Man kann’s halt echt nie wissen …

„Hi! Ach, rauch ruhig noch auf, dann zünd‘  ich mir auch noch eine an …“

Obwohl ich immer wieder gerne eine angefangene Kippe gegen eine sofortige Fahrt tausche, ist die Ansage ja erst einmal nett. Und hier am Ostbahnhof … ich kann’s als Raucher ja verstehen: Da geht man für die erste Kippe seit Stunden kurz vor die Tür und direkt da steht dann ja auch schon das Taxi. Da überschneidet sich das halt mal.

Ich hab also dem Kollegen hinter mir Bescheid gegeben, dass ich schon besetzt bin und hab eine Minute später dann einen Kunden zu ihm durchgereicht mit dem Hinweis darauf, diese Dame hier gleich zu fahren. Unschön, aber eben Teil der Geschichte, wenn man seinen Fisch schon an der Angel hat.

Sie hatte ihre frisch angezündete Zigarette beendet, bevor ich meine fertig rauchen konnte, wir stiegen dann beide ein und ich fragte sie, wo’s hingehen solle.

„Zum Engeldamm.“

-.-

Ich bin nach wie vor kein Kurzstreckenfeind, aber da die einzige Ampel grün gezeigt hat, hat die Fahrt am Ende ungelogen ungefähr 45 Sekunden gedauert. Vielleicht 50. Da kommen einem dann drei Minuten Raucherpause vorher doch reichlich unnötig vor. Aber ja, man weiß es halt nicht vorher. Nächstes Mal ist es vielleicht wieder die 50€-Schichtrettung, die man sich mit der aufgebrachten Geduld an Land zieht … und dass man das nicht weiß, macht die Sache ja auch irgendwie spannend. 😉

Ich bin der Beste. Zufällig, aber der Beste.

Ja, es kommt schon mal vor, dass ich gelobt werde, die kürzeste Strecke ever gefahren zu sein. Ich fahre nachts, ich bin erschreckend uninspiriert, was meine Profitmaximierung angeht und ich tue anderen Leuten gerne was gutes. Da kommt es schon mal vor, dass man als Taxifahrer hier und da wirklich die kürzeste Strecke ausbaldowert.

So gesehen hätte es jetzt nicht unbedingt eine Überraschung sein müssen, dass mein Kunde am Ende der Tour bei 25,10 € auf der Uhr anerkennend bemerkte, er wäre noch nie so günstig heimgekommen, normalerweise seien das eher so um die 30 €.

Wieso es dennoch beachtlich war?

Kurzer Rückblick auf den Beginn der Fahrt: Der Kunde steigt ein, nennt mir eine nie gehörte Straße, konkretisiert das dann etwas und ich denke mir nur:

„WTF, was bitte ist da der kürzeste Weg?“

Anstatt an dieser Stelle wie üblich das Navi anzuschmeißen, hab ich mal fünfe gerade sein lassen und beschlossen:

„Ach, scheiß drauf: Über ein paar Hauptstraßen kriegen wir das mit viermal Abbiegen (immer nach rechts!) hin, das wird schon passen. Genauer will’s am Ende eh niemand – und der hier sowieso nicht …“

Habe dann eben bei Google Maps nochmal nachgeschaut und tatsächlich keinen Weg gefunden, der auch nur einen Hauch kürzer ist. 🙂

Immer diese Entscheidungen …

„An der nächsten Ampel können Sie links fahren.“

Ihr Begleiter indes sah betrunken und verträumt einem anderen Taxi nach, das geradeaus fuhr:

„Hihi, guck ma! Da, der da: Verfolg denn mal!“

Ich hab kundgetan, dass mich im Zweifelsfall lieber für die etwas nüchternere Wegansage entscheiden würde – woraufhin sie jedoch gleich einwarf:

„Ach, wenn ich zu Hause bin … Ihr dürft ruhig den anderen Wagen verfolgen.“

Und dann sah mich der zweite mit Hundeblick an:

„Woll’n wa?“

Am Ende ist er dann doch mit zu ihr. Aus Pflichtgefühl, sagte er. Aufpassen, dass sie sicher heimkommt.

Is‘ klar. 😉

Volltreffer

Ich hab den gestrigen Abend doch nicht auf der Straße verbracht. So oft ist mein Bruder nicht zu Besuch und wir haben den Abend lieber mit ein wenig Zocken zu Hause verbracht. Nachdem alle außer mir im Bett waren, wollte ich dann trotzdem das Auto schonmal holen. Nicht wirklich zum Arbeiten, sondern um schon mal alles für heute Abend herzurichten, mir heute die Anfahrt zur Firma zu ersparen, sowas halt.

Und naja, für den unwahrscheinlichen Fall, dass noch jemand winken sollte, hatte ich natürlich vor, diese Tour dann auch noch zu machen.

Es gab tatsächlich Winker. Nur eine Tour. Dafür aber auch gleich ein armenischer Kunstmaler, der von Karlshorst nach Siemensstadt wollte und sich mit mir während der Fahrt für schlappe 40 € über Jazz und das Leben in Ostdeutschland unterhalten wollte. Etwas schräg, durchaus, aber weit besser als alles, was auch nur entfernt in die Nähe meiner Vorstellungskraft geraten konnte.

Fremd in der eigenen Stadt

„Und kannst Du mir sagen, ob das Hotel ok ist, so qualitativ?“

„Ganz ehrlich: Nein. Ich hab eine Wohnung in Berlin, entsprechend schlafe ich hier selten im Hotel.“

„Haha, ja, so geht’s mir ja eigentlich auch …“

Hat mich gefreut, dass er dieser Argumentation so bereitwillig gefolgt ist. Aber von der Sache her isses ja wirklich so. Ausgerechnet bei Hotels! Dass ich Museen schon besucht, in Restaurants schon gegessen oder in Clubs schon getanzt habe … das sind ja sehr naheliegende Gedanken – obwohl meine Erfahrungen auch diesbezüglich sehr überschaubar sind. Aber wer bucht als Einheimischer schon mal ein Hotel?

Wie er genau in die Situation geraten ist, hat er nicht erzählt. Seine Erklärung, dass er eigentlich Familie hat, jetzt aber unbedingt mal 3 Nächte außerhalb schlafen müsse, hat mich fragend und mit ungesundem Kopfkino hinterlassen.

Vergleichsweise glücklich war ich indes mit seinen Ansprüchen. Das Intercity direkt im Ostbahnhof war ihm zu teuer, das Ibis gegenüber auch – obwohl wir da zunächst die Preistafel begutachten sollten. Das A&O in der Köpenicker hingegen war ihm zu Low-Budget, also hat die Fahrt wenigstens auf 8,50 € gereicht: Zum Moritzplatz ans Motel One.

Wie so oft werde ich nie erfahren, was es mit der Fahrt auf sich hatte. Aber immerhin fand er mich super hilfreich. 🙂

So mag ich meinen Job!

Ich bin die Tage zwar noch nicht wirklich wieder angekommen im Arbeitsrhythmus, aber an den Kunden liegt’s schonmal nicht, das kann ich schon nach den ersten 10 Touren sagen.

In dem Fall kam ich gerade von einer netten Lesertour in einen Außenbezirk zurück und wusste nicht so recht, was tun. Am Sisyphos war noch wenig los, ich bin lieber weiter. Und dann, wie bestellt: Winker. Ein Pärchen, gut einen im Tee, aber auf die positive Art. Um ihn mal zu zitieren:

„Wir sind bekloppt. Also jetzt nicht immer, aber wenn wir getrunken haben, sind wir lustig. Nee, Spaß: Eigentlich sind wir immer bekloppt und machen lustige Sachen.“

Für mich war es schon lustig genug, dass die Fahrt mal eben schnell 30 Euro einbringen sollte. Die erste Hälfte verging dann damit, die Party genauer zu analysieren, wer nicht da war und dasein hätte müssen – und wer jetzt bitteschön das Foto mit dem einen Typen gemacht hätte. Wie üblich Dinge von enormer Tragweite, die bei mir im Taxi besprochen werden.

Dann aber hatte sie Lust auf McDonald’s. Was zunächst von seiner Seite nur undankbar aufgenommen wurde:

„Wir haben noch Baguettes in der Gefriere, die müssen mal weg.“

Daraufhin hat sie einen der tolleren Überzeugungs-Tricks benutzt, nämlich mich mit einbezogen und erklärt, dass ich ja sicher auch gerne was haben wolle – ich wäre eingeladen.

Nun kam das wirklich zum denkenswert ungünstigsten Zeitpunkt (abgesehen von den Burgern damals, als ich den Monat vegetarisch leben wollte …). Normalerweise esse ich unterwegs nichts und hab deswegen durchaus auch mal Appetit, wenn nicht gar Hunger. Aber ich hatte ja eingangs die Lesertour zuvor erwähnt. Vor der hatte ich ein wenig Leerlauf und deswegen ausnahmsweise tatsächlich mal auswärts gegessen. Beim Burger-King, ein komplettes Menü. Und am Ende hab ich mich sogar noch beeilt wegen Zeitmangel und war auch nun, eine knappe Stunde später, noch eher übersättigt unterwegs. Mir hat dr Ranza gschbannt, wie ich 600 Kilometer weiter südwestlich sicher gesagt hätte. Da wollte ich wirklich nicht nochwas essen, trotz netter Einladung.

Damit hat Madame sich freilich nicht aufgehalten. Dann würde ich halt nur eine Cola bekommen. Wobei: Nein, ein paar Nuggets gehen immer, das wäre dann immer so praktisch, dann würde man irgendwann später merken, dass man noch welche in der Tasche hätte, so sei das jedenfalls bei Ihr.

Viel mehr als das kümmerte mich indessen die Frage, wo überhaupt der nächste (offene) Mac auf oder nahe bei der Route liegen würde. Aber wie nicht anders zu erwarten, wurden wir auch diesbezüglich fündig. Während sie im Auto blieb und ich zum Rauchen ausstieg, sollte ihr Freund das Essen holen. Er hat mich dann nochmal spontan gefragt, ob ich überhaupt wirklich Nuggets haben wolle, ich habe dankend abgelehnt und wir haben uns ein wenig verschwörerisch zugezwinkert. Das war nicht einmal irgendwie böse von ihm gemeint, er hatte halt nur den etwas unverstellteren Blick und glaubte daran, dass ich schon selbst entscheiden könne, ob ich im Laufe der Nacht noch irgendwo Nuggets finden wolle.

Trotzdem zog sich das im Laden in die Länge. Bis er wiederkam, hatte ich längst fertiggeraucht und war mit ihr bereits in ein Gespräch über meine Nebentätigkeit vertieft. Die restlichen 5 Kilometer am Ende waren schnell erledigt, die Cola war trotz warmem Auto noch kalt und frisch wie zu Beginn.

Als es ans Zahlen ging, beäugte er skeptisch das Taxameter:

„36,10 € … ähm, ist die Uhr vorher am Mac weitergelaufen?“

„Ja, natürlich.“

Ein bisschen wunderte ich mich: Der wollte doch jetzt nicht noch ernsthaft um den Fahrpreis feilschen, oder?
Natürlich nicht:

„Na, das is‘ ja’n Ding. Uns hat ja die Hinfahrt 40 € gekostet …“

Aber sie waren sich sicher, dass das am Verkehr gelegen haben muss. Was ich mir aufgrund der Wartezeitunterdrückung nicht so recht vorstellen konnte und mir den Kopf zerbrach, wie man auf der Route 6 € mehr rausholen hätte können. Selbst bei einer Strecke von etwa 17 Kilometern sind 4 mehr ja ein ganzes Stückchen. Aber gut, um sowas banales wie betrügende Taxifahrer oder so ging es gar nicht. Eher um einen fairen Ausgleich. Also hat er kurzerhand beschlossen, auf 43 € aufzurunden.

Von manchen Touren zehrt man ja länger als von anderen. Und bei der hier hat ja schon die Cola noch eine Stunde gehalten. Und jetzt, wo ich wieder zu Hause bin, würde ich mich tatsächlich über ein paar Chicken McNuggets freuen. Es ist trotzdem schwer, nach so einer Tour irgendwas zu bereuen. 🙂

Küchenpsychologie klappt halt doch!

Dieses Mal hab ich’s nicht raufbeschworen. Es war der Kunde, der mir als Winker ins Auto gesprungen war, der gefragt hat, ob das mit dem Taxifahren nicht eigentlich ziemlich gute Kohle bringen würde. Ich hab daraufhin nur wahrheitsgemäß geantwortet. Und zwar so, wie ich das in dem Fall immer tue:

„Den Gedanken kenne ich: Man fährt öfter mal Taxi, da stehen nach kurzer Zeit gleich mal 20 € auf der Uhr – und wenn man das hochrechnet, dann kommt man schnell mal auf 50 bis 60 € Umsatz pro Stunde. Reichtum! Das ist nachvollziehbar, aber die Praxis ist halt leider komplizierter. Um ehrlich zu sein: Wir haben es jetzt 23 Uhr, ich bin seit 20:30 Uhr auf der Straße. Und das jetzt ist meine dritte Tour. Und von dem Geld auf der Uhr bleibt mir am Ende grob die Hälfte.“

Zugegeben: Die Tour war eine gute, die davor waren es auch. Aber für mehr als zwei Euro über Mindestlohn hat’s halt trotzdem nicht gereicht. Der Fahrgast gestand auch ein:

„Hmm, sowas dachte ich mir schon.“

Und nun? Laune runtergezogen, Tag am Arsch, Leben vorbei? Natürlich nicht. Im Gegenteil. Für mich ist jammern fast immer gut.

„Dann wären wir bei 14,70 €.“

„Na dann, ähm, also, na dann stimmt das so!“

20 €.

Ich weiß, ich bin bescheuert, dass ich das nicht regelmäßig ausnutze. Aber im Gegenzug hab ich keine ernsthafte Konflikte mit meinem Spiegelbild, das ist doch auch was wert, oder?