Ich bin der Beste. Zufällig, aber der Beste.

Ja, es kommt schon mal vor, dass ich gelobt werde, die kürzeste Strecke ever gefahren zu sein. Ich fahre nachts, ich bin erschreckend uninspiriert, was meine Profitmaximierung angeht und ich tue anderen Leuten gerne was gutes. Da kommt es schon mal vor, dass man als Taxifahrer hier und da wirklich die kürzeste Strecke ausbaldowert.

So gesehen hätte es jetzt nicht unbedingt eine Überraschung sein müssen, dass mein Kunde am Ende der Tour bei 25,10 € auf der Uhr anerkennend bemerkte, er wäre noch nie so günstig heimgekommen, normalerweise seien das eher so um die 30 €.

Wieso es dennoch beachtlich war?

Kurzer Rückblick auf den Beginn der Fahrt: Der Kunde steigt ein, nennt mir eine nie gehörte Straße, konkretisiert das dann etwas und ich denke mir nur:

„WTF, was bitte ist da der kürzeste Weg?“

Anstatt an dieser Stelle wie üblich das Navi anzuschmeißen, hab ich mal fünfe gerade sein lassen und beschlossen:

„Ach, scheiß drauf: Über ein paar Hauptstraßen kriegen wir das mit viermal Abbiegen (immer nach rechts!) hin, das wird schon passen. Genauer will’s am Ende eh niemand – und der hier sowieso nicht …“

Habe dann eben bei Google Maps nochmal nachgeschaut und tatsächlich keinen Weg gefunden, der auch nur einen Hauch kürzer ist. 🙂

6 Kommentare bis “Ich bin der Beste. Zufällig, aber der Beste.”

  1. Weil du einfach der Geilste bist. 🙂 \o/

  2. egal sagt:

    Tscha, man muss auch mal Glück haben, mit erhöhter Wahrscheinlichkeit durch Erfahrung. 🙂

    Ich nutze solche Kommentare ja immer gerne für eine passende Anekdote, und dazu habe ich auch eine. Ich fahre zu 95% immer die gleiche Strecke und letztens hatte ich einen Fahrer, den ich noch nicht kannte. An einer Stelle fuhr er geradeaus statt links abzubiegen, was der schnellste Weg gewesen wäre. Ich sagte es ihm sofort, dass er jetzt aber einen Umweg fahren würde. Seine Antwort: viele Leute wollten lieber auf der Hauptstraße bleiben, er hätte gestern erst Leute dort lang gefahren, die wänre auch zufrieden gewesen. Doof nur, dass die Hauptstraße einen breiten Bogen nach links macht. In den letzten zwölf Monaten sind mit mir erst zwei Taxifahrer dort lang, einmal wegen Bauarbeiten, einmal besagter Kerl.

    Tscha, zwei Ampeln mehr, beide rot, entsprechend Wartezeiten. Fahrt wurde merklich teurer, meine Bahn habe ich durch den Zeitverzug auch verpasst. Und der Taxifahrer war ein wenig genervt, dass ich so pingelig und mit seiner Wahl unzufrieden war.

    Dann doch lieber die Taxifahrer, die mich fragen, wie ich’s gern hätte. Es gibt drei, vier sinnvolle Möglichkeiten, eine davon optimal, die anderen nur wenig schlechter und damit gleichwertig. Dann ist es mir auch egal, welche der gleichwertigen Strecken genommen wird. Oder ich sage inzwischen direkt an, dass ich die optimale Strecke will, wenn ich es wirklich sehr eilig habe.

  3. egal sagt:

    Nachtrag: Ich hatte auch mal einen Fahrer, der mir direkt sagte, das sei erst sein erster oder zweiter Tag im Taxi. Den habe ich ein wenig dirigiert, worüber er recht froh war und ich fand’s auch vollkommen okay so.

    Hmm, passierte mir sogar zweimal, beim anderen Mal wollte ich zu einer Post-Filiale, der Fahrer kannte nur die Haupt-Filiale, ich wollte aber zu einem kleinen Post-Shop, da der noch geöffnet hatte. Sowas weiß niemand direkt, ich hatte die Öffnungszeiten auch vorher rausgesucht. Der Fahrer war über die Richtungsangaben aber auch sehr froh, da es auch durch die kleinen Nebenstraßen ging, um die Filiale von der richtigen Straßenseite aus anzufahren – sie liegt auf einer sehr breiten Hauptstraße, die ich zumindest tagsüber nur an einer Ampel überqueren möchte. 😉

  4. dost sagt:

    Von der Eberswalder über die Dimitroff nach Schlesisch Tor. Geht doch immer geradeaus meinte der Kutscher….

  5. Sash sagt:

    @Thomas Matzka:
    Natürlich. 😉

    @egal:
    Das gibt es natürlich auch. Und ich will ja jetzt auch nicht so tun, als ob ich diesbezüglich noch nie eine falsche Entscheidung getroffen hätte. So schlimm wie in deinem Fall war’s noch nie, aber das ist selbstverständlich auch Glück. Aber gerade anhand solcher Dinge merkt man dann, dass Ortskunde hier und da doch etwas mehr sein kann als das Ablesen eines Navis: Du hast bezüglich deiner Stammstrecke selbstverständlich die bestmögliche Ortskunde, dank zigfache Wiederholung. Wir Taxifahrer sollen die möglichst für alle Routen innerhalb einer Stadt/eines Kreises haben – was natürlich auf dem Niveau von Anwohnern utopisch ist, da kann man sich bestenfalls etwas annähern. Einer der Gründe, warum ich mir gerne von Fahrgästen Dinge zeigen und erklären lasse: Man lernt in dem Job eben nie aus.

    @dost:
    Na, scheint ja immerhin schon eine Weile her zu sein. 😉

  6. Ana sagt:

    Wenn ich eine Strecke gut kenne oder eine Lieblingssolche hab, sag ich das bei Fahrten mit nem Halbsatz an. „An der XY-Ecke links ab in die AB-Straße bitte“. Das erspart Diskussionen.

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