Überhol-Fail

Manche Kollegen wollen offenbar nur hier erwähnt werden.

Ist ja noch nicht lange her, dass ich hier im Blog übers Überholen von Kollegen geschrieben habe. Als ich die Tage mal nachts die Landsberger Allee langgebrettert bin, überholte mich plötzlich ein Kollege. Unser beider Fackeln strahlten um die Wette, und ob dieses von hinten sicher sehr ansehnlichen optischen Bildes dachte ich spontan in der üblich nachdenklichen, liebevoll philosophischen Weise, die mir nunmal zu eigen ist:

„Wat bist’n du für ’ne Arschgeige?“

Nein, zunächst dachte ich, dass er sich vielleicht umgehend links einordnen will zum Abbiegen. Tat er nicht. Vor der Petersburger hat er dann mal eben auf 70 hochbeschleunigt, um auch ja an der Linksabbiegerampel durchzukommen. Das war ohnehin mein Weg (was selten ist, da ich meistens über die Thaerstr. abkürze), und so bin ich hinterher. Hat auch ohne Rotlichtverstoß gereicht, und ganz so sehr wie der Kollege musste ich auch nicht rasen.

Spätestens hier hätte ihm klar sein sollen, dass es nicht ok war, weil wir denselben Weg weiterverfolgten. Aber er machte weder die Lampe aus, noch ließ er mich vorbeiziehen. Er ist zeitweilig deutlich über die 70 rüber, ich hab aber beschlossen, mich ranzuhängen. Manchmal kann ich auch hartnäckig sein!

Dann, ein paar Meter vor dem Bersarinplatz kam, was kommen musste: Winker!

Zwei sich gegenseitig stützende Männer in den besten, den… also… zwei Männer! Sie standen da und ruderten mit den Armen. Für Menschen, die die beiden Taxen nicht heranschießen sahen, muss das etwa ausgesehen haben wie eine Art Übung für halbseitig gelähmte Synchronschwimmer.

Der Kollege blinkt. Ich blinke auch.

Ob der Kollege sich seiner unverschämten Aktion jetzt erst bewusst wurde, oder ob er in Anbetracht des sicher winkenden Geldes einfach nur ziemlich sauer war, als er mich im Rückspiegel bemerkte, weiss ich nicht. Fakt ist: Er, schon fast stehend, beschleunigte seinen Wagen wieder und brauste ebenso ungestüm davon wie er gekommen war. Nicht ganz ohne Grund, es wäre das erste Mal gewesen, dass ich mich deutlich beschwert hätte wegen so einer Aktion – ganz gleich, ob es die Kunden mitbekommen. Was ja eigentlich nicht unbedingt sein sollte, die Kunden haben damit schließlich nichts zu tun.

Aber wie gesagt: Er schlich sich zügig davon. Schade eigentlich, schließlich wollten die beiden getrennte Wege gehen und hätten zwei Taxen benötigt. Wäre er hinter mir gefahren, dann hätten die Kunden ihn auch noch herangewunken, so wie mich in dem Fall ja auch. Dass er vor zahlender Kundschaft geflüchtet ist, lag einzig und alleine am schlechten Gewissen. Zu Recht, wie ich finde 🙂

8 Kommentare bis “Überhol-Fail”

  1. Nick sagt:

    Immerhin habt ihr geblinkt.
    Der Blinkstrom scheint ja beim Taxi eine knappe Ressource zu sein, so wenig wie der in der Regel benutzt wird. 😉

  2. Sash sagt:

    @Nick:
    Naja, man bemüht sich…
    Ich gehöre zwar zu den Viel-Blinkern, aber ich muss auch zugeben, dass ich schon genügend Situationen hatte, in denen Winker so plötzlich aufgetaucht sind, dass es dazu nicht gereicht hat.
    Das heisst natürlich nicht, dass ich wie ein Vollidiot mal eben eine Vollbremsung hinlege, wenn hinter mir ein anderer fährt – Sicherheit geht vor! – aber manchmal wird einem da echt eine bittere Entscheidung abgerungen.
    Manchen Kollegen ist es sicherlich egal, aber manchmal ist es auch einfach schwer. Denn natürlich will man die Leute mitnehmen. Geht schließlich um unser Geld. Ich hab mir glücklicherweise schon vor dem Taxifahren eine vorausschauende Fahrweise angewöhnt. Für mich bedeutet das unter anderem auch, darauf zu achten, ob jemand vor dem Taxi winkt, hinter dem ich herfahre. Und wenn ich es anders nicht sehen kann… halte ich Abstand.
    Soll jetzt nicht wie ein „Das weiss man doch“ klingen, aber es hilft wirklich! Schließlich machen wir alle Fehler, auch wenn wir tatsächlich nachdenkende Verkehrsteilnehmer sind…

  3. Michi sagt:

    Hi Sash, ich bin gestern das erste mal seit Jahren wieder Taxi gefahren und bräuchte da mal nachhilfe. Situation: Nachts um eins auf dem Lande, tiefste Bayerische Provinz, ca 12 km Anfahrt aus der nächsten größeren Gemeinde, 13 Euro standen schon auf der Uhr, was bedeutet z.B. die Zahl links (war hier auf 3 eingestellt)? 🙂

  4. Sash sagt:

    @Michi:
    Also die Beschreibung ist jetzt etwas vage…
    Aber davon ausgehend, dass du das Taxameter meinst und weiterhin davon ausgehend, dass die Dinger sich meistens ähneln, würde ich davon ausgehen, dass es die Anzeige war, welcher Tarif gerade gilt. Was die 3 dabei genau ist, kann ich dir von hier nicht sagen, da solltest du in die Taxitarifordnung eurer Stadt / eures Kreises sehen. Hier in Berlin gibt es nur zwei Tarife (Kurzstrecke und Normaltarif). In anderen Gegenden gibt es aber z.B. gesonderte Großraumtaxitarife (das wird in Berlin mit Zuschlägen pro Person umgangen) oder Nacht-, bzw. Feiertagstarife.
    Da könnte ich auch höchstens raten 🙂

  5. Michi sagt:

    @Sash: Danke, das Schlagwort „Taxitarifordnung“ hat mir geholfen. Sachen gibts. Das war dann Tarif III, 3 Euro Basispreis + 85cent/km in der Zeit von 22-6 Uhr.
    Sachen gibts…. 😉

  6. Sash sagt:

    @Michi:
    Freut mich, wenn ich helfen konnte 🙂
    Und: Ihr habt einen derb niedrigen Nachttarif. Das unterbietet so ziemlich alles, wovon ich schon gehört oder gelesen hab.

  7. Michi sagt:

    @sash: Wenn ich die ganzen § richtig verstanden hab ist das aber nur bei Abholfahrten so. Wenn ich am Taxistand einsteig und sag ich will nach XYZ dann kostet es 1,70€/km. Dafür muß ich beim anderen ja auch anfahrt zahlen. Kommt aufs gleiche raus. 🙂

  8. Sash sagt:

    @Michi:
    OK, den Unterschied gibt es bei uns nicht. Hier zahlt man nichts für die Anfahrt, dafür ist der Preis immer höher.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: