Wenn Fahrgäste philosophische Erkenntnisse haben

oder das, was sie dafür halten.

„Nee, jetzt mal ohne Scheiß: Is’n netter Abend gewesen. Aber ich hab zu viel gesoffen … ich wunder mich ja schon, was ich in meinem Alter noch wegstecken kann.“

„Na dann isses doch gut jetzt. Jeder Tag braucht mal ein Ende.“

„Du sagst es! Und war ja auch nicht leicht. Sorry, ich bin heute ein bisschen philosophisch drauf und ich muss schon sagen: Ich war ganz schön stressig heute!“

„Andere hätten’s auf andere Leute geschoben …“

„Ja, aber nee, so bin ich nicht. Ich bin mehr so philosophisch drauf. Ich hab Gott und die Welt zugelabert und war richtig anstrengend, das kannste mir glauben!“

[…]

„Was kriegste jetzt von mir?“

„9,80 €.“

„Na, dann mach mal zwölfe! Hast ja jetzt auch mich mit meiner philosophischen Art ertragen müssen. Aber jetzt haste wieder freie Fahrt! Ich quatsch‘ jetzt erstmal meine Frau und meine Kinder zu!“

Da musste ich um 3.30 Uhr nachts dann doch ein wenig schmunzelnd viel Spaß wünschen. Auf, äh, philosophische Art und Weise … 😉

Der Nachteil von getrennt ausgewiesenen Zuschlägen

Fällt bei einer Taxifahrt ein Zuschlag (für bargeldlose Zahlung, mehr als 4 Kunden oder die Flughafengebühr z.B.) an, werden diese am Taxameter extra angezeigt. Mit einem Knopfdruck kann man das Ganze zwar addieren, aber der Gesamtpreis wird nur kurz angezeigt. Danach springt „die Uhr“ wieder in den üblichen Modus, bei der die beiden Zahlen (Fahrpreis und Zuschläge) untereinander angezeigt werden.

Und Kunden lesen nur eine der Zahlen. Immer!

Nun hatte ich eine Fünfertruppe, entsprechend fielen 1,50 € an Zuschlägen an. Alltag. Die Kunden sammelten den Fahrpreis zusammen, keiner hatte einen Überblick. Auch Alltag. Und so kam es dann, dass die letzte im Bunde ihren Obolus entrichtete und folgendes anfügte:

„Ich hab auch noch etwas Trinkgeld dazugepackt.“

„Wieviel Trinkgeld denn?“,

fragte ein Mitreisender. Die Frau antwortete ehrlich:

„Keine Ahnung. Aber jetzt nicht nur 10 Cent.“

„Wieviel Trinkgeld haben Sie denn jetzt bekommen?“,

fragte er alsbald mich. Und ich war auch ehrlich:

„Ich trau’s mich kaum zu sagen, aber … 10 Cent.“

Immerhin gab’s dann noch Nachschub. 😀

Difficult Language

„Sekelesiske Seteraße.“

„Schlesische Straße?“

„Yeah, right!“

„Difficult word …“

Komisch an der Fahrt war, dass damit die Unterhaltung schon zu Ende war. Hat aber vielleicht auch einfach ein bisschen zu schwierig angefangen … 😉

Liebling, ich habe die Stadt geschrumpft!

Ich war auf dem Heimweg. Also besser gesagt: Auf dem Weg zum Abstellplatz des Autos, in dem Fall unsere Firma in Niederschöneweide. Die Schicht war mies, ich war krank … aber natürlich hab ich die Fackel angelassen. Wenn noch eine Tour kommen sollte, dann würde ich sie halt fahren. Man nimmt halt mit was geht, an einem anderen Tag wartet man eine Stunde darauf …

Und so kam es, dass mich am Treptower Park zwei Männer rangewunken haben. Das Fahrtziel war, für eine spontane Winkertour, bemerkenswert:

„Brings‘ uns nach Lichtenrade?“

Ich war ernsthaft sprachlos. Einen Zwischenhalt mit deutlichem Umweg dorthin gab es auch noch. Wow! Eine Tour mit fast 20 Kilometern Fahrtstrecke, fast 30 € Umsatz … oder um es mit den Worten meiner Fahrgäste zu sagen:

„Einfach am Dammweg rechts, sin‘ vielleicht zwei, drei Kilometer Luftlinie …“

Manchmal muss man um weniger Geld betteln

Der Plan ging voll auf: Statt einfach weiter die Prenzlauer Allee gen Süden in Richtung Innenstadt zu brezeln, bin ich auf Winkersuche in die Danziger abgebogen. Und siehe da, nach nur zweihundert Metern, an der Ecke Winsstraße, winste winkte es.

Ein reichlich alkoholisierter Mittvierziger stieg ein und bedeutete mir, nach rechts abzubiegen. Kaum, dass ich das getan hatte, meinte er:

„Thule 13!“

„Ähm, meinen Sie die Thulestraße?“

„Thule 13!“

Man sehe mir bitte nach, dass ich unsicher war, ob es noch eine Thulechaussee oder eine Kneipe namens Thule13 gab! Also fragte ich abermals nach:

„Sie meinen die Thulestraße zwischen Schönhauser und Prenzlauer?“

„Ja.“

„Gut, dann fahre ich also gleich wieder rechts und dann auf die Prenzlauer …“

„Nee nee, fahr mal geradeaus!“

„Ähm, das ist aber die komplett falsche Richtung!“

„Nee, fahr mal, ich zeig’s Dir dann!“

„Die Prenzlauer Allee läuft hier parallel und wir fahren Richtung Süden. Die Thulestraße ist aber nördlich von hier.“

„Na, fahr einfach mal. Wenn Du’s nicht kennst, zeig ich Dir’s!“

„Ich kenne die Thulestraße und ich hätte eine Bitte: Dürfte ich ab jetzt in die richtige Richtung fahren?“

„Ach, Du machst das schon … ich weiß doch eh nicht, wo ich hier bin!“

„Danke!“

Seien wir nicht albern: Ich hab die 800 Meter Umweg bis dahin gerne mitgenommen. Ist schließlich schnell und sicher verdientes Geld. Und ich hab bei dem Kerl keine Sorge gehabt, dass ich es bekommen würde (gab am Ende auch gutes Trinkgeld) – aber wie hätte das weitergehen sollen? Noch einen Kilometer in die falsche Richtung, noch zwei oder fünf? Und wer wäre der Arsch gewesen, wenn die Fahrt nachher wirklich 20 oder 30 € statt der eigentlichen 10 gekostet hätte?

Nee, zusätzliches Einkommen in allen Ehren – aber dann doch lieber als Tip mit einem „Boah Fuck, wir sind ja schon da!“ 🙂

BAAAAAART!

„HE HAS A BEARD! OUR CABDRIVER HAS A BEARD! A WONDERFUL BEARD! WHAT DID HE DO TO HIS BEARD TO LOOK THAT GREAT?“

„Sorry, our friend’s into some kind of beard fetish …“

Da wäre ich ja nach der gesungenen Arie auf meinen Bart nie drauf gekommen. 😉

Where did you suck?

Ich hab schon öfter geschrieben, dass ich das Radio meistens aus habe, wenn Kundschaft an Bord ist. Das hat nicht nur rationale Gründe. Natürlich stört Musik bei der Unterhaltung, natürlich trifft sie vielleicht nicht immer den Geschmack von Kunden … vor allem aber mache ich meine eigene Musik meist aus, weil ich das für eine private Sache halte. Wenn ein Kunde – zu dem ich erst einmal eine rein geschäftliche Beziehung habe – gleich mit meiner Musik konfrontiert wird, hat er unter Umständen ein Bild von mir, das ich in dem Moment nicht haben möchte. Selbst wenn es vielleicht realistisch sein sollte. Zudem enthalten gerade die Sampler, die ich oft im Auto höre, eine so bunte Mischung, dass alles zusammen kaum jemand außer mir gefallen dürfte.

Da mag jemand ja auch gerne wie ich Metallica hören, aber wenn danach auf der CD erst Joint Venture und anschließend Atari Teenage Riot laufen, ändert sich die positive Stimmung doch recht zuverlässig.

Nun sind Fahrgäste aber eben ein aufmerksames Pack. 😉

Denn wenn ich eine mp3-CD im Player hab, werden die aktuellen Titel eben auch im Display des Radios angezeigt. Zumindest mal so weit, wie es die Auflösung zulässt. Und so kam dann folgende Frage auf:

„Hey, da steht ‚Where did you s …‘, was heißt das?“

„Where did you suck!?“,

warf seine Begleiterin auf der nur eine Kurzstrecke umfassenden Fahrt ein.

Nach zwei Fragerunden hab ich mich erbarmt, das Radio laut gestellt und auf die fragenden Gesichter im Rückspiegel geachtet.

„Uh, Singer-Songwriter …“

Sie waren meinem Alter nicht so fern, also hab ich einen Tipp gegeben:

„Naja … war in den Neunzigern mal ziemlich populär …“

Sie haben’s noch vor dem Piepsen des Taxameters rausgefunden. 🙂

Ich hab das Lied erst etliche Jahre nach dem Tod von Kurt Cobain kennengelernt. Nachts im Wald an einem Lagerfeuer, so wie es sich gehört.