Die Festpreisler…

Ich hab schon lange nichts mehr über Festpreisverhandler geschrieben, nicht? Das ist eine Erkenntnis, die mich gestern getroffen hat. Irgendwie erstaunlich, aber ich habe festgestellt, dass es daran liegt, dass sie mich nicht mehr ernsthaft stressen. Alleine in den letzten 2 Wochen hatte ich sicher 10 Touren mit Fahrgästen, die nach einem Festpreis gefragt haben. Und trotzdem taucht das Thema hier bei GNIT kaum noch auf.

Für die, die relativ neu sind, und das noch nicht wissen: Innerhalb des Pflichtfahrgebietes sind Festpreise nicht erlaubt. Das mag den ein oder anderen überraschen, denn wenn ich den anfragenden Kunden Glauben schenken soll, dann ist so gut wie jeder schon mal irgendwie zu einem festen Preis Taxi gefahren. Aber ja: Wenn es nicht irgendwo nach außerhalb geht, ist das fast überall illegal.
Dass das so ist, hat auch tatsächlich seine Gründe. Zum einen verhindert es (manchmal) Schwarzarbeit. In der Regel will der Chef vom Fahrer die Kohle haben, die das Taxameter anzeigt, und es ist recht beliebt unter den Kollegen, mal schnell „ohne Uhr“ für Betrag X irgendwohin zu gurken. So lange nichts auf der Uhr steht, kann Cheffe nix verlangen, und man kann das Geld brutto=netto einstecken. Neben den wegfallenden Steuern spart man sich damit auch das Geld an den Chef, der ja völlig unberechtigterweise welches haben will, um damit unnötige Dinge wie das Auto, den Sprit oder die Werkstattkosten zu bezahlen.
Dann sind die Tarife in mehr oder minder mühevoller Diskussion zustandegekommen. Der Taxitarif – mal egal, ob man ihn als zu hoch oder zu niedrig erachtet – soll sowohl dafür sorgen, dass die Mitarbeiter des Gewerbes (Chefs und Fahrer) für ihre Arbeit fair entlohnt werden, als auch (und das vergessen einige gerne mal!) den Kunden davor schützen, dass wir als Fahrer Mondpreise verlangen können.
Deswegen müssen die Taxameter regelmäßig geeicht werden und deswegen ist jede Fahrt im Pflichtfahrgebiet nur nach Taxameterpreis zu fahren. Wer es ok findet, dass wir Fahrer auch mal „für 2 € weniger“ fahren, müsste es andererseits auch ok finden, wenn wir mal „’n Fünfer Aufschlag“ verlangen. Wie man sich denken kann: Jeder Fahrer würde gerne mehr verdienen, jeder Kunde gerne weniger zahlen – und das sorgt dann für die Horrormeldungen über widerlich hohe „Spezialpreise“ von zwielichtigen Kollegen und auf der anderen Seite für wirklich unverschämte Anfragen an uns.

Über die Höhe des Tarifs darf man also meinetwegen gerne leidenschaftlich diskutieren und streiten, dass es ihn gibt, finde ich gut – im Sinne aller Beteiligten!

Gut, das interessiert die meisten Leute wenig, die mit einem Zehner Restkapital morgens nach einer durchzechten Nacht vor dem Club stehen und der Meinung sind, dass ihnen eine Heimfahrt im Taxi ja dennoch irgendwie zustünde.

Den meisten Festpreisverhandlern ist gemein, dass sie übers Taxigewerbe genau soweit blendend informiert sind, als es ihnen nützt. Dass es für uns lukrativer ist, eine 15€-Tour ohne Uhr für einen Zehner zu fahren, das ist bekannt. Der Gedanke, wie viele Taxen (und wie viele in vernünftiger Qualität) es gäbe, wenn jeder Idiot jeden Preis annehmen würde und genau die Chefs pleite gehen, die sich noch den Luxus von Steuern und Sozialabgaben leisten… das ist natürlich unwichtiges Detailwissen.
Diskussionen auf der Basis können echt enervierend sein.

Müssen sie aber nicht!

In meinem Umfeld haben vor einiger Zeit sowohl meine bessere Hälfte als auch Kalle Zentrum als (ehemalige) Callcentermitarbeiter mir erklären können, dass man auch mit den stressigsten Kunden recht schnell fertig werden kann. Zugegeben: Man riskiert es, vielleicht mal eine Fahrt nicht zu bekommen, aber im Grunde ist selbst diese Gefahr recht klein.

Am Wichtigsten ist es zunächst einmal, freundlich und offensiv nein zu sagen, am Allerbesten ist die Situation natürlich, wenn man gleich ein brauchbares Gegenangebot machen kann.
Das ist zwar bei den nervigsten Kunden (die weit unter Tarifpreis fahren wollen) nicht möglich, aber hier bietet sich als Strategie an, das Angebot lächerlich zu machen, und sich im Zweifelsfall binnen einer Minute gleich mehrere „Mach ich nicht, vergesst es!“ aus den Rippen zu leiern. Obwohl ich echt ein weicher Keks bin, hab ich inzwischen kein Problem mehr damit, 5 auf mich einlabernde Jugendliche einfach wegzuschicken, wenn sie mir für eine 20€-Tour nur einen Zehner zahlen wollen.
Schade vielleicht, wenn der nächste Kollege sie aus Verzweiflung fährt, aber irgendwann steht man drüber.

Ein gutes Beispiel für einen gelungenen Gesprächsverlauf hatte ich dagegen dieses Wochenende erst:

Ein junges Pärchen stiefelt am Ostbahnhof auf mich und Kollege Ali zu. Wir stehen neben seinem Taxi und reden ein wenig, die beiden sind schon angetrunken und sichtbar fertig von der Party, die sie zweifelsohne zuvor gefeiert haben. Er ist ein hagerer Typ Mitte 20, hat ein zerfetztes Trägerhemd an, unter dem großflächige Tattoos die Vermutung bestätigen, dass er relativ schmerzresistent ist.
Sie ist ähnlich ausgehfertig bekleidet, kurze Hosen, weites T-Shirt und Augenringe bis kurz über den Lippen.

Er geht auf Ali und mich zu und fragt mich nach einer Straße in Friedrichshain, die ich spontan nicht so genau einordnen kann:

„Oh, Moment mal, wo war das gleich genau?“

„Die geht von der Scharnweber ab. Machste uns’n Festpreis?“

„Nein, das werde ich garantiert nicht tun!“

antwortete ich schnell, bevor Ali etwas sagen kann. Er macht den Job noch nicht so sonderlich lange, und ich hatte ein wenig die Befürchtung, er würde sich einlullen lassen von den beiden.

„Aber…“

(Gegenangebot)

„…ich kann ziemlich genau sagen, was das kosten wird: Zwischen 8 und 9 €!“

Da hatte ich dieses Mal leichtes Spiel, weil sie wirklich nur Angst hatten, dass die Strecke irgendwie verdammt teuer werden könnte. Aber so ganz aus ihrer Haut können die meisten dann doch nicht:

„Dann machen wir 11 € pauschal, ist das dann ok?“

„Ich hab gesagt, wir kommen nicht über 9 €. Die 11 nehm ich natürlich gerne an, aber pauschal mach ich das deswegen immer noch nicht!“

„OK, dann wollen wir mit dir fahren!“

Dass das nicht die nervigen Verhandlungstypen waren, ist klar. Tatsächlich sind die aber auch nur nerviger, nicht schwerer zu bearbeiten 🙂

Die Fahrt selbst verlief dann recht unspektakulär, mal davon abgesehen, dass die beiden sich erstmal mehr oder weniger einander vorgestellt und sich auf den bevorstehenden Beischlaf gefreut haben. Die Krönung war aber letztlich folgender Dialog, den sie eingeleitet hat:

„Überhaupt, dass ich hier mit Taxi… also dass ich da überhaupt für zahle! Normalerweise zeig ich meine Brüste und fahr umsonst!“

Ich hab mich an dem Punkt schon darauf vorbereitet, zu erklären, dass das bei mir nicht funktioniert, bzw. allenfalls gegen einen Fotobeweis für meinen Blog. Soll keiner sagen, ich sein nicht bereit, in GNIT zu investieren! 😉
Allerdings musste ich dann eher grinsen, denn er antwortete darauf völlig eingeschüchtert und leise:

„Und ich? Zeigst du mir deine Brüste?“

Die Antwort ging im Geknutsche unter und ich war aus dem Schneider. Ich hab die Tour dann bei 8,20 € wie versprochen beendet und bekommen hab ich letztlich 10. Was die Ankündigung von hohen Trinkgeldern angeht, haben sie sich also auch wie erwartet verhalten 🙂

Alternative Zahlung

Ins Auto gefallen ist mir die attraktive Mittdreißigerin als Winkerin im Boxhagener Kiez. Sie hat sich von ihrer männlichen Begleitung recht ungalant verabschiedet, was wortwörtlich etwa so klang:

„Ssississ mir scheißejaaal. Ick jeh poofen, ’sch bin knülle, du Knallkopp! Fickse dich selba du Lulli!“

Na Prost Mahlzeit.

Als sie sich halbwegs aufgerichtet, und ihre makellosen und größtenteils unbekleideten Gliedmaßen sortiert hatte, nannte sie mehr oder weniger schwungvoll den Namen eines recht bekannten Hotels. Ich warf im Gegensatz zu ihr noch kurz einen Blick auf den traurig dreinblickenden Lulli und hab dann die knapp 100 Pferde unter der Motorhaube losgaloppieren lassen.

„Kannse msch weggn, wenn wrn Hotell sin?“

Klar wecke ich dich, wenn du ein Hotel bist.

„Selbstverständlich.“

„Weisse, warn büschen viel, der Lutscher wollte mich wohl abfllllllnn!“

Gute Arbeit, Lulli! 🙁

Aber es war mir nicht wirklich unangenehm, dass sie geschlafen hat. Ihre Kommunikationsversuche waren nicht so sonderlich leicht zu verstehen, und noch mehr Lutscher-Stories wollte ich mir eigentlich gar nicht anhören. Das Hotel lag eine knappe 15€-Tour entfernt, und so blieben ihr durchaus ein paar Minuten dringend notwendige Ruhe.
Als wir ankamen, hatte ich so etwas wie ein Déjà-Vu.

„Ssississ jetzn büschen komisch, abersch hab keene Knete, Jungsche!“

Das erinnerte mich doch stark an den Briten von neulich. Gut, der hat sich noch ein wenig unverständlicher ausgedrückt, aber gerade weil ich den Stress schon neulich hatte, bin ich eben kurz ins Hotel rein. Mit ihr.

„Issja okeeheee! Natürlich habsch Jeld inn Zimma!“

antwortete sie auf meinen Wunsch nach baldiger Begleichung der Rechnung. Warum es sie so genervt hat, dass ich die Fahrt bezahlt haben wollte: Keine Ahnung! Ich bin jedenfalls festen Schrittes voraus ins Foyer gelatscht und hab dem Portier mein Leid geklagt. Hintendrein kam dann die volle Trulla mit einem beeindruckenden Repertoire an Ausfallschritten an und verkündete:

„Issokeehee! Schmachdattja!“

Sie fiel nahezu auf den Tresen, was den Portier beunruhigt einige Unterlagen von dort entfernen ließ, dann fragte ich, in welchem Zimmer sie denn nächtigt.

„Schabne Idee! Mussja nich mit ins Zimma komm. Niemand kommt in mein Zimma!“

„Zahlen sie einfach, dann sind sie mich los.“

„Issgutt!“

Bevor der Portier es in Sicherheit bringen konnte, nahm sie ein prall mit Bonbons gefülltes Glas vom Hoteltresen, hantierte damit für ihren Zustand erstaunlich sicher und griff sich eine Handvoll Bonbons heraus.

„Hier! Kannse ham wieviel de wills! Bezahlschdir mit Bomboms!“

An dieser Stelle kam mir der Portier entgegen und fragte die  „werte Dame“, ob sie vielleicht auf ihr Schließfach mit den Wertsachen zurückgreifen möchte, um mich zu bezahlen. Dann müsse sie nicht bis in ihr Zimmer.

„Könn wa machen, wie wa wolln! Machen wa datt!“

Binnen zwei Minuten hatte ich 20 Euro in der Hand und hab in meinem Geldbeutel nach 5 Euro Rückgeld gesucht.

„Kannsmich auch mitde Bomboms bessahln!“

gröhlte sie ziemlich lautstark. Ich hab dem Portier einen fragenden Blick zugeworfen, denn er hatte das Glas inzwischen sicher auf seinem Schreibtisch hinter dem Tresen untergebracht. Er lächelte etwas nervös, reichte mir das Glas, und ich griff hinein. Etwa 7 oder 8 Bonbons angelte ich heraus und wollte sie der Trulla in die Hand drücken.

„Na dann. Bitte!“

„Wills misch wohl va-aaschn! Ick jeh poofen! Nacht, ihr Lullis!“

war das letzte, was ich von ihr hörte, als sie gen Aufzug stiefelte.

„So kann’s gehen.“

meinte ich zum Portier.

„Da haben sie ihre Bonbons wieder.“

„Nein, nehmen sie die nur mit. Als Entschädigung oder so…“

Irgendwie müssen die Nachtschichtler ja zusammenhalten 🙂

Unmenschliche Strecke

Daniel hat mir eine Mail geschrieben, und deren Inhalt hat mich, kurz gesagt, fassungslos gemacht. Dass eine Menge Fahrer mal ausfällig werden, wenn Kunden eine kurze Strecke fahren, das ist leider hinlänglich bekannt.

So eine „kurze“ Fahrt hatte Daniel auch. Er musste vom Flughafen Schönefeld nach Rudow. Alle Fahrer da draussen wissen, dass das eine Tour für 10 € ist, natürlich nicht gerade das, was man sich unbedingt wünscht, wenn man 2 Stunden gewartet hat. Aber so ist das Geschäft nunmal. Es kommt vor und keiner von uns hat ein Abonnement auf die 50€-Touren.

Der Fahrer hat ihn immerhin mitgenommen und „nur kurz gegrummelt“, wie Daniel schreibt. Der Rest der Fahrt verlief schweigend. Die Fahrt wurde mit einem kleinen Trinkgeld beendet, und daraufhin meinte der Fahrer, Daniel solle das nächste Mal mit einem Kollegen fahren, nicht mehr mit ihm, das sei nämlich „unmenschlich“.

Das ist dreist und spricht auch deutlich für die Einstellung gegenüber den Kollegen. Sollen die anderen doch die kurzen Touren machen!

Soweit hätte mich das aber (leider) nicht weiter gewundert. Daniel war nun aber clever genug und hat eine Quittung verlangt. Er hat sogar die Konzessionsnummer kurz abgeglichen. Die wirkliche Frechheit hat er dann aber erst später bemerkt. Der Fahrer hat es offenbar für nötig erachtet, seinen Unmut auch nochmal schriftlich zu formulieren:

Unmenschlich! Quelle: Daniel

Unmenschlich! Quelle: Daniel

Anstatt sich der korrekten Ausfüllung bei der Mehrwertsteuer zu widmen, hat der Kollege lieber seine Meinung mal eben schnell oben hingekritzelt. Meines Wissens nach ist das zum einen nicht erlaubt – zum anderen aber vor allem der Gipfel der Frechheit!

Ich gehe einfach mal davon aus, dass sich die Sache so zugetragen hat, wie Daniel geschildert hat – den Fahrer und die Konzessionsnummer habe ich dennoch besser mal entfernt. Auch wenn die Sache schon eine Weile her ist, wird Daniel sich jetzt an den WBT wenden, um eine Beschwerde bei der Funkaufsicht loszuwerden. Ich hoffe mal, ich erfahre, wie es weitergeht.

Die Kollegen, das Wochenende

…und der ganze Rest.

Es ist wahrlich kein sonderlich schöner Monat. Pah, Monat! Im Grunde läuft das Geschäft seit 3 Monaten durchgehend desaströs. Die meisten Kollegen meiner mir bekannten Kollegen bestätigen das, und die die es nicht tun haben meist ein- oder zwei Abende Glück gehabt. Hier mal ein Puffbesuch mit Prämie, da mal eine Ferntour.

Den Vogel bezüglich Ferntouren abgeschossen hat Kollege Paul. Der hat jetzt im März 5 Touren gehabt, die man immerhin so halbwegs als Ferntouren einordnen könnte: 2 mal Cottbus, 2 mal Fürstenwalde und einmal noch irgendein anderes brandenburgisches Nest.

Und ich? Naja, nix von alledem. Es war einfach ein beschissener Monat. Bestenfalls kamen die Kollegen zu mir gerannt und haben mit Freudentränen in den Augen geschildert, wie viel ihnen die Tour gebracht hat. Naja, es sei ihnen gegönnt, ich würde es wohl auch kaum anders machen.

Allerdings würde ich es definitiv anders machen als die Kollegen heute am Ostbahnhof. Just als ich mit einem der netteren Exemplare sprach, gerieten vor uns 2 Kollegen mit einem Fahrgast in Streit. Der Fahrgast beschwerte sich lautstark und fragte auf Englisch:

„What is the problem with Erkelenzdamm?“

Der entsprechende Kollege antwortete auch noch hämisch:

„Jaja, ick weeß ja wo der is. Deswegen fahr ick dir trotzdem nich!“

Das Dumme ist, dass ich im ganzen Trubel – der Fahrgast trat dann an mich heran – nicht nach der Konzessionsnummer dieses Kollegenschweins geschaut habe. Und irgendwie war der dann ziemlich schnell weg. Naja, ich hab dann trotz ebenso einstündiger Wartezeit nicht lange gefackelt und den armen Typen zu seinem Ziel gebracht. Ist ja nicht so, dass ich mir nicht auch mehr als 7,00 € auf der Uhr gewünscht hätte, aber ich halte nach wie vor nix vom Tourenablehnen aufgrund der Länge…

Glücklicherweise war das seit langem mal wieder ein besonderer Fall, so viel Stress gab es ja schon aufgrund mangelnder Kundschaft in letzter Zeit kaum.

Deswegen hab ich es mir dann am Samstag (Ja, da lief es dann plötzlich! Grrr….) rausgenommen, mich gemütlich auf zwei Kaffee mit Axel zu treffen, mit dem ich wegen der Kabel1-Geschichte seit langem mal wieder in Austausch getreten bin.
Und ich will meinen werten Lehrer und Kollegen jetzt nicht in den Himmel loben: Aber es hat verdammt gut getan, sich mal innerhalb des Gewerbes auf Augenhöhe mit jemandem unterhalten zu können. Bis auf ein paar ebenfalls bloggende Kollegen bescheren mir dieses Vergnügen nämlich wirklich nur die allerwenigsten…

Das Ende der Pause hat dann just Jo eingeläutet, indem er mich mal flugs ums Eck bestellt hat. Ich war dann zwar erst über eine Stunde später da, aber das schreibe ich nur, um die Zeitumstellung (die mir wie üblich keine Probleme gemacht hat) auch noch in diesem Artikel unterzubringen.
Jo hat dann noch eine „alte Rechnung“ beglichen, sodass es eigentlich gar nicht so schlecht aussah an dem Abend. Und ich glaube für die Route, die wir gefahren sind, lade ich ihn irgendwann dann doch noch mal auf ein Bier ein. Oder wenn es passt – des Anlasses wegen – auf einen „Kurzen“ – denn das ist so etwa das, was ich ihm schuldig geblieben bin in meiner frühsonntäglichen Verplanung 😉

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten von der Straße. Kaum Leute unterwegs, Schlaglöcher überall und die Bremsen an meinem Auto quietschen munter vor sich hin, obwohl der Hausschrauber die vor zwei Wochen genau aufgrund meines Verdachts für in Ordnung befunden hat. Doofe Geschichte, ich finde es nicht sehr angenehm, mit einem quietschenden Auto an Kunden ranzufahren…

Ach ja, die Kunden:

„Sie sind gewesen von den Fahren Taxi bisher besten alle!“

Na, immerhin 😀

Stolz

Stolz ist ein Wort, mit dem ich bezüglich meiner eigenen Person selten hantiere. Ja, zugegeben: Manchmal bin ich stolz auf einen von mir verfassten Text, auf irgendeine clevere Idee oder dergleichen. Darüber hinaus sind meine wegweisenden Verdienste für die Menschheit eher überschaubar.

Und Stolz ist dann ja auch nicht wirklich das Gefühl, das man bei banalen Alltäglichkeiten entwickelt. Zweifelsohne hab ich beim Defäkieren z.B. nur höchst selten die Kloschüssel verfehlt, stolz darauf bin ich aber gewiss nicht.

Eine eigentliche Banalität ganz anderer Größenordnung ist bei mir die Schlagfertigkeit. Ich bin einfach nicht schlagfertig! Das liegt weniger an mangelnden Ideen, als mehr an der Schnelligkeit, die man dabei an den Tag legen muss. Ein paar der Leser hier kennen mich inzwischen, aber ich bin mir sicher, dass „schnell“ das letzte Adjektiv ist, das mir je jemand andichten wollte.

Im Nachhinein fallen mir mitunter die quirligsten Antworten ein, gespickt mit den göttlichsten Metaphern – wenn es aber darauf ankommt, schweige ich zu oft, weil ich zu sehr mit Überlegen beschäftigt bin. Aber heute hab ich es geschafft! Einmal! Und zwar so richtig! Und ja, darauf bin ich ein bisschen stolz 😉

Aber die Vorlage war auch zu gut:

„Boah nee, bis‘ du hässlich!“

gröhlte mir das freischwingende Dekolleté entgegen. Es kletterte ungelenk mit der anhängenden Dame von rechts nach links über die Rückbank. Die Freunde warteten noch draussen.

Eine Sekunde hab ich gebraucht, zugegeben. Vielleicht auch zwei. Aber dann:

„Wow! Bei so vielen Gemeinsamkeiten würde ich spontan vorschlagen, dass wir heiraten. Aber da wir uns jetzt das erste Mal sehen, schlage ich eine gemeinsame Ausfahrt zum Kennenlernen vor. Wo soll es hingehen?“

Während vor der rechten Türe ein Mittzwanziger vor Lachen einen Schluck aus seiner Bierflasche (wahrscheinlich durch die Nase) in einen zufällig und unschuldig herumstehenden Busch blies, konnte Miss Gehänge 2011 nur ein recht harmloses

„Ey, was is los?“

erwidern. Danke. Das war es wert! 😀

PS: Ich bin ja eigentlich nicht so gemein. Aber eine Beleidigung darf man wohl mit einer ebensolchen beantworten, oder?

Im Übrigen ist das noch eine nette Fahrt mit einem ganzen Fünfer Trinkgeld geworden…

Änderungen unerwünscht?

Ich verstehe so manche Kollegen im Taxigewerbe nicht. Zu allererst natürlich die, die sich den Job stressig machen, indem sie sich wegen kurzen Touren mit den Kunden streiten und sich Ärger einhandeln, weil sie sich nicht an die Regeln halten.
Ähnlich wenig Verständnis hab ich für die Kollegen, die denen das durchgehen lassen. Ein paar Kollegen meckern seit einiger Zeit schon rum, dass sie immer öfter von unbesetzten „Kollegen“ überholt werden und es allgemein rau zugeht. Da hab ich wohl immer Glück gehabt. Insbesondere Anfeindungen bin ich nun wirklich noch nicht ausgesetzt gewesen.

Und dann erzählt mir Kollege Manfred folgendes:

Er ist wohl leer unterwegs gewesen, kurzer Abstecher über die Stadtautobahn zu einer anderen Halte. Er selbst ist auf der 80er-Strecke mit knapp unter hundert unterwegs, und die Fackel hat er – trotz Verbot – der Einfachheit halber eingeschaltet gelassen. Wenn man es eng nimmt, kann man ja da schon was sagen 😉

Aber gut, nun der Auftritt des Kollegen: Mit von Manfred geschätzten 140 Sachen zieht besagter Kollege in seinem Daimler an ihm vorbei, die Fackel natürlich ebenfalls an.
Wie der Zufall es so will, treffen sich die beiden kurz hinter der nächsten Ausfahrt hintereinander an der Halte. Manfred steigt aus, und ich gebe hier mal sinngemäß das Gespräch wieder:

„He Kollege, muss ja wohl nicht sein, dass du mich auf der Autobahn so stehen lässt…“

„Was? Mir doch egal! Auf der Autobahn muss ich gar nix!“

„Ich würde an deiner Stelle mal vorsichtig sein, da mit 140 langzuschießen. Wie viele Führerscheine hast du denn bitte?“

„Scheißegal. Dann schmeiß ich den Führerschein weg und schlag dich tot!“

Manfred ist daraufhin ums Auto herumgegangen und hat sich ganz demonstrativ die Konzessionsnummer angesehen. Dann hat er sich wieder in sein Auto verzogen. Daraufhin kam der ungehaltene Kollege aus seinem Wagen, kam zu Manfred und hat sich entschuldigt. Irgendwas von „war nicht so gemeint“. So eine von den ganz ganz ehrlichen Entschuldigungen, bei denen Mami hinter einem steht und einen stupst, wenn man sich nicht traut.

Und, was ist die Moral von der Geschichte? Keine!

Manfred nix weiter gemacht. Er hat aber jetzt eine tolle Anekdote, und passenderweise war der Fahrer auch noch Türke. Da lässt sich das bei bestimmten „Kollegen“ gleich nochmal gehässiger erzählen.

Mit anderen Worten: Ein eigentlich bekanntes Arschloch fährt weiter unbehelligt Taxi in dieser Stadt, hat nicht einmal eine Beschwerde gekriegt, und sicher 10 Kollegen haben jetzt eine tolle Geschichte, die beweisen soll, dass alle türkischen Taxifahrer in der Stadt ja totale Arschlöcher sind…

Ja, so lösen sich Probleme!

Manchmal tut es wirklich weh, einen Job zu machen, der weitgehend vom Intelligenzprekariat beherrscht wird! 🙁

Zweite Halbzeit

Manchmal ist der Zufall doch fies. Gerade wird hier noch über Geburten diskutiert, und jetzt hab ich heute Nacht eine Fahrt gehabt… naja. Ich hatte keine Geburt im Auto. Noch nicht einmal eine schwangere Frau. Genau genommen war gar keine Frau im Taxi. Nur ein Typ. Marke „Werdender Vater“

Und zwar ein ganz gefühlvoller!

Die Fahrt war unglaublich kurz, nicht einmal ein Kilometer. Während der ganzen Zeit hat der Kerl telefoniert. Und so (in etwa) klang das dann:

„Ja scheiße. Nee! Fahr ich jetzt nach Hause, hol ihren Mutterpass und dann zurück ins Krankenhaus. Ja, voll blöd, warum heute? Konnte nicht mal zweite Halbzeit Fußball sehen! Ja nee! Fahr nur kurz heim. Wenn ich dann da ankomm, vielleicht ist er schon da… ja mein Sohn, Alter! Ja! Naja, dann war ich wenigstens nicht dabei und hab mir den Stress erspart…“

Wenn das mal kein AK wird…