Beide in einen Sack …

… und dann draufhauen und nie jemand falsches erwischen.

[Selbst ich muss mich hier mal für die Sprachwahl im Text entschuldigen. Aber sie ist leider real.]

… wie oben genannt in etwa waren meine Gedanken. Bezüglich einer Kundin und eines Kollegen. Und das ist beides nicht sehr üblich, auch wenn ich mich gerne mal über dieses oder jenes ärgere.

Aber es war schon starker Tobak, den mir meine Kundin am Ende der Fahrt aufgetischt hat:

„Da hatte ich ’nen Taxifahrer, der hat gemeint, er müsse mich unterwegs mies anmachen und der meinte beim Bezahlen dann auch noch so zu mir ‚Ey Alte, mein Schwanz is‘ schon ganz hart‘ …“

0.o

Ich hätte an dieser Stelle nicht gedacht, dass ich jemandem nach so einer Erfahrung irgendwelche Sachen übelnehmen könnte. Aber diese Kundin hat es ziemlich gut geschafft:

„Aber hätte ich ja vorher wissen sollen: bei Kanaken oder Negern sollte man halt nicht einsteigen!“

Manchen Menschen wünscht man ja eine gemeinsame WG … oder oben erwähnten Sack.

-.-

Will ich’s wissen? (1)

Meine letzten Fahrgäste waren vor einem Kilometer erst ausgestiegen und hatten mich an diesem Sonntag auf 50 € Umsatz gebracht. Auf den Punkt genau. Das hätte egal sein können, aber ich hatte mir vorgenommen, diesen Umsatz als Marke zu nehmen, um anschließend das Auto zu betanken. 70 € wollte ich in meiner halben Schicht einfahren, aber ich tanke gerne vor der letzten Tour, falls sie mich in eine Gegend verschlägt, von der aus ich dann weite Umwege zu einer der Erdgas-Tankstellen fahren müsste.

Da schnellte ein Arm hoch und ich legte ein ziemlich apruptes Bremsmanöver auf der Torstraße hin. Aber alles im grünen Bereich: kein einziges Auto weit und breit auf der Straße außer mir. Der winkende Arm gehörte zu einer jungen asiatisch aussehenden Frau und die nächsten zwei Minuten verbrachten wir mit leichten Kommunikationsschwierigkeiten und dem Versuch, das Fahrtziel zu erörtern. So grob war es schnell klar – die Herzbergstraße. Aber welche Ecke da genau war ein bisschen schwierig. Direkt damit zusammenhängend: Was es etwa kosten würde.

Ich taxierte schnell mal 15 €, aber da sie irgendwie verunsichert wirkte, gab ich mal einen Straßennamen ein, der eigentlich weiter weg hätte liegen sollen …

„Naja, eher so 12 bis 13 €.“

Das war es dann erst einmal mit der Unterhaltung, denn sie telefonierte. Und das in – vermutlich – ihrer Muttersprache. Ich verstand kein Wort und wurde aus dem Alltagstrott, den das stumme Fahren halt darstellt, rausgerissen, als sie mir dann plötzlich den Weg zu einer anderen Kreuzung als erwartet wies. Als sie mich dann dort auch noch auf eines der riesigen Industriegelände einbiegen lies, neiget sich die Uhr deutlich über 13 €. Ich hörte die junge Frau am Telefon weinen und neben mir unbekanntem Vokalsalat das Wort „Taxi“ jammern. In der Hoffnung, ihren offensichtlich schlechten Tag ein wenig aufzuheitern, hab ich die Uhr dann bei 14,00 € ausgemacht, obwohl wir noch am Fahren waren. Aber arg weit konnte es auch nicht mehr sein.

Sie lotste mich ein paar hundert Meter zwischen nicht mehr ganz benutzbar aussehenden Industriebaracken hindurch und ich folgte geduldig. Am Ende standen wir im tiefsten Lichtenberg (und doch nicht einmal weit vom Abstellplatz des Autos entfernt) mitten im Hof und sie stieg panisch telefonierend aus.

Nun ist es ja so, dass es bessere Situationen gibt, als als Taxifahrer in einem verlassenen Industriegebiet bei einsetzendem Regen alleine rumzustehen, während die Kundschaft telefonierend flüchtet. Viele Kollegen unterstellen mir gerne Leichtsinnigkeit bei solchen Fahrten, aber ich hab die Lage durchaus vernünftig versucht einzuschätzen. Trotz Dunkelheit hatte ich gute Sicht in alle Richtungen. Mir standen drei Fluchtwege offen und der Großteil meines Geldes war gut versteckt. Und ich behielt meine Kundin vorerst immer genau im Auge, obgleich sie selbst eher verängstigt als gefährlich wirkte. Der Zündschlüssel steckte, der Motor lief und ich hab beschlossen, dass ich jetzt einfach mal abwarte.

In alle drei verfügbaren Richtungen rannte die junge Frau jeweils bis zu 100 Meter weit, nie jedoch außer Sichtweite. Was beruhigend war. Obwohl ich langsam Zweifel hatte: Ich wollte die 14 € von ihr schon haben!

Irgendwann bin ich ihr dann tatsächlich ein paar Meter hinterhergerollt, erst in die eine, dann wieder zurück in die andere Richtung. Sie fluchte und heulte am Telefon und ich wusste so langsam gar nicht mehr, woran ich war. Während ich mich ärgerte, dass sich das in die Länge zog und die Uhr aus war, verschwand die junge Dame plötzlich um eine Hausecke …

Fortsetzung folgt heute Mittag um 15 Uhr.

Faulheit, letztes Level

Zunächst hab ich mich geärgert. Kam da doch tatsächlich auf der  Petersburger Straße Richtung Süden ein Kollege mit angeschalteter Fackel entlanggeschossen und überholte mich kackedreist, obwohl ich selbst leer unterwegs war. Grmpf! Das macht man nicht!

Dann sind mir die Gesichtszüge noch etwas mehr entgleist, denn der Kollege war im engeren Sinne keiner – es war ein Brandenburger aus dem Landkreis LDS. Also hat der Kerl nicht nur gegen eine ungeschriebene Regel verstoßen, sondern sich tatsächlich illegal bereitgehalten. Bis zu seinem Heimatlandkreis waren es locker noch 20 Kilometer – das ist schon mehr als nur dreist.

Dann tauchten am rechten Straßenrand plötzlich Winker auf. Lustige Situation, denn wenn er angehalten hätte, hätte er auch Ärger gekriegt. Ich gönne den Kollegen aus LDS ihre Kunden, ich bin da nicht so feindseelig wie mancher Kollege. Aber das Taxigewerbe in LDS hat sich erbittert den Schönefelder Flughafen erstritten und wacht mit Argusaugen darüber, dass ja kein Berliner Taxi vielleicht auch nur versehentlich eine unerlaubte Tour von Schönefeld aus kriegt, da kann man umgekehrt doch die gleichen Standards verlangen …

Aber der Kollege fuhr ohne mit der Wimper zu zucken (ok, das hab ich nicht gesehen, aber zumindest hat er nicht mal kurz angebremst) vorbei. Kann sein, dass ihm klar war, dass ich hinter ihm bin, sah aber tatsächlich so aus, als jucke es ihn nicht. Schon sein Tempo flüsterte unhörbar: „Nur schnell weg aus dieser irren Stadt, flieh! Sofort!“

Wenn ich das mal gutgläubig annehme, dann muss ich mich doch fragen, was einen bei einer mehr als 20 Kilometer langen Fahrt davon abhält, wenigstens die Fackel auszuschalten. Das ist ein Knopfdruck, der eventuell mehrere Anfeindungen und Missverständnisse verhindert. So schwer kann’s doch echt nicht sein.

Am Ende wäre es noch lustig gewesen, wenn die Kunden nach Schönefeld gemusst hätten. War aber leider nur eine Kurzstrecke zum S-Bahnhof Warschauer … 😀

Einer kommt selten allein …

oder eben gerade doch.

Ich hatte es kürzlich erst: Wer nicht zahlt, fährt nicht mit!

Das hat mich noch belustigt und gewissermaßen erschreckt. Aber heute Nacht gab es ein zweites Beispiel – und das war erschreckend verständlicher für mich, obwohl der Fahrgast selbst so lala war.

Ich hab die erste Stunde Arbeit mit privatem Gedöns zugebracht. Ich hab vom Start an gen Heimat gezielt, um mit Ozie ein paar Pakete von der Packstation zu holen. Der Weg ist zwar nicht weit, aber da wir beide öfter mal Sendungen kriegen, sammeln wir gerne mal eine Woche und holen sie dann auf einen Rutsch mit dem Auto ab. Ich bin sehr froh, dass meine Chefs sowas ausdrücklich erlaubt haben. Das erspart einem diese Heimlichtuerei, wie sie in der Realität dann ja doch bei den meisten Jobs mit Dienstfahrzeug zu finden ist.

Naja, nachdem die Pakete sicher zu Hause verstaut waren, war es schon fast 20 Uhr und umso erfreuter war ich, als mich nur ein paar hundert Meter nach meiner Haustür am Bahnhof ein Typ ranwinkte. Ein bisschen Klischee-Marzahner war er schon, eher ein Proll, weiße Trainingsklamotten, Sonnenbrille, Goldkettchen. Mit voller Einkaufstüte. Immerhin ohne Flaschenklimpern. Während ich erwartungsvoll hielt, tauschte er sich noch mit jemand anders aus. „Na komm‘, Fünfer mindestens!“ hörte ich nebenbei, dann war die Sache aber offenbar schon geklärt und ich startete auf seinen Wunsch Richtung Hohenschönhausen. Nicht mal die schlechteste Tour, am Ende sollten das 15 € werden.

„Der wird sich jetzt janz schön ärjern, wird er!“

„Er wollte nicht mit?“

„Logo wollt‘ er. Aber ick zahl doch nich‘ immer alleene!“

Dieses Mal sah die Sache wohl anders aus als bei meiner letzten Tour zum gleichen Thema. Hier war Geld offensichtlich nicht das Problem. Der Kumpel hatte wohl durchaus welches, hatte aber keinen Bock, jetzt noch was dazuzulegen. Sogar im Grundsatz waren mein Fahrgast und ich am Ende einer Meinung. So sagte er:

„Wenn eener keen Jeld hat, dann jeb ick jerne. Schon, damit er dabei is‘, is ja logo. Aber wennde merkst, dit is‘ nur ’ne Masche um die eijenen Kohlen zusamm’zuhalten – leck mir am Arsch, Kolleje!“

Da kann ich mitgehen. 🙂

Schön war dann das Telefonat kurz vor Ende der Fahrt:

„Du bis‘? Wat is‘, stehste noch da? Schön. Ick bin in zwee Minuten zu Hause.“

Und dann hat er sich bei mir entschuldigt, dass er leider nur noch einen Euro Trinkgeld in klein hatte. War eigentlich ganz ok, die Tour …

Wahre Freundschaft

Auch unter Freunden lässt sich nicht immer alles ganz locker klären. Und Geld ist natürlich auch ein schwieriges Thema, schon klar. Als Taxifahrer kriege ich das bei meinen Fahrgästen ja meistens nur beim Bezahlen mit. Wenn dann alle Leute brav ihre 3,40 € zahlen sollen, anstatt dass einer den Zehner vorschießt zum Beispiel. Aber das von diesem Freitag war meines Wissens nach neu.

Ich war recht froh, auf dem Rückweg von einer längeren Tour noch Winker bekommen zu haben. Zwei Mädels, ein junger Kerl. Eine etwas sonderbare Truppe, schon weil die Damen geschätzt 10 Jahre älter waren als er. Aber gut, als ich auf das freundliche Winken hin anhielt, wurde ich gefragt, was es zum Matrix kosten würde. Ich schätzte ungefähr 15 €.

Gegen den Preis hatte niemand was einzuwenden, nur der junge Mann musste eingestehen, keinen Fünfer mehr zu haben. Woraufhin zu meiner Überraschung entschieden wurde, dass er dann eben nicht mitfährt. 0.o
Also versteht mich nicht falsch: Ich als Taxifahrer bestehe ja auch drauf, dass mir meine Dienste bezahlt werden. Wieso aber jemand draußen stehenbleiben muss, weil er nix beisteuern kann … ist ja nicht so, dass die Fahrt für die Frauen deswegen jetzt noch billiger geworden wäre.

Aber ok, vielleicht hat er sie ja davor schon genervt, was weiß ich.

Kurz darauf sollte dann die Dame auf der Rückbank ihren Anteil an der Fahrt schon mal rausrücken, beschloss meine Beifahrerin. Die kam nun ein wenig in Erklärungsnot, denn ganz offensichtlich hatte sie auch nichts mehr. Oder zumindest nicht die 8 € Anteil für die Fahrt, die ausgemacht waren. Ergo:

„Schmeißen Sie sie bitte an der nächsten Ecke raus!“

Und tatsächlich: an der nächsten Bushaltestelle, als ich gerade an einer Ampel hielt, wurde die ach so gute Freundin dann abgesetzt. Was für eine fröhliche Truppe …

Und was die Feierlaune anging:

„Is‘ ja jetzt auch scheiße! Wenn ich jetzt alleine zum Matrix fahr, hab ich ja auch nur noch’n Zehner übrig. Lässte mich an der nächsten S-Bahn-Station raus?“

Meinetwegen gerne. Und für mich war die Sache damit dann ja auch durch. Einen knappen Zehner hat’s immer noch gebracht und mein Kilometerschnitt war wieder im Reinen. Aber mit einer so kurzen Fahrt mal eben den Abend von drei Leuten versaut zu haben – die dann alle irgendwo einsam und angepisst in der Prärie rumstanden – das kann ich mir wahrscheinlich auch erst seit diesem Wochenende auf die Fahnen schreiben. 0.0

Genau jetzt

Ich mag das ja, wenn Leute sich grundlos aufregen. Ich hatte mit Warnblinker an der rechten Straßenseite gehalten und einen Kunden rausgelassen. Danach blieb ich noch ein paar Sekunden stehen, um mir die Eckdaten der Tour zu notieren. Als ich das getan hatte, startete ich den Motor und plötzlich brüllte mir ein Radfahrer links durchs Fenster:

„ACH, GENAU JETZT MUSSTE LOSFAHREN, JA?“

Ich hab mal schlagfertig reagiert und gerufen:

„Ja, genau jetzt. Wahnsinn, oder?“

Seine Beschwerde war in mehrfacher Hinsicht grotesk. Denn er hatte zwar um mich rumzufahren, aber ich hatte z.B. keinen speziellen Radweg blockiert, auf dem ich irgendwie illegal gehalten hätte. Ich hab auch keine Anstalten gemacht, ihn zu gefährden, schließlich bin ich nicht einfach blind nach links abgebogen, sondern hab das Auto langsam geradeaus anrollen lassen.

Allerdings hatte ich ihn zuvor tatsächlich nicht gesehen. Seltsam.

Aber nee, eigentlich nicht wirklich. Vierzig Meter später hab ich ihn dann meinerseits überholt … und – er hatte kein Vorderlicht. War ja nur nachts um ein Uhr in einer schlecht beleuchteten Nebenstraße.

Naja, eigentlich isses doch praktisch, wenn Idioten sich dann wenigstens durch lautes Rufen erkennbar machen …

-.-

Wegrennen …

Das hatte ich lange nicht mehr. Hinter mir nuschelte einer der kreuzbraven Jungs verschwörerisch:

„Sag mal, weiß der Taxifahrer, dass wir dann wegrennen?“

Ich hab mit skeptischem Blick in den Rückspiegel geschaut und gesagt:

„Weißte, der Witz ist inzwischen einfach ein bisschen zu alt um lustig zu sein. Außerdem sitzt ausgerechnet Du an der Tür mit der Kindersicherung, dein Wegrennen würde ich in der Tat gerne sehen …“

Erfolg ist immer relativ. Aber ich fand’s ok, dass mein Beifahrer mir für die schlagfertige Antwort ein High-Five angeboten hat. 😉