Andere Jobs, andere Beifahrer

Er hat mich noch kurz vor dem Ostbahnhof erwischt. Ein netter Typ, der auch umgehend auf mein Angebot, loszuquasseln, losgequasselt hat. Feierabend, Gastronomie, nun endlich ein Tag frei, hopsassa und trallala. Im Ernst: Hat Spaß gemacht. Wir waren dann auch gleich beim Thema Arbeit und so ließ er mich dann wissen, dass er auch schon mal Fahrer gewesen sei. LKW und international allerdings. Das aber hätte er nach einigen Jahren aufgegeben, weil er – was zweifelsohne richtig war – eher einer wäre, der gerne redet, viel mit Menschen zu tun hat, etc.

Seine ersten Lösungsstrategien allerdings klangen auch nicht schlecht:

„Zuerst hab ich mir einen Hund mitgenommen. Einen Chihuahua. Arg viel größere kannste ja nicht mitnehmen. Aber der war dann trotzdem stressig. Bei jeder etwas engeren Kurve hat er gejault. Später hatte ich dann einen Wellensittich. Aber da konnteste nicht schlafen. Also zumindest, so lange man ihn nicht abgedeckt hat. Dann ging’s eigentlich …“

Ich fand’s ’ne lustige Vorstellung. 🙂

Aber ich muss auch sagen: Ja, der Typ war wirklich mehr Barmann als Trucker! Wobei Taxifahrer als Mischung vielleicht auch noch ganz gut geklappt hätte. Aber ohne Tiere halt … denn – wie die Hardcore-Leser wissen – es gibt zwar keine Regelung, wann wir Tiere mitnehmen müssen, aber eigene dürfen wir nicht dabeihaben.

Immer höflich bleiben!

Da lief die Schicht (wie vom Januar erwartet) völlig unterirdisch – und was mache ich? Ich hab mir in Lichtenberg gesagt, dass ich jetzt lieber in Karlshorst nach Kundschaft gucken will als in Mitte. OK, Nichtberliner wundert das jetzt vielleicht nur minimal, aber in Karlshorst um 3 Uhr Winker zu bekommen, ist utopisch. Nun gut, ich bin also in den Süden gegurkt und hab … in Karlshorst eine Winkerin bekommen.

Tja, aber hallo! Einmal mit Profis arbeiten …

13 € nannte sie ihr eigen und wollte „so nahe wie möglich an Prenzlauer Berg ran“.

„Aber ich guck mal, ob ich noch mehr finde …“

Nun hat meine Ortskenntnis sich eingemischt und das ziemlich schnell verworfen. Also bis Prenzl’berg selber wird das nix. Nicht mal die südlichsten Ausläufer am alten Schlachthof hätte ich erreicht. Also ging es mehr so in Richtung Warschauer, damit sie mit der Bahn weiter könnte. Die inzwischen zusammengesammelten 16,80 € hätten da wohl gereicht – allerdings bei weitem nicht bis in die Paul-Robeson, wo sie eigentlich hinmusste. Zu allem Überfluss sah es mit der Reisetauglichkeit bezüglich Bahn eher mau aus. Zunächst hat sie noch ein paar nette Worte über ihr Studium und anschließend über mich verloren, dann gestand sie aber:

„Tut mir leid, ich bin viel zu besoffen, um mich zu unterhalten.“

Nun denn, so weit es geht. Das wäre in solchen Fällen bei 16,80 € also so ungefähr bis an die 20€-Grenze – vorausgesetzt, es ergibt sich dadurch ein Vorteil – wie z.B., dass man unterwegs die Bahn noch überholt und Wartezeit erspart. Aber noch bevor es soweit war, standen wir in Friedrichshain an einer Ampel und sie meinte:

„Oh, das ist praktisch. Ich mach kurz die Tür auf, ok?“

„Äh, weswegen das?“

„Ich würde mich gerne übergeben.“

Im Ernst jetzt? „Ich würde mich gerne übergeben“? So ganz sachlich, als kleiner Wunsch vorgetragen. Wie „Ich fahre da vorne immer gerne links, da sind weniger Ampeln.“ Ich hab noch nie so gefeiert, während ein Fahrgast gekotzt hat! 😀

Ich muss dazu sagen, dass ich bei der netten Anfrage ja auch gleich automatisch in den Dann-isses-nicht-so-wild-Modus verfallen war und gemeint hab:

„Dann einen Moment noch, ich fahr eben ein Stück weiter nach rechts …“

Wenn das mit dem Kotzen schon Zeit hat, dann sichere ich die Situation doch auch gegen potenzielle in diesem Moment rechts überholende Radfahrer ab. Wobei das sicher als ekligster Unfall in die Annalen Berlins eingegangen wäre. 😉

Die Kundin war nun während der ganzen Aktion natürlich nicht würdevoller als alle Menschen es sind, die sich würgenderweise ihr Essen nochmal durch den Kopf gehen lassen. Aber sie hat sich Zeit gelassen, keine Hektik, weil man ja schnell weiter muss oder so. Nachdem sie dann ein Tuch zum Abwischen angenommen und ein Bonbon abgelehnt hatte, war sogar ich sehr überzeugt davon, dass es das jetzt wirklich gewesen sei. Wobei der verbleibende Weg ja nun auch nicht mehr sehr weit war. Obwohl …

„Äh, sag mal? Kann ich auch mit Karte zahlen?“

„Sicher.“

„Ach, dann hab ich ja quasi so viel Geld wie ich will … dann bring mich mal heim. Paul-Robeson XY – und danke!“

In aller Regel bin ich ja nur mäßig begeistert, wenn bei Kotzern mal eben ein paar Kilometer obenauf kommen. Aber heute hab ich mich nur gefreut. Auf dem weiteren Weg ist dann das buchstäbliche Nichts passiert. Meine Kundin hat nur selten mal die Augen aufgemacht, von Reden und Kotzen wollen wir gar nicht erst anfangen …

Für so komplexe Aktionen, wie während der Kartenzahlung ein Trinkgeld anzusagen, war sie am Ende leider schon zu hinüber. Ich tröste meine sehr im Rahmen befindliche Stimmung jetzt halt damit, dass ich anscheinend „der netteste Taxifahrer aller Zeiten“ bin. Ich meine, bei anderen Kunden bleibt nicht mal das Auto sauber. Und, nicht vergessen: „Ich würde mich gerne übergeben.“ 😉

Ausbildungsfonds: check!

Berlin in den späten 2030ern.

Kind: „Papa, ich brauch einen neuen Firzelgenerator für die Uni!“
Sash: „Hier mein Kind, da hast Du drei Euro. Die sind von Dirk.“
Kind: „Papa, wer ist Dirk?“
Sash: „Also, das war damals, Anfang 2016, so …“

Es war eine kurze Fahrt mit Dirk. Er hat sich gleich nach dem Ranwinken mit Handschlag vorgestellt, mir gezeigt, dass seine Jacke beheizt ist und dann sein Ziel angesagt. So überschaubar die Länge der Tour war, so unerwartet kam sie, quasi mitten im Wohngebiet. Er erklärte selbst, dass er nach dem Finale der Dart-WM im Fernsehen ein wenig betrunken sei, aber das sei schon ok, er habe schließlich frei. Damit war unsere gemeinsame Zeit im Grunde vorbei und es ging an die Begleichung der 9,10€ Fahrtkosten.

„Wie viele Kinder hast Du?“

„Keine.“

„Hmm, ok. Mach trotzdem mal 12.“

„Oh, vielen Dank!“

Ich musste etwas im Portemonnaie herumsuchen, denn ich fand keine Ein-Euro-Münze. Ich entschuldigte mich dafür, dass es so lange dauerte, woraufhin Dirk einwarf:

„Ach, gib mir einfach 35 zurück.“

„Ähm wow, nochmals vielen Dank!“

„Ist für die Ausbildung der Kinder. Von Dirk. Vergiss das nicht. Sag ihnen, das ist von Dirk, ok?“

Ja, ich hab’s hier nur aufgeschrieben, damit ich’s mir all die Jahre merken kann … 😀

Nicht viel …

Die drei Leute in meinem Taxi hatten gleich zu Beginn gefragt, was es ungefähr kosten würde. Die Finanzen waren knapp nach der Party. Als ich dann „so 12 bis 14 €“ in den Raum warf, nickten sie zufrieden und ließen sich chauffieren. Am Ende standen 12,90 € auf der Uhr und alle bemühten sich darum, mit etwas Kleingeld oder einem Fünfer ihren Obolus zu leisten. Das war – wie nach der anfänglichen Abschätzung zu vermuten war – kein Problem: Ich bekam sogar ein recht ansehnliches Trinkgeld von 2,10 € obenauf. Soweit kann man das als absolut normal bezeichnen, aber der dritte im Bunde, der neben mir saß, war erkennbar unzufrieden. Während die anderen bereits ausstiegen, nestelte er weiter im Portemonnaie und schob mir anschließend noch ein paar Münzen zu. Immerhin auch nochmal 1,30 €. Und zwar mit den Worten:

„Ich weiß, ist jetzt nicht viel, aber trotzdem danke!“

Ich will ja nicht lügen: Ich mag die Einstellung von Leuten, die der Meinung sind, über 25% Trinkgeld seien noch zu wenig. Etwas schade finde ich aber, dass ausgerechnet die sich immer so in der Pflicht sehen, während andere mit großkotzigem Verhalten 5% geben und sich darauf wunder weiß was einbilden.

Ich freue mich über jedes Trinkgeld, ehrlich, immer noch. Aber bei mehr als einem Euro braucht auch echt keiner weinerlich werden. Auch das meine ich ganz ehrlich so.

40€-Bartwuchs

Ich stand mit einem Kollegen alleine am Ostbahnhof. War schon spät. Da tauchten plötzlich zwei potenzielle Kunden auf, ein junges Paar:

„Entschuldigen Sie, nimmt einer von Ihnen auch Kreditkarte?“

Ich hab stellvertretend für uns beide (ich kenne ihn) geantwortet, dass wir das tun würden und so eine leichte Handbewegung in seine Richtung gemacht, da er eben erster war. Die Dame wirkte hin- und hergerissen, grinste dann mich an und meinte:

„Wir nehmen Dich. Du hast den hübscheren Bart!“

OK, zugegeben, ich hab mich vor der Schicht rasiert – aber der Kollege hatte ein neueres Auto!

Die Fahrt brachte am Ende durch zwei Fahrtziele und einen längeren Zwischenstopp amtliche 35,50 € auf die Uhr. Dazu 1,50 € Zuschlag für Kartenzahlung – und am Ende noch die 3 € Trinkgeld, die auf glatte 40 noch gefehlt hatten. Sagen wir’s mal so: Ich hab dem Kollegen einen Tag später für seine Art des Rasierens gedankt. 😉

So … und jetzt frohe Weihnachten, werte Lesergemeinde!

Spektakulär!

Manchmal fürchte ich ja auch, dass die Stories hier nicht wirklich spannend sind. Aber besser als meine Fahrgäste bin ich allemal. Hier ein Dialog von der Rückbank:

„Sag mal, hast Du gesehen, dass der Eric auch da war?“

„Nee.“

„War er.“

„Hab ich nicht mitgekriegt.“

„Ja, hab den gesehen, der ist dann zu mir und hat mich begrüßt.“

„OK, und?“

„Wie: Und?“

„Na, wird das noch eine Geschichte, gibt’s eine Pointe? Irgendwas?“

„Nee, der Eric ist dann wieder weg.“

„Na, dann bin ich ja froh, dass ich das nicht mitbekommen hab!“

Berliner Nachtleben. Ein Thrillride!

Ich will einen Contenance-Nobelpreis!

Kleiner Hinweis: Nicht direkt nach dem Frühstück lesen. Echt jetz‘, Junge!

„Na scheene Scheiße, was wird’n des jetz?“,

fragte der Kollege hinter mir eloquent, als sich die beiden Frauen zu meinem Taxi begaben. Ich mag derartige Verbalakrobatik nicht unbedingt, aber der Kollege hat mir die Frage im Großen und Ganzen durchaus vorweg genommen. Denn sagen wir es mal so: Betrunken sein ist ja das eine – aber wenn jemand schon ewig draußen saß und beim Aufstehen dreimal umkippt und danach zum Taxi läuft …

Aber ich hatte meinen netten Tag. Ich hatte noch anderthalb Stunden vor mir, es war eh mies gelaufen und wenn ich einer Betrunkenen noch kurz helfen könnte … sei’s drum. Kaum, dass die Spezialpatientin hinter mir saß und schwer stöhnend atmete, stieg auch ihre offenbar halbwegs nüchterne Freundin ein und entschuldigte sich, dass die andere „leider etwas arg angetrunken“ sei.

„Na, solang wir’s schaffen, soll’s mir egal sein …“

„Ach ja, das hoff‘ ich ja auch …“

Na, schöne Scheiße!

Noch dazu über 5 Kilometer Fahrtweg – und die junge Dame sah wirklich kein bisschen gut aus. Die Haare waren schweißverklebt, ihre Gesichtsfarbe wäre mit „reinweiß“ noch übertrieben farbenfroh umschrieben und zu guter Letzt begann sie unmittelbar nach Fahrtbeginn damit, ihren Kopf hin- und herzuwerfen.

„Ach, sie sind der erste Taxifahrer, der uns mitgenommen hat. Ich danke ihnen vielmals!“

Ja, warum wohl war ich der erste? Das war nicht mehr leicht angetrunken, das war heftig. Nach vielleicht fünfhundert Metern fing sie schon zu zappeln an und mit geschlossenem Mund „Mhhhmmmmm, mhhhmmmmm!“ zu rufen. Da hab ich kurz meine einzige Tüte von der Sonnenblende gepflückt und sie nach hinten gereicht. Und gleichzeitig gebremst. Noch bevor ich stand, spürte ich Flüssigkeit meinen Nacken herunterlaufen. Nicht viel, ein paar Tropfen nur – aber seien wir mal ehrlich: Was macht das schon für einen Unterschied?

Ich also raus, Türe auf, und die Kundin sprudelte dankbar auf die Straße.

Ich hab manchmal Angst vor mir selbst. Ich lebe ein friedliches Leben in einem eigentlich harmlosen Job, ich kenne wirkliche Gefahrensituationen kaum. Aber wenn ich das hochskaliere, was ich in ekligen Momenten oder nervenaufreibenden Verkehrssituationen mache, dann antworte ich vermutlich auf körperliche Angriffe seelenruhig mit den Worten „Naja, das ist jetzt deine Meinung …“

Denn während die Freundin panisch ums Auto gewuselt ist und mir Stein und Bein schwor, wie leid ihr das alles tun würde und dass sie ja auch schon lange nicht mehr weiter wüsste und und und … bin ich gemütlich zum Kofferraum, hab mir mit der Küchenrolle den Nacken abgetupft, hab meine Jacke ausgezogen, auch die abgewischt …

„Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott, Ich zahl Ihnen die Reinigung!“

… und mich mit den verbleibenden Blättern daran gemacht, die Siffe hinten vom Fahrersitz zu wischen, ganz ungeachtet der Trulla, die mir weiterhin vor die Füße auf die längst zu Boden gefallene Tüte gereihert hat.

Was kein Ding war. Ehrlich. Wisch und weg – wie in ’ner bescheuerten Küchenrollenwerbung. 20 Sekunden Zeitaufwand und die Uhr lief eh weiter.

Während das Häufchen Elend halbwegs malerisch aus dem Fond hing und Fäden bis zum Asphalt zog, sah mich die Freundin ratlos an und plapperte währenddessen panisch umher. Sie bezahle alles, sie wisse nun auch nicht weiter, sie verstehe mich ja, so ginge das ja nicht, das sei alles furchtbar, das wäre das erste Mal seit Jahren, wir, ich , aber …

Ich ruhte tief in mir. Darin, dass das so nix werden würde, war sie mit mir einig. Aber einen Krankenwagen … wegen sowas …

Ja, ich weiß doch auch nicht. Madame Auslaufmodell hatte sich inzwischen zurückgelehnt und das Bewusstsein so langsam gänzlich hinter sich gelassen. Ich hab entsprechend gesagt:

„Ja, alles doof jetzt. Natürlich: Wenn Sie jetzt einen Krankenwagen rufen, werden die wenig begeistert sein. Wegen ’nur sowas‘ angerückt zu kommen. Mein Problem ist: Wir können die Fahrt jetzt fortsetzen. Vergessen wir mal das bisherige Tralala – aber wenn wir alle 500 Meter so eine Aktion haben, dann kotzt sie mir im Laufe der Fahrt das ganze Auto und mich noch dazu voll. Da können wir beide dann auch schrubben wie wir wollen, da kommen im günstigsten Fall 200 € bei rum. Mal ganz abgesehen davon, dass ich am Ende der Ungeeignetste bin, um einschätzen zu können, ob das nicht doch so langsam ernsthaft gefährlich ist bei ihr.“

„Sie meinen also … Krankenwagen?“

Ich hab zögernd genickt und gesagt:

„Eigentlich weiß ich es nicht. Aber für in meinem Auto transportfähig halte ich sie nicht. Also was sonst?“

Ich hab diesbezüglich ja völliges Verständnis für die Rettungskräfte – natürlich ist es wichtiger, einen Schlaganfallpatienten schnell ins Krankenhaus zu bringen anstatt einer übereifrigen Schnapsdrossel. Ein bisschen sauer war ich dennoch, als die wirklich aufopferungsvolle Helferin am Telefon zusammengefaltet und abgewimmelt wurde:

„Ja, sie sind ja eh schon im Taxi, da können sie ja gleich ins Krankenhaus fahren!“

Dementsprechend eine kleine Bitte:

Liebe wirklich sehr geschätzte Rettungsdienstler: Mal abgesehen davon, dass ich mein Geld im Falle von Zwischenfällen wie Erbrechen nicht einfach von der Krankenkasse überwiesen bekomme: Meine medizinische Ausbildung als Taxifahrer ist vergleichbar mit der einer mittelschweren Seekuh: Mag sein, dass ich vor Jahren mal einen Erste-Hilfe-Kurs aus der Ferne gesehen hab, aber korrektes Handling bei Alkoholvergiftungen ist leider wirklich nicht mein Fachgebiet. Und ich bin in so einer Situation alleine und muss zudem fahren! Es war meine Fahrer-Rückenlehne, gegen die getrommelt und gekotzt wurde, ich hatte da keine Trennwand und keinen Assistenten vor Ort – sowas geht auf Kosten der Verkehrssicherheit und damit potenziell der Gesundheit von nicht nur der einen Patientin. Natürlich entscheiden wir Taxifahrer vielleicht mal falsch in Anbetracht der Grauzone zwischen unseren Zuständigkeitsbereichen – aber bitte tut das nicht einfach ab und lasst uns ggf. zusammenarbeiten!

Naja, nun standen wir da. Ich hab wirklich sehr schweren Herzens und leicht nassen Nackens zugestimmt, dass ich bis zum nächsten Krankenhaus weiterfahren würde. Die Patienten wehrte sich nach einer Weile gegen das Krankenhaus, nur um dann umgehend wieder anzufangen zu kotzen, woraufhin ich statt links zur Notaufnahme recht schnell rechts an den Straßenrand fahren musste. Ich hab dabei glücklicherweise meine Reflexe und die Straßenverkehrsordnung irgendwie in Einklang bringen können. Vier Blätter mehr büßte die Küchenrolle dabei ein, das aber sollte es dann gewesen sein: Die völlig verzweifelte Freundin hat beschlossen, die Patientin nun rüber zur Notaufnahme zu schleifen. Obwohl ich nichts auf der Welt weniger wollte als das, hab ich angeboten, sie kurz rüber zu fahren. Waren runde 400 Meter. Mein Tag war eh gelaufen, ich hatte Kotze im Nacken, also bitte.

Sie hat abgelehnt.

Im Gegenzug hab ich abgelehnt, jetzt irgendwie einen Aufstand ums Geld zu machen. Zum einen wollte ich ohnehin heim. Eine Stunde hin oder her. Zum anderen war das Auto schon wieder sauber. Also wirklich sauber. Abgesehen vom eigenen Pulli hatte die Auswurfspezialistin keinerlei Textilien oder sonstwie schwierige Materialen verunreinigt. OK, meine Klamotten. Aber da hab ich großzügig einen Fünfer für die vorgezogene Wäsche erbeten und auch erhalten.

Im Vergleich zu besagter Freundin (die bezahlt hat und noch nicht einmal wusste, wo sie in der Nacht würde schlafen können) ging es mir am Ende doch recht gut. Und der völlig weggetretenen Verursacherin des Ganzen hätte ich mit keiner erdenklichen Strafe einen sinnvollen Denkzettel mitgeben können. War halt ein beschissenes Ende für eine beschissene Schicht. Sowas kommt vor.

Jetzt, wo ich das schreibe, sind die Klamotten in der Wäsche und ich bin frisch geduscht. Ich will jetzt natürlich niemanden daran hindern, mir die in der so verlorenen nächsten Stunde vermutlich verdienten 20 € via Paypal zu überweisen, aber wenn ich ehrlich sein will: Ich bin mit mir im Reinen, was die Sache angeht, ich hatte schon schlimmere Kotzertouren.

PS:
Keine Ahnung, woher meine Ekeltoleranz bezüglich Kotzern kommt. Bei anderen Dingen bin ich wesentlich dünnhäutiger. Aber mich freut’s, das erleichtert mir das Leben in solchen Situationen sehr.