Glaubwürdigkeit: So lala

Nach vielen kurzen Touren an dem Abend endlich mal was im 15-bis-20-Euro-Bereich. Na also! Es geht doch!

Besser noch: Eine lustige Kundin, die von einem Test im Rahmen eines mehrteiligen Bewerbungsprocederes berichtete. Für sich selbst war sie sich nicht sicher, wie’s gelaufen ist, ich jedenfalls drücke aus Sympathiegründen die Daumen. Unterhaltsam war, wie sie von einer Freundin berichtet, die das Ganze ebenso hinter sich bringen musste:

„Und dann fragen die da, ob man ein Idol hätte. Ihr ist nicht so wirklich was eingefallen, also hat sie mal ‚Jesus‘ gesagt.“

„OK. Das ist anspruchsvoll.“

„Und dann fragen die sie: Ach, Sie sind gläubig? Und sie so: ‚Äh, nein?'“

Ach, herrlich! Könnte man sich nicht ausdenken, sowas. 😀

Unverdient

Das Tolle an Dienstleistungsjobs ist, dass man gelegentlich Lob für Dinge bekommt, für die man absolut nix kann. Zugegeben, es gibt auch das Gegenteil, aber wir wollen ja mal bei einer Geschichte bleiben.

Ich lud die Kunden am Ostbahnhof ein. Als zweiter in der Reihe, weil das Gepäck, das im Wesentlichen aus einem noch zusammengefalteten und offenbar neu gekauften Kinderwagen bestand, beim Kollegen auf der eins nicht in den Kofferraum gepasst hatte. Als ich dann das Fahrtziel „Michaelkirchstraße“ hörte, war  mir klar, dass der Kollege sich zumindest im Nachhinein sicher nicht beschweren würde, dass ich vor ihm weggekommen bin. Einmal kurz ums Eck, acht Euro inklusive Trinkgeld. Nach ewigem Warten.

Aber gut. Beim Ausladen fiel dann aus dem Kinderwagen-Paket ein Handy raus und da niemand es beachtete, griff ich es kurz, hob es in die Runde und fragte, wem es gehöre. Meine drei Fahrgäste standen wie Kaninchen vor der Schlange auf mich starrend da, bis eine Frau das Gerät zögernd in die Hand nahm. Während der Typ, der den Wagen ausgeladen hat, im Kinderwagen nestelte und eine Tasche hervorzog, fragte ich vorsichtshalber nach:

„Äh, gehört das einem von Ihnen?“

Aus ihrer Schockstarre gerissen antwortete die Frau:

„Äh, ja, ja! Es ist nur … wir dachten, Tasche und Telefon wären gestohlen worden. Wir haben eben schon Anzeige erstattet und die Bahn zur Sau gemacht!“

Und dann eben – obwohl sie das zwei Minuten später selbst bemerkt hätten:

„Danke vielmals. Sie haben uns echt den Abend gerettet, Wahnsinn!“

Immer wieder gerne. 😉

Der Coole

Drei Fahrgäste, alle ganz nett. Winker im Außenbezirk.

„Also zuerst müssten wir zum Bahnhof. Da steigt der eine schon aus …“

„DER COOLE STEIGT DANN AUS!“

Ich hab in den Rückspiegel geblickt und gesagt:

„Nee, das geht nicht.“

„WAS? WIESO?“

„Ich muss das Auto fahren.“

Zwei neue Kunden, ein neuer Feind. Die Statistik passt soweit. 😉

Unentschlossen

Kunden, die nicht wissen, wo sie hinwollen. Das ist so eine Art 1A-Klischee, das gerne mal die Runde macht unter Taxifahrern und denen, die es werden wollen. Der Alltag gibt dem recht, allerdings ahnt man manchmal nicht, wie belanglos und gleichzeitig bescheuert das sein kann.

Stellt Euch einfach mal vor, Ihr seid ich. Ein Taxifahrer, der zumindest bei netter Kundschaft wirklich bereit ist, alles zu tun. Rückwärts die vereiste Einbahnstraße im Schneckentempo (Aber spätestens bis 1:05 Uhr!) durch eine angetrunkene Horde Helene-Fischer-Fans entlangdriften? Na klar, macht nach Tarif 11 €, passt schon!

Und dann das „große Problem“: Die Zieladresse liegt in einer Einbahnstraße. Inzwischen sogar wieder befahrbar, das war nicht immer so. Und „voll schwer“ zu erreichen. Will heißen. Von der Hauptstraße rechts ab in die Nebenstraße, dann links in besagte Einbahnstraße. Eine Geschichte von 200 Metern. Für unbedarfte Fahrer wie mich.

Die Kundin bittet mich nach dem Abbiegen in die Nebenstraße allerdings anzuhalten. OK, warum nicht? Wenn sie den Rest laufen will …

„Jetzt muss ich überlegen …“

„Ich fahr Sie gerne hoch, ist kein Ding.“

„Jaja, für Sie und mich nicht, aber andere Menschen …“

„Ich kann auch hier halten.“

„Nein, warten Sie, ich muss überlegen!“

„OK.“

„Ich weiß jetzt auch nicht …“

„Wollen Sie alleine da rübergehen?“

„Ja. Nein. Also vielleicht …“

„Bitte! Ich stehe mitten auf der Straße!“

„Ja, also bringen Sie mich …“

Ich setze den Blinker.

„NEIN! Halten Sie einfach hier!“

„Gerne, kein Prob …“

„Aber eigentlich wäre es nur …“

„Wie gesagt, ich bringe Sie gerne …“

„Ach, hier ist schon ok!“

Ich hoffe, all der Stress hat wenigstens in ihrem Universum Sinn ergeben. In meinem war’s ehrlich gesagt einfach nur unnötig stressig.

Passiv, aber heftig.

Die Schicht war scheiße gelaufen, aber jetzt winkte es ausgerechnet im südlichen Neukölln, als ich das Auto gerade in Richtung Firma bringen wollte. Nun denn, so ist das Spiel eben! Der Winker stand auf dem Mittelstreifen und gab mir gut erkennbar den Hinweis, dass ich vor ihm (an einer Kreuzung) drehen solle und es wieder stadteinwärts gehen würde. Kein Ding.

Und dann stiegen drei Leute ein, die mich so dermaßen ins Jahr 1998 zurückgeflasht haben, dass ich mir selbst erst mal klarmachen musste, dass es am Geruch lag.

„Alter, nice, dass Du so angehalten hast! Reicht Wildenbruch noch Kurzstrecke?“

„Wir können’s zumindest versuchen.“

„Yeah. Also nicht, dass das war, was ich, also wir, ich äh … hihi.“

„Wir fahren Kurzstrecke auch immer von woanders, ist manchmal schwer einzuschätzen.“

„Is‘ super, Digger! Wir wollen ja nur noch kurz noch einen rauchen … das machste sicher auch nicht, wa?“

Hätte ich nicht vor ungefähr 15 Jahren mein gelegentliches Kiffen zugunsten eines Fahrerjobs ad acta gelegt, hätte ich anhand der Luft im Auto noch die Sorte an Gras bestimmen können, die die drei Gesellen offenbar die letzten Monate anstelle von Atemluft benutzt haben. Also hab ich mal frech geantwortet:

„Nee, Jungs, das passt nicht mit dem Job. Aber ganz ehrlich: Was ich gerade passiv mitnehme, versaut mir ohnehin schon die nächsten Drogentests.“

Zugegeben, es war nur sehr bedingt überraschend, aber: Sie mussten lachen. 😀

Schon mal das Vergnügen

„Ha! Hatten wir beide nicht derletzt schon mal das Vergnügen?“

„Äh … kann sein!? Ich merke mir nicht jedes Gesicht.“

Was man halt so sagt, wenn man sich wirklich nur sehr sehr sehr schwer Gesichter merken kann.

„Wohin soll’s denn gehen?“

„Die XYZ-Straße.“

Und genau deswegen sage ich immer, dass ich mir Gesichter schlecht merken kann und nicht, dass ich einfach ein schlechtes Gedächtnis habe. Denn als er das gesagt hatte, wusste ich:

„Ah, Bundesstraße Drölf, links in die ABC, von der ABC-Straße rechts ab, dann die dritte links in den Weg mit dem ziemlich langen und schwer merkbaren Namen und dann hinten am Eck halten. Knappe 13 Euro, ein Zweier Trinkgeld obenauf. Und nach dem Absetzen einfach links-links, dann bin ich wieder auf der XYZ-Straße.“

Gesagt hab ich nur:

„Ich glaube, ich erinnere mich.“

Diesmal war es komplizierter. Notarzteinsatz vor uns, deswegen ein kleiner Umweg, anderes Ranfahren, aber das Ende passte:

„Und hinten am Eck halten, ja?“

„ACH, HAHA! SIE ERINNERN SICH!“

Nur so grob. Aber danke für die zwei Euro Trinkgeld. 😉

„Meine Dienste“

Mittzwanziger, leicht abgeranzte Klamotten, schon leicht einen im Tee. Soweit der erste Eindruck.

Ich war der einzige Taxifahrer am Stand, also kam er zu mir. Mal sehen …

„Einen Wunderschönen! Ick müsste mal Ihre Dienste für eine janz kurze Zeit beanspruchen, geht das klar?“

Berliner Dialekt und Höflichkeit. Da gehe ich ja innerlich ohnehin auf die Kniee.

Ja, die Tour blieb mit knapp neun Euro nur mittelmäßig ergiebig. Andererseits muss ich jetzt auch mal die lediglich drei Minuten Wartezeit und die fürstlichen drei Euronen Trinkgeld erwähnen. Und, welch edler Herr in schäbigem Gewand musste sich meine Dienste so höflich erbitten?

Einfach nur ein echt netter Barkeeper, der nach drölfzig Stunden mehr als ich völlig platt war, aber vorm Schlafengehen noch unbedingt Kippen an der Tanke holen musste.

Meinetwegen muss das Protokoll ja nun nicht derart pingelig eingehalten werden, aber in dem Fall hab ich’s einfach mal als echte Höflichkeit gewertet. I like! 😀