Unterschiedliche Koordinatensysteme

Etwas überrascht führte ich mit der Kundin rund ums Engelbecken Gespräche über den ehemaligen Gewässerverlauf. Da mussten wir allerdings beide geschichtlich passen. Ich hab dann eingeworfen, dass die Straßen in Berlin mir schon umfangreich genug seien, woraufhin sie sagte:

„Sehen Sie: Mich können Sie überall in Berlin aussetzen und ich hab keine Ahnung, wo ich bin. Es sei denn, es liegt an einem Gewässer.“

„Also nehme ich an, dass sie beruflich was mit Wasser machen?“

„Ich kartiere Wasserstraßen.“

Geil!

Ich meine: Eine riesige Stadt wie Berlin kann man auf 1000 Arten erschließen. Auch als Taxifahrer zum Beispiel ist man ja mit seinem Schwerpunkt auf Straßennamen (und z.B. eher Schwächen beim U-Bahn-Netz oder den Radwegen) auch ein Spezialfall. Aber die Kartierung von Wasserstraßen, da jubelt der Nerd in mir, das finde ich großartig. Einfach nur, weil es das auch gibt! 🙂

Wenn sie es wollen …

Was ich nicht verstehe, sind Menschen, die absichtlich nach einem Grund suchen, sich aufzuregen. Oder überhaupt zu ärgern. Die Welt ist schlecht genug, man kann ausreichend Energie aufbringen, sich um die zu sorgen, denen es wirklich schlecht geht.

Nun aber er. Großgewachsener Teil eines Ehepaars, das mir nachts als Winker an einer  U-Bahn-Station ins Auto gefallen war. Beim Einstieg bereits bot seine zierliche Frau ihm an, doch auf der Beifahrerseite einzusteigen. Wollte er nicht. Also quetschte er sich hinter mich, woraufhin ich sogar wohlwollend meine Sitzlehne etwas steiler stellte. Obwohl ich eh nicht zu den Liegendfahrern zähle.

Keine zwei Minuten später kam dann gehässig von hinten:

„Mann Mann Mann, ist ja ziemlich wenig Platz in so ’nem Opel!“

Während ich noch mit mir gerungen hab, ob ich dem Vollidioten meine Meinung geige, hatte das schon seine reizende Gattin übernommen:

„Tja, Schatz, ich trau’s mich ja kaum zu sagen, aber: Ich hab hier RICHTIG VIEL PLATZ!“

Also hab ich’s gelassen. Er hatte seine angetrautemessene Strafe ja schon erhalten. 😉

Die Club-Kundschaft …

Ich  musste nicht einmal warten wie die gefühlt fünfhundert Leute in der Schlange vor dem Club. Taxis waren keine da, ich blinkte nur kurz rechts und nahm die erste Kundin auf, die mir bereits fröhlich entgegengehüpft kam.

Nach über acht Jahren wird man nur noch selten überrascht, die jedoch hat das schon mit dem Gesprächseinstieg geschafft, denn der dürfte einzigartig gewesen sein:

„Hey, guck mal: Avocados! Hihi.“

Und was soll ich sagen: Sie trug Leggings mit Avocado-Muster.

Ein weiteres Highlight war folgende Erkenntnis:

„Gott sei Dank hab ich so viel Glitzer im Gesicht. Sonst hätte ich übelst die Augenringe!“

Und beendet wurde das Ganze nach 10 Minuten mit dem Dank, ich sei „der beste Nachhause-Taxifahrer der Welt“.

Sowas nimmt man doch gerne mal mit. 🙂

Ach, SO knapp …

„Was schulde ich Ihnen?“

„Genau 10 Euro und 90 Cent.“

…

„Oh stimmt, den Zweier hab ich vorher ausgegeben. Ich müsste hier noch … oh nee, auch nicht … also ich hätte hier 10,30€.“

„Ich will nicht kleinlich sein, aber ich muss ja die 10,90€ bei meinem Chef …“

„Nein nein, ich hab’s ja nur …“

„Wenn Sie’s nur größer haben: Ich hab Wechselgeld. Ich würde jetzt gerne auch das mit der Kartenzahlung einwerfen, aber dann müsste ich noch die 1,50€ Zuschlag berechnen.“

„Ich hätte oben noch Geld, aber …“

„Ach so, kein Problem! Das passiert öfter mal. Wenn sie also kurz oben Geld holen wollen …“

„NEIN! Da müsste ich erst den Schlüssel holen!“

OK, dass es so schwierig werden würde, hab ich mir bis dato nicht ausgemalt.

Wie so oft wurde es aber auch gar nicht so schwierig. Sie hat den einen Fünfer in ihrem „Geheimfach“ noch gefunden. Ein bisschen weniger Panik hätte es also auch getan. 😉

Bescheuertster Ortskundefail ever!

„Hallo, wo darf’s hingehen?“

„Knorrpromenade.“

„Oh, welcher Stadtteil war das noch gleich?“

Und hier der nötige Einschub: Ja, es gibt in Berlin ausnahmsweise nur eine Knorrpromenade und die liegt sogar ziemlich unweit meiner Lieblingshalte am Ostbahnhof. Im Grunde kenne ich die, sogar inklusive Einbahnstraßenregelung. Da ich aber, wie ich immer gerne betone, auch als Taxifahrer nur mit Wasser koche, hab ich beim Stichwort „Promenade“ ein paar Kandidaten im Kopf, die nicht wirklich was miteinander zu tun haben. Und bevor man wegen eines kleinen Verhörers in einen komplett falschen Stadtteil startet, fragt man halt nochmal nach. Und die Antwort kam schnell:

„Torstraße, Schwedter Straße.“

OK, in der Ecke war mir das völlig fremd, also hatte ich da was verwechselt. Passiert. Irgendeine kleine Straße, die so ähnlich heißt, das ist wirklich Alltag. Immerhin wusste ich nun schon einmal, in welche Ecke es gehen sollte und bin losgefahren. Ich hab mir auf der Karte meines Trackers einen Wolf gezoomt, die Straße dort nicht gefunden und am Ende dann doch das Navi angeschmissen. Das aber leitete mich, obwohl inzwischen in die andere Richtung unterwegs, wie ich zunächst vermutet hatte, weiter nach Friedrichshain in den Boxhagener Kiez.

Obwohl ich bis dato dachte, der Kunde kenne sich aus, fragte ich mal eben schnell nach. Und ein Abgleich unseres Wissens ergab, dass natürlich das Navi und meine Intuition recht hatten. Der Fahrgast hatte noch vor dem Einstieg wohl etwas zu hektisch gegoogelt und war dank persönlichen Algorithmen für mich nicht mehr nachvollziehbar sehr schnell bei einer Firma gelandet, die zwar die Knorrpromenade im Namen führt, aber eben in der Schwedter Straße angesiedelt ist.

Das Ende vom Lied war fast schon langweilig und ist hier trotzdem erwähnenswert: Er hat das auf seine Kappe genommen und sich für die Weitergabe der falschen Infos entschuldigt. Und am Ende mittels Trinkgeld sogar den eigentlich höheren Betrag bis zu seiner Fantasieadresse gezahlt, den ich zunächst in den Raum geworfen hatte.

Natürlich war ich nicht gänzlich unschuldig, ich hätte meinem Wissen auch einfach vertrauen können. Aber ich glaube, dass es in einer großen Stadt mit etlichen doppelten Straßennamen auch nicht dumm ist, bei einer schnellen und deutlichen Ortsangabe erst einmal den Kunden zu vertrauen. Wie ich gerne sage: Vor der eigenen Haustüre kennen sich die Fahrgäste natürlich besser aus als ich. Dass ihr Ziel erst kürzlich falsch ergoogelt wurde, kann ich nicht immer erahnen.

In dem Fall war das Ergebnis wie gesagt super. Denn mal abgesehen vom Trinkgeld hatte ich am Ende einen Kunden, der trotz Umweg und damit höheren Kosten einfach nur nett und verständnisvoll war. Es ist ja nicht einmal so, dass ich in dem Fall nicht ein Auge zugedrückt hätte bezüglich des Preises, aber diese Variante ist einfach nur nice!

Mehrwert

„Bringen Sie uns zum Estrel?“

„Kriegen wir hin. Alles andere wäre auch etwas traurig.“

„Naja, die S-Bahn hat’s schon mal nicht geschafft.“

„Ach, deswegen kosten wir mehr? Wir bringen die Kunden auch ans Ziel …“

Und zack: Eis gebrochen, nette Fahrt, alles bestens. Eigentlich sollte ich der S-Bahn Berlin danken. Aber da ich ebenso gelegentlich Kunde bin: Äh … nein!

Ganz eigene Probleme …

Ein Ire. Das erste Mal in Deutschland, noch dazu mit Freude, mit Freunden, mit Erwartungshaltung. Und ja, klassischer Fall: Sie wollten hier trinken. Dank des Streiks an den Berliner Flughäfen war sein Flug umgeleitet worden, der seiner Kumpels nicht. Sie hatten ihm also ein paar Stunden voraus.

„Well, I guess your friends are already drunk …“

„Think so too.“

War eher lustig gemeint., aber er hat das Trinken noch als ernsthaften Sport gesehen:

„I was drunk before the flight too, but now I’m sober. Wasted money!“

Man glaubt ja gar nicht, wie sehr die Fluggäste bei einem Streik leiden! 😉