Genau jetzt

Ich mag das ja, wenn Leute sich grundlos aufregen. Ich hatte mit Warnblinker an der rechten Straßenseite gehalten und einen Kunden rausgelassen. Danach blieb ich noch ein paar Sekunden stehen, um mir die Eckdaten der Tour zu notieren. Als ich das getan hatte, startete ich den Motor und plötzlich brüllte mir ein Radfahrer links durchs Fenster:

„ACH, GENAU JETZT MUSSTE LOSFAHREN, JA?“

Ich hab mal schlagfertig reagiert und gerufen:

„Ja, genau jetzt. Wahnsinn, oder?“

Seine Beschwerde war in mehrfacher Hinsicht grotesk. Denn er hatte zwar um mich rumzufahren, aber ich hatte z.B. keinen speziellen Radweg blockiert, auf dem ich irgendwie illegal gehalten hätte. Ich hab auch keine Anstalten gemacht, ihn zu gefährden, schließlich bin ich nicht einfach blind nach links abgebogen, sondern hab das Auto langsam geradeaus anrollen lassen.

Allerdings hatte ich ihn zuvor tatsächlich nicht gesehen. Seltsam.

Aber nee, eigentlich nicht wirklich. Vierzig Meter später hab ich ihn dann meinerseits überholt … und – er hatte kein Vorderlicht. War ja nur nachts um ein Uhr in einer schlecht beleuchteten Nebenstraße.

Naja, eigentlich isses doch praktisch, wenn Idioten sich dann wenigstens durch lautes Rufen erkennbar machen …

-.-

8 Kommentare bis “Genau jetzt”

  1. Quacki sagt:

    Oder Klingeln. Ich bin mal nachts durch einen unbeleuchteten Wald (auf dem Radweg) geradelt, wirklich stockduster, keine Laternen, keine Autos, kein Licht am Fahrrad, nix. Ich hab in regelmäßigen Intervallen geklingelt, und bei einem Klingeln hab ich dann doch ein menschliches Schemen erkannt, welcher schnell zur Seite gehopst ist.
    Moral: Seitdem fahr ich mit LED-Licht am Fahrrad.

  2. DerInderInDerInderin sagt:

    Großes Tennis! Da hast du mal wieder ein Helden der Straße erwischt. Leider sind die nicht nur mit dem Fahrrad unterwegs, sondern nutzen auch Autos und Busse. Selbst zu Fuß springen dir solche Pappnasen vors Auto. Also immer schön vorsichtig fahren und für die Chaotenbande mit denken, Sash! 🙂

  3. Holger sagt:

    Der Zebrastreifen an der Charité Mitte in der Unterführung ist der gefährlichste Ort in Berlin. Ich hab gesehen, dass ein Fußgänger davorsteht und habe angehalten, wie es sich gehört. Auf der anderen Straßenseite ebenfalls. Dort fuhr das Auto nach diesem Fußgänger los, ich guck kurz nach rechts: auch kein Fußgänger und fuhr los, in diesem Moment gröhlt mich auf dem Zebrastreifen links von mir ein Fußgänger an: „Ey hallo.“
    „Ja, Entschuldigung.“ sagte ich nur noch.

    Wo kam der bloß her? Keine Ahnung.

  4. Bernd K. sagt:

    Ohne den Radler verteidigen zu wollen, ich glaube, er hat sich einfach erschrocken. Fährt so vor sich hin und plötzlich rollt das Auto los das er überholt. Ich freue mich immer wenn der Fahrtrichtungsanzeiger vor dem losfahren vorschriftsmässig betätigt wird 😉 Und ein rechtzeitiger Schulterblick bei Autofahrern wird von Radlern auch geschätzt.
    Aber das muss ich unserem werten und umsichtigen Blogger eigentlich nicht sagen. 🙂
    Mein Lieblingsspruch im Verkehr: Hauptsache mindestens einer passt auf!

  5. Gast sagt:

    @ Bernd K.

    Gut möglich, dass er sich erschrocken hat. Aber: Da Sasch gar nicht die Spur gewechselt hat, brauchte er ja auch (noch) nicht blinken. Und der Schulterblick hat im Dunkeln den unbeleuchteten Radfahrer nicht entdecken können.

    Ich habe so was auch schon häufig erlebt und bin jedesmal mit Schnappatmung zurückgeblieben.
    Das übelste: ein unbeleuchteter Radfahrer kommt abends mit full speed falsch aus einer Einbahnstraße auf eine Vorfahrtsstraße rausgeschossen. Ich konnte nur um Haaresbreite bremsen und brauchte schon fast den Notarzt. Er hat mich dann aber noch pflichtschuldigst beschimpft ….

  6. DasSkar sagt:

    Was’n nu, nur Motor an oder doch schon angerollt?

    @Gast: So einfach ist das leider nicht -> § 10 StVO „[…] oder vom Fahrbahnrand anfahren will, […]“
    Diese Regel gibt’s genau wegen solchen *piep*, die sich ohne Licht anschleichen.

    Also immer schön Blinker setzen bei/vor dem Anrollen, da freut (sollte) sich jeder Radfahrer und man selber muss sich wegen solchen *piep* keine Vorwürfe machen.

  7. Gast sagt:

    @ DasSkar

    Aha! Danke, dann habe ich was dazu gelernt.

    (Soll man ja jeden Tag machen 🙂 )

  8. highwayfloh sagt:

    Mit so einem Schwachmatten hatte ich auch vor ca. 4 Monaten, also im Winter und nach Feierabend auf der Rückfahrt vom privaten Einkauf, eine entsprechende Begegnung:

    Ampelkreuzung:

    Ich grün, er (auf dem Fahrrad) rot! Er war noch unbeleuchtet, dunkel angezogen und fuhr voll weiter! Dann links auf die Busspur um in Richtung Uni abzubiegen…

    Ich hab das Fenster runtergekurbelt und nur ganz laut geschrien:

    „Deine Ampel war rot Du Ar**** loch! Hättest tot sein können, wenn ich auf Deppen wie Dich keine Rücksicht nehmen würde!“

    Den hats regelrecht im wahrsten Sinne des Wortes „gerissen“….

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