Routen, die Kunden vorschlagen

Ich sag’s immer wieder: Die Kunden bescheißen sich selbst viel besser als ich es je könnte …

Eine gute Route – wenn man denn Geld loswerden will. Quelle: osrm.at

Eine gute Route – wenn man denn Geld loswerden will. Quelle: osrm.at

Am Ende lief das dann so, dass ich gefragt hab:

„Äh, und wie wär’s, wenn wir die Fahrt einfach genau so, nur in kurz machen würden?“

Daraufhin meinte der Kunde:

„Mach ruhig, ick vatrau Dir! Obwohl, lass ma‘! Bring mir zum Berghain.“

PS: Die Mehreinnahmen durch Umwege sind ja eine tolle Sache. Aber stellt Euch mal meine psychische Belastung vor, wenn mir jemand fortwährend erzählt, dass das die beste Strecke ist … 😉

Das Rauchverbot im Taxi

„Darf man bei Dir rauchen?“

„Nein.“

„Ach bitte!“

„Nein. Hey, ich verkneife mir das Rauchen im Auto den ganzen Tag, da werdet Ihr’s doch die eine Fahrt schaffen!“

„Du bist Nichtraucher!?“

„Nein. Aber ich rauche nicht im Auto.“

Diese leidige und unnötige Diskussion. Denn was war am Ende das Ergebnis:

„Ich versteh‘ schon, dass das andere stören könnte. Finde ich echt cool, dass Du das durchziehst!“

0.o

Ich hab als selbst Betroffener natürlich irgendwo Verständnis für die Bedürfnisse von Nikotin-Junkies. Aber für eine Taxifahrt? Für in dem Fall 13 Minuten eine große Diskussion starten?

Ja, ich weiß: In der Praxis hat sich das mit dem Rauchverbot im Taxi noch nicht so wirklich durchgesetzt. Der ein oder andere Kollege trotzt dieser neumodischen Regelung, die 2007 eingeführt wurde – und ein paar quarzen mit schlechtem Gewissen hier und da mal eine. Und ich bin auch nicht fehlerfrei und hab auch schon zwei, drei Ausnahmen gemacht, wenn’s z.B. mal weit ins Umland ging. Aber eigentlich haben doch gerade wir im Alltag genügend Pausen für unser Laster. Und hier und da mal ein Lob, dass es gut riecht im Auto, ist gerade für Raucher doch eigentlich was wirklich kleidsames fürs eigene Ego. Und ja, da spreche ich aus Erfahrung.

Alaaf und Helau!

Berlin ist nicht gerade eine Karnevalshochburg. Meine ursprüngliche Heimat auch nur bedingt, aber immerhin bin ich Faschingsumzüge gewöhnt und hab die ein oder anderen Highlights durchaus im Kopf, meist in Form vager Erinnerungen an irgendwelche Familienausflüge.

Und nun hatte ich einen im Taxi.

Nein, keinen echten Jecken, sondern einen echten Berliner. Aber der war nun nach Köln gereist und hatte dort zelebriert, was alle dort zelebrieren:

„Und um ehrlich zu sein: Es war echt lustig. Da machen ja wirklich alle mit! Das ist ja auch mal was ganz eigenes! Die sind da alle kollektiv bescheuert für ein paar Tage und das macht echt Spaß!“

Ich hatte gleich meine Lieblings-„Ausrede“ parat:

„Naja, hier sind halt alle das ganze Jahr über ein bisschen verrückt – da braucht es wohl keine Extrawoche …“

Daraufhin erzählte er mir einen Witz, den er nun neu gelernt habe:

„Wenn in München alle besoffen sind und komische Klamotten tragen, dann ist klar: Oktoberfest!
Wenn in Köln alle seltsame Klamotten tragen und einen im Tee haben, dann ist klar: Es ist Karneval!
Wenn in Berlin alle blau sind und sich in bescheuertem Outfit auf die Straße trauen, dann ist klar: Es ist Wochenende!“

Ja, so ist es wohl. 🙂

Religionskritik anhand von 72 Jungfrauen

Der Fahrgast war etwas älter als ich und überraschte mich etwas mit seiner ersten Frage nach ein bisschen Smalltalk:

„Denkst, ich bin Moslem, oder?“

„Hab ich bisher nicht drüber nachgedacht. Biste einer?“

„Weiß nicht. Nicht so richtig, glaub ich. Also meine Familie schon mehr so, aber ich, nee …“

So weit, so seltsam die Themenwahl. Davor hatten wir es ungelogen übers Wetter. Wie er auf die Religion kam, kann ich nicht nachvollziehen. Und dann folgte ein Monolog, den ich als Atheist nicht besser hinbekommen hätte:

„Weißt Du, manche glauben ja zum Beispiel auch an die Geschichte mit den 72 Jungfrauen. Ich mein‘, sind die noch ganz knusper? Was für’n Stress! Jetzt mal ehrlich, wenn Du mal in einer längeren Beziehung warst, dann weißt Du, das wird was mit dem Sex, dann passt das irgendwann. Nicht mehr nur dieses Rein-raus, dieses Gerammel wie Kraftsport, sondern mehr so gut, weißt Du? Und dann nochmal alles von vorne? Der ganze Mist, alles wieder neu lernen mit Frauen, die noch gar keine Ahnung haben? Und dann auch noch 72 davon!? Ey, das hat doch mit Paradies nix zu tun, das ist ganz klassisch das, was ich mir unter einer Hölle vorstelle!“

Ja, vielleicht sollte er dann wirklich von einer religiösen Überzeugung Abstand nehmen, die dergleichen verspricht … 😉

Wenn die Fahrgäste bewerten

Ich fahre ja derzeit nicht für irgendeine App, die den Kunden eine schnelle Online-Bewertung erlaubt. Und obwohl natürlich jeder für sich eine Dienstleistung wie eine Taxifahrt bewertet, kriegt man’s auf der anderen Seite halt nur selten mit. Vielleicht mal ein Lob ganz am Ende, mehr aber halt auch nicht.

Und nun stand der Fahrgast da, während ich vorrückte. Ich sprang gleich raus, um den Kofferraum aufzumachen.

„Ach kiek, nu isser bis zu mir vorjefahr’n!“

Ich hab den Kofferraum aufgemacht.

„Wow, na Platz is‘ mal jenuch.“

Wir sind eingestiegen.

„So, hoher Einstieg is‘ auch schon mal jut!“

„Wo soll’s denn hingehen?“

„Graefestraße, kennste?“

„Sicher. Oberer oder unterer Teil?“

„Na dit wird ja immer besser hier!“

Der war offenbar ernsthaft angetan. Da hätte ich wohl auch auf dem Bildschirm die 5 Sterne bekommen. 🙂

Richtig gut war dann aber, was nach dem Bezahlen noch kam:

„Sach ma‘, brauchste Silber? N‘ Zehner könnt‘ ick dir kleinwechseln.“

„Das wäre natürlich hervorragend. Nett, dass Sie fragen!“

„Na hör ma! Man kann ja wohl mal kostenfrei mitdenken. Am Ende kommt’s auf uns alle an!“

Ich gebe also auch 5 Sterne. 😉

Clubs zum Davonrennen?

Sisyphos, 3.15 Uhr.

Zwei junge Leute steigen ein und einer der beiden fragt:

„Reichen 7 € bis zum S-Bahnhof Rummelsburg?“

„Sicher. Selbst zum Ostkreuz kostet es nur 6,80 €.“

„Na dann zum Ostkreuz! Je weiter weg, desto besser!“

„Mal gucken, wo Du dann anhälst …“

Es gibt Spaßvögel da draußen … man glaubt es manchmal gar nicht.

Die Fahrt war extrem kurz, im wahrsten Sinne nur einmal ums Eck wollte der reichlich stramme alte Kerl. Er war mühsam und nicht eben zielstrebig auf mein Taxi zugetorkelt und fiel mit einem lauten Ächzen in den Sitz.

„Enlm!“

„Was bitte?“

„Engeldamm, hab ich doch gesagt!“

Ich hab das mal so stehen lassen und bin losgefahren.

„Na ma‘ kieken, ob ick nich‘ einschlaf untawegs!“

„Ach, bei den paar Sekunden bin ich optimistisch.“

„Wenn, dann kannste einfach weiterfahren. Mal gucken, wo Du dann anhälst …“

Keine schlechte Idee, die Fahrt ein wenig zu verlängern. Also für mich. Für ihn … aber egal.

„HAHA, WAR NUR SPASS, VERSTEHSTE!?“

Inzwischen waren wir im Engeldamm.

„Wo soll ich denn jetzt genau halten?“

„Hab doch gesagt: Fahr hin, wo Du willst. HAHA, SPASS MEIN LIEBER! Da vorne is‘ ok.“

Ich glaube, arg viel weiter hätte ich den Spaß auch kaum ausgehalten …