Unentschieden!

Sehr kurzes Gespräch über den Fahrpreis zwischen zwei Mädels und mir:

„Hey, können wir nen Abi-Sonderpreis machen?“

„Leider nicht, sonst müsste ich ja für meines auch einen Aufpreis verlangen.“

„Hmm, stimmt. Naja, versuchen kann man es ja mal…“

Netter Kontakt, gerne wieder.  Oh, falsche Website…

Noch eine Stadtrundfahrt

Hatte mal wieder Kunden im Auto, die „meine“ Preise überraschend niedrig fanden. Dann haben sie – wie zu erwarten war – wegen einer vorherigen Fahrt nachgefragt…

Der aktuelle von mir privat geführte Mondpreis-Index hat dann glasklar ergeben, dass sich die Fahrt weit oberhalb jeder Versehens-Grenze befindet und unter „Arschloch“ abgeheftet werden kann:

16 € für eine Fahrt vom Adagio am Potsdamer Platz zum relaxa Hotel Stuttgarter Hof in der Anhalter Straße. Respekt!

Wirklich eindrucksvoll hingegen, dass er nach Taxameter gefahren ist. Wahrscheinlich über Tiergartentunnel oder so…

Toller Kollege

Ich hab von Fahrgästen ja schon viele Horrorstories über Kollegen gehört, aber was mir neulich ein Kunde erzählt hat, war wirklich arg bedenklich:

„Wir hatten da vorher nen Taxifahrer, dat glaubste nicht! Der war, ich schwör’s dir, rotzebesoffen. Der hat kaum noch ein Wort vernünftig aussprechen können. Und dann ist der mit 90 durch die Stadt gefetzt. Hey, ich hab wirklich auf den Tacho geschaut. Der war mit 90 Sachen unterwegs! Und beim Bezahlen hat der dann, weisste die Fahrt hat 15 € gekostet, auf 20 € 10 € zurückgegeben. Nicht mal das hat der noch hinbekommen. Das war wohl die krasseste Taxifahrt, die ich je hatte…“ *

Was soll man eigentlich machen? So lange sich keiner bequemt, und wenigstens diese Idioten anzeigt (von denen es hoffentlich nicht mehr als 3 im Stadtgebiet gibt), werden wir Taxifahrer unseren Ruf wohl kaum los 🙁

* natürlich nicht zu 100% wortwörtlich wiedergegeben

Nicht bezahlen…

Manchmal bin ich noch so schlagfertig, wie ich gerne immer wäre:

Sash: „Wo kann ich sie dann am Antonplatz genau rauslassen?“

Fahrgast: „Da ist ne Bushaltestelle. Da spring ich einfach raus. Ohne Bezahlen natürlich…“

Sash: „Ich hatte gar nicht vor, sie zu bezahlen.“

Irgendwas ist doch immer…

Ich kann mich über den gestrigen Abend nicht wirklich beschweren. Trotz meiner gelegentlich aufkommenden Müdigkeit bin ich weitestgehend fit bis 6 Uhr morgens unterwegs gewesen, und wenn ich dann auch noch meinem schlauen Buch entnehmen kann, dass ich über 200 € Umsatz gemacht habe, dann sollte man das doch als guten Tag abtun können…

Mache ich auch!

Es war eine wahnsinnig angenehme Schicht mit eigentlich ausschließlich netten Kunden. Eigentlich schon fast wieder zu nett, denn denkwürdige Geschichten lassen sich der Schicht echt nicht entlocken. Die Kunden waren freundlich und höflich, die Gespräche nett und es ist nicht einmal eine Tour von der Länge her aufgefallen. Von Kurzstrecke bis 18,20 € war alles dabei. Gut, zufällig haben sich am frühen Abend 5 Fahrer unserer Firma direkt hintereinander am Ostbahnhof getroffen – aber das war quasi schon das Highlight!

Nun mecker ich aber im Subtext (sowie auch in der Überschrift) immer noch. Was ist los?

Mein Rucksack ist weg! „Geklaut“ will ich nicht einmal schreiben, denn es könnte auch ein Versehen beim Gepäckausladen gewesen sein. Ich hab’s schlicht nicht mitbekommen – obwohl ich eigentlich immer mit am Kofferraum bin, wenn Kunden ausladen. Naja, jedenfalls hab ich beim Waschen des Wagens schonmal ein paar Sachen einpacken wollen, und dann war das Ding nicht mehr da…

Aber, um der Sache einen versöhnlichen Schluss zu geben: Es war geradezu das quadrierte Nichts darin. Ich wünsche mir ja fast, dass ihn jemand geklaut hat: Ein etwa 5 Jahre altes Asthma-Spray, 3 mit Margarine beschmierte Brötchen und ein bisschen Verpackungsmüll. Das war es. Selbst mein Deo hab ich gestern nicht im Rucksack gelagert. Schade um den Rucksack ist es, aber für meine Zwecke wird es wahrscheinlich ein ziemlich billiger als Ersatz tun, und somit ist der Schaden mehr als nur lächerlich. Naja, irgendwas ist ja immer…

Ich studiere NICHT!

Ca. 50 bis 70% meiner Kunden sagen ihn, den einen immer gleichen Satz:

„Und wie ist das, studieren sie nebenher?“

Meine Antwort ist in der Regel ein von einem dezenten Lachen begleitetes

„Nein, ich mache das hauptberuflich und freiwillig…“

Es ist faszinierend, dass ich als noch verhältnismäßig (zumindest im Vergleich zu Heesters und Berlusconi) junger Mensch diesen Satz immer wieder zu hören bekomme. Klar, das Klischee vom Studenten, der nebenher Taxi fährt, existiert noch. In Berlin ist jedoch dank straffer Studienpläne und einer recht harten Ortskundeprüfung die Wahrscheinlichkeit größer, dass der alte Fahrer ein Professor ist, als dass ein Jungspund wie meine Wenigkeit Student ist.

Ich kann die Frage schon verstehen, aber in einer gewissen Art und Weise nervt sie auch. Das liegt noch nicht einmal an der Frage selbst – sie impliziert doch eigentlich eher, dass die Fahrgäste den Eindruck haben, ich hätte eigentlich mehr auf dem Kasten, als ein Auto durch die Nacht zu lenken. Habe ich sicher auch.

Das Nervige an dieser Frage ist eigentlich das, was nach meiner Antwort eintritt: Eine kurze verlegene Stille…

Ich weiss, Taxifahrer verdienen nicht gut, und die geistigen Fähigkeiten, die nötig sind, um diesen Job durchschnittlich auszuführen, bewegen sich irgendwo kurz hinter dem Evolutionssprung, der die Menschheit dereinst veranlasste, sich nicht mehr mit Affen zu paaren. Sollte man meinen. Dabei stoßen mir zwei Dinge bitter auf:

Zum einen:
Klar kann jeder Depp prinzipiell mit ein wenig Talent ein Auto steuern und Befehle entgegennehmen. Für die tatsächliche Dienstleistung, die zum Teil ja auch aus der Unterhaltung und der Zufriedenstellung der Fahrgäste besteht, sollte man dennoch eine gewisse Intelligenz und Sozialkompetenz mitbringen. Schließlich „muss“ ich als Taxifahrer Gelangweilte unterhalten, Gestressten Ruhe und Ängstlichen Sicherheit vermitteln, Besoffene zur Ordnung mahnen, Deprimierte aufbauen, Verzweifelte trösten und… ach ja, nebenher Auto fahren und das alles verarbeiten.

Zum anderen:
Ja, ich bin nicht der Dümmste, ich kann mich ausdrücken und trotz meines besch… eidenen Abiturs hätte ich sicher die Möglichkeit gehabt, einen anderen, „besseren“ Job zu machen. Dennoch sitze ich Abend für Abend in meiner Taxe und bin – wirklich fast jeden Abend – ein ums andere Mal froh, dass ich diesen Weg gewählt habe.

„Ich habe mein Abitur gemacht, um auswählen zu können, was ich machen will – nicht, um auf jeden Fall zu studieren!“

pflege ich gerne zu sagen. Mir ist klar, dass dieser Lebensentwurf insbesondere beim konservativen Teil der Bevölkerung ewig auf Unverständnis stoßen wird. Dass die unterschwellige Überzeugung, man könne ja wohl nur im „Notfall“ Taxifahrer werden, so weit verbreitet ist, lässt mich dann doch manchmal geradezu verzweifeln.

Natürlich stehen am Ende solcher Diskussionen immer wieder Sätze wie

„Das finde ich gut!“,

„So eine Einstellung ist echt positiv!“,

„Ich habe echt Respekt vor solchen Leuten!“,

und natürlich ist das irgendwie schön. Wahrscheinlich habe ich sogar wirklich schon den ein oder anderen davon überzeugen können, dass dieser Job nicht zwingend die letzte Haltestelle vor Hartz4 ist. Auf der anderen Seite ist es wahrlich erschreckend zu sehen, wie viele – die sich völlig selbstverständlich im Taxi chauffieren lassen – offenbar davon ausgehen, dass das ja kein „richtiger“ Beruf ist.

Diese Konfrontation mit pseudo-mitleidiger Kundschaft teile ich wahrscheinlich mit Putzfrauen, Zimmermädchen, Altenpflegern und wahrscheinlich sogar mit Krankenschwestern.

Ich kann damit wirklich ohne weiteres umgehen, denn ich bin ein Mensch, der inzwischen ein vernünftiges Selbstwertgefühl entwickelt hat. Zumal – so zeitintensiv sie sein mag – meine Arbeit stets nur Ausdruck meiner Einstellung ist, und nicht meine Identität bestimmt.

Ich bin „nur“ Taxifahrer, das ist wahr. Aber in dieser Position befinde ich mich täglich auf Augenhöhe mit Wirtschaftsprofessoren und besoffenen Punks gleichermaßen. Und im Gegensatz zu den meisten sehe ich mich diesbezüglich in einem sozialen Vorteil – nicht etwa irgendwo unten, nur weil auf meinem Gehaltsnachweis ein paar Euro mehr oder weniger im Vergleich zu den anderen draufstehen.

Zumal ich auch hier mal wieder die sozialrevolutionäre Karte ausspielen und fragen könnte: Könnten wir eher auf den Manager von Daimler verzichten, oder auf den Typen, der da die Bremsen installiert? Eben.

Aber um noch kurz ein Fazit zu bringen:

Fragt doch, was ihr wollt! Nach den Anforderungen meiner Kundschaft müsste ich über die Bettenqualität in 5-Sterne-Hotels ebenso Bescheid wissen, wie über die Preise und Hygiene auf dem Straßenstrich. Ich möchte mal das Studium sehen, das mir dieses Wissen zuteil werden lässt…

Horror ist kein Ausdruck…

Ich möchte hier eine Geschichte eines Kollegen wiedergeben. Sinngemäß und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Er hat es mir nicht erst gestern erzählt, also habt Nachsicht.

Kollege T. stand mit Kollege S. hintereinander an einer Halte. Es stieg eine größere Gruppe auf beide Wagen verteilt  ein. Getrennt nach Männlein und Weiblein – offenbar kurz nach einer „gruppendynamischen Diskussion“. Eine der Frauen – die bei T. im Wagen saßen – meinte:

„Hey Süßer, fährste uns nach Weisstenicht3“

Der Kollege meinte schon zu mir:

„Wat bitte? Aber geht ja noch weiter…“

Sie hatten offenbar die selbe Adresse wie die Männer im anderen Taxi bei S., und so fuhren sie meist mehr oder minder Konvoi. Verloren haben sie sich dennoch gelegentlich. Ist bei zwei erfahrenen Taxlern ja auch nicht seltsam. Die kennen beide den Weg, da kann man sich sicher sein.

„Auf einmal steigt die Alte über den Sitz zu mir nach vorne…“

Naja, weil T. das bedenklich fand, rief er bei S. an und fragte, wo er denn sei.Irgendwo ums Eck, kein Problem also. Damit aber nicht genug. Die Dame startete gewisse Annäherungsversuche…

„Hat die die Lehne hochgeklappt… ick sie natürlich wieder runter…“

Irgendwann standen dann die beiden Taxen an der Ampel nebeneinander. Was dann folgte, gebe ich auch im Original wieder:

„Und auf einmal knutscht mich die Alte auf die Backe!“

Daraufhin haben sich wohl die Ereignisse überschlagen. Die Männer bei S. im Auto haben das natürlich gesehen und sind scheinbar völlig ausgerastet. T. ist gleich rechts rangefahren, um den Spuk zu beenden. Dasselbe tat S. Daraufhin entwickelte sich wohl ein hitziges Verbalgefecht, bei dem die Typen T. drohten, ihn zusammenzuschlagen. Die Drohung der beiden Kollegen mit der Polizei wurde scheinbar auch nicht für voll genommen, und irgendwann sind sie dann wohl von selbst wieder ein wenig runtergekommen.

Insgesamt ist wohl nicht viel passiert, aber die Story toppt bisher alles, was ich an miesen Touren hatte…