Prenzl’berger Nachteulen

Nach fast 3 Jahren Taxifahren merke ich doch so langsam Fortschritte bei der Ortskenntnis. Immer öfter müssen mir Kunden auch bei Wohnadressen nicht mehr helfen und in Extremfällen kenne ich sogar etwa die Hausnummern. Soweit zum positiven Teil.

Auf der anderen Seite erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich Straßen in denen ich schon zig mal war, wieder vergesse. Bzw. sie nicht genau abspeicher. Auch wenn sie eigentlich in Stadtteilen liegen, von denen ich dachte, ich kenne sie gut. Das ist auch nicht immer schlimm, denn gerade wenn die Anfahrt ein bisschen länger ist, macht es ja auch mal nix aus, ob man jetzt nur weiss, dass das eine Querstraße unter dreien ist oder genau die erste. Je näher das Ziel ist, desto wichtiger wird das jedoch.

So ist mir die Heinrich-Roller-Straße in Prenzl’berg zweifelsohne ein Begriff. Aber mit der Marienburger und der Immanuelkirch bringe ich sie immer noch gelegentlich durcheinander. Doof, das!

Meine Kundschaft habe ich am Frannz-Club in der Kulturbrauerei eingeladen. Als der Name Heinrich Roller fiel, musste ich kurz überlegen. Aber klar, am Besten ist es, kurz 5 Meter zurückzusetzen, um dann rechts ab in die Sredzkistraße einzubiegen. Aber wie genau schlängel ich mich jetzt durch die ganzen Nebenstraßen am Kollwitzplatz? Mist!

Meine junge und äußerst lautstarke Beifahrerin bemerkte meine Unsicherheit, überschätzte diese allerdings maßlos.

„Erstmal fahren wir hier geradeaus!“

„Ähm… gut!?“

Eigentlich ist das Rechtsabbiegen in die Danziger gerade nicht erlaubt, ein kleiner Umweg wäre es so oder so, aber an das Abbiegeverbot hält sich keine Sau außer mir, da könnte ich sicher auch mal eine Ausnahme machen…

„Weiter geradeaus!“

„Ganz bestimmt nicht!“

„Wollen sie etwa mit mir streiten?“

fragte sie ziemlich keck.

„Nein, sicher nicht, aber die Heinrich-Roller liegt an der…“

„Prenzlauer!“

„Genau. Und die ist…“

„Da vorne links!“

„Nein, die ist eher so da hinten rechts.“

„Sie fahren jetzt geradeaus!“

„Ähm, nehmen sie bitte zur Kenntnis, dass ich das höchstens unter Protest tue!“

„Hey, ich hab Geburtstag und ich weiß, wo ich hinmuss.“

Wir waren inzwischen am Fahren. Richtung Pankow, Hamburg, Norden halt. Und die Heinrich-Roller-Straße, die ich so kenne, verschwand immer mehr hinter uns. Ich hab sie gebeten, wenigstens dem Navi zu glauben:

„Sehen sie mal hier: Heinrich-Roller-Straße, Prenzl’berg!“

„Ja, der will auch da vorne links!“

„Sicher will mein Navi das. Das will wenden! Weil wir genau in die entgegengesetzte Richtung fahren!“

„Fahren sie nur mal schön weiter!“

„Ich bitte sie: Lassen sie uns wenden. Ich weiss es sehr zu schätzen, dass sie die Tour zu meinen Gunsten so verlängern, aber sonst kommen wir sicher nie an.“

Das Spielchen dauerte bis zur Wichertstraße. Dann hat sie mich endlich wenden lassen. Puh! Der Rest der Strecke verlief dann so problemfrei wie nur möglich. Gut, sie hielt mir kurz noch vor, ich würde sie bezichtigen, ihr Sturheit zu unterstellen, aber das kann ich Anbetracht des Extra-Betrages gut verkraften. Gezahlt haben sie den Weg anstandslos. Sogar Trinkgeld gab es reichlich und das Whoiswho der nettesten Verabschiedungsfloskeln fehlte auch nicht. Alles in allem eine schöne Sache für mich. Für sie aber völlig unsinnig!

Das Bildchen zeigt recht eindrucksvoll, was ich meine:


Größere Kartenansicht

Vielen Dank gleichfalls…

Ich bin wirklich der letzte, der sich jemals übers Trinkgeld aufregt. Bei den Kunden liegen dankbare Worte und der Wille, das auch mit einem monetären Dankeschön zu verbinden, bisweilen meilenweit auseinander. Da muss man sich dran gewöhnen. Es fällt zwar immer schwer, wenn man einer netten Omi eine halbe Stunde lang ihre Beichte abnimmt und von ihr nach dem Hochtragen des Koffers einfach nicht aus der Wohnung entlassen wird und es doch nur 50 Cent extra gibt – dafür ist es extrem lustig, wenn einem irgendwelche Typen im Halbschlaf „Machste 20“ sagen, weil ihnen das Wort für 12 nicht einfällt.

Nein, ich beschwere mich nicht gerne. Trinkgeld ist eine Freiwilligkeit. Ich freue mich immer, wenn es den Kunden bewusst ist, dass wir auch dieses Geld zum Leben brauchen können – aber ein einzelner Kunde, der nichts gibt (und das tun wirklich die wenigsten), hat noch niemandem den Monat versaut. Aber – lange Rede, kurzer Sinn – manchmal wirkt es dann doch ein wenig unverschämt. Nämlich dann, wenn man sich wirklich über das normale Geschäft hinaus Mühe gibt.

So begab es sich neulich, dass ich am Maria kurz ein paar Mädels rausgeschmissen habe, nur um zu realisieren, dass sofort wieder jemand vor der Türe stand.

„Machste Kurzstrecke zum Berghain?“

Klar. Das Maria hat nicht nur keinen offiziellen Taxistand, nein, mir ist auch nirgends Wartezeit entstanden, also was soll es? Und Normalpreis sollten so 5,00 € bis 5,20 € sein, allzu arm werde ich durch die Differenz auch nicht. Ich fahre zwar eisern keine Kurzstrecke vom Stand, bei illegalen Halten wie hier finde ich das nicht weiter schlimm. Mal abgesehen davon, stand nicht mal ein Kollege dort…

Der Typ jedenfalls war schon ziemlich angeschlagen, aber eigentlich ein netter Kerl. Wenngleich er für sein Alter einen erstaunlichen Oberlippenbart trug, war er mir nicht per se unsympathisch. Also hab ich auch gelassen reagiert, als er am Ostbahnhof anfing nach seinem Portemonnaie zu suchen und es trotz tausendfacher Flüche nicht fand.

„Sollen wir schnell umdrehen und am Maria nachschauen?“

„Ja Mann, scheiße! Ficken! Ich kann nicht mal das Taxi bezahlen!“

„Ganz ruhig. Mach dir wegen der vier Euro mal keinen Kopp. Wir fahren jetzt zurück und suchen das Ding.“

Er selbst war total verzweifelt, also hab ich ihn mit mittelbilliger Motivation ein bisschen angestoßen:

„Na komm, einmal im Leben hat man immer Glück! Bestimmt liegt das Ding da irgendwo rum und alles ist ok!“

„Ey, da ist mein letztes Geld drin. Verfickte Scheiße, blöde aber auch!“

Dass ich mit „laufender“ Uhr am Maria auf ihn (der er unbedingt alleine suchen wollte) gewartet habe, war im Grunde ein Verstoß gegen die Taxiordnung. Fahrtunterbrechungen sind bei einer Kurzstrecke nicht erlaubt! Und verschwendete Zeit war es auch, denn das Problem an der Kurzstreckenregelung für mich ist: Die Uhr läuft nicht weiter. Niemals!

Während er zum Club aufbrach und fluchte, kramte ich eine Zigarette hervor, zündete sie mir an und stapfte durch den nachlassenden Regen (ihr merkt schon, die Geschichte ist noch vom Juli 😉 ).
Alles war pitschnass und dunkel, aber ich beschloss, noch ein wenig die Augen offen zu halten.

Gefunden habe ich sein Portemonnaie 3 Meter hinter meinem Auto. In einer gut 5 cm tiefen Pfütze lag es und sah aus, als sei schon mindestens ein Kollege drübergefahren.

„Ey! Komm mal wieder her! Ich hab’s!“

hab ich gerufen und das tropfende Etwas aus dem Wasser geangelt. Sicher, es war alles nass und eklig, aber selbst das Geld war noch drin. Es ist ihm einfach runtergefallen und keiner hat es gesehen in den letzten Minuten.

„Boah fett, tausend Dank! Geile Sache!“

Blablabla. Ich hab ihn dann schnell rüber zum Berghain gefahren. Die Uhr hat ein paar Meter vorher gepiept, ich hab sie ausgemacht, und so standen wir letztlich vor dem besten Club der Welt und er meinte triefend und erleichtert:

„Danke Mann, echt jetzt! Ich würd dir voll gerne Trinkgeld geben, aber ich hab ja leider nur noch 40 € und die brauch ich.“

Irgendwie hab ich danach – obwohl ich mir das eigentlich echt nicht vorstellen könnte – darüber nachgedacht, wie schön es gewesen wäre, hätte ich einfach auf meinen Finderlohn bestanden. Aber gut, Hauptsache die Kundschaft ist glücklich, nicht wahr? 🙁

Kotz!

Ich hab ja äußerst selten schlechte Laune bei der Arbeit. Vielleicht liest sich das hier und da mal anders, aber im Grunde bin ich meist der Ruhepol im hektischsten Treiben rund um mein Taxi. Das versuche ich auch durchzuziehen, wenn es mal unangenehm wird. Und unangenehm ist es vor allem, wenn…

Genau.

Ich hatte eine Sechsertruppe angeheiterter Engländer dabei, allesamt lustig drauf und bester Absichten. Ein Bisschen feiern wollten sie noch, aber dennoch waren sie nicht irgendwie auffällig. Zum Tresor sollte es gehen, was von ihrem Fundort aus etwa einen Zehner Umsatz bedeutete. Na denn!

Ich gurkte aus Mitte also in Richtung der gewünschten Lokalität und war frohen Mutes. Alle Insassen meines kleinen Taxis waren guter Laune und ich hatte nicht im Entferntesten eine Vermutung, dass sich daran etwas ändern wird. Aber so war es.

Am Molkenmarkt an der Ampel angekommen vernahm ich ein Geräusch, von dem ich heute nicht einmal mehr weiss, wie es sich angehört hat. Komisch jedenfalls, denn ich hab mich deswegen umgedreht. Und da saß nun einer der jungen Kerle und steckte sich seinen Finger in den Hals. Es war offensichtlich, dass er kotzen musste, mir erschloss sich nur noch nicht ganz, weswegen er das im Auto versuchte. Wir standen an der Ampel und seine Tür war nicht irgendwie gesichert.

„Fuck! Open the door!“

hab ich gebrüllt. Von der Rückbank schrien seine Kumpels:

„Ey, leave it out of the cab! Leave it out!“

Keine Chance. Er übergab sich zunächst mehr oder weniger über die heruntergekurbelte Seitenscheibe, kotzte dann aber weiter munter in den Wagen.

Bei mir hat sich da eine inzwischen ambivalente Haltung durchgeschlichen. Zum einen ist es immer noch das Schlimmste, was passieren kann. Kotze im Auto! Schichtende! Stress! Eklig!
Zum Anderen: Es bringt Geld, immerhin hat er mich nicht getroffen und außerdem bin ich abgehärtet. Was ist schon Kotze? Im Zweifelsfall ein Grund, sich die Finger zu waschen! Essen würde ich es nicht, ansonsten bin ich der rustikale Typ, der die Toilette auch ohne Handschuhe putzen kann…

Kaum dass er sich im Innenraum meiner schönen 1925 ausgekotzt hatte, öffnete mein Fahrgast auch die Türe und sprang raus. Er torkelte 3 Meter und fiel leblos in ein Gebüsch. Ich hab das Auto völlig illegal aber halbwegs verkehrsgerecht auf dem Gehsteig geparkt und den Jungs klargemacht:

„OK, as you see, we have a problem!“

5 bettelnde Jungs hatte ich um mich, die plötzlich Sorge hatten, ich wollte ihren Kumpel verprügeln. Wäre mir nie in den Sinn gekommen, der war eh schon halb tot. Selbst für diesen seltenen Fall (Kotzen bei Touristen) hab ich einen Standardspruch:

„Well Guys, that’s no big deal. 200 Euro or I’ll call the cops…“

Da ist sogar der Tote wieder aufgesprungen. Ob wir nicht einfach weiterfahren könnten? Na klar…
Das Problem an meiner Sicht der Dinge ist vor allem: Was sollen die Cops tun? Sicher, eine Anzeige wegen Sachbeschädigung können sie vielleicht aufnehmen, aber was interessiert das Touristen, die übermorgen wieder ausser Landes sind?

In einer kurzen und dennoch zielführenden Diskussion haben wir erörtert, dass 200 € nicht machbar sind. Ich vermute, ich hätte den Jungs diesen Betrag durchaus aus der Tasche zaubern können (schliesslich wollten sie noch feiern gehen und waren zu sechst), aber es kollidierte offenbar mit ihren Interessen. OK!

„No problem, guys. You just have to clean my car. Of course the meter’s still running when you do so, because it’s my working time. Otherwise: 200 €!“

Betretenes Schweigen, dann kamen die ersten Beschwichtigungsversuche. Ob 200 € jetzt wirklich…

Ich hab das im Keim erstickt und gesagt, dass es so sei und sie sich mal überlegen sollten, ob sie die Kiste in kürzester Zeit wieder geruchsneutral und sauber hinbekommen. Und ob sie das kostenneutral machen würden.

Vielleicht hab ich den sportlichen Ehrgeiz geweckt, jedenfalls waren 3 von ihnen bereit, mein Auto zu putzen. Gleich vorweg: Als ich das Auto abgestellt habe, war ich wirklich miesester Laune. Die Kiste war sauber, sogar geruchsneutral, aber irgendwie hab ich mich des Stresses wegen unterbezahlt gefühlt. Jetzt, zwei Wochen später, ist das schon ok. Sie haben die Kiste alleine saubergemacht und die komplette Zeit laut Taxitarif bezahlt – insofern kann es mir egal sein.

Der Weg dorthin war allerdings lang. An der nächsten Tanke putzten zwar alle mehr oder weniger fleißig, aber spätestens alle 5 Minuten kam die Frage, ob es jetzt ok sei. Und jedes Mal durfte ich ihnen zeigen, wo noch Suppe schwamm, wo noch Bröckchen hingen, und dass das jetzt natürlich noch überhaupt nicht ok sei.

Letztlich war ihr Arbeitstempo aber beachtlich. In nicht einmal einer Stunde haben sie das Auto tatsächlich soweit gereinigt, dass ich nicht nur sie, sondern danach auch noch einen anderen Kunden befördern konnte.

Das ändert indes freilich nichts daran, dass 200 € völlig ok sind, wenn ich das machen muss. Denn im Prinzip ist es nicht meine Aufgabe, und ich kann da völlig getrost die Preise weitergeben, die Profis verlangen und meinen Verdienstausfall noch draufschlagen. Wenn es nach meinem Chef gehen würde, dann würde die Kiste nämlich in einer Spezialreinigung für rund 400 € Grundpreis wieder hergerichtet werden und das Auto wäre locker 2 bis 4 Schichten nicht einsatzfähig.
Ich weiss, dass viele das für überhöhte Preise halten. Aber wer bitte will in einem Taxi sitzen, das nach Kotze riecht und wer ist ernsthaft (und das auch nach mehrmaligem Nachdenken) der Meinung, dass es völlig normal ist, in ein Taxi zu kotzen, bzw. dass der Fahrer das dann auch wegzumachen hat für die 7 € Bruttostundenlohn, die er so etwa durchschnittlich kriegt?

Am Ende waren es 35 € laut Taxameter, nicht einmal Trinkgeld gab es für meine Kulanz. Mir soll mal einer kommen und mich für unfair halten!

Schlagfertig

Schlagfertig ist ja immer das, was die anderen sind. Mir ist es auch schon hin und wieder mal passiert, dass ich gut kontern konnte. Das war allerdings nicht der… Moment mal! Ich wollte schreiben, dass es nicht der Rede wert ist, aber eigentlich habe ich ja auch darüber schon geschrieben…

Das erste Mal ging es um den Preis einer Fahrt. Ich fand meinen Spruch eigentlich gar nicht so toll, aber der japsende Fahrgast auf der Rückbank war anderer Meinung.

Das zweite Mal war wirklich grandios! 🙂
Meinen Fahrgast hat es eher verwirrt, aber auf die Antwort kann man schon stolz sein…

Das letzte Mal war die Braut mit ihrer Beleidigung, die ich infolgedessen nicht mehr zu ehelichen gedachte. Auch das hat wenigstens für etwas Amusement gesorgt.

Aber das, was neulich in meinem Taxi im Fond abging, das kann ich nur schwer überbieten. Die Protagonisten waren ein junges Paar, so um die 20 Jahre vielleicht. Er war hoffnungslos betrunken und noch hoffnungsloser verliebt. Bei ihr bin ich mir da nicht ganz sicher. Ganz sicher bin ich mir jedoch, dass sie an diesem Abend nicht dasselbe vorhatte wie er.

Seine Pläne umfassten ganz offensichtlich eine gemeinsame Nacht und ein paar Gramm verlorene Körperflüssigkeit. Bei ihr wähne ich eher erholsamen Schlaf als Wunschtraum. Na gut, hier der kurze Dialog, weswegen ihr euch all das bis jetzt durchlesen musstet:

„Ey Schassi!“

„Ja?“

„Weissu einnlich, wie heissu biss?“

„37 Grad.“

 

Der Taxi-Anti-Knigge

Nachdem Pharmama gestern diese herrlichen Verhaltensregeln für einen erfolgreichen Apothekenbesuch und für das Hochgefühl der dort beschäftigten Menschen veröffentlicht hat, dachte ich, ich sollte auch den Taxikunden ein derartiges Standard-Werk zur Verfügung stellen.

Also: Wenn Du ein Taxi brauchst…

1. Winke nie!
Wenn dir ein Taxi entgegenkommt, stehe möglichst uninteressiert an der Straße herum. Lasse dich nicht auf einen Blickkontakt mit Taxifahrern ein und winke keinesfalls. Erst wenn der Fahrer vorbeigefahren ist, signalisiere mit einem kurzen Handzucken, dass er gefälligst anzuhalten hat. Wenn der Taxifahrer deiner Bewegung Folge leistet und scharf bremst, kläre ihn gleich beim Einstieg darüber auf, dass derartig apruptes Anhalten auf keinen Fall durch die StVO gedeckt ist. Erfinde ggf. einen Verwandten im Polizeidienst, der seit Jahren mit Stasi-Methoden solche Rüpel gnadenlos verfolgt.

2. Besser bestellen!
An einem Taxistand gilt – wie an allen von vielen Taxen befahrenen Plätzen – das Taxi telefonisch zu ordern. Dies bietet eine umfassende Möglichkeit, dem Servicegedanken auf den Zahn zu fühlen. Sollte das Taxi dann nach 2 Minuten nicht da sein, winke das nächstbeste heran. Hierbei unbedingt wieder auf  Regel 1 achten!

3. Wähle deinen Sitz!
Fordere den Fahrer bereits mit der Sitzwahl zum Arbeiten auf! Sollte der Fahrer unerlaubterweise etwas auf dem Beifahrersitz liegen haben, setze dich einfach drauf. In Kleinbussen verlange, dass dir der Platz in der letzten Sitzreihe zugänglich gemacht wird.

4. Nenne nie ein Fahrtziel!
Nenne nie umgehend ein Fahrtziel! Taxifahrer sind an allem interessierte Menschen, und nichts entspannt in einer schwierigen Verkehrssituation (man steht in zweiter Reihe am Straßenrand einer Hauptstraße und alle nachkommenden Verkehrsteilnehmer hupen) mehr, als sich erst einmal anzuhören, weswegen man genau jetzt ein Taxi braucht und wie das eigentlich nochmal war mit dem Furunkel von Opa Erwin.

5. Beweise deine Ortskenntnis!
Sollte der Fahrer unverständlicherweise ein Fahrtziel verlangen, antworte grundsätzlich mit „Fahr erst mal los!“ Gute Taxifahrer leisten dieser Bitte auch an großen Kreuzungen mit abknickender Vorfahrt zielsicher Folge. Sollte der Fahrer einen Richtungswechsel vergessen, stell das umgehend klar: „Da hinten hätten wir aber rechts gemusst!“. Weise den Fahrer je nach Schwere seiner Verfehlung auf seine mangelnde Ortskenntnis hin und darauf, dass das früher niemals passiert wäre.

6. Verhandle und fahr billiger!
Beginne während der Fahrt mit dem Taxifahrer zu verhandeln. Taxifahrer betrügen sowieso sowohl ihren Chef als auch den Staat, also lass dir nicht erzählen, dass das illegal wäre. Jedes Nein bedeutet, dass du den Preis weiter senken kannst.

7. Du hast es eilig!
Vergiss nicht, immer wieder daran zu erinnern, dass du es eilig hast. Im Gegensatz zu einem Taxifahrer kannst du ja nicht den ganzen Tag im Auto rumsitzen, du hast schließlich eine wichtigere Arbeit. Sollte die von dir vorgeschlagene Strecke letztlich teurer sein als der Preis, den du im Sommer 2005 für eine Taxifahrt in Kairo ergoogelt hast, weigere dich, ihn zu bezahlen.

8. Mach es spannend am Ziel!
Füge am Ziel eine aufmunternte Schnitzeljagd ins Geschehen ein. Definiere den Platz zum Halten unter Einbeziehung der Umgebung. Nenne keine Meterangaben oder Hausnummern, sondern greife auf Formulierungen wie „das Auto“ in einer vollgeparkten Straße, „der Baum“ am Waldrand oder „der beleuchtete Hauseingang“ in einer belebten Straße zurück.

9. Halte mit Gepäck nie vor der Tür!
Wähle als Haltepunkt wenn möglich eine Feuerwehreinfahrt in 150 Meter Entfernung zum eigenen Haus. Der Taxifahrer wird verstehen, dass die Ladezone vor der Tür langjährigen Bewohnern vorbehalten ist und das Gepäck gerne die letzten paar Meter selbst tragen.

10. Zahle mit Großgeld!
Zahle ausschließlich mit 100- oder 200€-Scheinen! Viele Taxifahrer sind allergisch gegen Kleingeld, und sind froh, wenn sie bei der Fahrt für 5,20 € gleich 94,80 € weggeben können. Wenn dich der Fahrer unterwegs angemessen unterhalten hat, gib ihm nachträglich 20 Cent Trinkgeld mit dem Verweis, er solle damit auf sein nächstes Auto sparen.

11. Profi-Tipp: Drogen!
Alle oben genannten Regeln sind wesentlich einfacher einzuhalten, wenn man vor der Taxifahrt möglichst viele Drogen konsumiert. Je irrationaler das eigene Verhalten dabei wird, desto mehr wird sich der Taxifahrer freuen, ein wenig Abwechslung in seinem sonst ja eher eintönigen Job zu haben. Gerade die oft verpönten Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, Desorientierung und Brechreiz bereichern das Leben von Taxifahrern ungemein!

Ziellos im Taxi

Es gibt Zeichen dafür, dass Kunden nicht von der einfachsten Sorte sind. Zum Beispiel, wenn sie aus einem Taxi aussteigen und dann zum Taxistand kommen. Das muss natürlich nicht gleich das Schlimmste bedeuten, aber ein wenig komisch ist es im Allgemeinen schon. Im Extremfall hat der Kollege sie rausgeschmissen oder aus dem Auto rausdiskutiert, vielleicht haben sie aber auch einfach keine Ahnung.

Diese Freude hatte ich am Samstag Abend.

Die beiden betrunkenen Gestalten hab ich eben genau aus oben genanntem Grund erst einmal nicht wahrgenommen. Sie sind gerade aus einem vorgefahrenen Taxi ausgestiegen. Dass sie da an der Taxihalte vor sich hingeschwankt sind, schien ich erst einmal nicht für sonderlich interessant zu halten.
Als sie ihre tadellose Bewerbung zum Berufspendel allerdings direkt vor meine Wagentüre verlegt haben, hab ich sie doch mal näher angesehen.

Die beiden wirkten wie ein etwas alternatives Vorzeigepärchen beim Clubhopping. Die Klamotten in gedeckten Farben waren bereits leicht verdreckt, ansonsten sahen sie in ihrer Betrunkenheit geübt aus. Also schätzte ich, dass sie entweder freiwillig einen Teil ihrer Zeit auf dem Boden verbracht haben, oder auf einen unfreundlichen Türsteher gestoßen sind. Beide grinsen noch ziemlich zufrieden, und wenn man bedenkt, dass es den Abend über geregnet hat, könnte man in ihrem Zustand tatsächlich schlimmer aussehen.

„Was kossn zur Haburer Chaussee?“

„Harburger? Oder Haburer oder wie?“

„Harburger…“

„Hmm, ist mir jetzt erst mal unbekannt. Sorry, da müsste ich mein Navi fragen.“

Kollege Jürgen stand neben mir und überlegte auch fieberhaft. Ihm sagte die Straße auch nix. Ich hab mich also kurz in den Wagen geworfen und das Navi befragt. Aber: Möööp! Gibt es nicht. Zumindest nicht in meinem Navi. Ich hab ernsthaft überlegt, das erste Mal seit einem Jahr den Stadtplan rauszukramen, da der aktueller ist.

„Wo soll das denn genau liegen?“

fragte Jürgen.

„Inn Norden.“

„Also Pankow? Oder noch weiter? Außerhalb?“

Die Antwort schuldig geblieben stiegen sie bei mir ein und zwangen mich dazu, sie zu bitten, ihre Ansage zu konkretisieren.

„Fahr ersma los, wir zeigen dirs!“

„Ja, aber in welche Richtung denn genau? Seid ihr beim Straßennamen sicher? Harburger Chaussee?“

„Klar, da wohn ich doch!“

„Was ist denn da die nächstgrößere Hauptstraße in der Nähe? Mir sagt das nämlich wirklich nicht einmal grob etwas!“

„Ey sachma! Jeder Hamburger Taxifahrer kennt die Harburger.“

Ich hab sowas ja fast schon befürchtet:

„Ihr beiden Dösbaddl wisst aber schon, dass ihr in Berlin seid, oder?“

„Ja, is mir doch egal. Bring uns doch einfach hin. Wir zahlen das ja auch!“

„OK, mal Butter bei die Fische: Es gibt nichts, was ich lieber täte, als euch nach Hamburg zu fahren. Aber das wird eine verdammt lange Fahrt und die kostet ein Schweinegeld. Wenn ich das machen soll, dann ist gut. Dann brauche ich aber auch Geld. Und zwar zumindest zum Teil im Voraus! Bei so einer Strecke brauche ich einfach eine Sicherheit, nichts für ungut!“

„Ok, is kein Problem!“

flötete sie von hinten rechts und reichte mir aus einer neuen Schachtel zwei Zigaretten. Das wird haarsträubend! Ich bin mal wieder Trottelmagnet, super! Ich drückte ihr die zwei Zigaretten in die Hand, und bei der Entgegennahme zerknickte sie eine davon. Logischerweise wollte sie die gleich im Taxi entsorgen. Ich hab sie aus dem Fußraum gefummelt und ihr in die Hand gedrückt:

„Leute, so nicht! Steck die Kippen mal wieder ein! Nochmal von vorne: Ihr seid in Berlin. Deutsche Hauptstadt, knapp 300 Kilometer von Hamburg weg. Ich könnte… sach mal! Kannst du bitte aussteigen, wenn du eine rauchst. Ich rauch hier drin auch nicht!“

Der Typ mit den schon leicht speckigen Haaren sah mich ratlos an:

„Aber ich bin eingesperrt. Die Tür geht nicht auf…“

„Ja, das ist die Kindersicherung. Momentan vermute ich zwar eher, die sollte das Öffnen von außen verhindern, aber warte kurz…“

Nicht sonderlich begeistert ist er ausgestiegen und ich konnte meinen Monolog gegenüber der jungen Dame fortsetzen:

„So, also. Ich bringe euch beide gerne nach Hamburg, aber das wird teuer. Ich würde es nicht empfehlen.“

„Dann bring uns doch in nen Club!“

„Ein Club? OK, warum nicht? Welcher denn?“

„Hmm, wie is mit Fritz-Club?“

„Der Fritz-Club liegt hier direkt hinter uns. Da müssen wir nicht hinfahren.“

„Ehrlich?“

„Ja.“

„Egal, dann geb ich dir einen Euro und penn hier ne Stunde. Is ok?“

„Sorry, für einen Euro ist das nicht ok.“

„Wieviel dann? 10? 20? 30? 40? Is mir egal. Ich zahl, was du willst!“

Bei 40 € hab ich mir ja fast schon überlegt, einzuschlagen. Arg viel besser hätte ich es in der Stadt auch nicht erwischen können. Gemütlich ein paar Zigaretten rauchen, Fotos von schlafenden Betrunkenen im Taxi bei Facebook posten (verdammt, die haben doch neuerdings die Gesichtserkennung 😉 ). Ich stellte mir das eigentlich ganz lustig vor. Aber dann:

„Nee, du fährst uns jetzt einfach nach Hamburg!“

Ganz ruhig bleiben…

„OK, dann Klartext: Wir fahren nach Hamburg. Das kostet, hm… mal überlegen… sagen wir 500 €. Und die will ich nicht erst in Hamburg sehen, sondern hier schon! Wenn ihr mich fragt: Es würde sich lohnen, eine Stunde auf den Zug zu warten.“

Ich weiss nicht, ob das Mädel in dieser Sekunde einfach einen klaren Moment hatte oder eine Halluzination von biblischen Ausmaßen. Jedenfalls riss sie die Augen entsetzt auf und sagte mit einer verständnis- und liebevollen Stimme in bester Pädagogenmanier:

„Boah, das ist echt ziemlich teuer. Ey danke, dass du das gesagt hast. Das ist vielleicht, ich muss mal fragen. Bennniiiii?“

Ihr Begleiter schielte mitsamt Zigarette zum Fenster hinein und sie erzählte ihm von der unglaublichen Weisheit, dass die Fahrt nach Hamburg 500 € kosten würde. Auf die Frage, ob er ihr das zahlen könnte, reagierte er etwas unwirsch:

„Du, wir sind hier schon 4 mal Taxi gefahren. Ich hab bisher schon alles gezahlt. Glaubst du, ich hab noch 500 € dabei? Nee du, hab ich nicht! Müssen wir eben was anderes finden…“

Na bitte! Endlich! Hinter mir waren inzwischen 5 Kollegen, inklusive Jürgen, von der Halte weggekommen. Wurde auch Zeit, dass mein Auto wieder frei wird! Also zumindest, wenn es doch nicht nach Hamburg geht. Darauf hätte ich ja schon noch ein Weilchen warten können 🙂
Kaum dass sie das Taxi auch verließ, stieg mir vorne gleich neue Kundschaft ein und ich hatte eine bequeme 15€-Tour ein paar Kilometer ums Eck. Und ich war damit nicht sonderlich unzufrieden. Als dieser Fahrgast dann ausgestiegen ist, hab ich hinten auf den Rücksitzen erst einmal den halben Strand entfernt, den sie dank ihrer Klamotten auf meiner Rückbank verteilt hatten. Immerhin nur Sand und kein Seetang!

Und eine Schachtel Zigaretten. Eine, aus der genau 2 Stück fehlten.

Blöde Kollegen…

Ich hab ja echt nicht vor, mich dauernd über Kollegen zu beschweren. Zum einen ist es ja nicht so, dass die Straßen wirklich voll von Arschlöchern im Taxifahrergewand sind, zum anderen bin ich ja beileibe nicht perfekt und will mich gar nicht als oberster Moralapostel gerieren.

Aber manchmal geht es einfach nicht anders.

Am Wochenende stand ich zum Beispiel mal wieder in Erwartung einer hoffentlich langen Tour zu einem der Flughäfen morgens am Ostbahnhof. Vier Kollegen standen bereits auf Rücke 1, ich hielt tapfer die Abstauberposition auf der anderen Straßenseite. Das ist kein schlechter Standpunkt, es gibt immer noch viele Menschen, die dort das erste Taxi nehmen, weil sie vermuten, es wären zwei getrennte Schlangen. Am niedlichsten sind dabei übrigens die, die tatsächlich glauben, man müsste je nach Fahrtrichtung entweder auf der einen oder der anderen Seite einsteigen. Ich kläre sie dann manchmal über dieses lustige Ding vor meinem Bauch auf, mit dem man den Wagen wenden kann 😉

Aber gut. Irgendwann hat der vierte Kollege auf der anderen Seite wohl einen Funkauftrag bekommen und der Platz war frei für mich. Ich hab also gewendet, mich in die Lücke eingefädelt und mir zu Unterhaltungszwecken mein Handy geschnappt.

Aus dem Augenwinkel hab ich auf dem Gehweg eine Bewegung realisiert und mich umgedreht. Auf einer Stufe am Bordstein, etwa 4 Meter von meinem Auto entfernt saß eine junge Frau. Rote Haare, ein nicht mehr ganz taufrisches Kleid am Leib, barfuß und mit Tränen in den Augen. Sie hat mich kurz angesehen, sich dann aber wieder abgewandt, und so ließ ich es dabei bewenden. Ich wäre zwar durchaus interessiert daran gewesen, was ihr so den Abend versaut hat, aber ich war ja auch zum Arbeiten da.
Kurz darauf kam dann auch ein Freund von ihr vorbei, sie unterhielten sich kurz, hab ich alles nur so nebenbei mitbekommen. Das Fenster war zu, sie wollten nix von mir – wayne?

Irgendwann kam dann der Freund allerdings doch angelatscht und bat mich, die Scheibe herunterzulassen:

„Ja bitte?“

„Entschuldigung, würden sie uns fahren?“

„Na selbstverständlich!“

„Ist aber nicht weit…“

„Das ist doch egal.“

Also hat er seine Holde aufgesammelt und sie sind beide in mein Taxi gekrabbelt. Er hinten, sie vorne. Ihr Ziel lag jetzt wirklich nicht weit weg, aber passable 7 € sind nebst einem Trinkgeld dann auch ein Zehner gewesen. Die beiden sind echt nett gewesen, und auch über die Tatsache, dass sie ein wenig betrunken war, konnte man gut hinwegsehen. Der Grund für ihre Taxifahrt war, dass die werten Dame eine Fußverletzung hatte. Ich vermute mal eine eingtretene Glasscherbe oder ähnliches.
Der Grund, warum sie bei mir im Taxi saßen, war indes der, dass alle vier Kollegen am Stand ihr offensichtlich eine Abfuhr erteilt hatten. Ob jetzt wegen der Strecke oder des Fußes oder trotz des Fußes aber wegen der Strecke: Keine Ahnung!

Aber echt: ‚Ne verletzte junge Frau abweisen und dann weiter eine halbe Stunde Zeitung lesen… prima! Kunden müssen ja was wahnsinnig enervierendes sein, wenn man so lange am Kreuzworträtsel der Bild verzweifelt…