Chef der BTV von all unseren Funktionären bisher am häufigsten positiv aufgefallen ist – und der wie gewohnt souverän und dennoch ohne martialisches Kriegsvokabular über die Vorschriften in der Personenbeförderung gesprochen hat.

(Wenn ich richtig gehört habe, hat sich allerdings ein kleiner Fehler eingeschlichen, als Leipold gesagt hat, dass Uber, wenn sie sich an alle Regeln halten, wegen der Tarifbindung nicht mehr billiger als Taxen sein könnten. Das würde natürlich nur gelten, wenn Uber direkt ins Taxigeschäft einsteigt. Die wahrscheinlichere Variante „Mietwagen“ obliegt dieser Bindung natürlich nicht. Dann würde es sich nur einfach entweder für Uber oder die Fahrer nicht mehr lohnen. 😉
Da ich aber inzwischen einige Interviews hinter mir habe, könnte ich mir auch einen ungeschickten Schnitt oder dergleichen vorstellen, der zu dieser Aussage geführt hat. Ich wollte es nur mal anmerken.)

Ansonsten ist es wirklich schön zu sehen, dass wir da langsam mal auf einem vernünftigen Niveau angekommen sind, auf dem man sich vielleicht wirklich mal über weiterführende Themen wie  z.B. sinnvolle Anpassungen des PbefG unterhalten kann – ohne auf das Uber-Niveau abzurutschen und über Kartelle und Arschlöcher rumzupöbeln.

Noch weiß ich übrigens nicht, was es mit der im Bericht angesprochenen Klage von Leipold auf sich hat, aber ich möchte mal meine in dem Fall wirklich nur auf Gefühlen beruhende Meinung in den Raum stellen:

Ich glaube, Uber hat sich mit Deutschland verhoben. Sie verballern immer noch Geld ohne Ende für Werbung und schenken trotzdem auch den Fahrern noch welches. Trotz alledem ist der Hype langsam am Abflachen und die Medienberichte werden immer kritischer und ersticken nicht mehr in der Konfusion der Anfangstage, als noch niemand UberPop von UberBlack unterscheiden konnte und auch sonst nur mal recherchiert wurde, wie ein Taxi eigentlich so aussieht und ob es wirklich so viele davon gibt, wie alle behaupten. Und unter jeder Social-Media-Werbung häufen sich in den Kommentaren die Hinweise auf die Schwierigkeiten, die den Fahrern drohen.

Ich bin in dem Spiel parteiisch, keine Frage. Aber ich glaube, im Gegensatz zu Uber brauche ich mich nicht vor einer Versachlichung der Diskussion fürchten …

Ob und bis wann der Beitrag online zu finden sein wird, weiß ich leider nicht, freue mich aber über Nachträge dazu in den Kommentaren. Die Seite des Morgenmagazins ist jedenfalls morgenmagazin.zdf.de.


PS: Bis 9.00 Uhr heute früh wird der Beitrag sicher auch noch ein paarmal wiederholt.

PPS: Hier der Link zum Video direkt. (und nicht genau das, was ich gesehen habe). Ist zudem auch nur eine Woche gültig. (Danke an die Hinweisgeber!)