Gründe zum Taxifahren

„Ach, es geht gar nicht nach Hause?“

„Nee. Ich wohn da, wo Du mich eingeladen hast. Da hab ich mich von dem anderen Taxifahrer hinbringen lassen. Aber als ich da war, ist mir eingefallen, dass ich mein Fahrrad doch an der Fischerinsel abgestellt hab und das auf dem Rückweg holen wollte.“

Was man nicht im Kopf hat, hat man im Geldbeutel. 😉

So macht man’s, genau so!

Wie ich hier und da vielleicht schon habe durchklingen lassen: Die letzten Tage vor Weihnachten waren nicht so der Bringer. Ich hatte versucht, mir mit ihnen die aktuelle freie Woche zu erkaufen, finanziell geklappt hat’s nur bedingt.

So fuhr ich eines Abends nach einstündigem Warten und einer anschließenden Kurztour wieder am Ostbahnhof vor – allerdings nur, um dem Kollegen, mit dem ich mich dort unterhalten hatte, mein Leid zu klagen. Und theatralisch zu betonen, dass ich mir das nicht noch einmal antun würde. Er sah mich über den Rand seiner Brille fragend an und sagte:

„Ja und? Wo willste denn sonst was kriegen?“

„Keine Ahnung. Ich hatte vorher schonmal Winker am Boxi, vielleicht fahr ich da wieder vorbei …“

„Winker! Tss. Heute, is‘ klar …“

wischte er meine Idee beiseite. Wir verabschiedeten uns und ich fuhr los. 20 Meter die Straße runter, links ab, 100 Meter die Pariser Kommune entlang und … Winker!

OK, es war nur eine Kurzstrecke. Und ja, auch die zweite, anschließende, Winkertour war eine eben solche. Selbst die Schicht insgesamt ist am Ende alles andere als perfekt gelaufen. Aber in diesem einen Moment, nachdem ich die Halte wegen Winkern verlassen und 120 Meter später welche bekommen habe, in dem Moment hab ich mich gefühlt, als könne mir diese Arschkrampe von Zufall mal sowas von gar nix. Ich hatte alles im Griff!

Ist genauso Bullshit wie sich über kurze Touren ärgern. Aber Motivation hat ja auch einen Wert an sich! 😀

Voll geile Gründe

„Sag mal, kannste vielleicht ’n bisschen billiger machen? Eigentlich sollte das Geld noch fürs Sonnenstudio reichen.“

Ich bin inzwischen ja wirklich schmerzbefreit bei Ausreden, warum ich heute mal wieder weniger Geld verdienen soll – aber bei der guten Frau hab ich mich wirklich gefragt, ob sie gelegentlich noch mitkriegt, was sie so redet.

Bevor mich jemand schilt, weil ich Sonnenstudios so viel unwichtiger nehme als die Bezahlung meiner eigenen Arbeitszeit: Es ließ sich ein einfacher Kompromiss finden – der sich da Kurzstrecke nannte. Aber ich war selten so kurz davor, diesen Tarif versehentlich zu vergessen, das ist mal sicher …

Dafuq?

Manchmal weiß man als Taxifahrer ja nicht, ob man Fahrgäste für komisch halten soll wegen dem, was sie sagen – oder oder dem, wie sie es sagen.

Der Typ, um den es geht, kam wie gerufen. Ich hatte gerade eine Tour beendet, gewendet und schon stand er da. Mit einem Rollkoffer, den er gerne neben sich auf die Rückbank quetschen wollte und einer Fahrt von ungefähr 800 Metern.

„Na, da mache ich mal Kurzstrecke, oder?“

„Das wäre sehr nett. Und sie sollten übrigens unbedingt mal Sport betreiben.“

WTF?

Und nun mal im Ernst: Ich weiß, dass ich übergewichtig bin. So weit, so offensichtlich. Ebenso ist mir bewusst, dass im Sitzen arbeiten und Übergewicht eine schlechte Combo ist. Um zu der Erkenntnis zu gelangen, braucht man sich ironischerweise nicht einmal aus dem Haus zu bewegen. Aber was zur Hölle bewegt Menschen zu so einem Gesprächseinstieg? Ich habe noch nie Fahrgäste begrüßt, indem ich gesagt habe, dass das jetzt ungefähr 20 € kostet und sie sich mal einen anderen Modegeschmack zulegen oder endlich die Abendschule besuchen sollten, damit aus ihnen auch noch was wird. Und es ist beileibe nicht so, dass es mir dafür an Adressaten gemangelt hätte.

Aber der Typ war merkbefreit. Binnen anderthalb Minuten hat er weiter runtergebetet, wie wichtig Sport wäre und wie hart mein Job mit dem ständigen Sitzen doch sei. Die Fahrt blieb trinkgeldlos und am Ende verbrachten wir noch einige Zeit damit, eine Münze zu suchen, die er in meinem Auto verloren hatte. Weniger schlau geworden bin ich selten aus Fahrgästen.

Was vielleicht noch erwähnenswert ist: Er selbst hatte meiner semiprofessionellen Schätzung nach ungefähr 40 kg Übergewicht.

Die Pillauer

„Alter, ich will in die Pillauer Straße. OK? Warte, ich zeig’s Dir: Ist irgendwo zwischen Ostbahnhof und Warschauer!“

Vielleicht die Gegend, die ich am besten zu kennen glaube. Aber die Pillauer … nun ja, ich hatte in dieses kurze Sträßchen trotz allen Standhütens am Ostbahnhof in sechseinhalb Jahren keine Tour. Absurd, aber so kann’s halt gehen. Und die Straße ist nun wirklich sehr klein und unwichtig.

Und was hab ich gemacht: Ich bin die Sache ehrlich angegangen. Ich hab gesagt, dass ich dazu das Navi nutzen müsse, die Straße würde ich leider nicht kennen. Am Ende hat mir der Kunde mit seinem Smartphone die Ecke gezeigt, und dank der Straßen drumrum war mir sofort klar, welche das war. Sowas passiert mal in einer 900km²-Stadt, so ist es halt. Ich hab schon meines Unwissens wegen aus Kulanz eine Kurzstrecke (wir starteten an der Wühlischstraße) reingehauen und es hat gereicht.

Kunde zufrieden, Job done.

Traurig war, dass er mir unterwegs erzählt hat, dass einer meiner Kollegen all seine Hinweise abgeschmettert hat und ihn „zielsicher“ zur Libauer Straße gebracht hat. Ja, ist nicht weit weg. Aber WTF?

Und nein: Der Kunde war nüchtern und hat sehr deutlich gesprochen.

Sommertrinkgeld 1

Die vergangene Woche war heiß. Da gab’s dann auch mal Trinkgeld im überwörtlichen Sinne. Sehr schön – wobei? Ich hab’s noch nicht probiert! – war das hier:

Polnisches Apfelbier – öfter mal was neues … Quelle: Sash

Öfter mal was neues … Quelle: Sash

Polnisches Apfelbier ist das. Wurde mir regelrecht aufgenötigt von ein paar Kerlen, die mich anschließend dreimal ermahnten, es nicht während der Arbeit zu trinken. Das gab es im Übrigen zusätzlich zu einem Euro Trinkgeld auf eine läppische Kurzstrecke. Sehr schön, sowas. Seit dem Fototermin eben liegt die Dose im Kühlschrank. Ich bin wirklich gespannt. 🙂

Die ersten Kurzstrecken zum neuen Tarif

Die Kurzstrecke ist bei der Tarifänderung zum 30.6. ja am meisten in Mitleidenschaft gezogen worden. Während der Kilometerpreis um 21 bis 22 Cent erhöht wurde und der Startpreis um 50 Cent, kostet die Kurzstrecke nun einen satten Euro mehr: 5,00 statt 4,00 €. Dass der Anstieg so heftig war, erklärt sich aber zum Teil auch dadurch, dass die ersten Kilometer nun schon zum zweiten Mal teurer werden, der Kurzstreckenpreis das erste Mal aber nicht erhöht wurde.

Trotzdem:

„Fünf Euro glatt, da kommt ja kein Trinkgeld mehr zusammen!“

Ich fürchte das auch. Andererseits muss ich zugeben, dass ich das auch letztes Mal befürchtet hatte, als die Kurzstrecke von 3,50 € auf 4,00 € angehoben wurde. Davor hatten die meisten mit 4 € bezahlt und es stand zu befürchten, dass da viel umverteilt werden würde. Meine Statistik nach einiger Zeit ergab damals aber eher ein anderes Bild.

Auch heute denke ich wieder:

„Ach fuck, 5 € ist so eine runde Summe, da gibt niemand was drauf!“

Und ja, da gibt es einen kleinen Schein für, ich halte das wieder für ein realistisches Szenario. Andererseits waren die zwei Zwei-Euro-Stücke auch eine Art Marke.

Für eine Statistik ist es freilich zu früh. Ich habe gerademal 1,1 Schichten zum neuen Tarif gefahren, dabei waren genau zwei Kurzstrecken. Das Ergebnis ist dennoch interessant.

Die erste Fahrt verlief getreu der schlimmsten Vermutungen. Ich bekam einen Fünfer gereicht mit dem süffisanten Hinweis, dass das jetzt sicher blöd sei, wo kein extra Trinkgeld mehr dazu kommen würde. Vielen Dank auch für die „aufmunternden“ Worte! -.-

Aber schon bei der zweiten Kurzstrecke eine halbe Stunde später bekam ich glatte 6 € auf die Hand. Vielleicht eine Ausnahme, aber in Anbetracht der letzten Erfahrungen hoffe ich mal auf das Beste …