Notiz 1

Heute wird ein Tag der Kurznotizen. Kleine Begebenheiten, die für längere Beiträge nicht reichen. Hier folgt Nummer eins, der Rest im Laufe des Tages.

Ach, was hab ich mich gefreut. Der absolute Lieblings-Kollege vor mir hat mal wieder eine Fahrt abgelehnt. In dem Fall nicht, weil er nur offenbar ungerne Kurzstrecken fährt, sondern weil er einer der alten Taxifahrer ist, „die das noch richtig machen“: Er stand an Position zwei am Stand, also schickte er die Leute zu Taxe eins. Ich weise darauf zwar auch gerne aus Höflichkeit hin, aber ich verriegele nicht meine Türe deswegen …

Die Tour ging an den ersten, alles ok.

Die nächste Kundin aber ging deswegen an seinem Auto sicherheitshalber vorbei und kam zu mir. Eine Fahrt bis nach Ahrensfelde, rund 25 €. Herzlichen Glückwunsch, Du Depp!

(Sorry, aber ich habe echt reichlich erlebt mit dem Kollegen, nur leider nie was gerichtsverwertbares …)

OK, kleiner Wehrmutstropfen: Sie hat mit einem der drei Hunnis bezahlt. Ich will gar nicht wissen, was der „Kollege“ dazu gesagt hätte …

Doppelte Straßen in Berlin

Ja gut, mein Artikel über die verwechselte Hauptstraße war ganz witzig. Ehrlich! Was sind schon 30 € für ein paar Jungs, die ohnehin noch feiern wollen.  Aro hat in den Kommentaren auf einen seiner Einträge hingewiesen, in dem zu lesen ist, dass das nicht immer so glimpflich ausgeht. Das sollte man gelesen haben, wenn man sich über die mehrfach gleiche Benennung von Straßen in Berlin unterhält. Auch als Nicht-Taxifahrer.

Und zwar hier: Berlin Street: Welche Berliner Straße?

Außerplanmäßiges und Ausgeräuchertes

Ein komischer Mittwoch ist das, ganz ehrlich. Eigentlich sollte ich frei haben – und jetzt, da ich das schreibe, trotzdem schon im Bett sein. Das … äh, war wohl nix. Allzusehr vor Müdigkeit fürchten muss ich mich allerdings auch nicht. Ich werde zwar schon recht früh aufstehen, um bereits zu Bürozeiten das hoffentlich inzwischen reparierte Auto an der Firma zu holen, danach hab ich aber eigenlich nur die Abholung eines Kollegen vom Flughafen geplant. Und das relativ spät, sprich: nach einer längeren Pause vermutlich.

Also ein etwas ungewöhnlicher Tag. Selbst für mich.

Alles in allem wird das aber wenigstens besser als die eine Tour, die mich am vergangenen Freitag bis fast in Flughafennähe geführt hat. Die längste Fahrt der Schicht, dazu noch als Winkertour auf dem Silbertablett serviert. Da freut man sich, selbst wenn es ohnehin recht gut läuft. In dem Fall war es allerdings eher schwierig, das zu genießen. Der Fahrgast war zwar nicht unhöflich, aber sehr redefaul. Nur seine Zieladresse hat er genannt und dazu darum gebeten, das Fenster zu schließen. Letzteres wäre keine Erwähnung wert gewesen, wenn der Typ nicht davor in einer Räucherei übernachtet hätte.
Ich meine: Ich rauche selbst. Viel. Merkt man sicher auch mal, wenn man eine feine Nase hat. Aber der Typ hat gerochen, als ob er akut brennt. Und ein guter Teil dessen, was der Kerl geraucht hatte, ist meines Wissens auch nicht so ganz legal in diesem Land.
Also nichts gegen Kiffer, gibt ja selten bequemere Kundschaft. Aber der Taxifahrer muss ja jetzt nicht gleich während der Fahrt high werden …

Alle einsteigen!

OK, so ganz ohne richtige Geschichte kann ich Euch ja nicht in die Woche starten lassen. Ich meine, es ist Montag, wer braucht da nicht etwas Ablenkung?

Leiten wir an dieser Stelle möglichst schlecht über zur kurzen Szene: Ablenkung brauchten die ungefähr 12 Leute auf der Oranienburger Straße in Mitte nicht mehr. Sie schienen alle schon gut dabei zu sein und störten sich kein bisschen daran, dass sie den Verkehr komplett lahmlegten, indem sie im engen Einbahnstraßenbereich kurz hinter dem Hackeschen Markt ein Taxi anhielten. Dann begannen sie zu erörtern, wer mitfährt, wer das nächste Taxi nimmt, usw. usf.
Durch die schleichende NewYorkisierung des Berliner Verkehrs sind nachts ja beinahe nur noch Taxen unterwegs. Hinter dem angehaltenen Fahrzeug stauten sich nur zwei Privatwagen und vier weitere Taxen. Das vierte war meines. Die Truppe von Feierwütigen begann sich nur sehr langsam zu verteilen, aber insbesondere die Taxifahrer warteten geduldig. Schließlich hätte ja für jeden noch eine Tour dabei herausspringen können. Taxi 1 wurde besetzt, der zweite Wagen auch. Zwei Autos vor mir öffnete einer der jungen Typen schon die Tür des dritten Wagens, da wurde es plötzlich laut unter den Protagonisten:

„Steig ein!“

„Spinnst Du?“

„Was denn? Jetzt steig ein!“

„Nein, Alter!“

„Warum nicht?“

Ja, warum nicht?

„Das ist kein Taxi, Alter!“

Tatsache. 🙂
Ich hab’s von meinem Standpunkt aus auch nicht gleich gesehen, aber es handelte sich tatsächlich um einen privaten PKW in silber. Im gelblichen Licht der Straßenlaternen nicht sehr verschieden zu den in Reihe stehenden hellelfenbeinfarbenen Droschken. Am Ende war das keine große Sache. Die Tour hat der Kollege zwischen mir und dem Pseudo-Taxi bekommen, und ich die nächsten Winker etwa 400 Meter weiter. Ich muss trotzdem ein wenig schmunzeln, wenn ich mir das ganze aus Sicht dieses Autofahrers vorstelle. Für mich ist das Alltag: „Da steht eine Horde betrunkener Jugendlicher, hoffentlich steigt einer davon ein!“. Ich schätze, diese Einstellung ist unter der Normalbevölkerung relativ unverbreitet. 😉

Wenn es mal nicht gut geht …

Schon Mitte des Monats hat mir ein Kollege eine recht lange Mail geschickt, in der er seine eher als unschön zu bezeichnenden Erfahrungen mit einer Kundin schilderte. Das Ganze beginnt wie die vermutlich beste Fahrt der Schicht:

 Eine junge Frau (etwa 25, normale Erscheinung, nicht betrunken), hatte
sich gegen 2.00 Uhr über die Zentrale ein Taxi bestellt und wollte
schnellstmöglich von Moabit/Beusselstr. nach Köpenick/Altstadt. Ihre
Freundin hätte Geburtstag und sie habe es vergessen. Also über die
Autobahn. Unterwegs sollte ich noch an einer Tankstelle anhalten, damit
sie noch ein Geschenk besorgen kann. Hat sie dann auch in Form einer
Flasche Sekt und eines Blumenstrausses erledigt. Kurz vor dem
eigentlichen Ziel sollte ich plötzlich anhalten. Sie hatte ihre Freundin
vor einer Bar entdeckt. Bezahlung (44€) blieb erstmal aus, sie wollte
schnell gratulieren. Als sie dann wieder kam, stellte sie fest,das sie
gar kein Geld mehr hatte. Aber kein Problem, die Freundin war ja da und
würde ihr sicher was leihen. Ich bat um ein Pfand und bekam die
komplette Handtasche dagelassen. Soweit sogut.

Und das kann man wirklich so sagen. Ach wie vielen Leuten passiert es, dass sie mal kein Geld fürs Taxi dabei haben! Da gehe zumindest ich noch nicht von böser Absicht aus. Ganz ehrlich: Ich bin auch schon mal zu Hause die Treppen hochgesprintet, um noch schnell das Restgeld zu holen. Ist ja auch alles kein Ding. Normalerweise.

Es stellte sich aber
heraus, das die Freundin auch nicht genug Geld dabei hatte und so
wollten beide zur Freundin nach Hause laufen um es zu holen, wäre auch
gleich hier um die Ecke, ich sollte hier warten. Mein Hinweis auf das
laufende Taxameter wurde mit „Es dauert ja nur einen Moment“
entgegengenommen.

Ja, dumme Sache. Aber auch hier: Was passiert nicht alles. Nicht, dass das jetzt schon dramatisch wäre – vor allem, so lange die Uhr weiterläuft – aber da geht’s dann zumindest in die Kategorie „nicht schön, aber selten“.

Der „Moment“ nahm kein Ende, nach einem Gespräch mit der Zentrale zwecks
evtl. Handynummer der Dame (hat leider nicht vorgelegen weil ein Café
der Besteller war) und einem nichts erbringenden Anruf von der Zentrale
beim Café (wegen Name oder Tel.-Nummer vom Fahrgast) rief ich die
Polizei. Es dauerte ein ganzes Weilchen bis die eintrafen. Die Uhr lief
immer noch. Die Polizei liess sich den Sachverhalt erklären, und nahm
sich daraufhin der Handtasche an. Diese war fast leer, nur ein leeres
Portmonee war darin. ABER: In diesem Portmonee befand sich in einem
versteckten Fach eine KV-Karte mit ihrem Namen drauf. Also Anzeige
gemacht und die inzwischen 64€ eingefordert.

Manchmal kann man als ehrlicher Mensch ja dann doch von der Blödheit der anderen profitieren …

Die Fahrt fand schon im Frühling dieses Jahres statt, diesen Monat war dann die Gerichtsverhandlung. Alles in allem liest sich das wie ein Auszug aus einem Fernsehschauspiel: Die Dame will den Kollegen noch nie gesehen haben, die Tasche habe sie vielleicht irgendwo verloren, sie sei jedenfalls in der entsprechenden Zeit nie Taxi gefahren, schon gar nicht so eine weite Strecke …
Das offenbar in, nun ja, größerer Ausführlichkeit vorhandene Vorstrafenregister ließ das Gericht nun aber offenbar von einem geplanten Betrug ausgehen. 50 Tagessätze à 15 € zuzüglich Verfahrenskosten und natürlich den 64 € waren das Ergebnis dieser „günstigen“ Taxifahrt.

Der Kollege ist ein wenig sauer, dass es nur so wenig ist, die Richterin hat jedoch offenbar verlauten lassen, mehr sei nicht drin, da die „Kundin“ ohnehin nur ALG2 bezieht. Gut, nach den Schilderungen darf bezweifelt werden, ob sie das in Zukunft daran hindert, Mist zu bauen. Auf der anderen Seite isses doch schön, dass der Kollege sein Geld bekommt. Und, hey: Voraussichtlich über 1.000 € für ’ne innerstädtische Taxifahrt zu blechen würde mich persönlich ganz schön ärgern …

Dagegen sind unsere normalen Tarife doch eigentlich recht fair, oder? 😉

Also im Ernst: Verscherzt’s Euch nicht mit uns!

Reden ist Gold!

Ich werde inzwischen ja doch in ziemlicher Regelmäßigkeit auf den Blog hier angesprochen. Ist ja klar, einige von Euch kommen ja auch extra am Ostbahnhof vorbei, um mich zu besuchen. 🙂

Wirklich lustig fand ich jedoch derletzt einen Kollegen, der sich zaghaft näherte und fragte, ob ich denn „der mit dem Blog“ sei. Nachdem ich das in Ermangelung wirklicher Begabung beim Lügen zugegeben hatte, meinte er:

„Meine Frau liest immer bei Dir. Seitdem will sie meine Geschichten gar nicht mehr hören. Find ich gemein!“

Ich möchte mich hiermit zum einen entschuldigen, zum anderen aber auch mal was loswerden:

Man erlebt als Taxifahrer viel. Sehr viel! Das sind nicht immer nur spannende Geschichten, da ist auch viel von dem dabei, was man als „Alltagsschrott“ klassifizieren könnte. Menschen erzählen uns von ihrem Alltag, von ihren Freuden, Sorgen und Nöten. Das ist vielfach belanglos. Selbst für Blogs wie GNIT (bei dem ich ja an Belanglosigkeiten nicht spare). Mafiabosse, Ehebetrüger, Prominente – kommt alles vor, ist aber doch im Vergleich zu Mensch XY auf der Straße selten. Und ich glaube, die meisten von uns sind froh, wenn sie zumindest einen Teil davon irgendwie loswerden können. Nicht unbedingt in Details – ich denke, da muss man sich als Fahrgast nicht viele Sorgen machen! – aber raus muss es manchmal.

Ihr kennt das sicher von Euren eigenen Problemen.

An dieser Stelle möchte ich mich deswegen bedanken. Bei unseren Partnern, unseren Freunden und ggf. auch unseren anderen Ansprechpartnern. Barkeepern zum Beispiel. 🙂
Und in meinem Fall natürlich Euch Lesern.

Und natürlich besagter Leserin, die zeitgleich Partnerin eines meiner Kollegen ist!

Ohne Euch würde uns Kutschern etwas ganz wichtiges fehlen. Nicht jeder von uns sagt das so, nicht jeder kann das. Nicht jeder will das sagen und manche brauchen es vielleicht wirklich nicht. Aber ich bin sicher, dass Ihr – wer immer Ihr seid! – sicher hier und da die ein oder andere Depression, den ein oder anderen Amoklauf o.ä. verhindert habt.

Das ist sicher nicht übertrieben.

PS: Liebe Leserin, ich weiß es zu schätzen, dass Du meine Geschichten magst. Aber dein Mann hat sicher mindest genauso viel zu berichten. Hör ihm zu, er hat es nicht leichter als ich – und sicher nicht weniger zu berichten! 🙂

Kurz und jut

Krankenhaus war doof. Kann man sich ja denken. Übermüdung, stundenlanges Warten – und das alles garniert mit einem wunderbaren Potpourri unterschiedlichster Schmerzen. Entsprechend verstört stand ich dann mit Ozie in der Mittagssonne vor dem UKB. Heimfahrt war angesagt, aber so wirklich irgendwas auf den Plan kriegen war an dem Tag nicht mehr mein Metier.

Während des völlig sinnlosen Rumüberlegens, ob wir nochmal ein Taxi nehmen sollten, kam ein Bus vorbei, der wenigstens so ungefähr in unsere Richtung fuhr. Wohin genau, wussten wir beide nicht. Es gab nämlich noch irgendeine Umleitung, die war auf dem Plan kryptisch formuliert, der Fahrer sagte gar nix dazu und wen interessiert sowas auch Samstag Mittags? 15 Minuten später briet unser immer höher am Firnament stehendes Zentralgestirn mir auch noch die letzten Nerven, während wir ungefähr dreieinhalb Blocks von zu Hause entfernt an der Straße standen. Kurz bevor sie gar waren, nahte das vertraute Hellelfenbein in der Ferne.

Ozie und ich hatten davor über eine Kurzstrecke sinniert, geistig reichte unser Zustand allerdings allenfalls so weit wie der mancher meiner Fahrgäste: Wer hat schon Bock, wegen Zwofuffzich den Mund aufzumachen. Ozie meinte noch, wir hätten nur eine kurze Strecke, ich dachte „Och nöö, hätteste ja gleich Kurzstrecke sagen können“ und der Fahrer drückte wie selbstverständlich den ermäßigten Tarif rein. Es gibt diese Kollegen also auch außerhalb der 1925. Hach! 🙂

Mit leichtem Akzent (keine Ahnung, woher. Sachsen? Ungarn?) verriet der Kollege, dass er gar nicht in der City fährt, sondern nur hier draußen im Osten – dann war die Tour auch schon vorbei. Das Taxameter stand nach wie vor auf 4 €, er hat letztlich mehr als den Normalpreis erhalten. Und sich etwas überrascht gefreut. Reicht ja, wenn einer einen beschissenen Tag hat!