Unfair

Ich weiss, dass es für manchen Kollegen unerträglich sein muss, dass ich mit 60 bis 65 auf der Landsberger Allee fahre. Schließlich sind ja 60 erlaubt, also bis zur Punktegrenze ist immer noch etwas Platz. Und außerdem: Wer blitzt denn Nachts? Man muss ja schließlich schnell in die Stadt zurück!

Das ist trotzdem kein Grund, mich mit gleichfalls angeschalteter Fackel mit etwa 80 bis 85 zu überholen!

Der flotte Kollege in seinem schicken 212er hat auch keine Anstalten gemacht, irgendwie vor meiner Front zu verschwinden, vielleicht abzubiegen oder so. Ich hab mich etwas genervt drangehängt und dank einer roten Ampel an der Rhinstr. hab ich ihn tatsächlich einholen können, ohne gleich irgendwie in den zweistelligen km/h-Bereich zu kommen. Ich bin auf der zweiten Spur links an ihm vorbei, und hatte vor, mich wenigstens demonstrativ vor ihn zu klemmen. Und was passiert?

Steigt dem an der Ampel tatsächlich ein Kunde ein! Ich war wirklich in der Laune, ihn einfach von der Straße zu schieben, das könnt ihr mir glauben. Der Kunde kann ja nix dafür, der darf sich auch an der Ampel aussuchen, in welches Taxi er steigt. Klar. Aber ob das nicht auch anders ausgegangen wäre, wenn ich da zuerst angekommen wäre? Wer weiss. Schon aus purer schlechter Laune werde ich auch die Konzessionsnummer nicht vergessen!

10 €

Landsberger Allee, Ecke Weissenseer Weg.

„Petersburger Platz, machste 10 € Festpreis?“

„10 € Festpreis?“

„Jo!“

„Nee, aber keine Sorge: Wir werden günstiger dahin kommen!“

„Ich weiss, dass wir da günstiger hinkommen. Das war jetzt einfach ein Angebot für dich!“

Da verschlägt es einem dann doch irgendwie die Sprache. Das müssen die Typen sein, die die Zettel mit „Schwarzarbeiter gesucht!“ aufhängen. Ich hab ihn darüber aufgeklärt, dass ich mich mit meinem Chef gut verstehe, und das hat er auch gut gelaunt zur Kenntnis genommen:

„Na dann ist ja super!“

Das Ende vom Lied ist ebenso leicht zu erraten:

„Dann wären wir bei 8,20 €.“

„Hier, kriegste trotzdem nen Zehner!“

Wer dann doch laufen muss…

Morgens nach etlichen Kilometern Leerfahrt sind Winker immer erfrischend. Auch Kurzstrecken! An der Ecke Revaler / Modersohn hab ich sie aufgegriffen und sie wollten eben mit einer Kurzstrecke zum Strausberger Platz. Das kam mir ein wenig weit vor. Aber ich bin erst einmal losgefahren, viele Kunden fahren die Strecken ja mehrmals, ich muss jedes Mal aufs Neue abschätzen. Man wird schließlich kaum jemals am gleichen Platz in die gleiche Richtung zu einer Kurzstrecke rausgewunken.

Am Frankfurter Tor hab ich dann aber mal nachgefragt:

„Seid ihr die Strecke schon öfter mit Kurzstrecke…“

„Ja!“

„Also reicht es?“

„Also bisher hat der Taxifahrer immer irgendwann ausgemacht.“

„Also reicht es nicht…“

Tja, da haben die Jungs – im Übrigen ohne zu protestieren – noch geschätzte 800 Meter zu Fuß zurücklegen müssen. Wunder der Kommunikation: Mit dem Satz „Nee, reicht nicht ganz, den Rest laufen wir.“ wären ihre Chancen rapide angestiegen, dass ich ein Auge zugedrückt hätte.

Zu jung…

Im Grunde bin ich sehr froh darüber, dass ich – manchmal nicht ganz unüberrascht – noch zu den jungen Leuten gezählt werde. Nicht nur sinkt damit die Wahrscheinlichkeit für mich, überfallen zu werden, nein es wirkt auch noch nicht gekünstelt, wenn ich mit ein paar Partygängern locker daher rede.

Es ist ein unbeschreiblicher Vorteil, manchmal mehr für den Blog als für mich, dass die Leute mir gerne ihre Drogengeschichten beichten, weil sie glauben, ich nehme selber welche. Die Anfragen nach den coolsten Clubs könnten zwar gerne nachlassen, aber bei vielem anderen weiss ich es zu schätzen.

In wenigen Einzelfällen leidet aber natürlich die Autorität darunter. Und die habe ich in meinem Auto zwangsläufig und auch sehr gerne. Das erspart mir nämlich eine Menge Arbeit. Spätestens beim Aufräumen. In der Regel ist das nicht schlimm, meist geht es darum, dass ich einmal mehr hartnäckig darauf bestehen muss, dass es keinen Festpreis gibt oder dass der Döner in Form einer bierkastengroßen explodierten Deckenleuchte nicht mit Stäbchen und balancierend auf dem Autodach gegessen werden darf.

Also bin ich nach wie vor gerne der nette und beratende Kumpel beim Taxifahren, wenn die Kunden es gerne so haben.

Und was passiert dann?

Dann wird man plötzlich von fremden Mädels gekitzelt, dazu aufgefordert, mit hinten in die letzte Sitzreihe* zu kommen und irgendein neu erworbener Kumpel gibt sein OK und meint, er fahre auch gerne für mich. WTF???

Da war aber schnell wieder Ruhe im Karton, das könnt ihr mir glauben!

Ist trotzdem noch eine nette und vergnügliche Fahrt geworden 😀

*da passe ich höchstens in Einzelteilen rein, und auch das nicht mit weiteren Leuten!

Die dreiste Variante

Dass der ein oder andere Kollege Mondpreise verlangt, ist ja nichts neues. Leider.

Besonders dreist war aber das, was zwei Kundinnen mir zu berichten wussten:

„Kosten würde es eigentlich 6 €, aber’n bisschen mehr würd‘ ich schon von euch erwarten!“

Also so fies, auch noch den ehrlichen Preis zu nennen, das hatte ich auch noch nicht gehört. Hat sowas schon mal an einem vollbesetzten Stand funktioniert?

Ich kenne den Kollegen leider nicht, und natürlich haben die Kunden mir das auch erst unterwegs erzählt. Wie immer bei sowas. Verdammt!

Nummer 3

…und dann bin ich plötzlich vor dem Weekend gestanden.

Keine 10 Minuten später war ich zweiter in der Reihe wartender Kollegen, und als an den ersten eine Fünfergruppe Mädels herantrat, war auch hier mal wieder meine Stunde gekommen. Wozu hab ich denn einen Großraumwagen?

„Kennen sie das Hotel Kolumbus?“

„Das Kolumbus?“

„Landsberger Allee!“

„Ja, Werneuchener Ecke…“

„Ja ja ja! Bringen sie uns dahin? Was kostet das? Der Kollege sagt, so 14 bis 15 €. Bitte bitte! Mehr als 15 haben wir auch nicht. Bringen sie uns dahin?“

Jo, is ja gut…

Ein paar Wochenendbesucherinnen, reichlich spät dran, so um Viertel vor vier. Um 8 Uhr ist wieder aufstehen angesagt. Ich kenne die Stories ja. War eine entspannte Fahrt, ein Teil der Mädels ist gleich eingeschlafen, und als wir dann am Hotel angekommen sind, waren sie trotz ewig vieler roter Ampeln sehr zufrieden. Mit Trinkgeld war zwar nichts, aber das lernen sie auch noch. Schönen Abend, gute Nacht, tollen Aufenthalt, bis bald und tschüss!

Dann noch schnell den Sitz hinten wieder eingeklappt, und…

…dann bin ich doch schnell ins Hotel gesprintet.

„MÄDELS!“

„Äh, was?“

„Ist ja schön und super, dass wir uns so gut verstanden haben, aber eines kann ich gar nicht leiden. Und zwar, wenn man mir ins Auto kotzt, und nicht mal was sagt!“

„Aber wir haben doch nicht…“

„Ich hab den Sitz vorher das erste Mal heute hochgeklappt, und außerdem – aber schaut es euch ruhig selbst an – ist das hier noch recht, äh ja, frisch!“

Die beiden, die ich noch vor dem Fahrstuhl erwischt habe, konnten wirklich nichts dafür, und gehört hatte ich ja auch nichts. Die Freundin aus der letzten Sitzreihe dürfte aber wahrscheinlich nicht mehr so lecker ausgesehen haben. Ist mir allerdings nicht aufgefallen, weil beim Aussteigen mit 5 Leuten neben Bezahlen, Sitze verschieben und all dem Hin und Her ja auch mal was unbemerkt bleibt.

„Sollen wir das jetzt wegmachen?“

„Sollen ist eine Untertreibung. Ansonsten mach ich das natürlich mehr oder weniger gerne weg, aber das lasse ich mir gut bezahlen, das könnt ihr mir glauben!“

Obwohl die eine es (ganz witzig anzusehen) das erste Mal gemacht hat, waren keine weiteren Androhungen oder dergleichen nötig. 5 Minuten später war die Kiste wieder top in Ordnung, und die beiden durften nochmal mit einer Verwarnung schlafen gehen. Natürlich nicht ohne den Hinweis, das ihrer Freundin irgendwie heimzuzahlen. Spaß muss ja bekanntlich sein 😉

Überhol-Fail

Manche Kollegen wollen offenbar nur hier erwähnt werden.

Ist ja noch nicht lange her, dass ich hier im Blog übers Überholen von Kollegen geschrieben habe. Als ich die Tage mal nachts die Landsberger Allee langgebrettert bin, überholte mich plötzlich ein Kollege. Unser beider Fackeln strahlten um die Wette, und ob dieses von hinten sicher sehr ansehnlichen optischen Bildes dachte ich spontan in der üblich nachdenklichen, liebevoll philosophischen Weise, die mir nunmal zu eigen ist:

„Wat bist’n du für ’ne Arschgeige?“

Nein, zunächst dachte ich, dass er sich vielleicht umgehend links einordnen will zum Abbiegen. Tat er nicht. Vor der Petersburger hat er dann mal eben auf 70 hochbeschleunigt, um auch ja an der Linksabbiegerampel durchzukommen. Das war ohnehin mein Weg (was selten ist, da ich meistens über die Thaerstr. abkürze), und so bin ich hinterher. Hat auch ohne Rotlichtverstoß gereicht, und ganz so sehr wie der Kollege musste ich auch nicht rasen.

Spätestens hier hätte ihm klar sein sollen, dass es nicht ok war, weil wir denselben Weg weiterverfolgten. Aber er machte weder die Lampe aus, noch ließ er mich vorbeiziehen. Er ist zeitweilig deutlich über die 70 rüber, ich hab aber beschlossen, mich ranzuhängen. Manchmal kann ich auch hartnäckig sein!

Dann, ein paar Meter vor dem Bersarinplatz kam, was kommen musste: Winker!

Zwei sich gegenseitig stützende Männer in den besten, den… also… zwei Männer! Sie standen da und ruderten mit den Armen. Für Menschen, die die beiden Taxen nicht heranschießen sahen, muss das etwa ausgesehen haben wie eine Art Übung für halbseitig gelähmte Synchronschwimmer.

Der Kollege blinkt. Ich blinke auch.

Ob der Kollege sich seiner unverschämten Aktion jetzt erst bewusst wurde, oder ob er in Anbetracht des sicher winkenden Geldes einfach nur ziemlich sauer war, als er mich im Rückspiegel bemerkte, weiss ich nicht. Fakt ist: Er, schon fast stehend, beschleunigte seinen Wagen wieder und brauste ebenso ungestüm davon wie er gekommen war. Nicht ganz ohne Grund, es wäre das erste Mal gewesen, dass ich mich deutlich beschwert hätte wegen so einer Aktion – ganz gleich, ob es die Kunden mitbekommen. Was ja eigentlich nicht unbedingt sein sollte, die Kunden haben damit schließlich nichts zu tun.

Aber wie gesagt: Er schlich sich zügig davon. Schade eigentlich, schließlich wollten die beiden getrennte Wege gehen und hätten zwei Taxen benötigt. Wäre er hinter mir gefahren, dann hätten die Kunden ihn auch noch herangewunken, so wie mich in dem Fall ja auch. Dass er vor zahlender Kundschaft geflüchtet ist, lag einzig und alleine am schlechten Gewissen. Zu Recht, wie ich finde 🙂