Kurzstrecke x 2

Viele Kunden träumen ja davon, mal zwei Kurzstrecken hintereinander zu fahren. Blödsinnigerweise. Ja, es wäre immer noch günstiger als der Normaltarif – allerdings ist es weniger Ersparnis als bei einer Kurzstrecke. Bei dreien hintereinander egalisiert es sich langsam wieder, ab vieren könnte ich das Spiel mitspielen, weil es mir ein Umsatzplus beschert* … 😉

Aber meine Kundschaft hatte sogar Grund zu fragen, denn sie hatten eine Fahrtunterbrechung. Kurz vom Suicide Circus in die Simon-Dach-Str. und nach dem Holen des geliebten aber vergessenen Handys schnell wieder zurück. Hätte von der Strecke vielleicht mit einer Kurzstrecke gereicht, aber Wartezeit is da ja nicht. Ich hab aber gesagt, dass wir – wenn sie sich mit dem Holen beeilen – unter den 8,00 € für zwei Kurzstrecken landen würden.

Und dann standen wir da, das Mädel war das Handy holen und sie kommt und kommt nicht …

Ihr Freund hat sie dann versucht anzurufen, ist aber bei einem Kumpel gelandet, der genauso verpeilt war wie er. Am Ende ist es jedenfalls wider Erwarten noch ziemlich knapp geworden. Aber dann hab ich sie letztlich doch bei 7,80 € entlassen können. Großartig! 20 Cent gespart – immerhin hab ich die als Trinkgeld bekommen. Nicht viel, aber eben besser als null, ne?

Ach ja, warum hatte es eigentlich so lange gedauert. Handy nicht gefunden?

„Nee nee, wusste ja, wo es war. Aber wo ich schon mal im Bad war, hab ich mich gleich nochmal frisch gemacht …“

OK, dafür war es dann wieder recht schnell!

(Hab das jetzt sehr grob überschlagen, vielleicht liege ich um ein paar Cent falsch.)

Ist das weit?

Da fahr ich am Ostbahnhof weg, weil nix los ist. Die Straßen waren voller Winker, also warum sich die Reifen plattstehen? Und siehe da: Ich fahre nur einmal ums Eck und in der Straße der Pariser Kommune, direkt vor dem Ostel, standen zwei Mädels. Kurzes Reinklettern, dann die Ansage:

„Einmal Kurzstrecke ins Berghain.“

Na gut, wenn es das wert ist. Ich hab keine Diskussion gestartet, die die Kurzstrecke haben wollen, wissen in der Regel Bescheid. In dem Fall wäre der Normaltarif vielleicht sogar 20 bis 40 Cent billiger gewesen, aber wayne? Dann meinte Madame auf dem Beifahrersitz:

„Und, is des weit?“

„Äh, nee. Quatsch, das sind vielleicht 400 Meter.“

„Orrr, ich bring Dich um!“

Das war glücklicherweise nicht an mich gerichtet, sondern ihre Freundin. Die konterte:

„Hey, letztes Mal hat des irgendwie weiter gewirkt. Und da sind wir dann durch irgendwelche ewig langen Gassen gelaufen …“

Gut, war vielleicht doch sinnvoll, dass sie ein Taxi genommen haben. Irgendwelche Gassen liegen auf dem kürzesten Weg nämlich nicht.

Kurz mal dankbar

Ein etwas breiter gebauter, aber recht flinker Typ eilte mir an der Ampel entgegen. Er verwendete unmissverständliche Zeichen, um mich zu bitten, einsteigen zu dürfen. Na klar! Als ob ich was gegen Winker hätte …

„Ey Du!? Ich darf doch Du sagen, oder? Ey, verdammt, tut mir echt leid, dass ich Dich jetzt wegen so einer kurzen Strecke hier – muss echt ganz um die Ecke sein, Ist echt nicht böse gemeint, aber mein Navi hat das irgendwie voll verkackt, das – ey sei bitte nicht sauer! Ich weiß, dass eine kurze Fahrt jetzt sicher nicht das ist, was Du gerne hättest, ist auch echt so eine Art Notfall. Aber wenn man es mal …“

„Ganz ruhig! Alles ok! Wo soll es denn hingehen?“

„Das ist, hier, warte, zum Kater Holzig, das muss hier …“

„Jo, das ist wirklich nicht weit. Machen wir mal Kurzstrecke, oder?“

„Ja Mann, danke Mann! Echt, ist scheiße wegen der kurzen Fahrt, ich würde ja auch nie ein Taxi nehmen, wenn das jetzt nicht …“

Die Fahrt hat keine Minute gedauert, ich hab es kaum hinbekommen, ihn in der Zeit ruhigzustellen. Was für ein Aufhebens! Zumal jeder verdammte Winker die Schicht nur besser machen kann – auch wenn er nur 10 Meter weit fährt. Vom Stand aus kann eine kurze Fahrt natürlich mal weh tun. Aber von unterwegs?

Naja, er scheint vor mir jedenfalls entsprechend einschlägige Erfahrungen gemacht zu haben. An die Kollegen, die wegen solch einer Tour auch noch meckern, geht hier mal wieder ein Danke raus: Die drei Euro Trinkgeld haben mich ernstlich erfreut! 😉

„Lass ma‘ Videothek geh’n!“

Bei dem Satz hat es mir die Zehennnägel hochgerollt. Gar nicht wegen der fortschrittlichen Grammatik, sondern eher weil ich ein paar Sekunden zuvor eine Kurzstrecke ins Taxameter gehauen habe. Es ist noch nicht lange her, dass ich die Problematik geschildert habe: Wenn man während einer Kurzstrecke anhält, dann läuft die Uhr nicht weiter. Genau deswegen ist es auch nicht erlaubt. Oder die Uhr läuft nicht weiter, weil es eh nicht erlaubt ist. Ist wahrscheinlich so eine Huhn-Ei-Problematik.

Und ich hab so meine Erfahrungen, wie es laufen kann, wenn zwei Jungs um die zwanzig „mal kurz einen Film ausleihen“ wollen. Vielleicht ist das ja etwas, über das sachma was schreiben möchte, er hat mit mir zusammen die legendärsten und längsten Aufenthalte in Stuttgarter Videotheken zustandegebracht, meist mit einem ausgesprochen banalen Endergebnis 🙂

Und nun saßen die beiden, jeder mit einem Sixer  bewaffnet bei mir im Taxi und wollten eigentlich nur kurz zum schlesischen Tor. Wenngleich die Wartezeit mich überlegen ließ, ob ich nicht einfach sagen sollte, dass das nix wird, würde die Tour auf der anderen Seite mit Umkehren und dem Zwischenstopp am Ende über die Kurzstrecke hinausgehen – und über die Kurzstrecke hinaus sind ja binnen knapp 800 Metern der doppelte Umsatz …

Also hab ich sie diplomatisch darauf hingewiesen, dass ich das eigentlich nicht dürfte – sogar das mit der Uhr hab ich angesprochen – und um Eile gebeten. Die legten sie auch tatsächlich an den Tag! Als Pfand behielt ich ihre komplette Party-Ausrüstung und die war ihnen wohl wichtig genug, um bereits nach anderthalb Minuten wieder vor dem Taxi zu stehen. Außerdem waren sie jetzt so erfreut, dass sie sich doch gleich bis ganz nach Hause bringen ließen, was am Ende knapp über 10 € Umsatz für mich bedeutete und die Sache wert war. Noch viel besser aber war, dass sie sich tatsächlich noch überschwänglich dafür bedankt haben, obgleich mein Verlust reell gesehen rund 40 Cent betragen hat 😀

Ein Kurzstreckenbeispiel

Wie schon öfter mal erwähnt: nicht alle Kollegen sind mit der Kurzstrecke glücklich. Auf der einen Seite bin ich natürlich froh um jeden Euro extra, auf der anderen Seite denke ich, dass es durchaus ein paar Kunden gibt, die nur an ein Taxi denken, weil es diesen Billig-Tarif gibt. Und da zählt dann halt auch wieder, dass man um jeden Euro extra froh sein kann.

Drei von der Sorte hatte ich derletzt. Junge Typen, alle unter 20 und wahrscheinlich nicht rasiert, sondern noch natürlich bartlos. Bewaffnet waren sie mit jeweils drölf Taschen, die sie keuchend absetzten, um mich heranzuwinken. Sie fragten nach einer Kurzstrecke und kurz darauf luden wir ihr Gepäck auch schon ein. Also … Gepäck …

Leergut, ein knapper Kofferraum voll. Dauerte dennoch keine 20 Sekunden zum Reinwuchten und dann ging es zum Kaiser’s am Kotti, wo sie die Flaschen nach eigenem Bekunden in Getränke für den nun folgenden Abend einzutauschen gedachten. Da musste ich doch sofort wieder an meine alte WG und diverse Pfandbons denken …

Und mehr als 4 € hätten wir damals auch nicht für ein Taxi übrig gehabt 😀

Zum lachen?

Vanessa (@nessi6688) hat mir gestern abend bei Twitter mal eben einen Link zu einem Comic geschickt. Den reiche ich gerne an euch weiter:

Tim Dinter: Kurzstrecke

Darüber hinaus wollte ich mich zu diesem Anlass bei den vielen Kollegen bedanken, die tagtäglich mit unermüdlichem Einsatz geradezu dafür kämpfen, dass wir Taxifahrer in Berlin als so liebenswerte Menschen wahrgenommen und dargestellt werden, wie Tim Dinter es hier exemplarisch getan hat!

/ironie

Ob die Kurzstrecke dem Taxigewerbe nützt oder schadet, kann man geteilter Meinung sein. Ich kenne die Zeit vor der Kurzstrecke nicht, hab allerdings bisher auch nicht mehr Aussagen als „Früher war alles besser“ gehört. Da sich das wahlweise auf die Wiedervereinigung Berlins, die Euro-Einführung, die Kurzstrecke, die letzte Tariferhöhung, den letzten Sommer oder die letzte Tour bezieht, will ich mich nicht zu einer endgültigen Aussage hinreißen lassen, die eventuell falsch ist.

Was ich aber ganz sicher sagen kann: Wir Taxifahrer hätten mehr Geld zum Leben, hätten wir mehr Kunden. Inwiefern das hier so schön skizzierte Verhalten dazu beitragen soll, Kunden zu gewinnen oder an die Dienstleistung Taxi zu binden, kann ich aber nicht wirklich erkennen.

Und ebenso wie ich es den Kunden immer sage:

„Es geht um 2,60 €. Das ist alles! Ist das den ganzen Stress wirklich wert?“

Gute Nacht!

Ich hab schon lange nicht mehr einfach so nach der Schicht gebloggt. Muss auch mal wieder sein! 😀

Im Grunde ist heute Nacht nicht viel passiert. Mein Umsatz war zwar ok, aber auch sicher kein Grund zum Ausflippen. Bei vielen Kollegen war es sogar eine ziemlich beschissene Schicht. Zumindest haben sie das unisono behauptet, als ich sie das letzte Mal gesehen habe. Morgen ist das wieder andersrum, ich kenn das ja …

Nein, es war einfach schön, mal wieder auf der Straße zu sein!

Das Wetter zeigt sich die Tage ja eher von seiner wechselhaften Seite, heute Nacht war es zwar kühl, aber durch die Bank trocken. War irgendwie klar, denn mein Tagfahrer hatte mir am Telefon noch gesagt, dass er das Auto nicht waschen würde – würde bei dem Regen nicht lohnen. Und da stand die Karre dann verkrustet rum und es wollte nicht schiffen! War ja klar.

(Nein, das war nicht als Wortwitz gedacht, aber ihr dürft es gerne so lesen.)

Anfangs dachte ich, ich hätte Glück mit der Länge der Fahrten, aber das traf eigentlich nur auf eine einzige zu. Im Laufe der Nacht hatte ich rund 40% Kurzstrecken, noch dazu mehrere ohne Trinkgeld. So gesehen war es finanziell eher mau, bzw. wie immer hätte es gerne ein bisschen mehr sein dürfen. Damit habt ihr Pech und müsst weiterhin damit leben, dass ich euch gelegentlich mit Amazon-Links belästige 😉

Nein, nett war es vor allem, weil es gut tut, mal wieder fertig von der Arbeit zu sein und nicht vom Rumhängen vor dem Rechner. Ein paar Geschichtchen sind natürlich auch zusammengekommen und eine davon gibt es heute mittag noch. Hoffe ich jetzt mal. Muss mich dazu erst noch aufraffen.

Es verabschiedet sich mehr oder minder live aus dem Marzahner Plattenstudio ein unwahrscheinlich müder Sash, der sich aber auch nicht traut, noch allzu viel Kaffee zu trinken, weil er sonst tagsüber zu wach wäre.