Allee, Chaussee, schon ok!

Na, liest hier noch jemand mit, der sich erinnern kann, welchen einzigen und vermeidbaren Fehler ich bei der schriftlichen Ortskunde gemacht habe? Nicht weiter schlimm, das kann man ja nachgucken – was im Übrigen immer besser ist als Na’ucken.

Es war irgendeine Verwechslung von Allee und Chaussee. Aber klar, wäre ja auch zu einfach, wenn Berlin nur ein paar Köpenicker Straßen hätte. Da kann man ruhig noch ein paar Chausseen und Landstraßen mit dazupacken!

Was ich eigentlich damit sagen will: bei solchen Sachen bin ich aufmerksam. Vor allem, wenn mir jemand mit einer Straße kommt, die ich nicht kenne. Im vorliegenden Fall ging es um die Waldowstraße. Auch davon gibt es wieder ein paar übers Stadtgebiet verteilte. Er wollte nach Karlshorst, wo es nicht einmal eine davon gibt. Sehr sehr naheliegend ist hier allerdings der Rückschluss auf die Waldowallee – denn die gehört grob geschätzt zu den 4 wichtigsten Straßen im gesamten Stadtteil.

„Nein nein, Waldowstraße. Hat sie mir gesagt!“

„Klär das besser nochmal. Die nächste Waldowstraße liegt in Oberschöneweide und das sind noch 6 Kilometer bis dahin und die Waldowallee liegt jetzt bald vor uns …“

Ein kurzes Telefonat später, bei dem es aber hauptsächlich um die Hausnummer ging, fuhren wir weiter dem Navi nach in die Waldowstraße. Dann geschah etwas sehr glückliches. Während ich ihn abermals ein wenig nervte, dass ich mir echt unsicher wäre, weil das nun zwar der benachbarte Stadtteil, aber dennoch ein Stück weit weg sei, rief die Freundin wieder an. Wo er denn bleibe?

„Ja, weiß nich, dauert noch so, der Taxifahrer hat auch nicht so wirklich Ahnung. Ja, erklär dem des doch!“

Nun hatte ich plötzlich einen Wortwasserfall am Ohr:

„S’überhauptkeinproblemgarnichtkarlshorstkennensemarksburgstraßebaustelletreskowalleewaldowdarein …“

„Einen Moment bitte! Ich verstehe kein Wort! Also, nur eine Frage: Waldowstraße oder Waldowallee?“

„Äh, äh. Ja, Allee! Klar do…“

„Danke.“

Unter einem lautstark gegrummelten „Warum frage ich eigentlich?“ hab ich also die Kehrtwende gemacht und bin wieder zurückgefahren. War glücklicherweise nicht weit und mein Fahrgast konnte sogar seinen Termin noch einhalten. Und gutes Trinkgeld gab’s auch noch. Von nicht so wirklich Ahnung bis Ortskundeprofi in nur einem Telefonat. Das hätte ich mal vor der Prüfung gebraucht!

5 Kommentare bis “Allee, Chaussee, schon ok!”

  1. elder taxidriver sagt:

    Was eine Allee ist , das weiß sicher jeder: Mit Bäumen gesäumte Landstraße. Und Chaussee? Ich habe öfter einen älteren Herrn vom Geheimen Staatsarchiv abgeholt, das ist in der Dahlemer Archivstraße, kann man ruhig sagen, so geheim ist es nun auch wieder nicht. Der ältere Herr arbeitete an einem Buch über preußische Chausseen. Und weil ich es wissen wollte was nun der Unterschied ist, sagte er mir in der Kürze, eine Chaussee sei eine Straße mit je einem wichtigen Gebäude am Anfang und Ende. Zu der Zeit die er bearbeitete, gab es allerdings nur zwei preußische Chausseen, habe vergessen welche. Vermutlich von Sanssouci zum Berliner Schloss und eben noch eine. Wer es nun übertrieben findet, über nur zwei Straßen ein Buch zu schreiben, kann getröstet werden: Es gibt sogar über das Komma in SANS , SOUCI ein Buch. Das heißt logischerweise: ‚Das Komma in SANS , SOUCI‘.

  2. elder taxidriver sagt:

    Es heißt nicht ‚in‘, sondern ‚Das Komma v o n Sans, souci‘.

  3. Ana sagt:

    „Komma von das Sans, Souci, Susi. Sonst machst du dat kaputt.“

  4. elder taxidriver sagt:

    Susi dankt

  5. Sash sagt:

    @elder taxidriver:
    OK, einmal mehr: wieder was gelernt. Und das mit dem Komma interessiert mich jetzt irgendwie …

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