Gestatten, Dackel.

Nein, ein Dackel war es definitiv nicht. Aber ungefähr die Größe eines Dackels hatte der Hund, der an der Leine von Frauchen zerrte. Der Kollege vor mir schüttelte den Kopf, also kam sie zu mir:

„Dürfte ich auch mit kleinem Hund …?“

„Na, wenn er Autofahren gewöhnt ist.“

Meist antworten die Halter darauf recht einsilbig. „Ja.“, „Natürlich.“, Sicher doch!“ und so weiter. Und nun das:

„Das ist ein moderner, urbaner und kosmopolitischer Hund, selbstverständlich ist der das Autofahren gewöhnt.“

Äh … ja. 🙂

Im Übrigen wirkt das niedergeschrieben irgendwie eingebildet. Eigentlich kam das eher ein bisschen witzig rüber. Und auch kleine kosmopolitische Hunde brauchen wohl Übung – Frauchen gestand mir nämlich, dass der kleine Kläffer in seiner Vergangenheit sogar schon mal in ein Taxi gekotzt hat. Glücklicherweise nicht bei mir. 🙂

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„Würdest Du mich zum U-Bahnhof Hermannstraße bringen?“

„Sicher doch.“

„Ich hab nämlich keinen Bock, bis ganz da hoch zu laufen …“

Und zumindest bis zum ersten Taxi am Ostbahnhof hätte er tatsächlich noch ein Stückchen zu laufen gehabt, denn er winkte mich noch hinter der letzten Rücke ran. Ich war noch in freier Fahrt, durch die Nähe zur Halte hatte ich aber eher erwartet, er suche jemanden, der sich erbarmt, ihn für eine Kurzstrecke mitzunehmen. Um ehrlich zu sein: So war mir das noch lieber. Mir passte das nicht nur so gut, wie zahlende Kundschaft natürlich immer passt, es war einfach ein Tag mit elendig langen Wartezeiten. Und er war nun meine dritte Tour in Folge. Und außerdem der Garant für die 50 €, die ich auf jeden Fall in ein paar möglichst wenigen auf der Straße einfahren wollte. Es ist schön, dass ich mir Donnerstags nur den halben Umsatz einfahren muss, aber noch schöner ist, wenn ich dazu nicht Vollzeit zu arbeiten habe.

Zumal mir meine Coffees fehlten. Neue sind zwar bestellt, aber die DHL ist mit der Transparenz ja noch nicht so weit. Ich schätze, es war ein Update, das die Packstation außer Gefecht setzte und diesen Ladebalken anzeigte, als wir es ein paar Stunden zuvor abholen wollten. Gesagt hat das niemand, der Bildschirm versprach eine Verfügbarkeit binnen „weniger Minuten“. Offenbar sind „wenige“ mehr als zehn, denn so lange sind Ozie und ich in der Gegend rumgestanden und haben Maulaffen feilgehalten. Wäre es wenigstens ein Ladebalken gewesen, der ein ersichtliches Ende gehabt hätte – oder wäre erkennbar gewesen, ob das mit den wenigen Minuten da vielleicht schon seit einer Stunde steht … muss man ja nicht machen. War sowieso unwahrscheinlich, dass ausgerechnet jetzt jemand ein Paket abholen will, nach 19 Uhr! -.-

Aber egal, wach genug für die Tour war ich dann schon noch. Mein Fahrgast quasselte und quasselte auf erfrischend normale Art, insbesondere übers Taxifahren. Von einem Kollegen, der – auf die fünfte Ehe angesprochen – gesagt haben soll, er hätte ja schließlich auch die Autos immer mal wieder gewechselt und und und …
Ich mag es, wenn Fahrten so schnell vorübergehen. Am Ende standen wir da, ausgelassen, wieder wach und am Ziel. Da wollte er dann nochmal was wissen:

„Sag mal, kann es sein, dass am Wochenende nachts die Fahrten teurer sind?“

„Nee, definitiv nicht. Also klar, um ein paar Cent kann es mal schwanken …“

„Aber jetzt gleiche Strecke …“

„Nicht mehr als ein paar Cent. So genau sind die Taxameter auch nicht.“

„Ich hab irgendwie das Gefühl, am Wochenende kostet’s immer ein paar Euro mehr.“

„Das dürfte nicht sein.“

„OK, dann war ich wohl einfach zu betrunken.“

„Das wäre auch ein Lösungsansatz.“ 🙂

… oder er hatte mal einen dieser speziellen „Kollegen“ erwischt. Mein Preis war ihm – trotz neuem Tarif  – offenbar nicht zu hoch, denn er verabschiedete mich freundlich und mit Handschlag, Trinkgeld und stellte in Aussicht, dass wir uns vielleicht mal wiedersehen würden.

„Wie war nochmal dein Name?“

„Sascha.“

„Sascha? Hat mich gefreut, Sascha. Ich bin Umut.“

Hat mich auch gefreut. Und hoffentlich bis bald, Umut! Allerdings erst nach der nächsten Coffee, ich schlafe hier am Schreibtisch gerade sprichwörtlio117389n ioi1öioöääääääääääääääääääää

Fleckige Westen

„Wohin darf es gehen?“

„Ich müsste nach Kaulsdorf, das ist, die, die, immer die B1 runter …“

„Ja, ich weiß, danke.“

„Oh, Entschuldigung, natürlich!“

„Nein, alles in Ordnung. Glauben Sie mir, auf meiner Karte im Kopf sind noch genug weiße Flecken.“

„Haha, naja, so lange Sie eine weiße Weste haben.“

„Sagen wir es so: Ich wurde nie erwischt …“

Bei manchen Fahrgästen ist das Eis schneller gebrochen als bei anderen. 🙂

Weite Strecke?

So fragte er mich:

„Weite Strecke?“

„Wie meinen Sie: weite Strecke?“

„Na hier, mit dem Coupon. Ist ’ne etwas längere Fahrt …“

Na und ob das OK ist! 😀

Eine Ahnung davon, wie weit es gehen würde, hatte ich nicht, aber es war früh am Abend und ein Fuffi extra hätte umgehend Feierabend bedeutet. Der Name seines Dorfes sagte mir nichts, aber er nannte mir gleich mal die Autobahn, woraufhin ich losfuhr und beschloss, das Navi erst irgendwann unterwegs zu programmieren.

„Und wie weit ist das etwa?“

fragte ich, was ungewohnt war, weil ja meist ich den Kunden sage, wie weit ihr Weg ist.

„Das kann ich ihnen ziemlich genau sagen: Das sind so 125 Kilometer.“

Ja, fick doch die Henne! finde mal einen Satz ohne Ausdrücke für so einen Glücksfall!

Ich hab dann gleich eingewandt, dass ich bei so einer Distanz durchaus noch was auf den Taxameterpreis aufschlagen müsste, weil überhaupt und sowieso.

„Ja, das wird schon kein Problem sein. Da machen die nicht rum bei sowas. Personenunfall. Hab einen totgefahr’n.“

BÄM. Ich hatte schon viele Sätze im Taxi, die wie ein Schlag ins Gesicht waren, aber das war wirklich einer der ganz besonderen. Wobei ich das nicht negativ meine. Wie oft denkt man bei diesen Verspätungen wegen „Personenschaden“ über das nach, was passiert ist! Und wie sprichwörtlich ist der Lokführer, der dann am meisten darunter zu leiden hat, wenn man auf diese Art seinem Leben ein Ende setzt!

Und ich hatte einen im Auto, mit dem ich mich mehr als eine Stunde unterhalten konnte.

Ich habe viel gelernt dabei. Über die Bahn, über das südliche Berliner Umland und auch über das, was da wohl passiert ist. Ich werde nicht ins Detail gehen, das geht in diesem Fall nicht. Werther-Effekt* und so. Nicht wegen der Person meines Fahrgastes. Der hat das alles zumindest scheinbar gut weggesteckt. Ein Pragmatiker, wie ich es auch gerne mal bin.

„Der wollte das.“

„Hmm, da kann man nix machen, oder?“

„Ach was!“

Ich weiß bis jetzt nicht, ob ich mich mehr über das äußerst interessante Gespräch oder die Tatsache, dass die Schicht damit 300% des erwarteten Umsatzes gebracht hat, freue. Oder gar darüber, dass auch mein beim Verlassen des Hauses am Abend spontan beschlossenes Schichtziel unerwartet in Erfüllung gegangen ist. Da hatte ich nämlich festgestellt, dass es eine herrlich sternenklare Nacht werden würde und ich wollte unbedingt mal wieder einen nicht-Berliner Sternenhimmel betrachten. Also einen ohne (allzu viel) Lichtverschmutzung. Und ich bin ein paar Kilometer vom Fahrtziel entfernt dazu gekommen, bei einer Kippen- und Pinkelpause.

So traurig der Anlass der Fahrt und damit des Blogeintrages war, so angenehm war es für mich gestern. Selbst das, wenn sonst alles gut geht obligatorische, 20-minütige Frieren an der Bahnhaltestelle hat mir die Laune nicht verderben können.

Das Leben ist zu schön, um sich vor Züge zu schmeißen, ehrlich!

*Falls jemand jetzt nach dem Lesen das Gefühl hat, Suizid könnte eine Lösung sein: Ich bin mir sicher, dass es das nicht ist! Mal davon abgesehen, dass auch der o.g. zusammengerechnet ein Vierteljahr Lebenszeit anderer Menschen gekostet hat, die nichts damit zu tun hatten, gibt es doch andere Möglichkeiten. Hier findet sich ein reichhaltiges Angebot an Hilfe, noch dazu im lustigen 90er-Jahre-Webdesign. Sollte man sich schon deswegen mal angesehen haben. 😉

Gequetscht

„Können Sie 5 Leute mitnehmen?“

„Ja, aber …“

Ein „aber“ setze ich nicht oft an dieser Stelle, aber die potenziellen Fahrgäste standen da vor mir mit einer ganzen Menge Gepäck. Und mein Zafira ist in Sachen Großraum halt nur entweder für Gepäck oder für Menschen zu haben. Wenn ich die hinteren Sitze ausklappe, bleibt exakt null Platz. Also ja, ein bisschen bleibt, aber das wird vollständig von den Putzutensilien und den Kindersitzen aufgefressen. Bei 5 Mitreisenden bleibt durchaus etwas Raum, aber bei dieser Gruppe hatte jeder mindestens (!) einen Koffer, die meisten zwei.

Während ich die Problematik erläuterte, meinte eine Frau resolut:

„Ach, das ist kein Problem! Wir quetschen uns da jetzt einfach rein!“

Ich hielt das wirklich nicht für eine tolle Idee. Also mich soll das nicht stören, aber ich finde es nicht schön, wenn die Fahrgäste es in meinem Auto ungemütlich haben. Auf der anderen Seite war kein Bus an der Halte und warten oder zwei Taxen nehmen wollten sie auch nicht. Also dann ist das auch nicht mehr mein Problem.

Und sie haben es geschafft.  3 Koffer und eine Person ganz hinten, auf der Rückbank 3 Leute mit je einem Koffer auf dem Schoß und auf dem Beifahrersitz noch die Frau mit 2 Taschen. Und zwischen irgendwelchen Koffern hindurch hieß es dann:

„Ist auch nicht weit. Geht nur bis zum Estrel.“

Also nicht weit im Sinne von „nur eine knapp über dem Durchschnitt liegende Tour“. 😉

Ich find’s ok. Genau wegen so pragmatischer Kundschaft liebe ich die „große“ Kiste ja. Aber meist sind es dann doch eher schmerzbefreite Jugendliche mit einem gewissen Pegel und nicht eine an einer Konferenz teilnehmende Gruppe arbeitswütiger Berufstätiger. Am Ende sind alle gut gelaunt ausgestiegen, auch wenn zwei dafür erst einmal von ihrem Gepäck befreit werden mussten. Glücklicherweise kann ja jeder selbst entscheiden, was er sich für zwei Euro Ersparnis so alles antun will …

Herzstillstand

Na gut, einen Infarkt werde ich sicher nicht wegen des ein oder anderen Euros haben. Aber dennoch bin ich aus allen Wolken gefallen. Es war nur eine sehr kurze Tour und die Schicht war schon bombig verlaufen. Ich hätte das Auto gleich abstellen können, aber vor mir fuhr meine Bahn, was bedeutete, dass ich auf die nächste eine halbe Stunde würde warten müssen. Da kam mir eine weitere Tour sehr entgegen und ich bot einmal mehr von mir aus eine Kurzstrecke an.

Und die Fahrt war auch kurz. Eher ein Kilometer als die zwei von der Kurzstrecke abgedeckten. Und so standen am Ende 4,00 € auf der Uhr und meine nur seit rund anderthalb Minuten amtierende Beifahrerin meinte:

„Mach einfach 15.“

Aber ja, natürlich hat sie das Rückgeld gemeint, nicht den Fahrpreis. 🙁

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

War eine schöne Schicht. Hier die Karte von allem, was passiert ist, NACHDEM ich mein Umsatzziel erreicht hatte und Feierabend machen wollte:

Ich hatte schon ganze Schichten, in denen weniger los war. Quelle: Sash

Ich hatte schon ganze Schichten, in denen weniger los war. Quelle: Sash