Kurz und jut

Krankenhaus war doof. Kann man sich ja denken. Übermüdung, stundenlanges Warten – und das alles garniert mit einem wunderbaren Potpourri unterschiedlichster Schmerzen. Entsprechend verstört stand ich dann mit Ozie in der Mittagssonne vor dem UKB. Heimfahrt war angesagt, aber so wirklich irgendwas auf den Plan kriegen war an dem Tag nicht mehr mein Metier.

Während des völlig sinnlosen Rumüberlegens, ob wir nochmal ein Taxi nehmen sollten, kam ein Bus vorbei, der wenigstens so ungefähr in unsere Richtung fuhr. Wohin genau, wussten wir beide nicht. Es gab nämlich noch irgendeine Umleitung, die war auf dem Plan kryptisch formuliert, der Fahrer sagte gar nix dazu und wen interessiert sowas auch Samstag Mittags? 15 Minuten später briet unser immer höher am Firnament stehendes Zentralgestirn mir auch noch die letzten Nerven, während wir ungefähr dreieinhalb Blocks von zu Hause entfernt an der Straße standen. Kurz bevor sie gar waren, nahte das vertraute Hellelfenbein in der Ferne.

Ozie und ich hatten davor über eine Kurzstrecke sinniert, geistig reichte unser Zustand allerdings allenfalls so weit wie der mancher meiner Fahrgäste: Wer hat schon Bock, wegen Zwofuffzich den Mund aufzumachen. Ozie meinte noch, wir hätten nur eine kurze Strecke, ich dachte „Och nöö, hätteste ja gleich Kurzstrecke sagen können“ und der Fahrer drückte wie selbstverständlich den ermäßigten Tarif rein. Es gibt diese Kollegen also auch außerhalb der 1925. Hach! 🙂

Mit leichtem Akzent (keine Ahnung, woher. Sachsen? Ungarn?) verriet der Kollege, dass er gar nicht in der City fährt, sondern nur hier draußen im Osten – dann war die Tour auch schon vorbei. Das Taxameter stand nach wie vor auf 4 €, er hat letztlich mehr als den Normalpreis erhalten. Und sich etwas überrascht gefreut. Reicht ja, wenn einer einen beschissenen Tag hat!

3 Kommentare bis “Kurz und jut”

  1. elder taxidriver sagt:

    Also, die Ungarn sprechen sehr melodisch, mir fällt gerade nur Ephraim Kishon ein und György Konrad und Lilo Pulver in dem Film ‚Ich denke oft an Piroschka‘. Und die Sachsen, es kommt drauf an, wer es spricht. Hochsächsisch kann übrigens geradezu rührend wirken. Wer hat Rest-Anklänge von Sächsisch? Gert Fröbe, Herbert Wehner, Hans-Dietrich Genscher.
    Aus mangelnder Fernsehkompetenz fallen mir leider grad keine keine up-to-dateren Beispiele ein.

  2. Ana sagt:

    Schön zu wissen, dass du dir auch immernoch Gedanken um das Verhalten als Fahrgast machst, ich dachte schon wir Kunden wären irgendwie doof 😀

  3. Sash sagt:

    @elder taxidriver:
    Ach, ich hatte gar nicht wirklich Interesse an seiner Herkunft. Es war augenscheinlich halt nicht Marzahn. 🙂

    @Ana:
    Ach, das gehört ja dazu. Ich hoffe doch mal stark, dass ich hier nicht als Oberlehrer rüberkomme und arrogant über die Kundschaft herziehe. Bei 99% aller Dienstleistungen bin ich immer noch Kunde, wie sollte ich diesen Standpunkt ernstlich vergessen?

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