Floskelgrenzen

Wenn alles ohne Probleme läuft, kommt man als Taxifahrer ja meist mit vielleicht 10 immer gleichen Sätzen durchs Leben mit den Kunden. Man hat fast alle nur für wenige Minuten im Auto, da reicht eine nette Begrüßung, ein Kommentar übers Wetter, einer zum Zielort und/oder der Strecke, ein netter Joke zum Abschied und ein Danke fürs Trinkgeld. Und wenn man das alles fünf Minuten später einem anderen Kunden wortgleich erzählt, wird er’s wieder für eloquent und persönlich halten. Aber natürlich: Ausnahmen bestätigen die Regel.

Aber es gibt so Sprüche, da käme man nicht im Traum drauf, dass man damit irgendwann mal falsch liegen könnte. Einer meiner Lieblinge ist zum Beispiel das bekannte „auch nur mit Wasser kochen“, das ich gerne bemühe, wenn ich wegen einer Straße nochmal nachfragen oder das Navi einschalten muss. Hört sich dann etwa so an:

„Oh, damit haben Sie mich erwischt. Aber wir Taxifahrer kochen halt auch nur mit Wasser, ich hab natürlich nicht alle Straßen in Berlin immer richtig sortiert im Kopf.“

Das kommt immer gut an. Ein kleines Eingeständnis von Schwäche, aber in sympathisch und ohne irgendwas großes draus zu machen. 90% äußern Verständnis, 9,999% nicken wenigstens stumm. Und dann hatte eine Kundin neulich allen Ernstes eine andere Antwort:

„Wissen se, dit passt jar nüscht für mich.“

„Was?“

„Na hier, mit de Wasser. Ick koch mit Wasser höchstens Nudeln. Allet andere mit Wein, Bier oder Milch. Und eins von den‘ jeht imma!“

Ich hab gar nix dagegen, die oben genannte Floskel- und Smalltalk-Ebene zu verlassen. Aber darauf ist mir auch nix mehr eingefallen. 🙂

18 Kommentare bis “Floskelgrenzen”

  1. Taxi4wat sagt:

    Da kannste nur kapitulieren!

  2. Kartoffeln? Reis? Suppe? Da hätte ich mal nachgehakt XD

  3. @pflaegermeister:
    Reis – Milchreis
    Suppe – Milchsuppe
    Kartoffeln… ähm… Bierkartoffeln? 😉 DieTotenHosen haben ja angeblich wohl auf einer ihrer Konzerttouren sogar Bier benutzt für die Kaffeemaschine…

    @Sash:
    Wie wärs mit Öl/Fett? Fritten aus der Fritt-Töse. Schnitzel aus der Pfanne voll Schweineschmalz… 😀

  4. MsTaxi sagt:

    @Pflaegermeister
    Ich bau meine Suppe in aller Regel auf einer Brühebasis auf, Kartoffeln mag die Frau vielleicht nicht (weil die Milch da so leicht beim Kochen anbrennt) und Reis gibt es nicht nur in Milchreis, sondern auch in der Risottovariante. Obwohl mich diese alkoholbetonte Ernährung ja schon bedenklich stimmt…

    @Sash
    Da wär mir auch nix mehr zu eingefallen *lol*. Schön, wieder von dir zu lesen.

  5. Marco sagt:

    @MsTaxi: Und die Brühe? Wie wird die gemacht?

  6. kleiner_Geist sagt:

    @Marco: Dafür wird natürlich ein Weibchen der Suppengrüns eingefangen und gemolken. Das weiß man doch.

  7. W. Örthersee sagt:

    Gaston Bachelard schreibt in seinem Buch ‚Poetik des Raumes‘, dass eine Metapher, also ‚ auch nur mit Wasser kochen‘
    nichts weiter als ein beiläufiger Ausdruck sein sollte und dass es gefährlich ist, wenn man daraus einen Gedanken macht.

    Das wusste natürlich die treuherzige Bier-Milch-Wein-Kocherin nicht.
    Immerhin hatte sie bei dieser Taxifahrt oder sogar oder an diesem Tag mindestens einen Gedanken.

  8. W. Örthersee sagt:

    Ungefähre Konfektionsgröße bekannt?

  9. Ana sagt:

    „Ich koche ja auch nur mit Flüssigkeit“ hätte hier gestimmt, wie Wikipedia(uf*) uns verrät:
    >> Kochen (von lateinisch coquere, „kochen, sieden, reifen“ entlehnt) ist im engeren Sinne das Erhitzen einer Flüssigkeit bis zum und am Siedepunkt

    * uf – unfehlbar

  10. @Ana
    Und ich dachte, Kochen ist das Garen von Lebensmitteln in siedendem Wasser. Hat mir damals ein Assistenst im Studium beigebogen, der wohl auch eine Ausbildung als… ähhh… Koch hatte. Der stand gar nicht drauf, wenn man als Student sagte: „Das Wasser da kocht gerade.“ 😉

  11. Ana sagt:

    Hmm… „Ein Teil dieses Wassers kocht im Rest dieses Wassers“ könnte dann gelten *grübel*

  12. nils sagt:

    Na das war dann wohl der floskel killer.

  13. Ulf sagt:

    7 Sätze? In einen Film war mal die Rede davon, dass 3 Sätze (zumindest für Chefs) reichen.
    1. Das ist aber auch nur Ihre Meinung.
    2. Ich brauche mehr Details.
    3. Schreiben Sie es auf, ich beschäftige mich später damit

  14. W. Örthersee sagt:

    Und als Dirigent eines Orchesters braucht man eigentlich nur so etwa 12 Wörter.
    Das hat Herbert von Karajan mal in einem Gespräch auf Englisch mit Yehudi Menuhin gesagt.
    Too low, too high, too forced , too weissichnich.

    Und ein genervtes Orchestermitglied sagte mal grollend zum neuen Dirigenten:
    Wenn Sie uns zuviel Umstände machen, spielen wir so wie Sie dirigieren.

  15. Mausflaus sagt:

    neumodisch heißt das „google googlet auch nur mit google“

  16. hafensonne sagt:

    Haha, hier auch – also eher mit Wein und Brühe als mit Wasser, wobei die Brühe selbstredend mit Wasser angesetzt wird. Irgendwo muss man ja anfangen 🙂 Dir einen guten Rutsch und eine ertragreiche Silvesternacht!

  17. Peter sagt:

    @ulf natürlich war das in „Diddi der Doppelgänger“ mit Diddi Hallervorden in beiden Hauptrollen.
    Den hab ich im Kino gesehen, damals… 🤦‍♂️ – vor vielen Monden….

  18. […] inklusive Einbahnstraßenregelung. Da ich aber, wie ich immer gerne betone, auch als Taxifahrer nur mit Wasser koche, hab ich beim Stichwort „Promenade“ ein paar Kandidaten im Kopf, die nicht wirklich was […]

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