Visualisierte Taxiumsätze

Dank des Internets gibt es ja nichts, was es nicht gibt. Leider kommt beim vielen Rumprobieren der Kreativlinge bisweilen auch viel Quark heraus. Da schließe ich meine eigenen Bestrebungen im www durchaus mit ein, ich hab durchaus auch schon so manchen Bock geschossen. Auf eine sehr schöne Ausnahme hat mich gerade Jennifer hingewiesen, das ist Informationsvermittlung, wie sie eben nur im Netz funktioniert. Und – trommelwirbel! – es hat was mit Taxen zu tun.

„The Boston Globe“ hat die Umsätze eines Taxifahrers in Boston sehr schön visualisiert, hat mir sehr gut gefallen. Ich hab zwar auch erst einmal ein bisschen gebraucht, bis ich das wirklich verstanden hab, aber dann ist es echt interessant.  Wer das mit dem Umsatzgenörgel also mal animiert sehen möchte, der sollte folgendes anklicken:

The Boston Globe – How does a cabbie make money?

Ich mag sowas. Daten in den richtigen Händen sind was tolles – nicht zuletzt deswegen hab ich ja z.B. angefangen, meine Fahrten mitzutracken. Das ging ja auch auf die Sache mit dem Berliner Atlas paradoxaler Mobilität damals zurück. Die Daten für so eine Umsatzgrafik hätte ich übrigens (allerdings noch nicht digital) durchaus auch vorliegen. Wenn irgendwelche technologieaffinen Leute sowas wie oben auch mal machen wollen, dann hätte ich Material. 🙂

Die Eins

So, der Monat neigt sich dem Ende zu und es besteht sogar ein wenig Aussicht darauf, dass so langsam der Winter vorbei ist. Und selbst ich bin froh darüber. Aber das ist nicht alles. Es neigt sich auch die Zeit dem Ende zu, in der mein Besucherzähler (ganz ganz ganz weit unten in der Seitenleiste) eine sechsstellige Zahl anzeigt. Ab jetzt steht da nämlich noch eine Eins davor. Die wirkliche Anzahl an Besuchen – und erst recht die an Besuchern! – ist natürlich nicht mehr ermittelbar. So ein Zähler – auch wenn er gut ist – ist immer nur ein Anhaltspunkt. Aber um ein paar tausend hin oder her geht es bei der Größenordnung auch nicht mehr. Eine fucking vollständige Million Mal hat irgendwer aus irgendeinem Grund hier bei GNIT vorbeigeschaut. Sicher, viele von euch lesen regelmäßig hier und kommen täglich vorbei, andere landen nur einmal von Google aus hier und wenden sich mit Grausen wieder ab.

Aber ganz ohne Grund landet man bei Google nicht so weit vorne und erst recht hat man nicht ohne Grund reihenweise Dauerleser. Insofern bilde ich mir ein, mich doch sehr freuen zu können über diese Zahl. Und bevor Gegenworte kommen, tue ich das doch auch einfach mal.

😀

Das ist für so einen Nischenblog und weniger als 3 Jahre Zeit definitiv eine verdammt geile Sache!

Es ist natürlich auch ein toller Platz, um mal wieder um mehr Aufmerksamkeit zu betteln – also folgt mir bitte alle in den sozialen Netzwerken, macht Werbung für GNIT, kauft mein Buch und so weiter und so fort … blabla, ham’s jetzt alle? Gut. 🙂

Ich muss das jetzt noch einmal kurz vor Augen halten:

1.000.000 Besuche!

Ich hoffe jetzt einfach mal, dass der überwiegende Teil der Besuche sich gelohnt hat, dass ihr Unterhaltung und oder Informationen gefunden habt, dass es nicht langweilig war, dass es Spaß gemacht hat. Dann hat sich die ganze Arbeit hier nämlich schon ziemlich gelohnt, würde ich sagen.

Ich hoffe, ihr habt heute einen guten Tag, ich hab nämlich garantiert einen sauguten! 🙂

Limousine vs. Taxi

Motor-Talk.de hat einen zumindest halbwegs plausibel klingenden Artikel über Taxen und Limousinen-Services zusammengezimmert, den man sich hier durchlesen kann.

Das ist ja alles schön und gut und natürlich haben auch diese Dienstleister ihre Kundschaft und das ist ja auch toll für alle Beteiligten. Ein bisschen bemüht finde ich allerdings die Preisvergleiche. Die Referenz-Flughafenfahrt in der günstigsten Kategorie bei MyDriver kostet zwar tatsächlich weniger als das Taxi, allerdings ist das

a) eine einzelne Ausnahme unter den Tarifen der Anbieter und

b) auch nur gegeben, weil es sich um eine lange Fahrt handelt.

Wahrscheinlich sind Limousinenfahrten durchschnittlich länger als Taxifahrten, aber das ist ja das Problem: wenn nur die wenigsten Taxifahrten über 30 € hinausgehen (ich hab mal eine Statistik geführt, ich glaube es waren unter 5% der Touren), dann sind Limousinen eben auch nur in den wenigsten Fällen preislich nah am Taxi. Der Anbieter Uber fällt mit seinen 9,00 € Mindestpreis schon extrem aus dem Rahmen, die anderen Anbieter rangieren bei 25 € und mehr. Und, ich sage es immer wieder gerne: die durchschnittliche Taxifahrt in Berlin kostet etwa 11 – 12 €.

Und bei mir beschweren sich die Leute immer, wie teuer das Taxi doch sei. Von der Verfügbarkeit mal ganz zu schweigen.

Deswegen bin ich wirklich ganz guter Dinge, dass wir als Taxifahrer nicht ernsthaft unter dieser Konkurrenz leiden.

Netto

Also zuerst mal muss ich was über die Umfrage gestern sagen:

Faszinierend, dass sich über 60% dazu entschieden haben, Deko zu sein. 😀
Ich sollte wohl beim Formulieren etwas weniger witzig sein …

Große Stories hab ich nicht mehr rumliegen, außerdem tut mir das Tippen gerade etwas weh, weil ich mir – hier dürfen alle Beteiligten lachen – den Fingernagel am rechten Zeigefinger eingerissen hab. Die Rahmenbedingungen könnten also besser sein für einen langen Blogeintrag. Aber was kurzes zwischendurch:

Das mit der Wegfindung ist in manchen Ecken ja etwas schwieriger. Vor allem, wenn man zwar sein Navi nutzen kann, aber nicht einmal eine Hausnummer vom Fahrgast kriegt. Der, den ich vor ein paar Tagen im Auto hatte, hat sich der Informationspreisgabe durch sofortiges Einschlafen entzogen. Die Ecke in Pankow kannte ich nur so mittel, einen Kilometer vor dem Ziel wollte ich mich dann nicht mehr auf den elektronischen Helfer verlassen und hab das schnarchende Etwas geweckt:

„Hier gleich links?“

„Nee, erst beim Netto.“

Mist, find mal einen Netto nachts. War aber auch egal. Er schlief wieder ein und mein Navi korrigierte die Route auf drei Kilometer Rest. Hmm, sollte ich umdrehen? War mir dann aber egal – wahrscheinlich war das der Weg am Netto vorbei, was soll’s!

Bis ich bei ihm in der Straße stand, kam kein Netto mehr. Also vermutete ich den Netto direkt an seinem Haus IN der Straße. Hmm, auch nicht. Hab ihn dann nochmal wachgerüttelt und nach der Nummer gefragt. Er hat gesehen, dass wir schon vorbei waren – mit Wenden lag der Umweg am Ende wirklich locker bei drei Kilometern. Hab ich in dem Fall nicht an die große Glocke gehängt. Zeitlos schön dann der Abschlussdialog:

„Dann wären wir bei 20,40 €.“

„Nur? Mach mal 25.“

„Oh, danke. Eine Frage hätte ich aber noch: Wo ist bitte hier ein Netto?“

„Netto? Hier? Meine Freundin wohnt bei ’nem Netto, aber das ist in Weissensee. Wieso?“

Ach, unwichtig … 🙂

Sash bei MyTaxi

Also gut, jetzt mal offiziell:

Ich bin auch bei MyTaxi!

Einige Leute dürften das schon wissen, ich hab ja kein Geheimnis draus gemacht. Ich hab’s bei Twitter geschrieben, auf der Seite meiner Chefs – nur hier noch nicht. Das hatte durchaus Gründe, denn ich wollte hier natürlich eigentlich ein großes Fass aufmachen, mindestens die ganze App-vs.-Funkzenrale-Geschichte ausbreiten und mit halbwegs fundierten Erfahrungen glänzen. Das ist nach recht kurzer Eingewöhnungsphase allerdings schwierig.

Für mich ist es eine ziemlich heftige Umstellung, denn eigentlich bin ich nicht ohne Grund Nicht-Funker: ich steh nicht sonderlich auf Hektik im Taxi, bediene ungerne mehrere Geräte gleichzeitig, während ich fahre, hab die Musik laut und sehe die Leute gerne, bevor sie einsteigen.

Auf der anderen Seite finde ich die Entwicklung mit den Apps schon für sich spannend, finde das Konzept von MyTaxi allen Unkenrufen aus dem Gewerbe zum Trotz eine fantastische Bereicherung und bin ja sowieso gelegentlich „im Internet“ unterwegs. Außerdem gehöre ich zu den glücklichen Fahrern, die der ganze Spaß nichts kostet, weil meine Chefs die Vermittlung über die App genauso bezahlen wie sie ja auch die Funkgebühren übernehmen.

Ich hab erst sechs Touren – verteilt über mehrere Wochen – via MyTaxi gefahren, da sollte klar sein, dass ich jetzt nicht groß über durchschnittliche Kunden und dergleichen reden kann. Außerdem hab ich ein altes Handy mit einer alten Android-Version, auf der nur eine alte Version von MyTaxi läuft. Und ich hab nur die Fahrer-App. Arg viel sinnvolles über die Bedienung kann ich also kaum von mir geben – nur, dass ich den Eindruck hab, dass alles schön übersichtlich gestaltet wurde und die Leute echt Ahnung davon zu haben scheinen, was so eine App können muss. Und das ist heutzutage ja schon einmal viel wert.

Nichtsdestotrotz hab ich manchmal Probleme, was vermutlich aber gar nicht mal an MyTaxi liegt, sondern daran, dass auf meiner alten Smartphone-Gurke neben MT quasi zwingend noch mein GPS-Tracker und TweetDeck laufen muss. Da kann es schon mal vorkommen, dass das Gerät streikt und spontan neu startet. Was erstaunlicherweise nicht einmal Probleme macht, wenn es während einer Fahrt passiert – sie kann danach ganz regulär beendet werden. Und wenn ich irgendwann mal Zeit, Muße und vor allem Geld habe, mir ein vernünftiges Handy auf dem aktuellen Stand der Technik zuzulegen, dann ist das vermutlich alles Vergangenheit.

Was mir bei der ganzen Sache allerdings wirklich gefällt, das ist der persönliche Ansatz der ganzen Geschichte. MyTaxi ist eben nicht einfach ein Funkzentralenabklatsch, sondern sorgt für eine Vermittlung direkt zwischen Fahrern und Kunden. Das sorgt insgesamt am meisten für Kritik, ich finde das grundsätzlich eine gute Entwicklung. Ich will und brauche keine dritte Partei im Bunde, die über mich wacht – ich finde, es steht einzig den Fahrgästen zu, mich zu kritisieren, zu bewerten etc.
Denn die sind es, mit denen ich meine eigentliche Geschäftsbeziehung haben will und die müssen mich als Fahrer auch ertragen. Und dann ist es auch ok, wenn ich meine Statistik mit einer 1-Sterne-Bewertung starten muss – was im Übrigen wirklich der Fall war. Lustiger Funfact, wenn ihr mich fragt. 🙂

(Die Geschichte dazu gibt es nachher noch!)

Für mich bietet MyTaxi folgende Vorteile: Eventuell den ein oder anderen Stammkunden, zumindest ansatzweise sowas wie Feedback, hier und da mal eine Fahrt mehr. Nachteile: Es kostet mich ein bisschen Aufmerksamkeit, zwingt mich hier und da mal zu einer Entscheidung und hält mir vor Augen, wie antik mein Handy ist. Insgesamt ein fairer Deal.

Und ihr könnt mich selbstverständlich als Stammfahrer adden, vielleicht klappt’s ja auch auf diesem Weg, mal bei mir im Taxi zu landen.

Meine ID bei MyTaxi ist 7249SB.

(Bislang ist nur Jörn Stammkunde, das kann nicht angehen! 😉 )

Fragen, Hinweise, Diskussionen rund ums Thema in den Kommentaren freuen mich dieses Mal besonders. Davor aber wollte ich noch kurz eine Umfrage machen, wie ihr das als Fahrgäste (!) mit den Apps haltet:

Nutzt ihr MyTaxi oder andere Apps, wenn ihr ein Taxi bestellt?

View Results

Wird geladen ... Wird geladen ...

Immer wieder neues …

Was schön daran ist, während man sich als kleiner Taxiblogger auf die erste Million Visits zubewegt: Festzustellen, wo man überall verlinkt wird. Gar nicht mal nur die großen Seiten – was natürlich per se schon immer ein Happenig ist, weil ein Haufen neue Besucher die Folge ist – nein, es ist toll zu sehen, dass man hier und da auf kleinen Blogs mit Links (und meist auch noch sehr netten Worten) bedacht wird.

Deswegen guck ich gerne mal nach, wenn ich Besuche über Seiten erhalte, die mir nichts sagen.

Und manchmal findet man auf diesem Wege auch noch ganz kleine Taxiblogs …

So heute erst. Einen Blog, bei dem das Taxi nur ein Thema ist, eine Seite die noch nicht so ganz zu einem stimmigen Design oder einer ordentlichen Domain gefunden hat. Dafür aber bereits ein paar nette Texte bietet. Und das meine ich ernst. Ihr würdet mir eine große Freude machen, wenn ihr mal fix meinem Link zu DTC-Marzahl folgt, der im Taxi on his way to glory bloggt.

Und wenn mich der Autor hier hören kann: ein RSS-Feed wäre nicht schlecht!

Schwarzarbeit Mathematik

Schwarzarbeit ist so eine Sache: eine unbekannte nämlich. Da es ja genau um Arbeit (und damit Geld) geht, das NICHT messbar ist, ist man auf Schätzungen angewiesen. Ganz aktuell vermutet das bedruckte Klopapier „Bild“ (ebenso wie die aus dem gleichen Klo stammende „Welt„) unter Berufung auf die „Berliner Morgenpost„, dass die Berliner Taxifahrer jährlich rund 2 Millionen Mindereinnahmen durch Steuerhinterziehung verursachen.

Ui.

Noch viel schlimmer: das sollen nicht etwa einfach zwei Millionen irgendwas sein. Nein, das soll so viel Geld sein, weil ich und meine Kollegen insgesamt nachgewiesene grob geschätzte 50% unseres Umsatzes nicht versteuern.

Doppel-Ui!

OK, bleiben wir mal bei den Tatsachen: Ich hab keine Ahnung, ob diese zwei Millionen seriös ermittelt geschätzt wurden, oder ob grenzdebile Astrologen das noch mal eben mit dem Durchmesser des Uranus multipliziert haben. Auf jeden Fall ist das Weltklasse! Denn vor zwei Jahren hieß es in der „Berliner Morgenpost“ noch, dass wir rund 50 Millionen Euro jährlich nicht ans Finanzamt abgeben. So gesehen ist die Betrugsquote bei sicher ziemlich vergleichbaren Umsatzzahlen (und inzwischen mehr zugelassenen Taxen) von ungefähr 1250% auf 50% gefallen. Das mag insgesamt noch unzureichend sein, aber der Trend spricht für uns Berliner Taxifahrer!

[/ironie]

Ja, es gibt sicher eine Menge Schwarzarbeit im Gewerbe. Das kostet nicht nur die Steuerzahler ein paar Euro, sondern belastet auch uns seriöse Taxifahrer. Finanziell und imagemäßig. Das ist nicht witzig. Nichtsdestotrotz sind die Zahlen wahrscheinlich einfach nur Kaffeesatzleserei.