Begleitung?

„Da hätten wir hier rechts gemusst.“

Verdammt! Ich war im Grunde noch am Überlegen, welche Straße das noch einmal genau war, die er da von mir in Kreuzberg haben wollte, bin aber – blöde Angewohnheit – einfach schon mal losgefahren. Ich sollte es ihm später (nachdem nach einer zusätzlichen Baustellenumfahrung langsam ein beachtlicher Umweg zusammengekommen war) auch sagen:

„Stimmt: Schlimm ist das nicht. Aber es ärgert einen, wenn man weiß, dass es eigentlich besser gegangen wäre!“

Ob er sich die Gedanken bei seinem Job auch macht, weiß ich nicht. Interessant war jedoch, wie wir auf das Thema gekommen sind:

„Und, machen Sie nur Taxi oder studieren Sie?“

„Nein, das nicht. Aber ähnlich klischeemäßig: Ich schreibe nebenher.“

Nach ein paar Worten über das, was ich schreibe, kam unerwartet:

„Super! Dann könnten Sie mich ja mal begleiten.“

„Wieso? Was machen Sie denn?“

„Kriegsfotografie.“

Uff. Ich muss an der Stelle ehrlich sein: Das hat mich ein bisschen aus der Bahn geworfen. Ich hatte schon eine Menge Leute mit sehr interessanten Jobs bei mir im Wagen, aber das ist definitiv was ganz eigenes gewesen. Wirklich was, von dem ich überhaupt keine Ahnung hab, das mir aber gleichermaßen eine Menge Respekt einflößt. Und mir hat sehr gefallen, wie er die Motivation hinter seiner Arbeit beschrieben hat: Dass es schade ist, wie die Kriegsgebiete dieser Welt hierzulande so nebensächlich erscheinen.

Und fürwahr: Fotos sind natürlich ein gutes Mittel, Menschen näher an das ranzubringen, was anderswo passiert.

„Thomas Rassloff, falls sie mal Bilder googeln wollen …“

ließ er beim Ausstieg fallen. Hab ich natürlich gemacht. Und möchte das nur zu gerne mit Euch teilen, schließlich hab ich ihn zusätzlich zu all dem auch noch als sehr netten Fahrgast in Erinnerung.

Thomas Rassloffs Seite

Seine Flickr-Alben

Flughafentarif

„Was kostet es denn bis zum Flughafen Schönefeld?“

„Von hier fast punktgenau 30 €. Es sei denn, sie bevorzugen eine besondere Strecke.“

„Also mehr als 30 €.“

„Nicht unbedingt. Ich schaff’s für unter 28 €, aber ich würde ihnen den Weg für 30 € über die Autobahn nahelegen. Meist ist es zum Flughafen ja dann doch eher eilig, oder?“

„Sagen wir 20!“

„Tut mir leid, das ist nicht verhandelbar.“

„Aber Sie sagen doch selbst, dass es mal so und mal so kostet …“

„Ja, je nachdem, welche Strecke ich fahre. Aber eine so kurze gibt es wirklich nicht – das wüsste ich, glauben Sie mir bitte.“

„Aber nachher sind das 40 € und so viel hab ich nicht mehr dabei.“

„Ich habe doch gar nichts von 40 € gesagt. Ich sagte 30.“

„Ja, Sie können mir ja sonstwas erzählen.“

„Auf dem Gebiet kenne ich mich halt aus.“

„Glauben Sie, ich wüsste nicht, wie das hier läuft!?“

Ich hab’s ja vor Spannung kaum aushalten können, was jetzt kommt. -.-

„Sie nennen mir hier jetzt irgendwelche Fantasiebeträge und am Ende zahle ich dann mehr und kann gar nichts dagegen machen. Eigentlich müssten Sie mich zum Flughafentarif befördern, aber das behalten Sie ja schön für sich, weil ich nur ein dummer Tourist bin!“

Und was ich in dem Moment nicht alles für mich behalten habe, weil er ein „dummer Tourist“ war …
Ein Flughafentarif war da aber nicht dabei.

„Tut mir leid, wir haben keinen Flughafentarif. Die Fahrt kostet um die 30 €. Kleinere Schwankungen kommen schon mal vor, das lässt sich nicht vermeiden. Auf 40 € kommen wir aber sicher nicht.“

„Ich hab auch keine 40 €!“

So langsam ist mir der Typ ein bisschen auf den Zeiger gegangen. Ganz offensichtlich gab es bei der Sache überhaupt kein Problem, nur wollte er unbedingt eines haben. Hinter mir war ein Kollege aufmerksam auf die Situation geworden und fragte, was denn los sei.

„Ich möchte nach Schönefeld und dieser Fahrer hier möchte nicht nach dem Flughafentarif fahren! Was kostet die Fahrt nach Schönefeld denn bei Ihnen?“

„Zwo’ndreißich.“

„Ist das der Flughafentarif?“

„Wie sie wollen, Meister …“

„Na endlich mal einer, mit dem man reden kann hier!“

Und dann ist er wirklich bei dem Kollegen eingestiegen. Und der ist dann – das kann ich ihm echt nur wünschen – wahrscheinlich für 32 € übers Adlergestell „immer geradeaus“ auf dem längsten irgendwie noch halbwegs vertretbaren Weg nach Schönefeld gefahren. Mir hat es nicht einmal um die gute Fahrt leid getan, man muss sich auch für Geld nicht alles antun.

Und der Flughafentarif ist jetzt also 32 €, was besser ist als 28 bis 30 – insbesondere für Kunden, die keine 40 € mehr haben.

Es heißt nicht ohne Grund „Bekloppte, euer Bus fährt!“. Fürs Taxi ist der ein oder andere da draußen offenbar schon zu bekloppt.

Is‘ zwar länger, aber …

„Fuck, wie fährste da?“

Den Gedanken hab ich mehr als einmal pro Woche. Während die Kundschaft noch dabei ist, die Adresse anhand mir gänzlich unbekannter Zahnarztpraxen und Kleintierbedarfsläden zu konkretisieren, schwirrt mir der Straßenname im Kopf umher und ich denke darüber nach, über welche Brücke, welche Querstraße, das Ziel nun am geschicktesten anzufahren ist. Berlin ist eine Stadt voller künstlicher und natürlicher Hindernisse, da ist es manchmal unerheblich zu wissen, wo das Ziel liegt – vielmehr interessiert einen dann, welcher der beiden Umwege dorthin nun länger ist. Denn auf dem kürzesten Weg liegt nur allzu oft eine Baustelle, ein Fluß, ein Gleisbett oder – wenn’s ganz haarig wird – eine verschachtelte Altstadt wie in Köpenick, bei der selbst mein Lehrer in der Taxischule gemeint hat, dass wir das gar nicht erst anfangen sollten zu lernen.

Und nun stand ich in Lichtenberg in der Sewanstraße und sollte zur Nalepastraße fahren.

Nicht einmal die Ecke, in der ich mich besonders schlecht auskenne – aber sollte ich wenden oder eher nicht? Einfach spontan abbiegen hätte mich am Betriebsbahnhof Rummelsburg verzweifeln lassen. Ich entschied mich nach ein paar Sekunden für den Weg über die Schlichtallee, was meine Kundin verwundert zur Kenntnis nahm:

„Ach, sie fahren so rum?“

„Ähm, naja … wir können auch gerne …“

„Nee, machen Sie mal. Is‘ zwar länger, kann man aber machen.“

Ich mag das nicht. Man muss die kürzeste Strecke nicht unbedingt so sehr als sportliche Herausforderung sehen wie ich manchmal, aber es ist ja schon alleine unschön, dass die Kundschaft ein schlechtes Gefühl dabei hat. Und das hatte sie sichtbar, sie traute sich nur nicht wirklich, mich umzustimmen. Nach ein paar hundert Metern wollte ich aber natürlich auch nicht mehr wenden – und es wäre auch bekloppt gewesen. Sie versuchte dann lange, mir zu erklären, dass es wegen der Unterbrechung der Nalepastraße sinnvoller wäre, von Schöneweide aus ranzufahren und ich begann, ihr zu glauben. Ich hatte sogar zwischenzeitlich die Überlegung, die Uhr einfach einen Kilometer vorher auszumachen um sie zu beruhigen. Am Ende hab ich’s aus Pragmatismus nicht getan. Hätte auch bloß eine Diskussion gegeben …

Und was soll man sagen: Laut Onkel Google war meine Wegstrecke ganze 100 Meter länger als ihr Vorschlag. Das unangenehme Gefühl bei ihr kann ich jetzt zwar rückwirkend nicht mehr ändern, mein eigenes ist aber restlos weg. Ganz so schlimm ist es um meine Ortskenntnis dann also doch nicht bestellt. 🙂

Wetten dass?

Eine wirklich passable Truppe – zumindest fürs Sisyphos. Drei Leute, alle noch in tragbarem Zustand, gute Laune an Bord. Und alle so: yeah! Das Ziel lag ein Stück weit die Danziger hoch, immerhin eine ganz nette Fahrt für einen locker zweistelligen Betrag. Dafür, dass ich keine 5 Minuten warten musste, konnte ich echt nicht meckern.

Die beiden Jungs und das eine Mädel stammten offensichtlich aus verschiedenen Gegenden, Spanien, Südamerika und Australien. Das nenne ich mal eine bunte Mischung. Im Taxi blieb es meist bei Englisch, was mir ganz gut gefiel, so konnte ich hier und da mitreden. Der Spanier sah kurz vor Ende der Fahrt nicht mehr sehr frisch aus und meinte auch selbst, dass er vielleicht doch etwas mehr als einen Salat hätte essen sollen, wenn er feiern geht. Ich hab das eine Weile mit wachen Augen beobachtet, ihm dann aber kurz vor unserem Zwischenstopp an einer Bank gesagt, er solle sich ja rechtzeitig melden, wenn … also nur so, ja?

„WHAT!? Don’t worry ‚bout him!“

fauchte es aus der australischen Ecke.

„He’s fine and there’s no problem!“

„Sure.“

Ich hab selten so verächtlich „sure“ gesagt – sollte es aber öfter tun 😉

Denn wir hielten an der Bank und der junge Kerl mit der schon etwas ramponierten Gelfrisur schälte sich pflichtbewusst und schnell aus Gurt und Sitz, um umgehend vor der Tür in Alkohol eingelegten Salat wieder loszuwerden.

„Hey, look at your friend: he’s getting finer and finer!“

Konnte mir die Spitze nicht verkneifen. So langsam kann ich mir vorstellen, wie sich Ärzte und Pfleger fühlen, wenn Patienten sie offensichtlich anlügen wegen diesem oder jenem. Ich hab ja auch besseres zu tun als den Leuten einzureden, sie müssten kotzen. Ich will bloß im Fall der Fälle nicht, dass es jemand zu peinlich ist, Bescheid zu sagen.

Die Freundin jedenfalls zeigte sich reumütig und dankte mir unter anderem später mit Trinkgeld. Und er?

Er hat selbstsicher verkündet, für den Rest der Fahrt kein Problem zu haben. Wäre ja ohnehin nur wegen diesem Salat gewesen …

Allee, Chaussee, schon ok!

Na, liest hier noch jemand mit, der sich erinnern kann, welchen einzigen und vermeidbaren Fehler ich bei der schriftlichen Ortskunde gemacht habe? Nicht weiter schlimm, das kann man ja nachgucken – was im Übrigen immer besser ist als Na’ucken.

Es war irgendeine Verwechslung von Allee und Chaussee. Aber klar, wäre ja auch zu einfach, wenn Berlin nur ein paar Köpenicker Straßen hätte. Da kann man ruhig noch ein paar Chausseen und Landstraßen mit dazupacken!

Was ich eigentlich damit sagen will: bei solchen Sachen bin ich aufmerksam. Vor allem, wenn mir jemand mit einer Straße kommt, die ich nicht kenne. Im vorliegenden Fall ging es um die Waldowstraße. Auch davon gibt es wieder ein paar übers Stadtgebiet verteilte. Er wollte nach Karlshorst, wo es nicht einmal eine davon gibt. Sehr sehr naheliegend ist hier allerdings der Rückschluss auf die Waldowallee – denn die gehört grob geschätzt zu den 4 wichtigsten Straßen im gesamten Stadtteil.

„Nein nein, Waldowstraße. Hat sie mir gesagt!“

„Klär das besser nochmal. Die nächste Waldowstraße liegt in Oberschöneweide und das sind noch 6 Kilometer bis dahin und die Waldowallee liegt jetzt bald vor uns …“

Ein kurzes Telefonat später, bei dem es aber hauptsächlich um die Hausnummer ging, fuhren wir weiter dem Navi nach in die Waldowstraße. Dann geschah etwas sehr glückliches. Während ich ihn abermals ein wenig nervte, dass ich mir echt unsicher wäre, weil das nun zwar der benachbarte Stadtteil, aber dennoch ein Stück weit weg sei, rief die Freundin wieder an. Wo er denn bleibe?

„Ja, weiß nich, dauert noch so, der Taxifahrer hat auch nicht so wirklich Ahnung. Ja, erklär dem des doch!“

Nun hatte ich plötzlich einen Wortwasserfall am Ohr:

„S’überhauptkeinproblemgarnichtkarlshorstkennensemarksburgstraßebaustelletreskowalleewaldowdarein …“

„Einen Moment bitte! Ich verstehe kein Wort! Also, nur eine Frage: Waldowstraße oder Waldowallee?“

„Äh, äh. Ja, Allee! Klar do…“

„Danke.“

Unter einem lautstark gegrummelten „Warum frage ich eigentlich?“ hab ich also die Kehrtwende gemacht und bin wieder zurückgefahren. War glücklicherweise nicht weit und mein Fahrgast konnte sogar seinen Termin noch einhalten. Und gutes Trinkgeld gab’s auch noch. Von nicht so wirklich Ahnung bis Ortskundeprofi in nur einem Telefonat. Das hätte ich mal vor der Prüfung gebraucht!

Voll am Rad drehen

Ich bin im Grunde ja einer der Menschen, die im Laufe der Zeit vergessen, wo ihre Hupe ist. Mal abgesehen davon, dass man sie nachts eh seltener als tagsüber einsetzen sollte: ich reagiere auch einfach nicht so sonderlich emotional im Verkehr. Die Hupe ist ja von ihrer ursprünglichen Verwendung als Warnsignal weit weggerückt. Meist wird sie inzwischen nur noch als Signal für Wut verwendet, was ihre Einsatzmöglichkeiten für mich weiter einschränkt. Ich hab beispielsweise noch nie jemanden gesehen, der die Hupe ordnungsgemäß außerorts zum Ankündigen eines Überholvorgangs (StVO §16 (1)) verwendet. Und der letzte, der es versucht hat, wurde wahrscheinlich von der Straße gedrängt, verprügelt und verbrannt.

Wenn ich sie allerdings benutze, dann achte ich auch nicht auf die strikte Verkehrsgefährdung im eigentlichen Sinn, sondern verwende sie als Hinweis. Im klassischen Fall z.B., wenn andere Verkehrsteilnehmer an einer grünen Ampel stehenbleiben. Passiert mir vielleicht einmal pro Halbjahr.

Jetzt war ich vorgestern ja auch mal wieder bei Tageslicht unterwegs und stand an einer Linksabbiegerampel, an der es sich gestaut hat. Ist natürlich immer blöd, aber gehupt habe ich nur, weil der Fahrer vor mir nach wirklich 3 Sekunden noch nicht losgefahren war und den Kopfbewegungen nach auf der anderen Straßenseite was gesucht hat, es also einfach nicht mitbekommen hat. Ich hätte ihm die Zeit dazu gerne gegönnt, aber er hatte eh keine Wahl mehr, sich zu entscheiden und hinter mir standen nochmal 20 Autofahrer, die auch gerne vorwärts gekommen wären. Ein kurzes Hupen im Sinne von

„Ey, guck mal: so langsam sollteste mal …“

hielt ich für halbwegs angemessen.

Er nicht wirklich. Was genau er in seinem Auto gemacht hat, kann ich von hinten nur schlecht sagen. Auf jeden Fall hat er auf sein Armaturenbrett getrommelt, den Kopf wild hin und her geworfen, anschließend mit den Armen herumgefuchtelt und ist dann mit quietschenden Reifen in Schlangenlinien über die Kreuzung geprescht und mit einer Geschwindigkeit davongerast, dass ich ihn nach 30 Sekunden aus den Augen verloren habe.

Verständis fürs Erschrecken: check!

Verständnis für Verärgerung: Naja, … mh gut – check!

Verständis für DIE Aktion: Äh, nö?

Hilfe!?

Ich hab mich gerade als vierter Taxifahrer am Ostbahnhof angestellt – in der Hoffnung, mal kurz eine rauchen zu können. Ging natürlich daneben. Nach dem zweiten Zug steigt plötzlich ein Junge in mein Taxi, ungeachtet der Tatsache, dass ich danebenstehe. Ich linse mal runter und sehe einen verschwitzten jungen Kerl, gefühltes Alter: 14. War aber wahrscheinlich ein Trugschluss.

Naja, der Kleine war jedenfalls voll wie Eimer und sprach etwa so gut deutsch wie afrikanische Bergziege auf Koks. Wobei? Naja, ein wenig schlechter vielleicht. Ziegen sollen ja sehr lernbegierig sein.
Englisch lag ihm offenbar auch nicht so, also versuchten wir in den nächsten drei Minuten (in denen ich meiner Zigarette nachweinte, die ich inzwischen weggeworfen hatte, weil ich im Auto saß), sowas ähnliches wie einen Zielpunkt zu definieren. Und wenn ich von schlechtem Deutsch rede, dann meine ich das zum Beispiel:

„Fragen Sie will sehe Brensber?“

Ich bin ja gutmütig und geduldig und halte mich sogar für verständnisvoll. Es hat dennoch eine Weile gedauert, bis klar war, dass er mich fragte, ob ich ihn nach Prenzlauer Berg bringen will.

„Könnser Saase!“

Kein Problem. Zumindest drei Minuten Fahrtweg später. Da hatte ich dann nach 10 Varianten die Christburger Straße auch herausgefunden. Aber es kam ja noch besser:

„Wo Hauteno?“

„Hauptbahnhof?“

„Ja, wo?“

„Das ist noch ein Bisschen weiter weg.“

„Kenn bring Könnser nicht wie Hauteno?“

OK, kürzen wir das Trauerspiel ab und übersetzen! Er fragte mich auf der Karl-Marx-Allee, wo der Hauptbahnhof sei und ob ich ihn stattdessen dorthin bringen könnte. Ist ja kein Thema. Aber er hörte nicht auf zu fragen, wo der sei. Ich vermutete also, dass er da auch nicht wirklich hin will. Und sonderlich geheuer war mir das langsam auch nicht mehr. Sprachprobleme sind kein Ding, das passiert immer wieder mal. Aber der Kerl schien einfach keine Ahnung davon zu haben, wo er hin will.

Kaum, dass der Alex langsam näherrückte, fragte er wieder nach, wo wir gerade wären. Ich erkläre es ihm und fortan beginnt er unverständliche Sätze zu sprechen, die alle bisher genannten Zielpunkte und zusätzlich noch ein Hostel beinhalten. Also gut, welches Hostel? Wo? Kann er nicht sagen. Aber er würde jetzt gerne hier am Alex rausgelassen werden. Und dem Hauptbahnhof. In Prenzl’berg. Versteht sich von selbst.

Ich lese ihm die Zahlen auf der Uhr vor, woraufhin er mir seinen Ausweis hinhält.

„Ich brauch Deinen Ausweis nicht. Geld wäre ok.“

„Ja. Hier.“

„Das ist dein Ausweis.“

„Nein.“

„Oh doch, schau ihn Dir doch mal an! Ist das Geld?“

„Ja.“

Dass er so Banane war, hatte ich trotz all der Einleitung nicht erwartet. Geduldig wie ich bin, hab ich ihm den Ausweis wieder zugeschoben und Geld verlangt. Dann hab ich dooferweise den Spruch angefügt, von dem Ausweis könne ich mir auch nichts kaufen.

„Nicht kaufen?“

„Nein, nicht Du … vergiss es! Ich brauche Geld. 7,20 €!“

„Was kann ich kaufen?“

„Keine Ahnung, was Du willst. Wenn Du Geld hast …“

„Was ich kaufen?“

So langsam ist mir der Kleine auf die Nüsse gegangen. Dann fing er an, er könne im Hostel Geld holen. Ja in welchem denn?

„Hier!“

„Dein Hostel ist hier ums Eck?“

Ich hatte ja schon gehofft, das ggf. mit nüchternen und irgendeiner mir verständlichen Sprache mächtigen Leuten klären zu können.

„Ist hier. Und hier. Oder hier? Hauteno?“

Ganz großes Kino. Ausgestiegen war er dann auch schon und wollte einfach mal blind loslaufen. Ich hab ihn dann erstmal zackig zum Auto zurückgepfiffen, auch wenn ich mir einen Moment lang gedacht habe, wegen den paar Kröten gebe ich mir das Trauerspiel keine Sekunde länger. Daran, dass er noch Geld hatte, glaubte ich ohnehin nicht mehr. Ich hab trotzdem so getan.

Etwas ratlos fragte er mich nach meiner Bitte, ob ich ihn zu seinem Hostel bringen würde.

„Ja natürlich! Aber wo ist das?“

„Du helfen?“

„Ja gerne! Aber WIE?“

„Du helfen nicht!“

Sprach’s, steckte mir einen Zehner zu und stapfte wütend davon. Würde mich wundern, wenn ich sein letztes Taxi in der Nacht war. Manche schaffen es ja ganz alleine, am letzten Tag des Monats die Idiotenquote noch mal signifikant zu erhöhen.