Fahrten, die nur Taxifahrerkinder machen

Sie winkte mich am Yaam raus. Durchgefroren, sofort nach der Sitzheizung fragend, als Ziel den Ostbahnhof angebend. Während ich versuchte, in sozialverträgliche Worte zu packen, dass die Sitzheizung sich auf der Fahrt bis zum Ostbahnhof allenfalls würde entscheiden können, ob sie das On-Signal überhaupt akzeptiert, warf meine Kundin bereits ein, dass es danach auch wieder zurückgehen sollte. Nur kurz Geld abheben. Am Westausgang.

Holy Shit! Von 300 Metern einfacher Fahrtstrecke entfielen also nochmal 150.

Aber Kundin ist Kundin.

Vor dem Bahnhof hab ich’s geschafft, schnell eine komplette Zigarette (jaja, Entzug und so …) zu rauchen, am Ende der kompletten Tour aber standen trotz 3,90€ Startpreis nur 6,90€ auf der Uhr.

„Machen Sie mal 10.“

Ui.

„… und danke vielmals! Dann wünsche ich ihnen eine gesegnete Nacht. Ich wünsche ihnen beste Gesundheit, einen schönen Abend, immer nette Fahrgäste und natürlich eine gute Kasse!“

W.T.F.?

„Das wünsche ich meinem Vater immer. Der fährt auch Taxi.“

Das erklärt einiges. Oder besser gesagt: Alles. 😀

Unterstützung

„So, dann …“

„Oh! Wir sind schon da? Wow! Na, da sind Sie aber sehr schnell gefahren!“

„Naja, war ja nur einmal links und dann ein paar hundert Meter …“

„Ach, dann hätte also Kurzstrecke auch fast reichen können?“

„Sicher, aber das geht halt nicht vom Stand aus …“

„Jajajajaja … woll’n wir auch gar nicht. Wir wollen voll zahlen! Die lokale Wirtschaft, die Taxizunft unterstützen!“

„Na, dann nehme ich die etwa 1,10 € – die’s gleich mehr sein werden – doch dankend an.“

„Jajajaja! Hier, stimmt so!“

Ein Zehner. Für eine 6,10€-Tour.

Wenn man sich jetzt noch überlegt, dass sie mich nach 3 Minuten Anstehen mitten (!) aus dem hintersten Nachrückebereich rausgefischt hatten, dann bleibt mir kaum mehr als ein Danke übrig. Obwohl, eher wohl so:

„Jajajajaja, danke.“

😉

*ist nicht umsonst*

Es war eine gute Tour für 31,30 €. Eine nette ältere Frau, der die S-Bahn nach der Arbeit einen Streich gespielt hatte. War unterhaltsam, aber nun waren wir da. Ich nannte den Preis. Sie fing an, irgendwas von 31 und 32 zu nuscheln, also gab ich ihr auf die gereichten 40 € deren acht zurück.

Da sah sie mich erschrocken an und insistierte scharf:

„Nein, nein! Ich hab 35 gesagt! Ich muss Ihnen doch Trinkgeld geben, es ist doch nix umsonst!“

Nun ja, wer würde sich da wehren … 😉

Von der Notwendigkeit, die Zahlungsart anzupassen

„Sagen Sie, geht bei Ihnen auch EC-Karte?“

„Ja.“

„Es ist nur, ich hab nur noch 30 € …“

„Oh, wo wollen Sie denn hin?“

„Köpenick, in die XY-Straße. Hat das letzte Mal 28,50 € gekostet.“

„Dann sollte es jetzt auch nicht mehr kosten. Aber zur Not geht Karte, wie gesagt.“

…

„So. Dann sind das 28,70. Hat also gereicht, wie versprochen.“

„Gut, dann möchte ich mit Karte zahlen.“

„?“

„Ja, machen Sie mal 35 €.“

Guter Grund. 🙂

„Mach ma billig!“

Ich will mich für meine Menschenkenntnis nicht selbst beweihräuchern … aber meist merke ich schon, wann irgendwelche Ansagen schwierig für mich oder nur notwendiges Gebrabbel der Vortragenden sind.

Deswegen hab ich mir bei der Fünfertruppe Mädels, die ich nach einer halben Stunde am Ostbahnhof eingeladen hab, auch keine Sorgen gemacht. Sie hatten eine dabei, die klein genug für die letzte Reihe war, haben aus lauter Freude darüber, ein Großraumtaxi gefunden zu haben, aber gar nicht mehr zugehört. Pech, schließlich hatte ich gerade den Zuschlag und das mit der Tarifbindung erklärt. Und sie mir, dass es nur eben über die Spree, einmal zum Spindler und Klatt gehen würde.

Kaum, dass ich im Auto saß, begrüßte mich meine Beifahrerin für zwei Minuten sehr nett und bat mich:

„Mach ma billig. Also guter Preis, nicht zu teuer!“

Ich hab mehr in mich herein als zu ihr hinausgegrinst, als ich gesagt habe, dass ich die Preise nicht mache und einfach nach Tarif fahre. Als ich den Startknopf gedrückt hatte, kam gleich von der Rückbank:

„WAS, 3,90 EURO!?“

Ich bin da ja verständig und freue mich über den netten Austausch mit Kunden über die Tarifstruktur des Berliner Taxigewerbes. Also hab ich gleich mal angefangen, die Zuschläge einzugeben: 0,50 €, 1,00 €, 1,50 €, 2,00 € …

„Was, was, was machst Du denn? Zwei, äh drei, vier Euro?“

„Nein. Fünf Euro. Großraumzuschlag. Hatte ich gerade schon gesagt.“

„Alter, machst Du hier einen Euro pro Sekunde oder was?“

Ich verstehe es ja, wenn Kollegen das nervig finden. Ich fand es in diesem Fall einfach nur lustig. Ich mag zwar dieses „Mach ma billig!“ auch nicht und ich hab sogar Verständnis für die knappe Kasse von Kunden. Aber wenn ich für 6,70 € zum Spindler und Klatt fahre und dann den Fünfer Zuschlag reindrücke, ist das immer noch günstiger als zwei Taxis zu je 6,70 €.  Überhaupt landen wir am Ende bei Zweiirgendwas pro Person, trotz inzwischen teurem Großraumzuschlag nicht weit weg vom BVG-Preis. Und wenn wir schon dabei sind: 11,70 € verteilt auf 5 Mädels, die eine Nacht lang Party machen wollen … nee, da muss ich dann doch grinsen, wenn ich sie mit dem Preis negativ überrasche.

Und während ich ihnen die Freude machte, ihren Lieblingssender für eine Minute zu suchen und lautzustellen, hab ich ihnen auch alles oben genannte erklärt.

Natürlich wurden am Ziel erst einmal nur die 6,70 € bezahlt, ich war beim Verweis auf den Zuschlag „voll gemein“ und so weiter und so fort. Nicht einmal sonderlich ernst, eher ein wenig neckend sogar. Ich hab’s aber auch einfach nicht an mich rangelassen. Am Ende kam es wie immer: Ich hielt die 11,70 € passend in der Hand und eine der jungen Damen flötete von der Rückbank:

„Na, da haben Sie ja jetzt ein Schnäppchen gemacht mit uns, was?“

„Ach, ich hab ja immerhin auch eine halbe Stunde darauf gewartet.“

Ich hab dem Satz keine sonderliche Brisanz zugeordnet, es war mehr eine ebenso schnäppische Retourkutsche für das gespielte Gejammer in den zwei Minuten zuvor. Aber bei aller gesunden Verachtung der hedonistischen Jugend gegenüber: Auch da gibt es nachdenkliche Menschen! Der hinten rechts sitzenden Dame entgleisten für einen Moment beinahe die wohlgeschminkten Gesichtszüge und sie antwortete:

„Oh. Das tut mir leid.“

Und so bekam ich, obwohl ich „so gemein“ war und es nicht „billig“ gemacht hatte einen glatten Zweier Trinkgeld. Und aus Erfahrung kann ich inzwischen wohl sagen: Mehr ist bei solchen Touren wirklich so gut wie nie rauszuholen. Ich hab also am Ende doch ziemlich viel richtig gemacht. 🙂

Wie Fußball-Schauen

Es war etwa Mitternacht.

„Und, Sie sind auf dem Weg nach Hause?“

„Na, aber sicher doch!“

„Ich frag ja nur. Viele fangen auch jetzt erst an zu feiern.“

„Oh, das ist wahr! Kenne ich ja. Aber jetzt – ich lebe seit 10 Jahren hier – hab ich mich etwas beruhigt …“

„Man kann eh nicht alles mitnehmen in der Stadt hier …“

„Ja, stimmt. Für mich aber ist inzwischen das Tröstliche: Wenn ich schlafe, feiert jemand anders für mich. Und das ist ok! Ist wie Fußball-Schauen: Während ich gemütlich auf der Couch liege, werden die Jungs Weltmeister! Und das finde ich gut. Es ist ja nicht so, dass ich unbedingt die Party schmeißen muss. Das machen jetzt halt andere. Das ist ok. So lange es Parties gibt …“

Ich muss ehrlich sein: So abstrakt übers Feiern reden, wäre selbst mir nicht eingefallen. Und ich bin schon der Typ, der nüchtern durch die Stadt kurvt, während alle anderen voll drauf sind …

Winterdialoge

„War das Absicht?“

„Nee, es ist wirklich scheißglatt da draußen.“

„Oh, ok. Dann könnten wir hier also auch driften.“

„Könnten?“

*Handbremse zieh*

„Huiiii!“

Wer Spaß mag, soll Spaß bekommen. 😉